Die sogenannte Gegenwart – Kann man auf Deutsch vom Krieg erzählen
#059

Kann man auf Deutsch vom Krieg erzählen

Die sogenannte Gegenwart / 20. Februar 2023 / 11 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Anlässlich der neun Oscar-Nominierungen für Edward Bergers Netflix-Film "Im Westen nichts Neues" nehmen sich Nina und Lars sowohl den Film als auch Erich Maria Remarques Roman von 1928 vor — und kommen zu einem klaren Urteil: Das Buch ist ein philosophisches Meisterwerk über das Menschsein im Krieg, während der Film ausgerechnet die zentrale Qualität der Vorlage verrät. Wo Remarque die Sinnlosigkeit des Sterbens durch Zufall und Kontingenz greifbar macht, baut der Film mit seinem erfundenen Elfter-November-Showdown und Pauls heroischem Opfertod eine konventionelle Erzählung, die genau das zerstört.

„Den Filmemachern fehlt der Sinn für Sinnlosigkeit — wenn ein Erzähler was anfasst, dann wird es eine Geschichte und die Sinnlosigkeit geht raus.“
🗣 Lars Weisbrod

Erwähnte Medien (11)

Im Westen nichts Neues
Film

Im Westen nichts Neues

Erich Maria Remarque

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:12 „er basiert natürlich auf dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque von 1928“

Die literarische Vorlage des Films wird ausführlich besprochen und als stark beeindruckend empfohlen – beide Moderatoren haben es für die Folge nochmals gelesen

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Im Westen nichts Neues
Film

Im Westen nichts Neues

Edward Berger

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:45 „Aber auch die Oscar-Verleihung, die baldige. Und der Film, über den wir sprechen wollen, heißt Im Westen nichts Neues. Und er basiert natürlich auf dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque von 1928. Und dieser Film ist für den Oscar nominiert.“

Der Film ist das zentrale Thema dieser Podcast-Folge. Nina Pauer und Lars Weisbrod besprechen die Netflix-Produktion von Regisseur Edward Berger, die für neun Oscars nominiert wurde – ein deutscher Rekord. Sie diskutieren ausführlich Handlung, Inszenierung und die Frage, ob der Ukraine-Krieg dem Film zu zusätzlicher Aufmerksamkeit verholfen hat.

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Das Boot
Film

Das Boot

Wolfgang Petersen

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:13:48 „Und neun Oscars, habe ich nochmal irgendwo gelesen, das ist der deutsche Rekord. Das übertrifft sogar interessanterweise den alten Rekordhalter Das Boot, auch ein deutscher Kriegsfilm, der international sehr erfolgreich war.“

Lars Weisbrod erwähnt 'Das Boot' als bisherigen deutschen Rekordhalter bei Oscar-Nominierungen, um die historische Dimension der neun Nominierungen für 'Im Westen nichts Neues' einzuordnen. Beide Filme sind deutsche Kriegsfilme mit internationalem Erfolg.

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Bad Banks
Serie

Bad Banks

Christian Schwochow

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:21 „Genau, den Adam in Bad Banks, den ich da schon ganz toll fand und hier wirklich auch nochmal herausragend gut fand.“

Nina Pauer erwähnt die TV-Serie 'Bad Banks', um den Schauspieler Albrecht Schuch einzuordnen, der dort die Rolle des Adam spielte. Sie nutzt die Referenz, um seine schauspielerische Leistung in 'Im Westen nichts Neues' als Steigerung zu würdigen.

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SWR-Podcast zu Im Westen nichts Neues
Podcast

SWR-Podcast zu Im Westen nichts Neues

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:29:33 „es gibt einen schönen SWR-Podcast auch zu dem Thema, wo so Experten und Expertinnen zusammensitzen. Den können wir mal verlinken.“

Ein SWR-Podcast mit Historikern zum Thema Im Westen nichts Neues wird als informativ empfohlen

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Dark
Serie

Dark

Baran bo Odar

🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:37:01 „Würde ich einfach sagen, also das kenne ich seit Christopher Nolan Batman-Filme macht und wer drei Staffeln Dark gesehen hat, wo das in jeder Szene ist, nimmt halt diese Art von Wummerdröhnen nicht mehr ernst.“

Ijoma Mangold kritisiert das Sounddesign des Films als generisches Gegenwartsmerkmal. Er nennt die Serie Dark als Beispiel für das inflationär eingesetzte elektronische Dröhnen und Wummern, das ihn mittlerweile kaltlasse. Die Serie dient als Beleg dafür, dass dieses Stilmittel abgenutzt ist.

