Selbst trans ist zu binär
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Diese Folge dreht sich um Kim de l'Horizons preisgekrönten Roman «Blutbuch», der gerade den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Schon bei der Anmoderation wird das zentrale Thema spürbar: Wie spricht man über eine non-binäre Person, wenn die gewohnten Pronomen nicht mehr greifen — und der französische Name auch noch Zungenbrecher-Potenzial hat?
„Wer das Buch gelesen hat, wird sprachlich keine Fehler mehr machen.“
Erwähnte Medien (17)
Blutbuch
Kim de l'Horizon
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:01:29 „Und zwar hast du ja versucht, genderneutral die Folge anzukündigen. Und das spielt eine große Rolle beim Blutbuch, dem, das kann man glaube ich wirklich mal sagen, aktuellen, wie heißt es dann immer, Buch der Stunde, Gewinner des Buchpreises gerade.“
Das Blutbuch von Kim de l'Horizon ist das zentrale Thema dieser Podcastfolge. Der Roman hat den Deutschen Buchpreis gewonnen und wird als autofiktionales Werk beschrieben, das Fragen von Geschlechtsidentität, Non-Binarität und der Macht von Kategorien verhandelt. Die Hosts diskutieren ausführlich die sprachlichen Herausforderungen beim Sprechen über das Buch und seine non-binäre Verfasserperson.
Azzlackz Stereotyp
Haftbefehl
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:49 „An sich gibt es den Begriff, ich glaube, durch Haftbefehl wohl eingeführt, schon seit einem halben Jahrzehnt, asoziale Kanacken.“
Ijoma Mangold erwähnt Haftbefehls Prägung des Begriffs 'Aslak' (asoziale Kanacken) im Rahmen seines Gegenwartschecks über die Praxis, provokante Wörter zu benutzen und dann mit dem Zusatz 'im empowernden Sinne' zu entschärfen. Lars Weisbrod korrigiert, dass das Album/der Song bereits vor zehn bis zwölf Jahren erschienen sei.
Aslak Stereotyp
Haftbefehl
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:04:17 „Aslak Stereotyp von Haftbefehl ist vor zehn Jahren, zwölf Jahren schon erschienen.“
Erwähnt im Gegenwartscheck als Ursprung des Begriffs Aslak (Asoziale Kanacken)
Artikel über die Ontologie der Feiertage
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:08:24 „Es gibt einen ganz tollen Text im amerikanischen marxistischen Magazin Jacobine, vor ein paar Jahren erschienen, wo jemand sich Gedanken darüber gemacht hat, über die Ontologie der Feiertage und was Weihnachten bedeutet, was Halloween bedeutet“
Lars zitiert einen Artikel aus dem Magazin Jacobin über die kulturelle Bedeutung von Feiertagen, insbesondere Halloween als Fest der säkularisierten Moderne
Artikel über die Ontologie der Feiertage (Halloween)
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:08:36 „Es gibt einen ganz tollen Text im amerikanischen marxistischen Magazin Jacobin, vor ein paar Jahren erschienen, wo jemand sich Gedanken darüber gemacht hat, über die Ontologie der Feiertage und was Weihnachten bedeutet, was Halloween bedeutet, auch im Abgleich zueinander.“
Lars Weisbrod empfiehlt einen Artikel aus dem marxistischen Magazin Jacobin, der eine kulturtheoretische Deutung von Halloween liefert: Halloween sei das Fest, das am besten in die säkularisierte Moderne passe, weil es das einstige Grauen feierlich-spielerisch als überwunden zelebriere. Weisbrod nennt diesen Gedanken jedes Jahr aufs Neue inspirierend.
Der Turm
Uwe Tellkamp
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:22:10 „Es gab auch sehr viel Aufmerksamkeit, als Uwe Tellkamp den Preis bekam, weil der so eine sächsische Winzermütze... trug.“
Historischer Vergleich zur Buchpreisverleihung, Tellkamps Preisverleihung als früheres mediales Ereignis
Harry Potter
J.K. Rowling
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:30:40 „Man merkt es vor allem ja auch in diesen Auseinandersetzungen um die Harry Potter Autorin J.K. Rowling.“
Mangold erwähnt J.K. Rowling im Zusammenhang mit den Debatten um Geschlechtsidentität und den sogenannten TERF-Diskurs. Die Autorin und ihr Werk dienen als Referenzpunkt für die gesellschaftliche Polarisierung, in deren Kontext auch Blutbuch verortet wird.
Roman von Hengameh Yaghoobifarah
Hengameh Yaghoobifarah
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:35:09 „Es erinnert mich ein bisschen an die Sprache einer anderen non-binären Person, Hengameh Yagubi Farah. Diese Person hat ja auch einen Roman geschrieben, über den du bei uns geschrieben hast, den du ganz gut fandest“
Sprachlicher Vergleich zwischen Kim de l'Horizons gegenwärtigem Sprachstil und dem Roman von Hengameh Yaghoobifarah
Ministerium der Träume
Hengameh Yaghoobifarah
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:38:52 „Es erinnert mich ein bisschen an die Sprache einer anderen non-binären Person, Hengameh Yagubi-Farah. Diese Person hat ja auch einen Roman geschrieben, über den du bei uns geschrieben hast, den du ganz gut fandest, wo dir die Sprache auch gefallen hat.“
Weisbrod vergleicht die gegenwartssprachliche Ebene in Blutbuch mit dem Debütroman von Hengameh Yaghoobifarah. Beide teilen eine von Anglizismen durchsetzte, gegenwartsbezogene Sprache. Mangold habe den Roman positiv besprochen, während Weisbrod selbst den 'Pomo-Academia-Sound' eher skeptisch sieht.
