Die sogenannte Gegenwart – Macht Vollzeit unser Leben kaputt
#056

Macht Vollzeit unser Leben kaputt

Die sogenannte Gegenwart / 09. Januar 2023 / 20 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Anhand von Theresa Bückers Buch "Alle Zeit" diskutieren die drei, warum Zeit kein privates Organisationsproblem ist, sondern eine zutiefst politische Frage: Wer kann es sich leisten, Vollzeit zu arbeiten, und wer bleibt mit Care-Arbeit, Mental Load und Zeitarmut zurück? Bücker fordert eine Reduktion der Lohnarbeitszeit und stellt die 5-Tage-Woche grundsätzlich infrage — nicht als Lifestyle-Tipp, sondern als feministische Notwendigkeit.

„Zeit ist ein immanent politisches Thema, vielleicht sogar das politische Thema unserer Gegenwart, an dem sich alle Befreiungsbewegungen wie der Feminismus letztlich abarbeiten müssen.“
🗣 Lars Weisbrod

Erwähnte Medien (20)

Alle_Zeit
Buch

Alle_Zeit

Teresa Bücker

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:01:03 „Wir haben ein Buch gelesen und zwar das Buch von Theresa Bücker mit dem Titel Alle Zeit und darum geht es um unser heutiges Thema, nämlich um Zeit, also unsere Lebenszeit und wie wir die alle aufteilen in verschiedene Tätigkeiten und Kontexte, die wir mit Erwerbsarbeit verbringen, mit kleinen Kindern, mit großen Kindern, mit pflegebedürftigen Angehörigen.“

Das Buch ist das Hauptthema der Episode. Theresa Bücker argumentiert darin, dass Zeit ein zutiefst politisches Thema ist und dass strukturelle Zeitarmut – besonders bei Frauen, Familien und Care-Arbeitenden – durch politische Reformen bekämpft werden muss. Nina Pauer und Lars Weisbrod haben es gemeinsam gelesen und diskutieren Bückers Thesen zu Zeitgerechtigkeit, Care-Arbeit und der Frage, ob wir zu viel Zeit mit Lohnarbeit verbringen.

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Glass Onion
Film

Glass Onion

Rian Johnson

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:10:56 „es gibt gerade einen Film von dem Regisseur Rian Johnson, der vor allem so in den letzten Wochen sehr viel auf Twitter besprochen wurde, der heißt Glass Onion“

Lars nutzt die zentrale Metapher des Films – die Glaszwiebel – als Bild für die durchsichtige Scheinkomplexität der Gegenwart

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Glass Onion: A Knives Out Mystery
Film

Glass Onion: A Knives Out Mystery

Rian Johnson

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:11:38 „Und zwar gibt es gerade einen Film von dem Regisseur Rian Johnson, der vor allem so in den letzten Wochen sehr viel auf Twitter besprochen wurde, der heißt Glass Onion. Mir geht es eher um die zentrale Metapher in diesem Film, die ich einfach mal rausschneide und nur kurz nacherzähle.“

Lars Weisbrod bringt den Film als Gegenwartscheck-Vorschlag ein. Ihn interessiert weniger der Film selbst als die zentrale Metapher der Glaszwiebel: Unsere Gegenwart tue so, als hätte sie komplexe Schichten, sei aber in Wahrheit durchsichtig und banal – von Rechtspopulisten bis Kryptowährungen. Nina Pauer gibt ihm dafür allerdings keinen Punkt.

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Wednesday
Serie

Wednesday

Tim Burton

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:13:07 „Also ich meine, du hattest das ja letztens mal versucht bei Ijeoma, eine neue Serie, Wednesday, glaube ich, als Gegenwart, einfach eine neue Serie.“

Nina Pauer erwähnt die Serie Wednesday nur beiläufig als Rückverweis auf eine frühere Episode, in der Lars Weisbrod die Serie als Gegenwartsphänomen vorgeschlagen hatte. Es wird inhaltlich nicht weiter darauf eingegangen.

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Glass Onion (Beatles-Song)
Musik

Glass Onion (Beatles-Song)

The Beatles

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:13:25 „das Wort, glaube ich, aus einem Beatles-Song kommt“

Lars verweist darauf, dass der Filmtitel Glass Onion ursprünglich von einem Beatles-Song stammt

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Glass Onion
Musik

Glass Onion

The Beatles

🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:03 „Was für dich sprechen würde, ist, dass das Wort, glaube ich, aus einem Beatles-Song kommt.“

Lars Weisbrod merkt an, dass der Titel des Films 'Glass Onion' ursprünglich von einem Beatles-Song stammt. Es wird nur kurz als Herkunft des Begriffs erwähnt, nicht weiter inhaltlich besprochen.