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Batman-Filme
Film

Batman-Filme

Christopher Nolan

🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:37:01 „Würde ich einfach sagen, also das kenne ich seit Christopher Nolan Batman-Filme macht und wer drei Staffeln Dark gesehen hat, wo das in jeder Szene ist, nimmt halt diese Art von Wummerdröhnen nicht mehr ernst.“

Mangold verortet den Ursprung des elektronischen Wummer-Sounddesigns bei Christopher Nolans Batman-Filmen. Er nutzt sie als Referenzpunkt, um zu zeigen, dass das Klangkonzept des Im-Westen-nichts-Neues-Films unoriginell und abgenutzt sei – ein bloßes Gegenwartsmerkmal, das man in 30 Jahren als Zeitstempel erkennen werde.

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Familien im Ersten Weltkrieg
Doku

Familien im Ersten Weltkrieg

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:49:45 „Ich glaube Arte hatte mal ein ganz tolles Projekt vor ein paar Jahren, wo sie so Familien so reenacted haben, so Familien, deutsche Familien, französische Familien, wie so alle ihre Jungs in die Schlacht schicken oder in diesen heroischen Krieg, vermeintlich heroischen Krieg schicken.“

Pauer erinnert sich an ein Arte-Projekt, das Familien verschiedener Nationen im Ersten Weltkrieg nachgestellt hat. Sie nutzt die Referenz als Beleg dafür, dass die Kriegsbegeisterung 1914 kein spezifisch deutsches Phänomen war – und damit der Anspruch der Filmemacher, einen spezifisch deutschen Blick zu zeigen, nicht eingelöst werde.

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Arte-Projekt über Familien im Ersten Weltkrieg
Doku

Arte-Projekt über Familien im Ersten Weltkrieg

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:50:18 „ich glaube Arte hatte mal ein ganz tolles Projekt vor ein paar Jahren, wo sie so Familien so reenacted haben, so Familien, deutsche Familien, französische Familien“

Ein Arte-Dokumentationsprojekt über Familien verschiedener Nationen im Ersten Weltkrieg wird als Vergleich zur Kriegsbegeisterung erwähnt

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War (What Is It Good For)
Musik

War (What Is It Good For)

Edwin Starr

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:56:46 „Es gibt es ja, also von den großen Songs, what is it good for? Absolutely nothing. Das ist die Message, die Sinnlosigkeit des Krieges. Und das ist ja auch Remarques große Botschaft.“

Mangold zitiert den berühmten Anti-Kriegs-Song beiläufig, um zu illustrieren, dass die Betonung der Sinnlosigkeit von Krieg ein etablierter kultureller Topos ist – keine Erfindung heutiger Pazifisten oder Sahra Wagenknechts. Er ordnet Remarques Botschaft in diese Tradition ein.

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Saving Private Ryan
Film

Saving Private Ryan

Steven Spielberg

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:58:00 „Wenn man auch diese gegenwärtigen Debatten nimmt, dann muss ich schon oft an vor allem die Eröffnungssequenz von Spielbergs Saving Private Ryan, der Soldat James Ryan, denken. Vielleicht für unsere Generation, weil es natürlich so ein Mega-Blockbuster war, so für mich ein prägender Kriegsfilm.“

Mangold zieht Spielbergs Film als Vergleich heran, um zu zeigen, wie Sinnlosigkeit im Kriegsfilm gelingen kann. Selbst dort, wo der Krieg der Alliierten offensichtlich gerechtfertigt sei, gelinge es Spielberg in der Omaha-Beach-Eröffnungssequenz zu zeigen, dass der Tod für den einzelnen Soldaten trotzdem kein heroischer, sinnhafter Tod ist. Diese Ambiguität vermisst Mangold in der Remarque-Verfilmung und wünscht sie sich für die Gegenwartsdebatten über Krieg.

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