Die Wanderhure
Iny Lorentz
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:41:26 „und sehr viel so... ja, wir würden wahrscheinlich sagen, historische Trivial-Literatur über so Hexen, fast so die Wanderhure-mäßig gelesen hat.“
Lars Weisbrod beschreibt den Teil des Romans Blutbuch, in dem die Mutter der Erzählinstanz fiktionale Biografien der Frauen ihrer Familie verfasst hat. Er vergleicht deren Stil mit der populären historischen Romanreihe Die Wanderhure, um das Genre einzuordnen.
Infinite Jest
David Foster Wallace
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:44:02 „Er verknüpft es mit dem amerikanischen zu früh Verstorbenen sich umgebracht haben, den Schriftsteller David Foster Wallace. Infinite Jest ist sein berühmtestes Roman und Kim Lorison ruft ihn an als Vertreter einer New Sincerity, der versuchte, der Ironie der Postmoderne zu entkommen.“
Mangold erklärt, wie Kim de l'Horizon in Blutbuch David Foster Wallace als Vertreter der 'New Sincerity' heranzieht – jemanden, der versuchte, aus den vielen Schichten postmoderner Ironie auszubrechen. Das Motiv wird genutzt, um die Frage zu stellen, ob Blutbuch selbst sich durch seine Metareflexivität unangreifbar macht.
David (Skulptur)
Michelangelo
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:48:45 „Mir kam, schreibt Kim Lorison, mir kam die Sprache der Klassiker immer wie Michelangelos Marmordavid vor. Viel zu smooth, zu groß, zu männlich und viel zu weiß waren diese Davids immer.“
Mangold zitiert aus Blutbuch eine Passage, in der Kim de l'Horizon die Sprache der literarischen Klassiker mit Michelangelos David vergleicht – zu glatt, zu groß, zu männlich, zu weiß. Das Zitat illustriert die kulturkritische Haltung des Romans gegenüber der abendländischen Tradition.
David
Michelangelo
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:48:45 „Mir kam, schreibt Kim Lorison, mir kam die Sprache der Klassiker immer wie Michelangelos Marmordavid vor. Viel zu smooth, zu groß, zu männlich und viel zu weiß waren diese Davids immer.“
Mangold zitiert eine Passage aus Blutbuch, in der Kim de l'Horizon die Sprache der literarischen Klassiker mit Michelangelos David-Skulptur vergleicht — beide seien 'zu smooth, zu groß, zu männlich und zu weiß'. Mangold merkt an, dass die Bemerkung, Marmor sei 'zu weiß', eine sei, die man mit einer selbstreflexiven Fußnote hätte versehen können.
Der Platz
Annie Ernaux
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:51:10 „Annie Ernaux, die auch gerade den einen Nobelpreis bekommen hat, erzählt zum Beispiel in ihrem schmalen Buch Der Platz auch davon. Die kommt aus einer Arbeiterfamilie aus der Normandie und macht also nun diesen großen Aufstieg in die Kulturschikaria von Paris durch ihre Tätigkeit als Schriftstellerin.“
Mangold zieht eine direkte Parallele zwischen Annie Ernaux' 'Der Platz' und Blutbuch. Beide Werke behandeln die doppelte Scham des sozialen Aufstiegs: die Scham für das Herkunftsmilieu und die Scham gegenüber dem Herkunftsmilieu, dessen Sprache man abgelegt hat. Kim de l'Horizon dekliniere dieses Ernaux-Motiv in Blutbuch vielfach durch.
Artikel in der NZZ über Gewalterfahrung
Kim de l'Horizon
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:57:42 „Erst gerade hat Kim de la Raison in der NZZ darüber geschrieben, wie der Person tatsächlich Gewalt zuteil wurde, wie jemand auf der Straße Kim de la Raison geschlagen hat.“
Verweis auf einen NZZ-Artikel, in dem Kim de l'Horizon über eine persönliche Gewalterfahrung berichtet
NZZ-Artikel über Gewalterfahrung
Kim de l'Horizon
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:58:33 „Erst gerade hat Kim de la Raison in der NZZ darüber geschrieben, wie der Person tatsächlich Gewalt zuteil wurde, wie jemand auf der Straße Kim de la Raison geschlagen hat.“
Lars Weisbrod verteidigt Kim de l'Horizon gegen die Analyse von Ijoma Mangold, dass Non-Binarität in der Gegenwart mit kulturellen Distinktionsvorteilen ausgestattet sei. Er verweist auf einen kürzlich in der NZZ erschienenen Artikel, in dem Kim de l'Horizon über erlittene körperliche Gewalt auf der Straße berichtet.
Tocotronic (Tour)
Tocotronic
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:12:22 „Selbst Tokotronic haben ihre Tour verschoben, weil der Kartenvorverkauf zu schwer anzog.“
Lars Weisbrod spricht über das Phänomen leerer Kulturveranstaltungen nach der Pandemie. Er nennt Tocotronic als prominentes Beispiel dafür, dass selbst etablierte Bands ihre Tourneen verschieben mussten, weil der Vorverkauf schleppend lief.