Was Veganer und Fleischesser wirklich wollen
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Die Folge nimmt sich einen überraschend alltäglichen Stoff vor: Eiweiß. Protein wird zum Brennglas für den Kulturkampf zwischen Veganern und Fleischessern, zwischen Tofu-Steaks und Männlichkeitsidealen à la Elon Musk. Zuvor liefert der Gegenwartscheck eine pointierte Beobachtung über unsere kollektive Aufmerksamkeitsspanne — wenn man bei anderthalb Minuten Video schon dazuschreiben muss: bitte bis zum Schluss gucken.
„Proteine gibt es seit 3,7 Milliarden Jahren. Die Frage ist natürlich, warum sind sie jetzt gegenwärtig?“
Erwähnte Medien (17)
The Sixth Sense
M. Night Shyamalan
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:03:14 „Der Regisseur M. Night Shyamalan war eine Zeit lang mal sehr bekannt dafür. The Sixth Sense mit Bruce Willis. Das eigentlich Geniale am Film ist das Ende, wo es herausstellt, dass alles ganz anders war.“
Lars Weisbrod spricht über das Phänomen, dass man bei Social-Media-Videos dazuschreiben muss 'bitte bis zum Schluss gucken', weil die Pointe erst am Ende kommt. Als Vergleich nennt er Filme, die ihren Überraschungsmoment am Ende haben – allen voran The Sixth Sense von M. Night Shyamalan, bei dem niemand auf die Idee käme, auf das Filmplakat zu schreiben, man solle den Film bis zum Ende schauen.
Don't Look Up
Adam McKay
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:03:48 „Und bei Don't Look Up, bei dem Apokalypsen-Film, wo auch alle gesagt haben, hast du es bis zum Ende geguckt? Hast du noch bis dahin geguckt, wo der Sohn von der Präsidentin und so weiter…“
Nina Pauer greift Lars' Beobachtung über 'bitte bis zum Schluss gucken' auf und nennt Don't Look Up als Beispiel für einen Film, bei dem ebenfalls alle fragten, ob man wirklich bis zum Ende geschaut habe, weil dort noch eine wichtige Szene komme.
Der Ernährungskompass
Bas Kast
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:19:51 „Jedenfalls haben wir da einen großartigen Gegenwartscheck mit Hörerinnen und Hörern live gespielt und zur Belohnung durfte sich eine Hörerin ein Thema für eine Folge von uns wünschen. Ich habe nochmal den guten alten Baskas Ernährungskompass rausgeholt, den wir ja alle, also den ganz Deutschland seit, ich habe nochmal geguckt, 2018 ist das rausgekommen, das große Buch Baskas. Baskast, der Ernährungskompass.“
Nina Pauer stellt 'Der Ernährungskompass' von Bas Kast als zentrales Referenzwerk der Folge vor. Sie beschreibt es als gesamtgesellschaftlich prägendes Buch, das 2018 erschien und lange auf Platz 1 stand. Bas Kast habe darin tausende wissenschaftliche Studien zu Ernährungsfragen ausgewertet, um herauszufinden, was eine gesunde, lebensverlängernde Ernährung ausmacht. Nina referiert ausführlich seine Thesen zu Proteinen, der Proteinverdünnung durch die Lebensmittelindustrie und dem Unterschied zwischen tierischem und pflanzlichem Eiweiß.
Tagebucheinträge / Statusmeldungen
Stefanie Sargnagel
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:27:19 „Ich erinnere mich zum Beispiel, das muss ich jetzt kurz vorlesen, an einen kleinen Text der Autorin Stefanie Sargnagel, eine junge Autorin, die immer so Tagebucheinträge schreibt, online und dann sind auch Bücher draus geworden.“
Lars Weisbrod zitiert ausführlich einen Text von Stefanie Sargnagel aus dem Jahr 2015, in dem sie einen Besuch in einem Sportnahrungsgeschäft beschreibt. Die grotesk-komische Schilderung der hypermaskulinen Proteinshop-Ästhetik dient ihm als Beleg dafür, dass Eiweiß lange mit einer sehr spezifischen, muskulösen Subkultur assoziiert war, bevor es zum Mainstream-Thema wurde.
