Als Sex noch Spaß gemacht hat
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Die Episode dreht sich um die Rückkehr von Sex and the City als Neuauflage und die Frage, wie gegenwärtig diese Serie aus den späten Neunzigern noch ist — Anlass für ein ausgiebiges Rewatch-Wochenende auf Sky. Zuvor liefert der Gegenwartscheck ein kurioses Zeitgeist-Phänomen: den viralen Hype um Sea Shanties auf TikTok, bei dem weltweit Menschen alte Seemannslieder im Viervierteltakt anstimmen.
„Sea Shanties sind Seemännerlieder aus dem 19. Jahrhundert, die in einem Viervierteltakt mit einer eingängigen, leicht melancholischen, gleichwohl abenteuerlustigen Musik gesungen werden.“
Erwähnte Medien (19)
And Just Like That…
Michael Patrick King / HBO
🗣 Nina Pauer referenziert „Das Reboot wird And Just Like That heißen, was Carrie ja auch immer tippt. Sehr wichtig ist Samantha, in der Fortsetzung von Sex and the City, die übrigens nicht Sex and the City heißt.“
Die Sprecher erwähnen das geplante Reboot von Sex and the City unter dem Titel 'And Just Like That'. Besonders diskutiert wird, dass die Figur Samantha in der Fortsetzung nicht mehr dabei ist – ein Verlust, den Mangold als bedeutsam einschätzt.
Sex and the City
Darren Star
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:06 „Wir meinen natürlich Sex and the City. Eine Serie, die natürlich schon 1998 anlief, im 20. Jahrhundert.“
Sex and the City ist das zentrale Thema dieser Podcast-Folge. Die Sprecher diskutieren die Ankündigung eines Reboots durch HBO und fragen sich, ob die Serie noch gegenwärtig ist oder ob sich die Zeiten so verändert haben, dass eine Neuauflage scheitern muss. Beide Hosts haben sich zur Vorbereitung die Serie nochmal angeschaut.
Wellerman
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:22 „Der Wellerman, um den ging es da. Das habe ich so mitbekommen. Das war das Lied May the Wellerman Come oder so. Ich habe das nur so am Rande verfolgt.“
Im Gegenwartscheck spricht Ijoma Mangold über den TikTok-Trend, alte Sea Shanties (Seemannslieder) zu singen. Lars Weisbrod identifiziert den konkreten Song, der den viralen Trend ausgelöst hat, als 'Wellerman'.
Danke für nichts
Die Onkelz
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:08:19 „Ich kann dir den Punkt nicht geben, ich habe gerade nochmal nachgeguckt, das Onkelslied Danke für nichts, ist von 1995. War auf Hier sind die Onkels.“
Als Ijoma Mangold die Phrase 'Danke für nichts' als neues Gegenwartsphänomen vorstellt, kontert Lars Weisbrod mit dem Hinweis, dass es bereits 1995 einen gleichnamigen Song der Böhsen Onkelz gab und die Phrase daher nicht so neu sei wie behauptet.
Hier sind die Onkelz
Böhse Onkelz
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:25 „Ich habe gerade nochmal nachgeguckt, das Onkelslied Danke für nichts, ist von 1995. War auf Hier sind die Onkels.“
Lars Weisbrod nennt das Album 'Hier sind die Onkelz' der Böhsen Onkelz als Quelle für den Song 'Danke für nichts', um zu belegen, dass die Phrase bereits seit 1995 existiert.
Breakfast at Tiffany's
Truman Capote
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:43 „Welcome to the age of uninnocence. No one has breakfast at Tiffany's and no one has affairs to remember.“
In einem eingespielten Trailer-Ausschnitt von Sex and the City wird Truman Capotes 'Breakfast at Tiffany's' als kulturelle Referenz zitiert. Die Voice-Over-Stimme der Serie kontrastiert die alte romantische Ära mit der neuen Ära der Unschuld, in der niemand mehr 'Frühstück bei Tiffany' hat.
The Age of Innocence (Zeit der Unschuld)
Edith Wharton
🗣 Unbekannt erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:43 „Welcome to the age of uninnocence. No one has breakfast at Tiffany's and no one has affairs to remember.“
Das Wortspiel 'age of uninnocence' im Serientrailer spielt auf Edith Whartons Roman 'The Age of Innocence' an, der ebenfalls in der New Yorker Oberschicht spielt. Die Negation – 'un-innocence' statt 'innocence' – signalisiert den Verlust der Unschuld in der modernen Dating-Welt.