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Bücher über Kindererziehung (Jesper Juul)
Buch

Bücher über Kindererziehung (Jesper Juul)

Jesper Juul

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:17:37 „Mir fällt dann immer bei diesem, ich hab's gesehen, ein Jasper Juhl, der diese tollen Bücher über Kindererziehung geschrieben hat, der hat ja auch mal gesagt, man soll dem Kind auf der Rutsche sagen, ja, ich sehe dich. Und nicht so, ja, toll. Also nicht so eine Bewertungsleiche.“

Nina Pauer erinnert sich an einen Ratschlag aus einem Buch des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul: Man solle Kinder nicht ständig loben, sondern ihnen neutral signalisieren, dass man sie sieht. Sie zieht die Parallele zum WhatsApp-Phänomen des Nachricht-Likens als 'Ich sehe dich'-Geste. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt.

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Kolumne in der SZ / SZ Magazin
Artikel

Kolumne in der SZ / SZ Magazin

Theresa Bücker

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:19:14 „Man kennt Theresa Bücker vielleicht inzwischen am besten, wenn man sie dann kennt, von ihrer Kolumne in der SZ oder ich glaube auf SZ Magazin Online“

Lars beschreibt Theresa Bückers Kolumne, die mit der wiederkehrenden Frage 'Ist es radikal, so zu denken?' beginnt

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Ist es radikal ...? (Kolumne im SZ Magazin)
Artikel

Ist es radikal ...? (Kolumne im SZ Magazin)

Theresa Bücker

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:19:52 „Man kennt Theresa Bücker vielleicht inzwischen am besten, wenn man sie dann kennt, von ihrer Kolumne in der SZ oder ich glaube auf SZ Magazin Online oder im SZ Brand Kosmos. Dort erzählt sie ja von im weitesten Sinne feministischen und anderen, ich sag mal, emanzipatorischen Ideen. Und diese Kolumne beginnt aber immer mit der Frage, ist es radikal, so zu denken, ist es radikal, das zu tun?“

Lars Weisbrod stellt Theresa Bückers regelmäßige Kolumne im SZ Magazin vor, in der sie scheinbar radikale Vorschläge aus der Lebenswelt unterbreitet – etwa ob es radikal sei, keine Karriere zu machen oder alle Care-Arbeit selbst zu erledigen. Die Kolumne wird als Kontext für Bückers publizistisches Profil herangezogen.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Buch

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Vereinte Nationen

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:23:07 „Sie zitiert mehrfach die Erklärung der Menschenrechte, in der das Recht auf freie Zeit festgeschrieben ist und appelliert, wir brauchen unbedingt mehr Zeitgerechtigkeit.“

Nina Pauer erwähnt, dass Theresa Bücker in ihrem Buch 'Alle_Zeit' die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte heranzieht, um zu belegen, dass das Recht auf freie Zeit ein fundamentales Menschenrecht ist. Dies dient als Argument für ihre Forderung nach mehr Zeitgerechtigkeit.

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📖
Buch

Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:26:51 „Die Titel sind dann auch von diesen Mental-Lord-Büchern. Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles“

Nina erwähnt den Buchtitel als Beispiel für die wachsende Ratgeberliteratur rund um Mental Load

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Mittagsstunde
Film

Mittagsstunde

Lars Jessen

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:36:49 „Ja, ich habe diesen Film gesehen, Mittagsstunde von Dörte Hansen, der gerade im Kino läuft und da musste ich an dieses, weil ich auch mit der Theresa-Bücker-Brille durch die Welt gegangen bin und da geht es ja darum, dass ein Professor Charlie Hübner aufs norddeutsche, glatte Land wieder zurückgeht in sein kleines Dorf, um seine alten Eltern zu pflegen.“

Nina Pauer erwähnt den Kinofilm Mittagsstunde als Illustration zu Bückers Thesen über Care-Arbeit. Im Film nimmt sich ein Professor ein Sabbatical, um seine alten Eltern auf dem Land zu pflegen. Pauer nutzt den Film, um die Widerspenstigkeit und Unsichtbarkeit von Pflegearbeit anschaulich zu machen – parallel zur Betreuung kleiner Kinder.

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Die sind wie Plankton
Artikel

Die sind wie Plankton

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:43:46 „Mir fehlen zwei Artikel, die wir in der Zeit hatten. Auch ein, einer war im Wirtschaftsteil. Ich habe mir den Titel irgendwie gemerkt, weil er so toll ist. Die sind wie Plankton, da ging es um eben neue Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihren Chefs diktieren, wie sie wann arbeiten wollen.“

Nina Pauer erinnert sich an einen ZEIT-Artikel aus dem Wirtschaftsteil mit dem Titel 'Die sind wie Plankton'. Der Artikel handelt von einer neuen Generation von Arbeitnehmerinnen, die ihren Chefs klare Grenzen setzen – etwa keine Dienstreisen am Wochenende. Pauer sieht darin eine Bestätigung von Bückers These, dass sich das Verhältnis zur Arbeitszeit generationell verschiebt.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Bullshit Jobs
Buch

Bullshit Jobs

David Graeber

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:08 „Das ist ja wirklich ihr Hauptpunkt. Alle sollen weniger arbeiten. ...in der Folge, wo wir über Bullshitjobs geredet haben damals.“

Nina Pauer verweist auf eine frühere Podcast-Folge, in der über Bullshit Jobs gesprochen wurde. Der Verweis dient als Verbindung zum aktuellen Thema der veränderten Einstellung zur Lohnarbeit, insbesondere bei jüngeren Generationen.

