Die sogenannte Gegenwart – Ist Schönheit sexistisch
#029

Ist Schönheit sexistisch

Die sogenannte Gegenwart / 04. Oktober 2021 / 10 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Die Episode kreist um die Frage, ob Schönheit heute noch positiv besetzt sein darf oder längst als sexistisch und patriarchal gilt — zwischen Bodyshaming, Bodypositivity und Selbstliebe. Zuvor liefert der Gegenwartscheck eine enthusiastische Hommage an den Kompostwurm, den neuesten heißen Scheiß der urbanen Gartenkultur.

„Die Frage ist nur, ob Schönheit und das Sprechen und Schwärmen davon nicht im Gegenteil mittlerweile negativ konnotiert ist, nämlich sexistisch, patriarchal verseucht und übel kommerziell.“
🗣 Nina Pauer

Erwähnte Medien (10)

📰
Artikel

Nachruf auf Jean-Paul Belmondo

Sophie Marceau

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:16:31 „Wir hatten als Nachruf diesen Text und der war so eine unglaublich schwärmerische Feier von Jean-Paul Belmondo und zwar irgendwie, ohne dass es je plump oder auch so direkt wäre, aber im Tonfall, es war so, haaa. Wir lieben dich und zwar wofür? Für die Art, wie du bist? Nein, nicht einfach nur für die Art, wie du aussiehst, wie du dein Hemd halb offen hältst.“

Ijoma Mangold erzählt, wie ein Nachruf der Schauspielerin Sophie Marceau auf den verstorbenen Jean-Paul Belmondo den Anstoß für das heutige Thema gab. Der Text sei eine schwärmerische Feier männlicher Schönheit gewesen, die ihn wehmütig stimmte – nicht nur wegen Belmondos Tod, sondern weil diese unschuldige Art, Schönheit zu feiern, heute selten geworden sei.

Zum Artikel bei Gala.fr
Alleen Frauen Blumen
Kunst

Alleen Frauen Blumen

Eugen Gomringer

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:18:46 „Wir erinnern uns ja an die Debatte über das schwärmerische Gedicht »Alleen blumen Frauen«, hieß es, glaube ich, was da an der Berliner Hochschule an dem Haus aufgemalt wurde und einen riesen Shitstorm auslöste.“

Im Gespräch über die Frage, ob Schönheitsschwärmerei noch unschuldig sein kann, erinnert Nina Pauer an die Kontroverse um Eugen Gomringers Gedicht 'avenidas', das an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin an der Fassade stand und wegen angeblichem Sexismus entfernt wurde. Es dient als Beispiel dafür, dass männliches Schwärmen über weibliche Schönheit heute als problematisch gilt.

🛒 Amazon * 🔍 Google
Alleen Blumen Frauen
Kunst

Alleen Blumen Frauen

Eugen Gomringer

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:19:07 „Wir erinnern uns ja an die Debatte über das schwärmerische Gedicht »Alleen blumen Frauen«, hieß es, glaube ich, was da an der Berliner Hochschule an dem Haus aufgemalt wurde und einen riesen Shitstorm auslöste“

Das Gedicht wird als Beispiel für die Kontroverse um männliches Schwärmen über weibliche Schönheit im öffentlichen Raum erwähnt

🛒 Amazon * 🔍 Google
Embrace – Du bist schön
Doku

Embrace – Du bist schön

Taryn Brumfitt

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:24:59 „Also wo es mir am meisten über den Weg gelaufen ist, war ein Dokumentarfilm mit Nora Tschirner. Jetzt, wenn ich den deutschen Bereich, wo es so, das war vor vier Jahren, der hieß Embrace, der Film. Du bist schön, da geht es schon los mit der Selbstliebe.“

Nina Pauer nennt den Dokumentarfilm 'Embrace – Du bist schön' als zentrales Beispiel für die Body-Positivity-Bewegung im deutschsprachigen Raum. Der Film begleitet eine australische Mutter auf ihrem Weg von Körperselbsthass zu mehr Selbstakzeptanz. Nora Tschirner war an der deutschen Version beteiligt. Pauer fand den Film gut, kritisiert aber die Zwanghaftigkeit des Selbstliebe-Imperativs.

