Der ultimative Christencheck
Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
In der letzten Folge des Jahres 2020 stellen sich die drei die Gretchenfrage: Wie hältst du es mit der Religion? Doch bevor es ans Eingemachte geht, liefert der Gegenwartscheck einen unvergesslichen Moment — Lars entdeckt im Carsharing-Audi das kabellose Laden und stürmt begeistert in den Saturn, während Ijoma fassungslos die Grundlagen der Elektrizität in Frage stellt.
„Ich habe immer davon geträumt, wenn doch alles so übertragen wird, warum kann nicht auch der Strom, so wie Schallwellen oder keine Ahnung, wie elektrische Signale auch durch die Luft übertragen werden?“
Erwähnte Medien (17)
Faust
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:00:56 „Wie hältst du es mit der Religion, Lars? Die Gretchenfrage.“
Ijoma Mangold leitet das Hauptthema der Folge – Religion – mit der berühmten Gretchenfrage ein, die aus Goethes Faust stammt. Er verwendet sie als geflügeltes Wort, um die zentrale Frage der Episode zu formulieren: Welche Rolle spielt Religion im Leben der beiden Hosts?
Große Schuhe
Antonia Baum
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:15:16 „Dieser Daunenmantel, ein bestimmtes Schuhwerk, was Antonia Baum mal bei uns in der Zeitung als große Schuhe beschrieben hat, ganz simpel.“
Lars Weisbrod beschreibt die modische Standarduniform der Frauen in Hamburg-Eppendorf im Winter 2020 – Daunenmantel, bestimmte Mütze und ein Schuhwerk, das Antonia Baum in einem ZEIT-Artikel schlicht als 'große Schuhe' bezeichnet hatte. Die Erwähnung dient als beiläufige Referenz im Rahmen seines Gegenwartscheck-Punktes über Daunenmäntel.
Vaterunser (Matthäus 6,9-13)
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:22:28 „Vater unser, der du bist im Himmel, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“
Im Rahmen des selbsterfundenen 'Christenchecks' versuchen Lars Weisbrod und Ijoma Mangold, zentrale christliche Texte aus dem Gedächtnis aufzusagen. Ijoma Mangold rezitiert das Vaterunser nahezu vollständig als ersten Test ihrer religiösen Grundkenntnisse.
Ave Maria (Gegrüßet seist du, Maria)
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:23:12 „Ich habe aber, ich wüsste nicht mal, wie es anfängt. Gegrüßet seist du Maria, gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes und dann ist Schluss bei mir.“
Als zweiten Teil des 'Christenchecks' versucht Lars Weisbrod das Ave Maria aufzusagen, scheitert aber nach wenigen Zeilen. Beide diskutieren dann die körperliche Sprache des Gebets, die besonders auf Jugendliche befremdlich wirke.
Apostolisches Glaubensbekenntnis
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:29:29 „Ich kann das kurz nochmal zusammenfassen, weil ich habe jetzt das Glaubensbekenntnis auf der Website vom Vatikan gefunden, das apostelische Glaubensbekenntnis.“
Weisbrod googelt das apostolische Glaubensbekenntnis und liest es vollständig vor, nachdem beide festgestellt haben, dass sie es nicht mehr auswendig können. Mangold kommentiert es als 'irre geilen Text' und nutzt es als Ausgangspunkt für eine Diskussion über Orthodoxie und Dogmatik.
Reineke Fuchs
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:33:10 „Und an Pfingsten wurde dann aus Goethes Reinicke Fuchs was vorgelesen, weil das beginnt eben mit dem Pfingstfest. Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen, es grünten und blühten, Feld und Wald.“
Mangold erzählt von seiner religiösen Sozialisierung und den Ritualen seiner Mutter. Zu Pfingsten wurde aus Goethes Reineke Fuchs vorgelesen – ein Beispiel dafür, wie seine Mutter den christlichen Kalender mit literarischen Traditionen verband.
Orthodoxy (Verteidigung der Orthodoxie)
G. K. Chesterton
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:35:29 „Und weil das ja so Standard ist, ist es natürlich dann auch wieder eine attraktive Gegenposition, mit dem tollen englischen Kriminalautor und Theologiedenker Chesterton die Verteidigung der Orthodoxie zu versuchen.“
Mangold beschreibt seine Faszination für das Orthodoxe und Dogmatische im Christentum als Gegenposition zum liberalen Mainstream. Er verweist auf Chesterton als Vorbild für eine intellektuelle Verteidigung der Orthodoxie – jemand, der als Kriminalautor und Theologiedenker beides verbindet.
Pensées (Pascals Wette)
Blaise Pascal
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:39:47 „Er sagte, okay... Der Glaube ist eine Wette auf eine Zukunft, von der wir nicht wissen, wie sie sein wird. Gibt es Gott oder gibt es Gott nicht? Es ist sinnvoller, auf Gott zu wetten, denn wenn ich falsch liege und ich sterbe und da ist nun was nichts, habe ich nichts verloren, indem ich auf Gott setzte.“
Ijoma Mangold erzählt ausführlich Pascals berühmte Wette, um das Dilemma des kalkulierenden Glaubens zu illustrieren. Lars Weisbrod hatte gefragt, ob man als ästhetisch interessierter Dandy einen solchen kalkulierenden Glauben eingehen könne. Mangold bewundert Pascal als genialen Mathematiker und gleichzeitig hochreflektierten theologischen Denker.
