Warum trägt eine 16-Jährige nur einen Muschel-BH
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Disney kündigt eine Neuverfilmung der Kleinen Meerjungfrau an — mit einer schwarzen Ariel. Die Folge nimmt diesen Casting-Diskurs zum Anlass, um über Repräsentation, kulturelle Aufladung von Kindheitsklassikern und die Empörungsdynamiken in sozialen Medien zu sprechen.
„Wer ein bisschen die aktuellen Diskurse verfolgt, kann sich schon selber denken, dass da sehr viel Gegenwartsmaterial drinsteckt.“
Erwähnte Medien (26)
Schneewittchen und die sieben Zwerge
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig „Wir reden nicht von 1900, von wann ist Schneewittchen, ja, aus den 30ern. Da ist noch so viel Zeug drin, was wirklich ganz dringend aufgearbeitet werden muss, künstlerisch.“
Lars Weisbrod erwähnt den Disney-Klassiker Schneewittchen als Referenzpunkt, um zu zeigen, dass problematische Darstellungen nicht nur in sehr alten Filmen vorkommen — auch der Ariel-Film von 1989 enthält noch viel aufzuarbeitendes Material.
Arielle, die Meerjungfrau
Disney
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:00:32 „Lars, wir wollen heute über Ariel sprechen, über die kleine Meerjungfrau von Disney, über den alten Klassiker, aber auch und vor allem, denn wir verhandeln hier natürlich hochgradig Gegenwärtiges, wollen wir über die Ankündigung von Disney einer Neuauflage dieses Films sprechen, der im nächsten Jahr kommen soll und in dem Ariel nicht mehr weiße Haut hat, sondern schwarze.“
Der Zeichentrickfilm von 1989 ist das Hauptthema der Episode. Die Hosts haben ihn sich nochmal angesehen und diskutieren, wie vertraut die Bilder und die Musik sind, aber auch wie problematisch manches aus heutiger Sicht wirkt. Er dient als Ausgangspunkt für die Debatte um Repräsentation in Kinderfilmen.
The Little Mermaid (2023)
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:00:49 „wollen wir über die Ankündigung von Disney einer Neuauflage dieses Films sprechen“
Die angekündigte Realverfilmung von Arielle mit Halle Bailey als schwarzer Meerjungfrau ist der Diskussionsanlass der Episode
Layla
Eric Clapton
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:07:05 „Und zwar geht es um die Wiesen-Hits. Sie nennt das die Leila-Verlegenheit. Also wir erinnern uns Leila, das war ein Sommer-Hit, das scheint so kurz her, aber ein schlimmer Sommer-Hit sozusagen mit einer Sexismus-Debatte und so weiter.“
Eine Hörerin namens Franziska berichtet vom Oktoberfest über die 'Layla-Verlegenheit': Vor dem Abspielen des umstrittenen Sommer-Hits verständigen sich Tischgenossen vorher, ob das Mitsingen in Ordnung ist. Die Hosts finden die Beobachtung amüsant als Beispiel für neue gesellschaftliche Aushandlungsprozesse.
Pippi Langstrumpf
Astrid Lindgren
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:19:44 „Soll jetzt auch Pippi Langstrumpf bald schwarz sein oder was? Und soll jetzt James Bond bald weiblich sein? Also so Zeug.“
Nina Pauer referiert die typischen Gegenargumente aus der NotMyAriel-Debatte, in denen Pippi Langstrumpf als Beispiel für angeblich absurde Diversitäts-Neubesetzungen genannt wird.
James Bond
Ian Fleming
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:19:44 „Soll jetzt auch Pippi Langstrumpf bald schwarz sein oder was? Und soll jetzt James Bond bald weiblich sein? Also so Zeug.“
Nina Pauer zitiert typische Gegenargumente aus der Diversitäts-Debatte um die neue Ariel-Besetzung, in denen die James-Bond-Filmreihe als weiteres Beispiel für angeblich drohende Umbesetzungen angeführt wird.
