Können Männer lustig sein
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Nach über 250 Folgen Aufschub widmen sich die beiden endlich dem amerikanischen Komiker Louis C.K. — ein Thema, das Lars seit der dritten Folge machen wollte, aber aus emotionaler Überwältigung immer wieder verschob. Es geht um Männlichkeit, Comedy und die Frage, was Louis C.K.s Werk für die Gegenwart noch bedeutet, nachdem seine große Zeit ein jähes Ende fand.
„Mir so viel bedeutet, dass ich mich deswegen immer drumherum gedrückt habe, mich überhaupt mal irgendwie feuilletonistisch an ihm abzuarbeiten.“
Erwähnte Medien (23)
Wer noch nie ein Grau gedacht
Peter Sloterdijk
🗣 Lars Weisbrod referenziert „Sloterdijk hat ein Buch geschrieben über die Farbe Grau... Wäre noch kein Grau gedacht, so heißt das Buch von Sloterdijk, das neue.“
Im Gegenwartscheck diskutiert Lars Weisbrod das Phänomen des 'neuen Grau' als Trendfarbe, besonders bei Elektroautos. Als zusätzlichen Beleg für die kulturelle Relevanz der Farbe Grau erwähnt er ein neues Buch des Philosophen Peter Sloterdijk über die Farbe Grau, das gerade erscheint. Er hat es allerdings noch nicht gelesen.
Grau (Gemäldeserie)
Gerhard Richter
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:05:17 „Ich erinnere vor allem an die sehr, sehr eindrucksvolle Serie Grau von Gerhard Richter“
Ijoma verweist auf Richters monochrome Grau-Serie als kulturgeschichtlichen Vorläufer des Grau-Trends
Grau (Bilderserie)
Gerhard Richter
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:05:45 „Ich erinnere vor allem an die sehr eindrucksvolle Serie Grau von Gerhard Richter. Allerdings kann ich jetzt nicht sagen, aus welchem Jahr die ist. Ich würde vermuten, aus den 90er Jahren. Das sind monochrome Flächen von Grau und da wird sehr viel lebendig in diesem Grau.“
Im Gespräch über das 'neue Grau' als Gegenwartsphänomen ergänzt Ijoma Mangold die kulturgeschichtliche Dimension. Er verweist auf Gerhard Richters berühmte monochrome Grau-Serie als Beleg dafür, dass die Auseinandersetzung mit Grau in den Künsten eine lange Tradition hat.
The Man Who Explains Everything (Porträt über Adam Tooze)
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:11:51 „Bestätigt wurde das gerade vom wie immer sehr trendaffinen New York Magazine. Und beim New York Magazine hat man tatsächlich auf dem Titel jetzt Adam Tooze, ich glaube die Zeile ist The Man Who Explains Everything oder so.“
Lars Weisbrod stellt den Wirtschaftshistoriker Adam Tooze als Gegenwartsfigur vor. Als Beleg für dessen kulturelle Relevanz verweist er auf ein aktuelles Titelporträt im New York Magazine, das Tooze als den Mann beschreibt, der die aktuelle Polykrise aus Corona, Krieg und Klima erklären kann. Das Porträt thematisiert auch, ob Toozes Fangemeinde nicht vor allem aus Männern besteht.
The Man Who Explains Everything (Adam Tooze Porträt)
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:12:42 „beim New York Magazine hat man tatsächlich auf dem Titel jetzt Adam Tooze, ich glaube die Zeile ist The Man Who Explains Everything oder so“
Ein Titelporträt im New York Magazine über Adam Tooze als den Intellektuellen, der die Polykrise erklärt
Crashed
Adam Tooze
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:16:32 „Die Art der Rekonstruktion, was in der Finanzkrise 2008 passiert ist, hat er in dem dicken Buch Crashed sehr gut beschrieben.“
Im Rahmen der Diskussion über Adam Tooze als zentrale Gegenwartsfigur empfiehlt Ijoma Mangold dessen Buch über die Finanzkrise 2008. Mangold lobt die Qualität der Rekonstruktion, auch wenn er Toozes grundsätzliche wirtschaftspolitische Überzeugungen – etwa die Befürwortung starker Zentralbank-Interventionen – nicht in jedem Punkt teilt.
