Sind Männer auch nur Eltern
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
In dieser Folge dreht sich alles um die deutsche Serie MAPA und die Frage, ob und wie sich das Elternsein mit kleinen Kindern überzeugend fiktionalisieren lässt. Nina Pauer, gerade selbst in Elternzeit, und Lars Weisbrod gestehen, dass ihre Podcast-Produktion zwischen Wickeln, Federwiege und Kita-Abholzeiten stattfindet — ein anarchisches Telefonieren mit ständigen Unterbrechungen. Im Gegenwartscheck geht es außerdem um Spotifys „Only You
„Ziemlich anarchisch telefonieren wir da zwischen Wickeln und Federwiege und Kita bringen und Abholzeiten und Krabbeldecken und es fallen alle typischen Sätze so, er ist aufgewacht, lass später weiter telefonieren.“
Erwähnte Medien (14)
MAPA
Alexander Lindh
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:57 „Wir sprechen natürlich nicht über Bitcoin. Wir sprechen über alleinerziehende Väter unter anderem jedenfalls, denn wir haben beide die großartige deutsche Serie MAPA gesehen. Und da geht es um ein Thema, das uns auch, sagen wir mal, privat interessiert. Es geht ums Elternsein und das Elternwerden.“
MAPA ist das Hauptthema dieser Episode. Die Serie handelt von einem alleinerziehenden Witwer namens Metin Müller in Berlin, der sich um seine kleine Tochter Lene kümmert. Lars Weisbrod und Nina Pauer diskutieren ausführlich die realistische Darstellung von Elternschaft, die detailgetreue Inszenierung des Alltags mit Kleinkind und die Qualität als sogenannte 'Sadcom'. Beide Sprecher sind selbst junge Eltern und fühlen sich von der Serie in ihrer Lebenswelt abgeholt.
Jimmy Eat World
Jimmy Eat World
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:03:30 „Ich hatte dann zum Beispiel die Information, dass sonst kaum jemand die Emo-Rockband Jimmy Eat World hört und danach irgendwelche Deutschrap-Tracks. Also diese Kombination macht mich zu was Besonderem.“
Lars Weisbrod erzählt von der Spotify-Kampagne 'Only You', die Nutzern ihre einzigartigen Hörgewohnheiten zeigt. Dabei wird ihm angezeigt, dass kaum jemand sonst die Emo-Rockband Jimmy Eat World hört und danach Deutschrap.
Bobo Siebenschläfer
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:03:47 „Also nur du bist so freakig und hörst irgendwie zum einen das und dann hörst du nochmal Bobo Siebenschläfer und dann hörst du irgendwie nochmal dich selber und so.“
Nina Pauer scherzt über die Spotify-Only-You-Auswertung und erfindet humorvoll absurde Hör-Kombinationen, wobei sie Bobo Siebenschläfer als typisches Kinder-Hörspiel nennt, das im Kontrast zu Emo-Rock und Deutschrap steht.
Die Gesellschaft der Singularitäten
Andreas Reckwitz
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:04:06 „Ja, aber mit Bestimmungen. Genau, also erstmal geht es natürlich, Stichwort Gesellschaft der Singularitäten. Spotify will allen Leuten vermitteln, ihr seid nicht nur Opfer unserer Modus Mew Playlist.“
Im Gegenwartscheck spricht Lars Weisbrod über die Spotify-Kampagne 'Only You', die Nutzern ihre angebliche Einzigartigkeit spiegelt. Er verweist dabei auf Andreas Reckwitz' soziologisches Konzept der 'Gesellschaft der Singularitäten' als theoretischen Rahmen für dieses Phänomen der inszenierten Individualität.
Brazilian Buttlift (Artikel)
Fabienne Hurst
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:08:45 „meine liebe Kollegin Fabienne Hurst einen Text geschrieben über den Brazilian Buttlift“
Ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der ZEIT über die Schönheitsoperation Brazilian Butt Lift wird im Gegenwartscheck vorgestellt
Warum ich mich rechtfertigen muss, die Pille noch zu nehmen
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:36 „Letztens im Spiegel Online gab es so, warum ich mich rechtfertigen muss, die Pille noch zu nehmen“
Nina erwähnt einen Spiegel-Online-Artikel im Kontext der Debatte um hormonelle Verhütung und das zunehmende Out-Sein der Pille
Junior
Ivan Reitman
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:16:41 „Das hat mich schon wirklich sehr schlimm erinnert an diese 90er-Filme, wo dann so starke Männer wie Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito, glaube ich, plötzlich sich um so ein Baby kümmern mussten und dann diese Stumpfe, so, Männer, wickeln, wie geht denn das?“
Nina Pauer beschreibt ihre anfänglichen Berührungsängste mit der Serie MAPA und nennt als Negativbeispiel die 90er-Komödien mit Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito, in denen Männer unbeholfen mit Babys umgehen. Sie grenzt MAPA positiv von diesem stereotypen, als sexistisch empfundenen Genre ab.