An Affair to Remember
Leo McCarey
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:27:47 „No one has breakfast at Tiffany's and no one has affairs to remember. Instead, we have breakfast at 7am and affairs we try to forget as quickly as possible.“
Im eingespielten Sex-and-the-City-Trailer wird der Filmklassiker 'An Affair to Remember' (1957) als kulturelle Referenz aufgegriffen. Die Serie nutzt das Wortspiel, um den Wandel von romantischen Idealen zur pragmatischen modernen Datingwelt zu illustrieren.
Beverly Hills, 90210
Darren Star
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:34 „Der Erfinder heißt Darren Star und hat vorher, das wusste ich bis ich nachgeguckt habe, gar nicht, dass der Beverly Hills 90210 und Maris Place gemacht hat. Also jemand, der viel Fernsehgeschichte geschrieben hat und dann Sex in the City.“
Lars Weisbrod ordnet den Serienschöpfer Darren Star ein und zeigt sich überrascht, dass dieser zuvor bereits Beverly Hills, 90210 geschaffen hatte – eine andere prägende Serie der 90er Jahre. Die Erwähnung dient dazu, Stars Bedeutung für die Fernsehgeschichte zu unterstreichen.
Melrose Place
Darren Star
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:34 „Der Erfinder heißt Darren Star und hat vorher, das wusste ich bis ich nachgeguckt habe, gar nicht, dass der Beverly Hills 90210 und Maris Place gemacht hat. Also jemand, der viel Fernsehgeschichte geschrieben hat.“
Weisbrod nennt Melrose Place (im Transkript als 'Maris Place' verschrieben) als weiteres Werk von Darren Star, um dessen Bedeutung als Serienschöpfer zu verdeutlichen. Star hat damit gleich drei kulturell prägende Serien geschaffen.
Sex and the City (Peter Praschl)
Peter Praschl
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:31:54 „Ein bisschen böse in einem Buch, was wir auch unten verlinken über Sex and the City von Peter Praschl, schreibt Peter Praschl, letztlich basiert die Serie ja auch auf diesem Frauenzeitschrift Persönlichkeitstests-Modus.“
Lars Weisbrod verweist auf ein Buch von Peter Praschl über Sex and the City, das in den Shownotes verlinkt wird. Praschl analysiert darin die Serienstruktur als eine Art Persönlichkeitstest-Format nach dem Muster von Frauenzeitschriften.
The Sopranos
David Chase
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:36:33 „Ich glaube, das ist auf jeden Fall auf diesem Gandolfini-Sopranos-Level, dass da ein Schauspieler und ein Drehbuch und eine geniale Rolle irgendwie zusammengefunden haben.“
Nina Pauer vergleicht die Leistung von Sarah Jessica Parker als Carrie Bradshaw mit James Gandolfinis ikonischer Darstellung in den Sopranos. Beide Serien stehen für sie auf dem gleichen Niveau, was die Verschmelzung von Schauspielkunst und Drehbuch betrifft – ein Vergleich, der Sex and the City künstlerisch aufwertet.
Emily in Paris
Darren Star
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:42:14 „Der Sex in the City-Macher hat gerade eine neue Serie, die viel diskutiert wird, Emily in Paris, die ganz anders ist als Sex in the City, weil sie eher auf so einem Trash-Level reinkommt. Und Teil davon, was ich an Emily in Paris tatsächlich wirklich eklig finde, ich kann mir das schwer angucken, ist, dass die Hauptfigur Social-Media-Expertin ist.“
Nina Pauer kontrastiert Sex and the City mit Darren Stars aktueller Serie Emily in Paris. Ihre steile These: Eine Serie mit einer schreibenden Hauptfigur funktioniert fundamental anders als eine mit einer Social-Media-Expertin. Sie empfindet Emily in Paris als 'eklig' – gerade weil der Beruf der Hauptfigur die erzählerische Tiefe von Carries Kolumnistinnen-Dasein nicht erreichen könne.