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Glück statt Geld
Buch

Glück statt Geld

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:44:14 „Eine Kollegin hat mal ein Buch geschrieben, Glück statt Geld, wo es darum geht, dass die immer mehr Ansprüche haben an ihre Lebenszeit und eben nicht nur Führungspositionen und geile Bezahlungen und immer mehr Arbeiten toll ist, sondern dass das Ideal eher ist, auch mal ein Sabbatical zu nehmen, nur vier Tage die Woche zu arbeiten.“

Nina Pauer erwähnt ein Buch einer ZEIT-Kollegin über die veränderten Ansprüche der Millennial-Generation an Arbeit. Das Buch beschreibt den Wandel weg vom klassischen Karriereideal hin zu mehr Freizeit, Sabbaticals und Teilzeit. Pauer ordnet es in den Kontext von Bückers These ein, dass Menschen insgesamt weniger arbeiten wollen.

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Stell dir vor, es ist Arbeit und keiner geht hin
Artikel

Stell dir vor, es ist Arbeit und keiner geht hin

Anita Blasberg

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:44:31 „Und Anita Blasberg, ebenfalls eine Kollegin von uns, hat einen Text über Quiet Quitting, was ich fast im Gegenwartscheck genannt hätte, weil darüber gibt es jetzt immer mehr Artikel diesen Herbst. Unter dem Titel Stell dir vor, es ist Arbeit und keiner geht hin.“

Nina Pauer empfiehlt einen ZEIT-Artikel ihrer Kollegin Anita Blasberg über das Phänomen Quiet Quitting. Der Text beschreibt, wie vor allem jüngere Menschen über TikTok und soziale Medien propagieren, nur das Nötigste bei der Arbeit zu tun und klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Pauer hätte das Thema fast als Gegenwartscheck der Folge gewählt.

Zum Artikel bei Falschzitate.blogspot.com
Mach es nicht selbst
Musik

Mach es nicht selbst

Tocotronic

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:47:05 „Ich persönlich war lange jemand, der Arbeitsteilung geheiligt hat. Mein Paradigma war der Tokotronix-Song, mach es nicht selbst. Ausgenommen, Selbstauslöschung geht es, glaube ich, weiter, ja.“

Ijoma Mangold zitiert den Tocotronic-Song als sein früheres persönliches Paradigma für Arbeitsteilung. Er beschreibt einen Wandel in seiner Haltung: Früher fand er es naheliegend, alles zu delegieren, mittlerweile versteht er besser, warum Selbermachen – ob Kochen oder einen Tisch bauen – zum Menschsein dazugehört.

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Ikigai
Buch

Ikigai

🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:50:49 „Ich weiß nicht, ob ich es richtig ausspreche, dass das Leben nicht nur ein Zentrum hat, dass man sagt, okay, Erwerbsarbeit, bis ich in Rente gehe und dann kommt die große Krise.“

Nina Pauer verweist auf das japanische Ikigai-Konzept, das aus Lifestyle-Magazinen bekannt geworden ist und sich mit der Frage beschäftigt, warum Menschen in Japan so lange leben. Sie nutzt es als Parallele zu Bückers These: Wer seinen Lebenssinn breit streut statt nur auf Erwerbsarbeit zu fokussieren, lebt erfüllter. Das Konzept ist eher als kulturelle Referenz denn als konkretes Buchzitat gemeint.

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Beschleunigung / Beschleunigung und Entfremdung
Buch

Beschleunigung / Beschleunigung und Entfremdung

Hartmut Rosa

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:58:06 „da fiel mir Hartmut Rosa ein, der Soziologe, der auch viel über Zeitsoziologie geschrieben hat und der geschrieben hat, wir sind ja in einer beschleunigten Gesellschaft“

Nina zieht Hartmut Rosas Theorie der Beschleunigung heran, um zu erklären, warum trotz Zeitgewinnen durch Technik ein Gefühl von Zeitnot entsteht

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Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne
Buch

Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne

Hartmut Rosa

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:59:47 „Da fiel mir Hartmut Rosa ein, der Soziologe, der auch viel über Zeitsoziologie geschrieben hat und der geschrieben hat, wir sind ja in einer beschleunigten Gesellschaft, also die Geschichte der Moderne ist eine Geschichte der Beschleunigung und wir haben einen Zeitgewinn.“

Nina Pauer bringt Hartmut Rosas Beschleunigungsthese als Ergänzung zu Bückers Buch ins Gespräch. Rosas zentrale These: Obwohl technischer Fortschritt uns mehr freie Zeit verschafft hat, empfinden wir diese als Zeitnot, weil die Steigerungsrate der Möglichkeiten die Beschleunigungsrate übersteigt – wir können nicht mehr 'lebensgesättigt sterben'. Lars Weisbrod zeigt sich beeindruckt und sagt, er müsse Rosa unbedingt lesen.

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