Wir weinen dem Verbrenner eine Träne nach
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Zum Jahresauftakt 2021 widmen sich die beiden einem klassischen Männerthema: dem Auto. Anlass ist die These, der Verbrenner sei am Ende — und damit der richtige Moment, um auf die glorreiche Geschichte des Automobils zurückzublicken, seine Soziologie und Ökonomie zu beleuchten und zu fragen, was davon ins Zeitalter des Elektroautos hinübergerettet wird. Im Gegenwartscheck wird außerdem der Oktopus zum neuen Modetier erklärt, dem man seine kulinarische Verwertung zunehmend übelnimmt, weil er angeblich so intelligent sei.
„Eigentlich heißt es ja, Autos seien over, der Verbrenner gehöre der Vergangenheit an — aber wäre das dann eben jetzt zumindest der richtige Moment, um noch einmal auf die glorreiche Geschichte des Automobils zurückzuschauen, auf seine Soziologie, auf seine Ökonomie und gleichzeitig zu fragen, wie viel davon ja möglicherweise doch gerettet wird hinüber ins Zeitalter des Elektroautos.“
Erwähnte Medien (5)
The Sucker, the Sucker!
Amia Srinivasan
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:05:10 „Es gibt doch diesen Essay, mit dem diese Philosophin Srini Varsan so bekannt geworden ist. Ich glaube in der London Review of Books. Da ging es um so Bücher über Oktopusse.“
Im Gegenwartscheck diskutieren Ijoma Mangold und Lars Weisbrod den Tintenfisch als neues Modetier, das wegen seiner Intelligenz nicht mehr gegessen werden soll. Weisbrod erinnert sich an einen vielbeachteten Essay der Philosophin Amia Srinivasan in der London Review of Books über Oktopus-Bücher, der das Thema für ihn als Trend sichtbar gemacht habe.
Die Gesellschaft der Singularitäten
Andreas Reckwitz
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:26:08 „Reckwitz würde sagen, auch Städte oder mein Viertel hat irgendeine Identität, aber das ist dann zu groß, das kann ich dann nicht fassen.“
Lars Weisbrod diskutiert, warum das Auto als Bedeutungsträger die perfekte Größe hat – nicht zu klein wie ein Smartphone, nicht zu groß wie ein Stadtviertel. Er verweist dabei auf Reckwitz' Konzept von Identitäten und Singularitäten, um die Idee zu stützen, dass auch Orte Identität vermitteln, aber schwerer greifbar sind als ein Auto.
Annie Hall (Der Stadtneurotiker)
Woody Allen
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:31:18 „Zentral oder ganz wichtig dabei der Saab. Ich erinnere noch, der schöne Film von Woody Allen, Stadtneurotiker, Annie Hall, wenn die da an Weihnachten durch Los Angeles fahren, in was für einem Auto sitzen sie? Na, selbstverständlich in einem Saab.“
Mangold nutzt den Film als Beleg für seine These, dass bestimmte Automarken als bewusste Anti-Statements fungierten. Der Saab in Annie Hall steht für das intellektuelle, nicht-protzig Milieu — ein Auto, das gerade dadurch Identität stiftet, dass es vorgibt, keine Identität über Automarken vermitteln zu wollen.
Are We There Yet?
Dan Albert
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:18 „Dan Albert, also einfach Albert, das Buch heißt Are We There Yet? Schöner Titel, also das Kind, was sozusagen hinten fragt, sind wir schon da, sind wir schon da? Es ist aber eine Geschichte des Automobils. Vor allem oder hauptsächlich für Amerika, für die Vereinigten Staaten, aber man kann auch vieles davon übertragen.“
Weisbrod empfiehlt das Buch als zentrale Quelle für die Folge. Er hebt hervor, dass Albert — den er als 'Americas only Marxist Autocritic' beschreibt — eine Kontingenzgeschichte des Automobils erzählt, in der sich der Verbrennungsmotor nur durch Zufall gegen das Elektroauto durchsetzte. Weisbrod gibt zu, viel aus dem Buch für den Podcast gezogen zu haben.
Das moderne Leben
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:57:49 „Ein neues Produkt, Moderna zu nennen, klingt so wie modernes Leben. Als es in der Zeit noch die Rubrik das moderne Leben gab, so 70er Jahre.“
In der Abschlussrubrik 'Die sogenannte Zukunft' spekulieren die Hosts darüber, welchen COVID-Impfstoff sie bekommen werden. Mangold assoziiert den Namen 'Moderna' mit der ehemaligen ZEIT-Rubrik 'Das moderne Leben', die er in die 70er-Jahre verortet – eine beiläufige, nostalgische Erwähnung.