🛒 Amazon * 📺 JustWatch ▶️ YouTube
Body Positivity
Buch

Body Positivity

Melody Michelberger

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:29:25 „Melody Michelberger, über die wir gleich sprechen werden, die eine dieser Frauen auf Instagram ist, die ihren Körper zeigen und selbstbewusst zeigen und das ganze Thema, die hat darüber ein Buch geschrieben.“

Nina Pauer stellt Melody Michelberger als eine der zentralen Stimmen der Body-Positivity-Bewegung vor. Michelberger zeigt ihren Körper selbstbewusst auf Instagram und hat ihre Erfahrungen in einem Buch verarbeitet. Als Beispiel wird genannt, dass niemand sie auf ihre Magersucht ansprach, aber alle sie für das Abnehmen lobten.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
🎨
Kunst

Gemälde von Peter Paul Rubens (Barockabteilung)

Peter Paul Rubens

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:35:52 „Wenn man ins Museum geht, in die Barockabteilung und sich Rubens anschaut, dann weiß man, dass der Maler eine andere Vorstellung vor Augen hatte, einer schönen Frau als Kate Moss. Das ist völlig offensichtlich.“

Ijoma Mangold verweist auf Rubens' Gemälde als Beleg dafür, dass Schönheitsideale historisch variabel sind. Die üppigen Frauenkörper bei Rubens stehen im Kontrast zu modernen Schlankheitsidealen und zeigen, dass jede Epoche eigene ästhetische Normen hervorbringt.

🛒 Amazon * 🔍 Google
Fette Gedanken
Podcast

Fette Gedanken

Charlotte Kürth

🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:40:13 „Charlotte Kürth, die hat einen Podcast, der heißt Fette Gedanken, den verlinken wir auch unten stehend. Und die, in diesem eigenen Vokabular, die schalten da so Trägerwarnungen davor.“

Nina Pauer empfiehlt den Podcast 'Fette Gedanken' von Charlotte Kürth, in dem es um Body Positivity, persönliche Leidenswege und den Umgang mit dem eigenen Körper geht. Sie beschreibt, dass sie eine Folge gehört hat, in der Michelberger und Kürth miteinander über Rückfälle ins Hadern und die Reise zu sich selbst sprechen.

🎧 Spotify 🎙️ Apple Podcasts
White
Buch

White

Bret Easton Ellis

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:45:30 „das habe ich bei Brad Easton Ellis in seinem letzten Buch gelesen, jetzt weiß ich nicht mehr mehr den Titel, hieß das Snowflake oder Weiß oder irgendwie sowas, ich komme gerade nicht drauf.“

Mangold zitiert Ellis' Argument, dass in der schwulen Community die Reduktion auf den Körper nicht als Degradierung empfunden werde, sondern als erwünscht

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
White (oder: Weiß)
Buch

White (oder: Weiß)

Bret Easton Ellis

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:46:36 „Das habe ich bei Bret Easton Ellis in seinem letzten Buch gelesen, jetzt weiß ich nicht mehr den Titel, hieß das Snowflake oder Weiß oder irgendwie sowas, ich komme gerade nicht drauf. Da sagt er, er verstehe dieses Argument gar nicht, dass Frauen sich immer zum Objekt degradiert fühlen, wenn sie auf ihren Körper reduziert würden, weil in der schwulen Community wolle man genau das.“

Mangold zitiert Bret Easton Ellis, um einen Gegenpunkt zur feministischen Kritik am männlichen Blick zu setzen: In der schwulen Community werde es als positiv empfunden, auf den Körper reduziert zu werden – man lebe in einem Körperkult. Er erinnert sich nicht genau an den Titel, meint aber Ellis' Essayband 'White' (2019).

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books
The Right to Sex
Buch

The Right to Sex

Amia Srinivasan

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:53:03 „Ein Text von der sehr klugen Amir Srinivasan, sie unterrichtet, ich glaube, in Cambridge und ihr Buch The Right to Sex erscheint demnächst, ist auf Englisch schon erschienen, erscheint demnächst auf Deutsch. Ich kenne das Buch noch nicht, aber ich kenne einen sehr anregenden, inspirierenden Text.“

Ijoma Mangold führt Amia Srinivasans Buch 'The Right to Sex' als wichtige philosophische Position in die Debatte ein. Das Buch fragt, ob die Ungerechtigkeit im ungleichen Zugang zu sexuellen Beziehungen – bedingt durch Schönheitsnormen – ebenfalls hinterfragt werden muss. Mangold kennt das Buch noch nicht vollständig, verweist aber auf einen langen Essay daraus.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books