Kindergarten Cop
Ivan Reitman
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:16:59 „diese 90er-Filme, wo dann so starke Männer wie Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito, glaube ich, plötzlich sich um so ein Baby kümmern mussten“
Nina verweist auf typische 90er-Jahre-Komödien mit Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito als Kontrast zu MAPA, um das abgedroschene Genre-Klischee zu beschreiben
Heinz-Erhard-Filme
Heinz Erhardt
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:17:46 „bei so einer komischen Heinz-Erhard-Klamotte. Das ist doch der deutsche Nachkriegsfilm, der in diesem völligen Eskapismus dauernd hat, Heinz Erhard oder irgendwelche Leute als Witwer mit sieben Töchtern auftreten lassen“
Lars verweist auf die deutsche Nachkriegsfilm-Tradition mit Heinz Erhardt als Witwer-Figur, um das Genre-Klischee zu kontextualisieren, das MAPA überwindet
Game of Thrones
David Benioff, D. B. Weiss / George R. R. Martin
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:12 „Eltern wollen, wenn sie 30 Minuten Zeit haben, dann irgendwie lieber Game of Thrones gucken oder so. Also irgendwie Eskapismus und nicht Hyperrealismus.“
Nina Pauer nutzt Game of Thrones als Beispiel für eskapistisches Fernsehen – das Gegenteil dessen, was MAPA bietet. Ihre These: Eltern hätten in ihrer knappen Freizeit lieber Unterhaltung als hyperrealistische Darstellungen ihres eigenen Alltags.
Verhocken von Lebenszeit
Ursula Merz
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:27:49 „Was mir einfiel beim Schauen der Serie war ein Artikel vor ein paar Jahren von unserer Kollegin Ursula Merz in der Zeit und die hatte mal so einen Rückblick, also ein Fazit nach 18 Jahren zum 18. Geburtstag ihrer Tochter geschrieben und schrieb auf, was für sie Eltern sein am meisten war und schrieb, dass es vor allem darum ging, rumzusitzen.“
Nina Pauer zieht eine Parallele zwischen der Serie MAPA und einem ZEIT-Artikel von Ursula Merz, die zum 18. Geburtstag ihrer Tochter über das 'Verhocken von Lebenszeit' als Eltern schrieb – das endlose Herumsitzen am Kinderbett, am Sandkistenrand oder vor der Umkleidekabine.
Lieben
Karl Ove Knausgård
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:29:03 „Da fiel mir Karl-Ove Knausgart ein, dieses eines dieser fetten Bücher, nämlich Liebe. Und da schreibt er ja ganz viel darüber, wie er mit seinen, nimmt er einen mit auf Kindergeburtstage, diese öden Elterngespräche.“
Nina Pauer vergleicht MAPA mit Knausgårds autobiografischem Roman 'Lieben' (Band 2 von 'Min Kamp'/'Mein Kampf'), der ebenfalls den hyperrealistischen Alltag von Elternschaft minutiös schildert – öde Kindergeburtstage, Babykurse, das endlose Rumhocken. Für sie hat Knausgård eine ähnlich tröstende Wirkung wie MAPA: Man fühlt sich abgebildet und dadurch versöhnt mit dem eigenen Elternleben.
Atlanta
Donald Glover
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:33:02 „Und ähnlich auch, um das als zweiten Verweis zu nennen, die Serie Atlanta von Donald Glover. Da spielt Donald Glover auch einen jungen Vater. Das Kind steht nicht ganz so im Mittelpunkt, aber auch da habe ich, also Mapa hat zum ersten Mal diese Vibes, die ich nur aus den USA kenne, für mich in so einer deutschen Serie irgendwie geschafft unterzubringen.“
Lars Weisbrod zieht Atlanta als zweite amerikanische Referenz für MAPA heran. Er betont, dass MAPA als erste deutsche Serie die besondere Stimmung einfängt, die er bisher nur aus US-Serien wie Atlanta und Louie kannte – eine Mischung aus Realismus und surrealen Brüchen mit einem jungen Vater im Zentrum.
Pastewka
🗣 Nina Pauer erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:38:31 „Also es ist cool, dass er das macht, so wie eben die Amerikaner immer oder bei Bastian Pastewka, dass er dann selber Bastian Pastewka ist.“
Nina Pauer erwähnt die Serie Pastewka als weiteres Beispiel für das autofiktionale Erzählprinzip, bei dem ein Künstler sich selbst spielt. Sie vergleicht es mit der Meta-Ebene in MAPA, wo Metin als Drehbuchautor arbeitet, meint aber, sie hätte diese selbstreferenzielle Schicht nicht unbedingt gebraucht.