Wir wollten nie wieder einsam sein
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Die Runde nimmt sich vor, Social Media einmal grundsätzlich zu betrachten — nicht den neuesten Trend, sondern das Phänomen als Ganzes. Ijoma Mangold vergleicht es mit einem Namen, den man beim Kennenlernen nicht richtig aufgefasst hat: Social Media ist so selbstverständlich geworden, dass der Moment zum Innehalten längst verpasst scheint.
„Es ist so selbstverständlich, dass man manchmal den Punkt verpasst, einen Schritt zurückzutreten und zu sagen, versuchen wir es nochmal kurz von außen anzuschauen, was ist da eigentlich passiert.“
Erwähnte Medien (8)
This Is Water
David Foster Wallace
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:15:37 „ich hatte glaube ich vor ein paar Folgen einmal die berühmte Rede von David Foster Wallace zitiert, This is Water“
Die Rede wird als Metapher herangezogen, um zu illustrieren, dass Social Media so allgegenwärtig ist, dass man es nicht mehr bewusst wahrnimmt – wie Wasser für Fische.
Riesenmaschine
Sascha Lobo
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:27:36 „Es war ein Weblog, das hieß Riesenmaschine, wo ich so Anfang 20 hin und wieder mitgeschrieben habe, das war damals schon groß, weil das wichtige Leute gegründet hatten. Katrin Passig, Sascha Lobo waren dabei, die haben auch mal einen Grimme Online Award bekommen.“
Lars Weisbrod erzählt autobiografisch von seiner Prägung durch die frühe Netzkultur. Riesenmaschine war ein einflussreiches deutsches Weblog, gegründet u.a. von Katrin Passig und Sascha Lobo, in dem kurze Glossen über Technologie und Lebenswelt veröffentlicht wurden. Weisbrod schrieb dort als junger Autor mit und wurde so Teil der technikoptimistischen Szene, die er heute kritisch sieht.
The Long Tail
Chris Anderson
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:52 „Der Longtail, ich weiß nicht, ob du dich an diesen Begriff erinnerst, war dann immer so ein Stichwort, dass das Netz möglich ist, dass auch die Nischeninteressen zueinander finden und wir nicht mehr uns von den Großkonzernen bestimmen lassen müssen, welchen vorgefertigten Scheiß wir irgendwie kaufen sollen.“
Lars Weisbrod beschreibt die frühen utopischen Hoffnungen, die mit dem Web 2.0 verbunden waren. Er zählt die positiven Narrative auf, mit denen Social Media damals verteidigt wurde, darunter das Long-Tail-Konzept von Chris Anderson, das versprach, dass auch Nischeninteressen im Netz zueinander finden können.
Schneckenmühle
Jochen Schmidt
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:32:53 „Es gibt eine Geschichte, die zitiere ich ganz oft, von dem Schriftsteller Jochen Schmidt, der lustigerweise auch bei der Riesenmaschine damals mitgeschrieben hat. Der in irgendeiner Geschichte mal so eine Metapher erwähnt, dass er immer, wenn er Besuch bekommt, sich total freut auf den Besuch, diese Vorfreude so genießt und seine Traumvorstellung ist, er würde in einem ganz hohen Haus wohnen und der Besuch klingelt unten, aber es dauert ganz lange, bis er oben in der Wohnung ist, eigentlich ein ganzes Leben lang.“
Lars Weisbrod nutzt eine literarische Metapher von Jochen Schmidt, um seine persönliche Faszination für Social Media zu erklären: das Versprechen, nie allein zu sein, aber gleichzeitig Distanz zu wahren. Der genaue Werktitel wird nicht genannt, die Zuordnung zu einem spezifischen Buch ist unsicher.
The Social Network
David Fincher
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:59 „Ich flog im Februar 2011 in die USA und schaute im Flugzeug diesen sehr schönen Film The Social Network über Facebook. Quasi so ein Biopic über Mark Zuckerberg und wie er Facebook gegründet hat in Harvard. Aaron Sorkin hat da, glaube ich, das Drehbuch geschrieben, wenn ich mich nicht täusche. Sehr intelligent gemacht, der Film.“
Ijoma Mangold beschreibt einen persönlichen Schlüsselmoment: Beim Schauen von The Social Network im Flugzeug wurde ihm klar, dass das Internet kein rein technologisches Phänomen ist, sondern im Kern eine Kommunikationsexplosion. Der Film öffnete ihm die Augen dafür, dass Social Media ein gesellschaftliches, nicht ein technisches Thema ist.
Inside
Bo Burnham
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:48:20 „Sondern immer halb in irgendeiner anderen von irgendwelchen Bug-Eyed Salamanders aus dem Silicon Valley, wie der geniale Bo Burnham sie mal genannt hat, ja, Milliardären designt ist, dazu mich so halb abzulenken und irgendwas zu klicken.“
Lars Weisbrod beschreibt, wie Tech-Milliardäre unsere Aufmerksamkeit kapern, und greift dabei auf Bo Burnhams Formulierung der 'Bug-Eyed Salamanders aus dem Silicon Valley' zurück. Am Ende der Folge wird ein längerer englischsprachiger Ausschnitt aus Burnhams Netflix-Special eingespielt, der genau dieses Thema – die Ausbeutung menschlicher Neurochemie durch Tech-Konzerne – satirisch zuspitzt.
The Joe Rogan Experience
Joe Rogan
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:51:46 „Ich weiß nicht, in letzter Zeit wurde wegen Joe Rogan wieder ein bisschen mehr über Spotify gesprochen. Spotify immerhin auch mal eine weltumspannende Plattform, die in dem Fall aus Schweden kommt.“
Im Rahmen seiner Analyse der Plattformökonomie und deren Monopolisierungstendenzen erwähnt Ijoma Mangold den Joe-Rogan-Podcast als Beispiel dafür, dass Spotify zumindest als nicht-amerikanische Plattform einen gewissen 'nationalen Pluralismus' gegenüber der Silicon-Valley-Dominanz darstellt.
Blockchain and Money (MIT OpenCourseWare)
Gary Gensler
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:56:17 „Und der hatte vor vier oder fünf Jahren eine, 16 Folgen oder so, eine Vorlesung am MIT gehalten, wo er die gesamte Blockchain und die Cryptocurrencies erklärt. Das ist eine sensationelle Vorstellung. Und MIT hat diese ganzen, das sind 24 Stunden, ins Netz gestellt, wo andere Leute, keine Ahnung, 70.000 Dollar Tuition zahlen, um an der Weisheit des MIT teilzunehmen.“
Ijoma Mangold verteidigt das utopische Versprechen des Internets als Wissensgesellschaft und nennt Gary Genslers frei zugängliche MIT-Vorlesungsreihe über Blockchain und Kryptowährungen als eindrucksvollstes Beispiel. Er beschreibt die rund 24-stündige Vorlesung als 'sensationell' und betont, dass dieses Niveau an Wissen früher nur zahlenden MIT-Studenten zugänglich war. Für ihn belegt die Vorlesung auch, dass Gensler als SEC-Chef die Materie wirklich versteht.