Shutdown
Adam Tooze
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:16:43 „Und sein jüngstes Buch, ich weiß gar nicht, wie es im Deutschen heißt, Lockdown oder so? Shutdown heißt es, glaube ich. Shutdown beschreibt gewissermaßen nicht so sehr die virologische Seite von Corona, sondern eben die ökonomisch-wirtschaftspolitische Seite.“
Mangold erwähnt Toozes zweites großes Buch, das die ökonomischen und wirtschaftspolitischen Folgen der Corona-Pandemie analysiert. Besonders beeindruckt ihn Toozes Analyse der Gefahren im Anleihenmarkt, der im März 2020 fast kollabiert wäre – ein Thema, das in der öffentlichen Debatte seiner Meinung nach zu wenig Beachtung findet.
Wohlstand für alle
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:17:49 „hier verweise ich an die Kollegen von Wohlstand für Alle, die einen Wirtschafts-Podcast haben“
Ijoma empfiehlt den Wirtschafts-Podcast, in dem Adam Tooze zu Gast war und auf Deutsch sprach
Wohlstand für Alle (Podcast-Folge mit Adam Tooze)
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:17:59 „Hier verweise ich an die Kollegen von Wohlstand für Alle, die einen Wirtschafts-Podcast haben... Unter anderem auch einer Folge, wo sie Adam Tooze zu Gast hatten, weil Tooze seinerseits nämlich, ich glaube sogar, in meiner Heimatstadt Heidelberg studiert hat und sehr, sehr gut Deutsch spricht.“
Mangold empfiehlt eine konkrete Folge des Wirtschafts-Podcasts 'Wohlstand für Alle', in der Adam Tooze auf Deutsch zu Gast war. Er betont, dass Tooze sehr gut Deutsch spricht und seine eloquente Wissensvermittlung auch ins Deutsche übertragen kann. Trotz inhaltlicher Differenzen mit den Hosts des Podcasts (MMT-Überzeugungen) lauscht Mangold ihnen gerne.
Die Gesellschaft der Singularitäten
Andreas Reckwitz
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:23:41 „Ich habe in diesem Podcast viel zu lange nicht mehr auf den Soziologen Andreas Reckwitz hingewiesen, auch dies scheint mir ein Singularisierungsphänomen zu sein.“
Im Gespräch über die Marketingstrategie, Produktnamen durch absichtliche Falschschreibung zu individualisieren, verweist Mangold auf den Soziologen Andreas Reckwitz und dessen Konzept der Singularisierung. Das Werk wird nicht namentlich genannt, aber die Referenz auf das 'Singularisierungsphänomen' verweist klar auf Reckwitz' Hauptwerk.
Seinfeld
Larry David, Jerry Seinfeld
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:39 „Du hast jetzt gesagt, political correctness in den Nullerjahren, das war schon Seinfelds Thema 1989 oder so. Also würde ich jetzt hinzufügen.“
Lars Weisbrod korrigiert Ijoma Mangolds Einordnung, Louis C.K. habe sich vor allem an der Political Correctness der Nullerjahre abgearbeitet. Er verweist darauf, dass dieses Thema in der Comedy-Tradition schon viel älter ist und bereits bei Seinfeld Ende der 80er Jahre eine Rolle spielte.