Winnetou
Karl May
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:21:46 „Gleichzeitig, ich nehme mal was anderes, die Winnetou-Debatte, ja, so eine Parallel-Debatte jetzt, ja. Diese Debatten bestehen oft daraus, dass man sich gegenseitig vorwirft, was zu wichtig zu nehmen.“
Lars Weisbrod zieht die Winnetou-Debatte als Parallelbeispiel zur Ariel-Kontroverse heran, um zu zeigen, wie sich beide Seiten gegenseitig vorwerfen, Themen zu wichtig oder zu unwichtig zu nehmen.
Die kleine Meerjungfrau
Hans Christian Andersen
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:23:56 „Also zurück geht das Ganze ja auf ein Märchen von Hans Christian Andersen, aber es wurde dann für Disney umgeschrieben. Das Ende Andersen-Märchen-Ende hatte ein schlechtes Ende und da können wir später auch nochmal drüber sprechen, als Happy End umgeschrieben wurde.“
Nina Pauer ordnet die Disney-Verfilmung literaturgeschichtlich ein: Das Original-Märchen von Hans Christian Andersen hatte im Gegensatz zur Disney-Version kein Happy End. Diese Unterscheidung wird als Ausgangspunkt für eine spätere Diskussion über die Disney-Umschreibung angekündigt.
Den lille satisfye / Die kleine Meerjungfrau
Hans Christian Andersen
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:23:56 „Also zurück geht das Ganze ja auf ein Märchen von Hans Christian Andersen, aber es wurde dann für Disney umgeschrieben. Das Ende Andersen-Märchen-Ende hatte ein schlechtes Ende und da können wir später auch nochmal drüber sprechen, als Happy End umgeschrieben wurde.“
Nina Pauer ordnet den Disney-Film in seine literarische Vorlage ein: das Märchen von Hans Christian Andersen, das im Gegensatz zur Disney-Version kein Happy End hat. Diese Veränderung wird als symptomatisch für Disneys Umgang mit Märchenstoffen diskutiert.
A Room of One's Own
Virginia Woolf
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:26:04 „mir fiel da gleich Virginia Woolf's Room of One's Own. Also Frauen brauchen nur ein Zimmer für sich“
Ariels Grotte unter Wasser wird mit Virginia Woolfs feministischem Essay verglichen, da Ariel dort einen eigenen Raum zur Entfaltung hat
A Room of One's Own
Virginia Woolf
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:26:20 „Also mir fiel da gleich Virginia Woolf's Room of One's Own. Also Frauen brauchen nur ein Zimmer für sich und das ist das, was sie brauchen zum Arbeiten und Klarkommen und sich entfalten. Und das hat Ariel da unten.“
Nina Pauer zieht eine Parallele zwischen Ariels geheimer Grotte, in der sie ihre Fundstücke aus der Menschenwelt sammelt, und Virginia Woolfs feministischem Klassiker. Ariels Höhle wird als Raum weiblicher Selbstentfaltung und Wissbegier interpretiert.
Revisionist History
Malcolm Gladwell
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:28:44 „wir werden nachher noch über einen tollen Podcast reden, Revisionist History mit Malcolm Gladwell und der hat so schön gesagt über den König Triton“
Der Podcast widmete drei Folgen der Analyse des Ariel-Films, mit Gästen wie einem Neurowissenschaftler und einer Juraprofessorin
Feuer und Brot
Alice Hasters, Maximiliane Häcke
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:30:43 „Ich habe mal in dem Podcast Feuer und Brot von Alice Hasters gehört, dass die sie als queer interpretieren“
Im Podcast wurde die Figur Ursula aus Arielle als queer interpretiert, als Beispiel für böse queere Figuren in Disney-Filmen
Faust
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:32:51 „Auch das ist natürlich ein ganz traditionelles Argument. Letztlich ein Vertrag mit einem Teufel. Ja, es ist eine Mephisto-Situation hier. Sie schließt mit der Frau einen Vertrag.“
Lars Weisbrod vergleicht Ariels Pakt mit der Meereshexe Ursula explizit mit der Mephisto-Situation aus Goethes Faust – ein Vertrag mit dem Teufel, bei dem die Seele auf dem Spiel steht.