Im BMW mit Frank White (featuring Shindy)
Frank White
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:24 „es spielte ganz laut mit dem BMW von Frank White featuring Shindy“
Wird im vorgelesenen Text von Stefanie Sargnagel als Hintergrundmusik im Sportnahrungsgeschäft erwähnt, als Ausdruck der Testo-Ästhetik
BMW
Frank White featuring Shindy
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:54 „Hinter der Theke stand ein großer Typ im Muskelshirt und es spielte ganz laut mit dem BMW von Frank White featuring Shindy.“
Der Song wird innerhalb des Sargnagel-Zitats erwähnt, um die Atmosphäre des Sportnahrungsgeschäfts zu illustrieren. Frank White ist ein Alias von Fler – der Track steht exemplarisch für die Verbindung von Deutschrap, Muskelkultur und Proteinkonsum, die Lars Weisbrod als Ausgangspunkt seiner Analyse nutzt.
Artikel über Muskelrap
Lars Weisbrod
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:29:01 „2017, hab ich nämlich einen Text hier in der Zeit geschrieben über Muskelrap“
Lars Weisbrod verweist auf seinen eigenen Artikel in der Zeit von 2017 über Muskelrap als Subgenre des Deutschrap mit Bezug zu Protein und Ernährung
Muskelrap-Artikel in der ZEIT
Lars Weisbrod
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:10 „Ich musste auch daran denken, dass ich dann zwei Jahre später, 2017, habe ich nämlich einen Text hier in der Zeit geschrieben über Muskelrap, weil das dann auch so eine eigene Subgenre des Deutschraps geworden ist.“
Lars Weisbrod verweist auf seinen eigenen ZEIT-Artikel von 2017, in dem er über Muskelrap als Subgenre des Deutschrap schrieb. Er nutzt den Rückblick, um zu zeigen, dass er damals den Eiweiß-Kulturkampf zwischen Fleisch-Pumpern und veganer Yoga-Welt noch für ein Nischenphänomen hielt – eine Einschätzung, die sich rückblickend als falsch erwies.
Pamela-Reif-Porträt
Nina Pauer
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:30:55 „Pamela Reif habe ich ja auch mal porträtiert damals und die hatte ja auch, zwar so Bowls gegessen, also schon irgendwie pflanzlich, aber das Proteinpulver war auch dabei.“
Nina Pauer erwähnt ihr früheres Porträt über Fitness-Influencerin Pamela Reif, um zu zeigen, dass die Protein-Fixierung nicht nur ein maskulines Phänomen ist. Auch Reif, die für einen weiblichen, privilegierten Lifestyle steht, kombinierte pflanzliche Ernährung mit Proteinpulver – ein Beleg dafür, dass die Eiweiß-Begeisterung Milieugrenzen überschreitet.
Hafermilchmann-Artikel
Nina Pauer
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:35:32 „Und dann, ich habe ja mal vor ein paar Jahren was über den Hafermilchmann geschrieben. Also die Männer, die jetzt ihren Körper als wirklich, wo es aber schon in Anführungsstrichen weicher wird, die auch meditieren, die dieses Effizienzding nicht aus so einem krassen tierischen, also die wollen keinen Krebs kriegen, die wollen effizient joggen gehen.“
Nina Pauer verweist auf ihren eigenen Text über den 'Hafermilchmann' als neuen Männlichkeitstypus – Männer, die meditieren, pflanzlich leben und ihren Körper effizient optimieren, aber auf eine weichere Art als die Muskelrap-Kultur. Sie nutzt das Konzept, um ein drittes Männlichkeitsideal zwischen dem 'alten weißen Mann' und dem Bodybuilder zu beschreiben.