New York Times MeToo-Artikel über Louis C.K.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:07 „Da veröffentlichte die New York Times einen Text, in dem mehrere Frauen ihn beschuldigten der sexuellen Übergriffe“
Der investigative Artikel der New York Times von Herbst 2017, der die Vorwürfe gegen Louis C.K. öffentlich machte
I Love You, Daddy
Louis C.K.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:48 „Louis C.K. war gerade so ein bisschen auf dem Höhepunkt seines Ruhms, es kam gerade sein erster, gar nicht sein erster Spielfilm, aber sein erster Spielfilm, als er dann berühmt war, er hat früher schon mal welche gemacht, der mir sehr wichtig war, richtiger Film, kam raus, sollte rauskommen.“
Lars Weisbrod erwähnt den Spielfilm im Zusammenhang mit dem Herbst 2017, als die New York Times die Vorwürfe gegen Louis C.K. veröffentlichte. Der Film sollte gerade erscheinen, wurde aber nach dem Skandal nie regulär veröffentlicht. Der Titel wird nicht explizit genannt, es handelt sich aber um 'I Love You, Daddy', Louis C.K.s einzigen Spielfilm aus dieser Phase.
New York Times-Artikel über Louis C.K.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:30:00 „Da veröffentlichte die New York Times einen Text, in dem mehrere Frauen ihn beschuldigten der sexuellen Übergriffe. Ich versuche gerade mal kurz zu umreißen, worum es da ging.“
Lars Weisbrod schildert den entscheidenden Wendepunkt in Louis C.K.s Karriere: Im Herbst 2017 veröffentlichte die New York Times den Artikel, in dem mehrere Frauen Louis C.K. sexueller Übergriffe beschuldigten. Dieser Artikel führte dazu, dass Louis C.K. von allen Plattformen gedroppt wurde und seine Karriere einen tiefen Einschnitt erlebte.
The Daily Show
Jon Stewart, Trevor Noah
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:36:18 „Und er war zu Gast in der Daily Show mit Jon Stewart, über die wir hier im Podcast ja auch schon mal gesprochen haben, die ich immer geschaut habe, ja, so eine linksliberale Nachrichtensatire, die ich damals sehr toll fand.“
Lars Weisbrod erzählt, wie er Louis C.K. zum ersten Mal im Sommer 2012 als Gast in der Daily Show wahrgenommen hat. Die Sendung dient als Kulisse für seine erste – zunächst ablehnende – Begegnung mit Louis C.K., der dort über Rape-Jokes diskutierte und den smarten Jon Stewart gegenübersaß.
Chewed Up
Louis C.K.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:53:57 „Er tut das in dem aktuellen Special. Es gibt aber auch aus dem Shoot-Up, glaube ich, eine ganz lange Passage, wo er über das Wort spricht.“
Im Gespräch über Louis C.K.s Gebrauch des Wortes 'Faggot' verweist Weisbrod auf ein früheres Special, in dem eine ausführliche Passage diesem Thema gewidmet ist. Der im Transkript als 'Shoot-Up' verschriftlichte Titel ist vermutlich eine Transkriptionsverwechslung von 'Chewed Up' (2008).
Funny Games
Michael Haneke
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:59:32 „Das ist nicht das Hauptthema, aber es gibt zwei, drei Folgen, die sind fast wie, die haben so eine Qualität fast wie so ein Hanecken-Film. So wie Funny Games oder so, weil sie mit der Frage der Gewalt spielen und er steht unter Gewaltbedrohung, kann sich aber nicht wehren.“
Weisbrod vergleicht einzelne Folgen der Serie 'Louie' mit Michael Hanekes Film 'Funny Games', weil sie auf ähnlich verstörende Weise die Frage der Gewalt thematisieren. Louis C.K.s Figur stehe unter Gewaltbedrohung, könne sich aber nicht wehren – gerade dieses Versagen als Mann werde zur grausamen Pointe.
