Solarpunks, Insektenmehl und ein falscher Glottisschlag
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Eine seltene Live-Ausgabe, bei der alle drei Hosts gemeinsam auf der Bühne stehen und eine Stunde lang Gegenwartscheck mit dem Publikum spielen — jenes Spiel, bei dem ein Phänomen erst dann zählt, wenn es nicht nur neu ist, sondern auch etwas über den Zeitgeist verrät. Von Solarpunks über Insektenmehl bis zum falschen Glottisschlag wird alles verhandelt, was die Gegenwart so gegenwärtig macht.
„Man greift ein Phänomen auf, von dem man glaubt, dass es erst jüngsten Datums ist, dass es erst ganz neu in der Welt ist — und dass die Tatsache, dass es dieses Phänomen jetzt gibt, auch etwas darüber aussagt, wie wir ticken, wie wir leben in dieser Gegenwart.“
Erwähnte Medien (6)
Six Feet Under
Alan Ball
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:28:01 „Ich dachte, es gäbe noch mehr Fans der Serie, die vor 15 Jahren mal absolut angesagt war. Nine Feet Under hieß die? Six Feet Under. Oh, ja, ja. Es fehlt dann immer mal ein praktisches Six Feet Under über ein familiengeführtes Bestattungsunternehmen in Kalifornien.“
Ijoma Mangold stellt das Thema Grabpatenschaft als neues Gegenwartsphänomen vor und versucht, über die Serie Six Feet Under einen popkulturellen Anknüpfungspunkt zum Thema Bestattungskultur herzustellen. Er erinnert sich allerdings falsch an den Titel und wird korrigiert.
37 Grad
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:31:27 „Es gibt so 20, 37 Grad Reportagen von irgendwie Leuten, die sagen, ich möchte aber nur auf dem Bodensee in der Seebestattung auf einem schwimmenden Schwan-Tretboot bestattet werden oder so. Also diese Geschichten, irgendwie habe ich da zu viele von gehört.“
Lars Weisbrod begründet, warum ihn das Thema Bestattungskultur nicht mehr als Gegenwartsphänomen überzeugt. Er verweist auf die ZDF-Dokumentationsreihe 37 Grad als Beispiel dafür, dass das angebliche Tabuthema Tod im Infotainment längst ausgereizt sei.
Die orange Pille
Ijoma Mangold
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:49:40 „Ich finde, er ist so erkennbar ein Techie, dass die Tüte, wo mein Buch zum Bitcoin drin ist, bei ihm in den richtigen Händen sein dürfte.“
Ijoma Mangold verschenkt sein eigenes Bitcoin-Buch als Teil des Goodie-Bags an einen Zuschauer
Artikel über die Rückkehr des Schlankheitsideals
Sophie Passmann
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:14 „Also wir hatten ja auch, Sophie Passmann hatte doch bei uns geschrieben über die Rückkehr oder dass es nie weg war und verlogen ist und sowas und die Mode das nur macht, wenn es halt gerade angesagt ist und sobald die Kardashians nicht mehr machen, wieder zurück geht.“
Als eine Zuschauerin den Widerspruch zwischen Body Positivity und der Rückkehr des Schlankheitsideals durch die Kardashians anspricht, verweist Nina Pauer auf einen bereits erschienenen Text von Sophie Passmann bei der ZEIT, der genau dieses Thema – die Scheinheiligkeit der Modeindustrie beim Thema Körperideale – behandelt hat.
Artikel über die Rückkehr von Körpertrends in der Mode
Sophie Passmann
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:14 „Also wir hatten ja auch, Sophie Passmann hatte doch bei uns geschrieben über die Rückkehr oder dass es nie weg war und verlogen ist und sowas und die Mode das nur macht, wenn es halt gerade angesagt ist und sobald die Kardashians nicht mehr machen, wieder zurück geht.“
Im Kontext einer Diskussion über Körperideale und Modetrends verweist Nina Pauer auf einen Artikel, den Sophie Passmann für die ZEIT geschrieben hat. Passmann argumentierte darin, dass bestimmte Körpertrends in der Mode nie wirklich verschwunden seien und die Branche sie nur aufgreife, wenn sie gerade populär sind – etwa durch die Kardashians.
Die Frage nach der Technik
Martin Heidegger
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:59:13 „Früher habe ich mal Heidegger gelesen und ich weiß nicht, vielleicht ist hier ja unter uns ein Hardcore-Heideggerianer oder Heideggerianerin. Da geht es doch immer um das G-Stell. Das Gestell ist meiner Meinung nach etwas, wie der Mensch die Technik in die Natur stellt, um das Seiende zu entbergen.“
Nina Pauer bringt Heideggers Technikphilosophie ins Spiel, um ihr Gefühl der 'Solarbefriedigung' philosophisch einzuordnen. Sie fragt sich, ob Heidegger das Verhältnis von Mensch, Solartechnik und Natur als Versöhnung oder als problematisches 'Gestell' deuten würde – lässt die Frage aber bewusst offen.