Wir haben nichts zu verlieren als unsere Ketten!
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Zwei Feuilletonisten wagen sich an den Bitcoin — nach monatelanger Vorbereitung, die vor allem Ijoma Mangold als Literaturwissenschaftler an seine Grenzen brachte. Vorher wird im Gegenwartscheck der Rosenquarzroller gewürdigt, jenes Beauty-Gadget, das die paradoxe Anforderung der Kosmetikindustrie verkörpert: permanent innovativ und gleichzeitig in der Natur verwurzelt zu sein.
„Seit Monaten raucht mir der Kopf, seit Monaten versuche ich, die Blockchain zu begreifen. Und das ist ja für einen Literaturwissenschaftler, wie ich einer bin, der sich eher auf den Schwung der Worte als auf die Logik von Formeln versteht, wirklich keine ganz einfache Sache.“
Erwähnte Medien (12)
Allegro Pastell
Leif Randt · 2020
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:04:06 „Irgendwann war das quasi neu. Dann hat es, würde ich so sagen, in Allegro Pastel unser von uns beiden bewunderte Schriftsteller live randexzessiv aufgegriffen und verwendet. Da würde ich sagen, das war so die Phase, okay, kurz vorm Durchbruch zum Standard.“
Ijoma Mangold beschreibt die Karriere des Wortes 'nice' durch verschiedene kulturelle Phasen. Er verortet den Roman 'Allegro Pastell' von Leif Randt als den Moment, in dem das Wort kurz vor dem Mainstream-Durchbruch stand – der Autor habe es literarisch aufgegriffen.
Ministerium der Träume
Hengameh Yaghoobifarah
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:04:18 „Der Mainstream war dann erreicht, gewissermaßen Späß mit Jagobi Farah, Ministerium der Träume. Da sprachen alle nur noch von nice. Da wusste man, das ist jetzt voll in der Breite angekommen.“
Im Kontext der Verbreitung des Wortes 'nice' nennt Mangold den Roman 'Ministerium der Träume' als den Punkt, an dem das Wort den vollen Mainstream erreicht hatte. Das Buch dient hier als kultureller Marker für den Höhepunkt eines Sprachtrends.
Der Prinz von Bel-Air
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:05:11 „Dann haben die vielleicht alte Prinz von Bel-Air-Folgen gerade bei Super RTL gesehen oder so aus den 80ern“
Wird scherzhaft als mögliche Erklärung genannt, warum Jugendliche das Wort 'fresh' verwenden könnten
Artikel über die Bearbeitung der Erika-Fuchs-Übersetzungen von Donald Duck
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:17:01 „Ich habe kürzlich irgendwo gelesen, ich glaube in der FAZ, ein interessanter Artikel, wie die Übersetzung von der Erika Fuchs, die Donald Duck legendärerweise ja ins Deutsche übersetzt hat, jetzt bearbeitet werden soll“
Wird als Beispiel für den Trend genannt, kulturelles Erbe an heutige moralische Standards anzupassen
Donald Duck (Erika-Fuchs-Übersetzungen)
Erika Fuchs
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:17:14 „Ich habe kürzlich irgendwo gelesen, ich glaube in der FAZ, ein interessanter Artikel, wie die Übersetzung von der Erika Fuchs, die Donald Duck legendärerweise ja ins Deutsche übersetzt hat, jetzt bearbeitet werden soll und natürlich alles eliminiert werden soll, was irgendwie gegen Ableism, Lookism, Racism, Sexism und was es sonst noch im Angebot gibt, bereinigt werden soll.“
Mangold greift Ninas Thema der zeitgemäßen Überarbeitung von Kinderliteratur auf und verweist auf die geplante Bearbeitung der legendären Erika-Fuchs-Übersetzung von Donald Duck, bei der problematische Begriffe wie 'Fettwanst' getilgt werden sollen – ein Beispiel dafür, wie kulturelles Erbe an heutige Moralvorstellungen angepasst wird.
Artikel über die Bearbeitung der Erika-Fuchs-Übersetzung
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:14 „Ich habe kürzlich irgendwo gelesen, ich glaube in der FAZ, ein interessanter Artikel, wie die Übersetzung von der Erika Fuchs, die Donald Duck legendärerweise ja ins Deutsche übersetzt hat, jetzt bearbeitet werden soll.“
Mangold erwähnt einen FAZ-Artikel über die geplante Überarbeitung der Erika-Fuchs-Donald-Duck-Übersetzung. Er ist sich nicht ganz sicher, ob es die FAZ war, nutzt den Artikel aber als Beleg für den Trend, kulturelles Erbe an heutige Sensibilitäten anzupassen.