Maximen
François de La Rochefoucauld
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 01:06:47 „Vielleicht ist es eben, ich glaube von Rochefoucault, dem großen französischen Moralisten, stammt der Satz. Die Heuchelei ist die Verbeugung des Lasters vor der Tugend.“
Mangold zitiert La Rochefoucaulds berühmte Maxime, um einen Gedanken über Louis C.K. zu entwickeln: Vielleicht sei es moralisch besser, ein Heuchler zu sein – wer so tut, als sei er gut, erinnere sich im Ernstfall noch an normative Forderungen. Louis C.K. hingegen, das Gegenteil des Heuchlers, habe möglicherweise gerade deshalb seinen 'inneren Schweinehund von der Leine gelassen', weil er auf der Bühne nie etwas anderes als ein Schwein zu sein behauptet habe.
Das Kannibalische Glück (Autobiografie)
Ijoma Mangold
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:08:00 „Nein, Blödsinn, dein ganzes Buch, deine ganze Biografie. Nein, ja hier im Podcast nicht so, aber deine Biografie handelt ja nur von dir und deiner Familie.“
Lars erinnert Ijoma daran, dass dessen autobiografisches Buch ebenfalls persönliche und familiäre Themen behandelt, ähnlich wie Louis C.K. über seine Familie spricht
Yoga
Emmanuel Carrère
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:08:05 „Dieses Problem trifft sicher auch Leute wie deinen geliebten Karrier. Ein bisschen das Thema aus eurer Karrierefolge. Wie Careas Ex-Frau, wie ihr das erzählt habt, die irgendwie richtig festgelegt hat, nichts über mich in dem Buch.“
Im Gespräch über die ethische Frage, ob Künstler das Recht haben, über ihre Kinder und Familienmitglieder zu schreiben, ohne deren Einverständnis, verweist Lars Weisbrod auf Emmanuel Carrère als Parallele zu Louis C.K. Carrères Ex-Frau hatte vertraglich festlegen lassen, dass er nichts über sie schreiben darf – eine Kontroverse, die vor allem seinen Roman 'Yoga' betraf.
Min Kamp
Karl Ove Knausgård
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:08:11 „Dieses Problem trifft sicher auch Leute wie deinen geliebten Karrier. Ein bisschen das Thema aus eurer Karrierefolge. Oder auch, wie heißt der Norweger nochmal, der auch über sich schreibt? Knausgat.“
Weisbrod wirft die ethische Frage auf, ob autobiografisch arbeitende Künstler ihre Angehörigen zu Opfern ihres Werks machen. Neben Carrère nennt er Knausgård als Beispiel für Autoren, die über sich und ihre Familien schreiben – im direkten Vergleich zu Louis C.K., der auf der Bühne intime Details über seine kleinen Töchter erzählt, ohne deren Einverständnis.
Das Deutsche Krokodil
Ijoma Mangold
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:09:50 „Nein, blöd, in deinem ganzen Buch, in deiner ganzen Biografie. Nein, ja hier im Podcast nicht so, aber deine Biografie handelt ja nur von dir und deiner Familie.“
Im Gespräch über die Ethik autobiografischen Schreibens wendet Weisbrod die Frage direkt an Mangold: Dessen Biografie handle ja nur von ihm und seiner Familie. Der implizit gemeinte Titel ist Mangolds autobiografisches Buch, in dem er seine Kindheit und Familiengeschichte verarbeitet.
Fragebogen
Max Frisch
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 01:13:08 „Tatsächlich hat meine Frage ein berühmtes Vorbild, die steht ja so ungefähr im Fragebogen von Max Frisch. Ach, das wusste ich gar nicht, den habe ich lange nicht mehr gelesen.“
Weisbrod enthüllt, dass seine provokante Prognosefrage an Mangold – ob dieser in seinem Leben noch einmal eine Waffe gegen Menschen einsetzen werde – auf Max Frischs 'Fragebogen' zurückgeht. Dort werde sinngemäß gefragt, ob man schon einmal auf Menschen geschossen habe, und die eigentlich interessante Nachfrage laute: Wenn nein, wie erklärt man sich, dass das nicht passiert ist?