Dallas
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:51:45 „Naja, jetzt nicht Upper-Class, so wie man in Dallas oder Denver Clan sich die Upper-Class vorstellt, aber jedenfalls, um an diesem Lebensstil der Vier teilzuhaben, muss man schon ziemlich gut monetarisiert sein.“
Mangold grenzt die Lebenswelt von Sex and the City von den klassischen Upper-Class-Serien Dallas und Denver Clan ab. Die Frauen in Sex and the City leben zwar wohlhabend, aber nicht in der übertriebenen Opulenz früherer TV-Dynastien.
Der Denver-Clan
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:51:45 „Naja, jetzt nicht Upper-Class, so wie man in Dallas oder Denver Clan sich die Upper-Class vorstellt, aber jedenfalls, um an diesem Lebensstil der Vier teilzuhaben, muss man schon ziemlich gut monetarisiert sein.“
Zusammen mit Dallas wird der Denver Clan als Vergleichsfolie herangezogen, um die soziale Schicht der Sex-and-the-City-Protagonistinnen einzuordnen. Die Serie dient als Beispiel für eine übertriebene TV-Darstellung von Reichtum.
Silicon Valley
Mike Judge
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:56:32 „Ich glaube, als wir über Silicon Valley gesprochen haben, hast du ja auch schon die These vertreten, vielleicht ist das Silicon Valley ja nichts anderes als eine Immobilienspekulation.“
Mangold verweist auf eine frühere Podcast-Folge, in der sie die HBO-Serie Silicon Valley besprochen haben. Er zieht eine Parallele zu Sex and the City: Beide Serien hätten eine Immobiliendimension — bei Silicon Valley als Spekulation, bei Sex and the City als märchenhafte Unwahrscheinlichkeit, dass eine Kolumnistin sich ein solches Apartment leisten kann.
I Like to Watch
Emily Nussbaum
🗣 Nina Pauer empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:01:51 „Bitte sehr weitergeholfen bei dem Erklären dieser Serie, auch aus dem Rückblick, hat mir ein Text der großartigen Fernsehkritikerin Emily Nussbaum geschrieben. Ich glaube, die einzige Fernsehkritikerin, die je den Pulitzer-Preis dafür bekommen hat, die schreibt für den New Yorker, da ist der Text erschienen über Sex and the City. Der ist auch in ihrem tollen Buch I Like to Watch, wo sie ihre wichtigsten Texte versammelt hat.“
Nina Pauer empfiehlt das Buch als ihren Literaturtipp der Folge. Emily Nussbaums Essaysammlung enthält einen Text über Sex and the City, der Pauer beim Verständnis der Serie aus heutiger Perspektive sehr geholfen habe. Nussbaum verteidigt darin die Serie als wegweisend für die gesamte Qualitätsserien-Ära bei HBO.
Difficult Men
Brett Martin
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 01:02:25 „Und sozusagen verteidigt Emily Nussbaum die Serie gegenüber einem anderen Autor. Der hat dieses Buch geschrieben, das Buch heißt Difficult Man. Der erzählt die Geschichte, wie die neue Qualitätsserie bei HBO entstanden ist. Und verwirft als Mann so böse Sex and the City.“
Nina Pauer erwähnt das Buch als Gegenposition zu Emily Nussbaums Verteidigung von Sex and the City. Der Autor von Difficult Men erzähle zwar die Entstehung der HBO-Qualitätsserien, tue aber Sex and the City als unwichtig ab — was Nussbaum zu Recht kritisiere, da die Serie ein Jahr vor den Sopranos startete und die ganze Qualitätsserien-Bewegung mitbegründet habe.
Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene
Donna Haraway
🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 01:05:46 „Und diese beiden Sachen haben mich auf dieses Zitat gebracht, das ich kenne von unserer ehemaligen Kollegin Marie Schmidt jetzt bei der SZ, die mal bei uns über die Feministin Donna Haraway geschrieben hat und einer ihrer wichtigsten Sätze, den ich mir jedenfalls gemerkt habe, ist Make kin not babies.“
Nina Pauer bringt Donna Haraways berühmten Satz 'Make kin not babies' als philosophischen Schlüssel für Sex and the City ins Gespräch. Die vier Freundinnen lebten genau dieses Konzept: Verwandtschaft und Beziehungen jenseits der traditionellen Familie — untereinander und mit der Stadt New York. Pauer kennt das Zitat über einen Artikel der ehemaligen ZEIT-Kollegin Marie Schmidt.