Werke von Friedrich Kittler (Medientheorie)
Friedrich Kittler
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:20:42 „Das wissen wir von Friedrich Kittler, um mal so eine Föhn-Hund-Dimension hier noch einzuziehen. Also Hardware, das unbekannte Wesen. Selbst die Leute, die viel mit Computern zu tun haben, haben in sehr vielen Fällen überhaupt keine Ahnung von der Struktur dahinter.“
Lars Weisbrod verweist auf den Medienwissenschaftler Friedrich Kittler und dessen Arbeiten über den Unterschied zwischen Hardware und Software, um die Diskussion über Blockchain und Dezentralität intellektuell einzuordnen. Kittler wird als wichtigster deutscher Medienwissenschaftler bezeichnet, ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt.
Hoddeln
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:30:51 „Ich glaube vor drei Jahren oder so, gab es einen Wahnsinnssong, wo ungefähr jeder wichtige deutsche Rapper dabei war. Und sie haben alle zusammen über Bitcoins und über Kryptowährungen gerappt, weil sie das so als Hype-Thema entdeckt haben. Hoddeln hieß der Song.“
Lars Weisbrod beschreibt die kulturelle Seite des Bitcoin-Hypes und nennt als Beispiel einen deutschen Rap-Song, an dem zahlreiche bekannte Rapper beteiligt waren. Der Song nutzte Bitcoin-Slang als neue Codes in den Texten – ein Phänomen, das Lars mit der typischen Rap-Kultur vergleicht, in der Insider-Begriffe eine zentrale Rolle spielen.
Skin in the Game
Nassim Nicholas Taleb
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:35:59 „Stichwort Skin in the Game, mit eigenem Geld dabei sein. Und zwar jetzt nicht einfach, weil man damit Geld verdienen will, sondern weil man damit beglaubigt, dass es nicht nur dahingeredet ist.“
Ijoma Mangold verwendet den Begriff 'Skin in the Game' als Konzept dafür, dass man durch eigenes finanzielles Investment seine Überzeugung beglaubigt – etwa dass Social Media oder Bitcoin das nächste große Ding ist. Der Ausdruck geht auf Nassim Nicholas Talebs gleichnamiges Buch zurück.
Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System
Satoshi Nakamoto
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:52:01 „Aber Satoshi Nakamotos Leistung muss wohl darin bestanden haben, diese drei Elemente zusammengeführt zu haben in einem berühmten White Paper. Ich glaube, das ist 2008 veröffentlicht worden und da hat er den Bitcoin skizziert.“
Ijoma Mangold erklärt die Entstehungsgeschichte des Bitcoin und hebt das 2008 veröffentlichte White Paper von Satoshi Nakamoto als Schlüsselmoment hervor. Die Leistung des pseudonymen Autors habe darin bestanden, drei bestehende Wissensgebiete – Kryptografie, verteilte Computernetzwerke und Spieltheorie – erstmals in einem Konzept zusammenzuführen.
Fairy Tales Retold
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:56:43 „Das heißt Fairy Tales Retold und da geht es darum, dass Märchen, alte Märchen oder die Standardmärchen, neu geschrieben werden, aber im Hinblick auf Diversität und Gender und all sowas. Ein User hat geschrieben, also ein Elternteil, danke für dieses Buch, da ging es um die sieben Zwerge, jetzt konnten wir als People of Color uns in einem dieser Zwerge wiederfinden.“
Nina Pauer stellt eine Kinderbuchreihe vor, die klassische Märchen unter Diversitäts- und Genderaspekten neu erzählt. Sie beschreibt es als Beispiel für einen breiteren Trend zeitgemäßer Kinderliteratur, die traditionelle Rollenbilder und Stereotype hinterfragt.
Star Wars
George Lucas
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:09:39 „Das klingt schon so toll. Also das ist vielleicht auch das Faszinierende. Das klingt schon wie aus Star Wars oder so. Wir müssen zu Ada in System Cardano.“
Lars Weisbrod vergleicht die Begrifflichkeiten der Kryptowelt – insbesondere den Coin ADA auf dem System Cardano – mit der Science-Fiction-Welt von Star Wars. Der Vergleich unterstreicht humorvoll, wie futuristisch und fremdartig die Terminologie der Blockchain-Technologie auf Außenstehende wirkt.