Schneewittchen
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:37:11 „von wann ist Schneewittchen, ja, aus den 30ern“
Wird kurz als noch älterer Disney-Film erwähnt, um die zeitliche Einordnung der problematischen Darstellungen zu verdeutlichen
Dornröschen (Sleeping Beauty)
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:37:36 „Auch als Empfehlung, wenn jemand Ariel geguckt hat, vielleicht danach nochmal Dornröschen, Sleeping Beauty, weil das schon wahnsinnig spannend ist.“
Lars Weisbrod empfiehlt den Disney-Klassiker Dornröschen als Vergleichsfilm zu Arielle. Er analysiert ausführlich, wie Disney die ursprüngliche Märchenvorlage verändert hat — insbesondere die Figur Maleficent, die im Original keine böse Fee ist, sondern erst durch ihre Nichteinladung zur Taufe zur Antagonistin wird. Disney habe daraus eine manichäische Gut-Böse-Metaphysik gemacht.
Revisionist History
Malcolm Gladwell
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:37:52 „Ich habe eben schon gesagt, dieser tolle Podcast Revisionist History von Malcolm Gladwell hat sich drei Folgen lang, also dreimal 30 Minuten kann ich sehr empfehlen, nur Ariel gewidmet, dem alten Film. Und da lädt er einen Neurowissenschaftler ein, Angus Fletcher heißt der, glaube ich.“
Nina Pauer empfiehlt enthusiastisch drei Folgen von Malcolm Gladwells Podcast, die sich ausschließlich mit dem alten Ariel-Film beschäftigen. Sie zitiert daraus mehrfach — u.a. die Beschreibung von König Triton als 'Santa Claus in der Off-Season', Erkenntnisse eines Neurowissenschaftlers über Kinder und Gut-Böse-Schemata sowie die Analyse einer Juraprofessorin zum Vertrag zwischen Ariel und Ursula.
Dornröschen
Brüder Grimm
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:40:59 „Das Märchen Dornröschen fängt ganz interessant an. Und zwar, wir erinnern uns vielleicht daran, Dornröschen wird verwünscht von einer, heute sagen wir immer bösen Fee“
Das Original-Märchen wird mit der Disney-Adaptation verglichen, um zu zeigen, wie Disney eine Gut-Böse-Metaphysik erfindet, die im Märchen nicht angelegt ist
The Matrix Resurrections
Lana Wachowski
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:01 „Neulich hat er doch diesen legendären Text geschrieben über den neuen Matrix-Film, ausgedeutet. Und am Ende hat er geschrieben, ja, und weil der Film nicht interessant ist, wie ich in meiner Rezension zeigen konnte, habe ich ihn mir auch gar nicht angeguckt. Ich habe nur ein paar Rezensionen gelesen.“
Lars Weisbrod erzählt eine Anekdote über Slavoj Žižek, der eine Analyse des neuen Matrix-Films geschrieben hat, ohne ihn überhaupt gesehen zu haben. Das dient als humorvolle Illustration von Žižeks Methode der Kulturanalyse, die Weisbrod zuvor scherzhaft auf Arielle angewandt hat.
Text über Matrix Resurrections
Slavoj Žižek
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:45:01 „Neulich hat er doch diesen legendären Text geschrieben über den neuen Matrix-Film, ausgedeutet. Und am Ende hat er geschrieben, ja, und weil der Film nicht interessant ist, wie ich in meiner Rezension zeigen konnte, habe ich ihn mir auch gar nicht angeguckt.“
Lars Weisbrod referenziert einen Essay von Slavoj Žižek über Matrix Resurrections, in dem Žižek den Film analysierte, ohne ihn gesehen zu haben – als humorvolles Beispiel für seine eigene gegen-den-Strich-Interpretation von Ariel.
