Linke Lockdowns, rechte Pazifisten
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Ausgelöst durch Corona und den russischen Angriff auf die Ukraine stellen sich Ijoma Mangold und Lars Weisbrod die Frage, ob die klassische Unterscheidung von links und rechts noch taugt — wenn plötzlich Linke Lockdowns fordern und Rechte zu Pazifisten werden. Dabei beobachten sie, wie sich die politische Kartografie in Echtzeit verschiebt und alte Lagerzugehörigkeiten ihre Verlässlichkeit verlieren.
„Wir beobachten die Veränderung von politischen Zuordnungen, die Veränderung der politischen Kartografie. Werden alte, liebgewonnene Grenzziehungen obsolet und müssen quasi neue Linien und Grenzen gezogen werden?“
Erwähnte Medien (10)
It's Now or Never
Elvis Presley
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:06:56 „Also im Internet liest man Sachen jetzt oder nie. Egal, wie gut man sie sich abspeichert.“
Lars Weisbrod formuliert eine Regel für das Leseverhalten im Internet und benennt sie als 'Elvis Presley Internet-Regel, nämlich Now or Never'. Er nutzt den Song-Titel als Metapher dafür, dass Online-Inhalte entweder sofort gelesen oder nie mehr beachtet werden.
It's Now or Never
Elvis Presley
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:07:01 „der alten Elvis Presley Internet-Regel, nämlich Now or Never“
Wird als metaphorische Regel für das Internetverhalten herangezogen – man liest Dinge sofort oder gar nicht
Rede zum Kosovo-Einsatz (Bielefelder Parteitag)
Joschka Fischer
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:23:02 „Hat Joschka Fischer nicht sogar gesagt, wegen Auschwitz müssen wir als Deutsch jetzt.“
Lars Weisbrod erinnert an Joschka Fischers berühmte Rede auf dem Sonderparteitag der Grünen 1999, in der Fischer den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr mit dem Verweis auf Auschwitz begründete. Dies dient als historischer Beleg dafür, dass die Grünen schon einmal einen militärischen Einsatz mittrugen.
Game of Thrones
David Benioff, D. B. Weiss / George R. R. Martin
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:23:56 „Aber es gibt bei Game of Thrones einen ganz wichtigen Krieger, genannt The Hound. Und der hat eine gewisse Oberflächenähnlichkeit, weil er auch so lange Haare hat, etwas Grobes hat mit Anton Hofreiter.“
Lars Weisbrod zieht einen popkulturellen Vergleich zwischen dem Grünen-Politiker Anton Hofreiter und der Figur 'The Hound' aus Game of Thrones. Er nutzt die Ähnlichkeit, um seine These zu illustrieren, dass Hofreiters Erscheinung eine 'Kippfigur' sei – man könne in ihm sowohl den Müsli-Grünen als auch etwas Martialisches sehen.
Aufmacher in der FAS zur foucaultschen Überwachungskritik
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:47 „gab mal in der FAS auch einen großen Aufmacher dazu“
Ein nicht näher benannter Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wird erwähnt, der thematisierte, dass das linksliberale Milieu seine foucaultsche Kritik an Überwachungsinstrumenten während Corona fallen gelassen habe
Artikel über den Wandel linksliberaler Überwachungskritik
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:51 „Das wurde ja auch von vielen ernstzunehmenden Leuten beschrieben, ja, gab mal in der FAS auch einen großen Aufmacher dazu, ja, zu der Frage, dass jetzt das linksliberale Milieu diese ganze fokujanische Kritik an solchen Überwachungsinstrumenten eigentlich fallen gelassen hat.“
Lars Weisbrod verweist auf einen großen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), der beschrieben habe, wie das linksliberale Milieu seine an Foucault angelehnte Kritik an Überwachungsinstrumenten während der Corona-Pandemie aufgegeben habe. Er nennt weder Autor noch genauen Titel.
Überwachen und Strafen
Michel Foucault
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:33:51 „Dass jetzt das linksliberale Milieu diese ganze fokujanische Kritik an solchen Überwachungsinstrumenten eigentlich fallen gelassen hat und sagt, wir brauchen sie jetzt aber, ja, wir brauchen solche Apps, wo man sieht, ob wir geimpft sind.“
Lars Weisbrod beschreibt, wie Linksliberale während der Pandemie ihre traditionelle, an Foucault angelehnte Kritik an biopolitischen Kontroll- und Überwachungsinstrumenten aufgegeben haben. Die 'foucaultsche Kritik' verweist auf Foucaults Werk zu Disziplinierung und Überwachung, das jahrzehntelang zum Kernbestand linksliberaler Staatskritik gehörte.
Monty Python's Flying Circus
Monty Python
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:46:05 „So wie bei Monty Python gibt es doch diese herrliche Szene, wo die sich Witze erzählen, aber gar nicht mehr die Witze erzählen, sondern die haben alle die Witze durchnummeriert. Und dann sagt der eine einfach nur Witz Nummer drei und schon brechen alle ins Lachen aus, ohne dass er erzählt worden ist.“
Ijoma Mangold vergleicht frühere politische Diskussionen im Freundeskreis mit einer Monty-Python-Szene, in der Witze nur noch per Nummer aufgerufen werden. Sein Punkt: Früher waren politische Positionen so vorhersehbar, dass man sie hätte durchnummerieren können – jetzt sei das erfrischenderweise nicht mehr so.
Werke zu Anarchismus und Anti-Autoritarismus
David Graeber
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:54:24 „Wie ich das vielleicht noch manchmal bei David Graeber gefunden habe, wirklich dieser emphatische Widerspruch zu sagen, ich lasse mir nichts sagen, dass das auch was Linkes sein kann, dass das ein bisschen verloren gegangen ist.“
Lars Weisbrod beklagt das Fehlen einer linkslibertären Stimme im öffentlichen Diskurs und nennt David Graeber als Beispiel für eine Haltung, die anarchischen Widerspruch gegen Autoritäten als genuin linke Position versteht. Graeber war bekannt für Bücher wie 'Debt: The First 5000 Years' und 'Bullshit Jobs'.
Artikel über Impfen und politische Zuordnung
Marc Schieritz
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:58:19 „Unser Kollege Marc Schieritz hat es in der Pandemie auf die Formel gebracht, es ist einfach unerklärlich, warum Impfen links ist und Pferde Entwurmungsmittel nehmen rechts. Das lässt sich auch nicht ableiten so richtig aus irgendwelchen, es steht in keiner vernünftigen Beziehung zu dem, was vorher war.“
Lars Weisbrod zitiert eine pointierte Beobachtung seines ZEIT-Kollegen Marc Schieritz aus der Pandemie-Zeit, um zu illustrieren, dass sich bestimmte politische Zuordnungen nicht logisch aus dem klassischen Links-Rechts-Schema ableiten lassen. Die Formel dient als Beispiel für den 'unerklärlichen Rest', der bei der politischen Kartografie übrig bleibt.