Bibel (Taufe Jesu, Markus 1,11)
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:02 „Du bist mein Sohn, an dir habe ich mein Wohl gefallen. Und diese Stelle habe ich halt erst so als 20-Jähriger, als Student oder so gelesen und plötzlich ging mir auf, ach, Mama hat immer die Bibel zitiert, wenn sie das über mich sagte.“
Mangold nennt diesen Vers als seine Lieblingsbibelstelle. Die persönliche Bedeutung liegt darin, dass seine Mutter ihm diesen Satz als Kind oft sagte, er aber erst als Student erkannte, dass sie die Bibel zitierte – die Taufszene Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan.
Bibel (Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, Matthäus 20)
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:45:21 „Das ist das berühmte Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg und ich habe das ausgewählt. Ein Weinbergbesitzer geht immer wieder auf den, heute würde man vielleicht sagen, Arbeiterstrich, um sich dort Tagelöhner zu schnappen.“
Weisbrod bringt das Gleichnis als seine Lieblingsbibelstelle mit und lässt es komplett von der Sprecherin vorlesen. Er findet darin ein Beispiel dafür, wie das Christentum von der Alltagslogik abweicht – nicht politisch-konservativ, sondern radikal anders in seinem Gerechtigkeitsverständnis.
Bergpredigt (Matthäus 5-7)
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:46:24 „Ja, aber überhaupt diese Umkehrungen, also das endet ja auch, die Ersten werden die Letzten sein, aber diese Umkehrung macht Jesus ja, wenn er da von diesem in der Bergpredigt spricht, macht er das ja die ganze Zeit, dass die Schwachen die Starken sein werden, dass die geistig Armen die Glückseligen sein werden.“
Mangold verweist auf die Bergpredigt als zentrales Beispiel für die Umkehrungslogik des Christentums. Er beschreibt sie als Herausforderung für Intellektuelle, die auf raffinierte Gedankengänge getrimmt sind, während Jesus gerade die Schlichten im Geiste selig preist.
De Divinatione
Marcus Tullius Cicero
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:47:43 „Die Römer waren ja längst Atheisten. Cicero sagt, es könnten sich zwei Auguren nicht begegnen, ohne sich anzugrinsen. Also weil völlig klar ist, den Hokuspokus, den die da machen mit Vogelschau und Opfer im Jupiter-Tempel und so weiter, das ist einfach nur noch Ritus.“
Ijoma Mangold zitiert Ciceros berühmtes Auguren-Bonmot, um den Kontrast zwischen der römischen Religionsskepsis und dem Aufstieg des Christentums zu verdeutlichen. Das Zitat stammt aus Ciceros philosophischem Werk über Wahrsagerei.
1. Korintherbrief
Paulus
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:48:21 „Bei Paulus gibt es schon diese geistreiche Bemerkung, dass dieser neue Glaube den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit sei.“
Ijoma Mangold beschreibt die historische Unwahrscheinlichkeit des Aufstiegs des Christentums und zitiert Paulus' berühmte Formulierung aus dem 1. Korintherbrief, um zu zeigen, wie das frühe Christentum sowohl für Juden als auch für die griechisch-römische Welt eine Provokation darstellte.
Das Reich Gottes
Emmanuel Carrère · 2014
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:49:37 „Das Reich Gottes heißt das Buch, der Auto heißt Emmanuel Carrère. Ich hoffe, ich spreche das richtig aus.“
Das Buch ist eine zentrale Empfehlung der Episode. Mangold beschreibt es als faszinierendes Werk, das eine Doppelbiografie der Apostel Paulus und Lukas mit Carrères eigener autobiografischer Glaubensgeschichte verbindet. Carrère entdeckt dabei alte Kladden aus einer religiösen Phase in seinen Zwanzigern wieder und reflektiert über seinen damaligen Glauben, der ihm völlig fremd geworden ist.
Limonov
Emmanuel Carrère
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:49:47 „Absolut erster Roman ist Limonov über diesen faschistischen Bolschewiken aus Russland, Punkliterat, Söldner im Krieg in Jugoslawien. Der Emmanuel Carrier kann aus realem Stoff, aus realen Figuren unglaublich psychologisch reiche und kluge Bücher machen.“
Mangold erwähnt Limonov als Beispiel für Carrères Fähigkeit, aus realen Figuren literarisch reiche Bücher zu machen. Es dient als Kontrast zu 'Das Reich Gottes' – ganz andere Richtung, aber dieselbe Methode des autobiografisch gefärbten Erzählens über reale Personen.
Johannesevangelium
unbekannt (traditionell Johannes zugeschrieben)
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:50:44 „Stimmt, ich habe es schon lange vergessen, weil es so ein abgetanes Kapitel meiner Vergangenheit war. Ich hatte mal in meinen 20ern nach einer starken, schlimmen Lebenskrise eine sehr religiöse Phase, so von zwei Jahren. Und dann fällt ihm ein, dass er damals jeden Tag aus dem Johannesevangelium ein Vers kommentiert hat in so einer Kladde.“
Im Kontext von Emmanuel Carrères 'Das Reich Gottes' erzählt Mangold, wie Carrère in einer religiösen Phase seiner Zwanziger täglich einen Vers aus dem Johannesevangelium kommentierte. Diese Kladden entdeckt Carrère Jahre später wieder und erkennt sich selbst nicht mehr.
Pensées
Blaise Pascal
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:52:35 „Er sagt sich, oh je, und was wenn, und das ist wie bei Pascal, reines Kalkül, was wenn in 20 Jahren ich auf mich heute zurückschaue, und dann genauso mich so wenig verstehe in meinem heutigen Agnostizismus, wie ich, der Agnostizist, mich verstehe in den 90er Jahren, als ich gläubig war.“
Mangold vergleicht Carrères Gedankenexperiment mit Pascals berühmtem Kalkül (Pascals Wette). Die Referenz auf Pascal ist implizit – es wird kein konkreter Titel genannt, aber das 'reine Kalkül' verweist auf Pascals Überlegungen in den 'Pensées'.