Asterix
René Goscinny / Albert Uderzo
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:52 „Genauso wie wenn du alte Asterix-Comics, das können wir ja jetzt ewig lang, du kannst die nicht, du willst die aber auch nicht in den Giftschrank tun, weil erstens sind es gute Kulturprodukte und es ist deine eigene Kindheit, die du teilen möchtest.“
Nina Pauer nennt Asterix-Comics als weiteres Beispiel für Kulturprodukte aus der eigenen Kindheit, die aus heutiger Sicht problematische Darstellungen enthalten, die man aber trotzdem nicht einfach wegsperren möchte. Es geht um das Eltern-Dilemma zwischen Weitergabe und kritischer Einordnung.
Findet Nemo
Andrew Stanton
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:52:56 „Oh je, bei Findet Nemo, der Hai, der plötzlich so da rausschießt, das war jetzt, glaube ich, zu gruselig. Oh je, das sind drei Jahre Therapie, weil er nie wieder diesen Hai aus dem Kopf kriegt.“
Lars Weisbrod nutzt Findet Nemo als persönliches Beispiel dafür, wie Eltern sich Sorgen machen, ob bestimmte Filmszenen für kleine Kinder zu gruselig sind. Er beschreibt damit eine vorpolitische, subkutane Ebene der Elternsorge, die sich von Ninas politischeren Bedenken über Körperbilder und Geschlechterrollen unterscheidet.
Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:56:16 „jetzt gibt es bei Herr der Ringe schwarze Elben“
Die Amazon-Serie wird als Beispiel für Diversity-Casting in Fantasy-Welten diskutiert und die Frage gestellt, was Schwarzsein in einer fiktiven Welt ohne Rassismusgeschichte bedeutet
Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:58:51 „Diese Herr der Ringe Serie, die neue, von der ich spreche mit den Schwarzen Elben, die spielt viele, viele hundert Jahre vor der Herr der Ringe Geschichte, die die meisten Leute kennen. Dadurch, dass jetzt in der Vorvergangenheit Schwarze auftauchen, ergibt sich fast so ein bisschen gruselig, so wie so eine Art verdrängter Genozid, der zwischendurch stattgefunden haben muss.“
Lars Weisbrod diskutiert die Amazon-Serie als Beispiel für Diversity-Casting in Fantasy-Welten. Er findet es faszinierend, dass schwarze Elben in der Vorgeschichte auftreten, aber in der bekannten Herr-der-Ringe-Handlung nicht mehr vorkommen – was unbeabsichtigt die Assoziation eines verdrängten Genozids weckt. Er nutzt dies, um über die utopische Dimension von farbenblinder Besetzung in Fantasy nachzudenken.
What Is Gender? What Is Race? And What Do We Want It to Be?
Sally Haslanger
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:00:27 „Es gibt einen tollen Aufsatz von ihr, der heißt What is gender? What is race? And what do we want it to be?“
Der philosophische Aufsatz wird empfohlen, um die ontologischen Grundlagen von Diskriminierungsformen zu verstehen, insbesondere die These, dass Gender und Race an Diskriminierungserfahrung gekoppelt sind
Frozen – Die Eiskönigin
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 01:00:43 „Anna und Elsa ist jetzt die, also Frozen, die Eisprinzessin. Also da sind ja die Schwestern Anna und Elsa, die sozusagen sich am Ende durchsetzen und zwei starke weibliche Figuren, aber wie sehen sie aus? Sie haben trotzdem große Augen und sie sind trotzdem super dünn.“
Nina Pauer bringt Frozen als Beispiel dafür, dass Disneys Fortschritt bei der Darstellung starker weiblicher Figuren an der Oberfläche bleibt. Zwar seien Anna und Elsa emanzipierte Heldinnen, doch ihr Körperbild entspreche weiterhin dem klassischen, extrem schlanken Disney-Ideal. Das führt sie zur Frage, warum Repräsentation bei Hautfarbe schneller voranschreite als bei Körperformen.