Die sogenannte Gegenwart – Intervallfasten und Pilze
#012

Intervallfasten und Pilze

Die sogenannte Gegenwart / 07. Dezember 2020 / 9 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Nina Pauer verabschiedet sich in die Babypause — theoretisch könnte es schon losgehen, doch vorher widmen sich die beiden noch einem ausufernden Thema: der ewigen Suche nach dem Lebenssinn, neuen Therapieformen und der Frage, was es heute heißt, in einer Therapiegesellschaft zu leben. Zuvor erklärt Ijoma Mangold im Gegenwartscheck das Spielprinzip: Wer ein frisches Phänomen benennt, bekommt den Punkt — wer hintendran ist, geht leer aus.

„Je jünger man ist, desto peinlicher sind einem diese Lebenssinnfragen. Je älter man wird, desto mehr ergibt man sich in sein Schicksal, dass es ohne sie nicht geht.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (9)

Willkommen und Abschied
Buch

Willkommen und Abschied

Johann Wolfgang von Goethe

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:00:40 „Es gibt von Goethe das schöne Gedicht Willkommen und Abschied. Heute ist ein kleiner Abschied, mit dem wir uns aber nur umso herzlicher vorbereiten auf ein Willkommen.“

Ijoma Mangold zitiert Goethes Gedicht als poetischen Rahmen für den bevorstehenden Abschied von Nina Pauer, die eine Babypause einlegt. Er nutzt das Gedicht als Metapher: Der Abschied ist zugleich Vorbereitung auf ein Willkommen.

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Roman von Timon Karl Kaleyta
Buch

Roman von Timon Karl Kaleyta

Timon Karl Kaleyta

🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:15:23 „Und mein Lieblingsbeispiel dafür ist ein Zitat, ein sogenannter Blurb, den Christian Ulmen für den neuen Roman des Journalisten Timon Karl Kalater. Ein ganz toller Journalist, ich lese den immer sehr, sehr gerne bei der FAS. Und von dem kommt ein Roman raus und Christian Ulmen sagt darüber, als Blurb, also als Werbespruch hinten drauf, ich kann Timon Karl Kalater fühlen.“

Ijoma Mangold erwähnt den kommenden Debütroman von Timon Karl Kaleyta nicht als Buchempfehlung, sondern als Beispiel für das Sprachphänomen der bewusst ungrammatischen Übersetzung von Anglizismen ins Deutsche. Christian Ulmens Blurb 'Ich kann Timon Karl Kaleyta fühlen' dient als Paradebeispiel für diesen Trend.

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Die Welt reparieren
Artikel

Die Welt reparieren

Achille Mbembe

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:18:53 „Bei Achille Membe, dem kamerunischen Philosophen, der hatte bei uns im Mai im Feuilleton einen großen Text mit der Überschrift, die Welt reparieren. Das ist zwar ein etwas mechanischerer Ausdruck, aber diese Vorstellung, dass gewissermaßen alles aus dem Lot ist, dass wir verkehrt leben.“

Ijoma Mangold ordnet den gesellschaftlichen Heilungsdiskurs ein und verweist auf Achille Mbembes Text im ZEIT-Feuilleton als Beispiel für die Sehnsucht nach Reparatur und Heilung. Er kontrastiert Mbembes mechanischeren Begriff 'reparieren' mit dem eher spirituellen 'heilen', das er als Hype-Wort der Gegenwart identifiziert.

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Coldplay
Musik

Coldplay

Coldplay

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:22:36 „Und sie ist auch noch bekannt geworden durch ihre Trennung zu ihrem Ex-Mann, dem Sänger von Coldplay, hat sie den Begriff Conscious Uncoupling geprägt auch.“

Nina Pauer beschreibt Gwyneth Paltrow und ihr Lifestyle-Imperium Goop. Dabei erwähnt sie beiläufig, dass Paltrows Ex-Mann der Sänger von Coldplay ist, im Zusammenhang mit dem Begriff 'Conscious Uncoupling'.

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Das war meine Rettung
Artikel

Das war meine Rettung

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:40:40 „Als ich für das Zeitmagazin die israelische Theaterautorin Yael Ronen interviewte. Wir haben doch im Magazin immer diese Kolumne, das war meine Rettung.“

Mangold verweist auf seine Interviewkolumne im ZEITmagazin, in der er die Theaterautorin Yael Ronen befragte. In diesem Interview erfuhr er zum ersten Mal von Ayahuasca, als Ronen ihre Erfahrung in Peru als ihren persönlichen Rettungsmoment beschrieb.

Zum Artikel bei ZEIT Online
1913
Buch

1913

Florian Illies · 2012

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:50:51 „Mir ist Florian Illyes 1913, also dieses, die Feier der Neurosen. Also dass man sagt, wir sind... wo die sich immer so Briefe schreiben, die großen Intellektuellen, die eigentlich Psychowracks sind und sich schreiben so, heute wieder dieses Hypersensible, heute habe ich wieder schlecht geschlafen und mir geht es wieder so schlecht.“

Pauer erwähnt Florian Illies' Buch als Beispiel für eine ältere Geisteshaltung, in der sich Intellektuelle mit ihren Neurosen arrangierten, statt sie zu optimieren. Das Buch dient als Kontrast zur heutigen Wellness- und Heilungskultur, die in der Goop-Serie verkörpert wird.

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Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten
Buch

Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten

Sigmund Freud

🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:51:24 „Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten. So, bam. Genau, also Freud war natürlich nie ein Eudaimonie-Lehrer.“

Das Freud-Zitat wird per Siri vorgelesen und dient als Gegenpol zur modernen Heilungs- und Glückskultur. Mangold nutzt es, um Freuds nüchterne Haltung zu betonen: Psychoanalyse versprach nie Glückseligkeit, sondern bestenfalls die Verwandlung von hysterischem Elend in gemeines Unglück.

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Studien und Breuer: Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene
Buch

Studien und Breuer: Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene

Sigmund Freud

🗣 Nina Pauer zitiert daraus bei ⏱ 00:51:56 „Da, wo er davon spricht, dass schon viel erreicht sei, wenn man aus hysterischem Elend gemeines Unglück macht.“

Pauer zitiert den berühmten Freud-Satz über das Ziel der Psychoanalyse, hysterisches Elend in gemeines Unglück zu verwandeln. Das Zitat wird als Kontrast zur heutigen Erwartungshaltung verwendet, dass vollständige Heilung und Katharsis möglich sein müssten.

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Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen
Buch

Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen

Manfred Lütz

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:53:30 „Und der hatte vor zehn Jahren mal ein Buch geschrieben, Irre, wir behandeln die Falschen, unser Problem sind die Normalen, eine heitere Seelenkunde.“

Pauer erwähnt das ursprüngliche Buch von Manfred Lütz, einem Psychiater, Psychotherapeut und Theologen, als Vorläufer seines aktuellen Bestsellers. Lütz' These, dass nicht jede Befindlichkeitsstörung pathologisiert werden sollte, passt zum Gesprächsthema über den modernen Heilungswahn.

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