Artikel über den Hafermilchmann
Nina Pauer
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:36:08 „ich habe ja mal vor ein paar Jahren was über den Hafermilchmann geschrieben“
Nina Pauer verweist auf ihren eigenen Artikel über einen neuen Männertypus, der pflanzliche Ernährung, Meditation und Körperoptimierung verbindet
Titelgeschichte über Fleischersatz
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:37:15 „Die Zeit hat mal eine Titelgeschichte gemacht und da ging es um Fleischersatz“
Ein Zeit-Titelartikel über Fleischersatz und Laborfleisch, für den Nina Pauer mit Eva Barlösius und Bas Kast gesprochen hat
Fleischersatz-Titelgeschichte (Die Zeit)
Nina Pauer
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:38:41 „Die Zeit hat mal eine Titelgeschichte gemacht und da ging es um Fleischersatz. Also da war so eine, das sah eigentlich ziemlich cool aus, da war so eine Tomatenstaude, sagt man. Und statt Tomaten waren dann da so Hackfleischbällchen dran, die aussahen wie Tomaten.“
Nina Pauer erzählt von einer ZEIT-Titelgeschichte über Fleischersatz und Laborfleisch, für die sie sowohl mit Eva Barlösius als auch mit Bas Kast sprach. Die Story dient als Aufhänger für die Debatte, ob Laborfleisch eine realistische Lösung ist – Barlösius zeigte sich unbeeindruckt, während Bas Kast begeistert war.
Soziologie des Essens
Eva Barlösius
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:38:55 „Und da habe ich mit der Soziologie-Professorin Eva Balösius gesprochen, eine Professorin aus Hannover, die das Standardwerk Soziologie des Essens geschrieben hat.“
Nina Pauer zitiert Eva Barlösius' Standardwerk, um die These zu stützen, dass der aktuelle Kulturkampf ums Fleisch historisch nichts Neues ist. Barlösius argumentierte, Ernährung und insbesondere Fleisch seien seit der Antike der Ort, an dem Gesellschaften ihre Werte und Normen verhandeln – vom pythagoreischen Vegetarismus bis heute.
Bericht der Bundesregierung zu In-Vitro-Fleisch
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:46:41 „Das war so ein Bericht, den die Bundesregierung oder ein Ministerium in Auftrag gegeben hat zu In-Vitro-Fleisch. Das war so eine Zusammenfassung für Laien wie mich. Den habe ich gestern nochmal durchgeblättert und da stand was Interessantes drin.“
Lars Weisbrod zitiert ausführlich aus einem Bericht, den ein Bundesministerium zu In-Vitro-Fleisch in Auftrag gegeben hat. Er liest daraus die Position der Critical Animal Studies vor, die argumentieren, ethischer Veganismus brauche sein 'Störpotenzial' – wenn Laborfleisch alle Probleme löst, verliere der Veganismus seinen Motor für radikale gesellschaftliche Veränderung.
Bericht zu In-Vitro-Fleisch
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:46:59 „Das war so ein Bericht, den die Bundesregierung oder ein Ministerium in Auftrag gegeben hat zu In-Vitro-Fleisch. Das war so eine Zusammenfassung für Laien wie mich.“
Ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebener Bericht über In-Vitro-Fleisch, aus dem Positionen der Critical Animal Studies zu ethischem Veganismus vorgelesen werden
Artikel über Laborfleisch (Geschmacksanalyse)
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:52:40 „Und in einem dieser Artikel, die ich gelesen habe zu Laborfleisch, wurde versucht, das einmal komplett aufzuschlüsseln. Also was ist eigentlich der Geschmack von Fleisch und dann so schön, für mich philosophisch interessant, auf verschiedenen Ebenen, also auf der phänomenologischen Ebene, aber dann eben versucht auf der chemischen Ebene.“
Lars Weisbrod beschreibt einen Fachartikel, der den Geschmack von Fleisch auf chemischer Ebene in drei Kategorien aufschlüsselt: Aminosäurenpeptide, Fette und eine dritte Komponente. Er findet besonders amüsant, dass die Forscher den Fleischgeschmack am Ende mit 'meaty' beschreiben müssen — also das Wort Fleisch verwenden, um Fleisch zu erklären. Der Artikel dient ihm als Einstieg in die Frage, ob Laborfleisch den Originalgeschmack rekonstruieren kann.