Die sogenannte Gegenwart – Schluss mit lustig
#011

Schluss mit lustig

Die sogenannte Gegenwart / 23. November 2020 / 9 Medien

Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod

Angestoßen von den US-Wahlen 2020 suchen die Hosts nach einer Tangente, bei der sie mitreden können — und landen bei den politischen Fernsehsatirikern Amerikas: Trevor Noah, John Oliver und ihren Late-Night-Formaten. Zuvor liefern sie sich im Gegenwarts-Check eine amüsante Debatte darüber, was eigentlich ein Hot Take ist — eine moralisch aufgeladene Schnellschuss-Meinung oder doch eher eine bewusst provokante Gegenposition?

„Eine durch wenig sachliche Kenntnis und dafür kompensatorisch durch besonders viel moralische Selbstgewissheit vorgebrachte Meinung.“
🗣 Ijoma Mangold

Erwähnte Medien (9)

The Daily Show
Serie

The Daily Show

Jon Stewart, Trevor Noah

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:01:34 „Ich habe sofort gedacht an Formate wie die Daily Show mit Trevor Noah, John Oliver, der eine Sendung bei HBO hat, die Last Week Tonight heißt. Bestimmte Gemeinsamkeiten verbinden diese Komiker und darüber wollen wir gleich sprechen und das wiederum in Bezug setzen zu dem Geschehen in Amerika.“

Die Daily Show ist eines der beiden zentralen Formate, um die sich die gesamte Episode dreht. Lars Weisbrod und Ijoma Mangold analysieren, wie US-amerikanische Fernsehsatire-Formate zur wichtigsten Quelle politischer Kommentierung aufgestiegen sind – und dabei ein progressiv-liberales Milieu bedienen, das die andere Hälfte Amerikas nicht mehr versteht. Jon Stewart wird als Erfinder des Formats gewürdigt, dem Amerika laut berühmten Journalisten am meisten vertraute.

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Last Week Tonight with John Oliver
Serie

Last Week Tonight with John Oliver

John Oliver

🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:20:16 „John Oliver sitzt da, wie gesagt, so ein bisschen klassische Late-Night-Situation, aber was er tut eigentlich die ganze Sendung lang, ist wie ein Journalist bei uns im Zeitdossier, eine politisch relevante, auch komplexes Thema oder was Journalisten für komplexe Themen halten, ist jetzt nicht höhere Mathematik, aber schon so die dickeren Bretter, ja, versucht das aufzuarbeiten.“

Lars Weisbrod beschreibt Last Week Tonight als das aktuelle Paradebeispiel der Aufklärungssatire. Oliver arbeite komplexe politische Themen journalistisch auf – etwa die Opioid-Epidemie in den USA –, streue dabei Gags und absurde Pointen ein und habe damit eine Art publizistische Funktion übernommen. Das Format dient den Sprechern als Beweisstück für ihre These, dass Comedians die neuen Public Intellectuals geworden seien.

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The Daily Show with Jon Stewart
Serie

The Daily Show with Jon Stewart

Jon Stewart

🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:25:14 „Ich habe, sie lief glaube ich vier oder fünfmal die Woche. Jede Folge, das ist das einzige Ritual, was ich in meinem Leben habe, dass ich dann immer die nachgeschaut habe abends vom Vortag wegen der Zeitversetzung. Einmal halbe Stunde Daily Show mit Jon Stewart musste sein.“

Lars Weisbrod beschreibt die Daily Show als sein persönliches TV-Ritual und erklärt ausführlich das Format: Jon Stewart kommentierte das politische Geschehen, indem er absurde Momente aus der US-Politik zeigte und oft nur mit Grimassen reagierte. Die Sendung wird als Ursprungsformat der politischen TV-Satire in den USA eingeordnet.

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Crossfire
Serie

Crossfire

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:35:26 „Wir sind im Jahr 2004 gleich bei diesem kleinen Clip. Ich werde einen kurzen Ausschnitt spielen. Und es ist nicht, Jon Stewart ist nicht in seiner Sendung, sondern Jon Stewart ist woanders zu Gast. 2004 in einer Sendung bei CNN. Die Sendung heißt Crossfire, also im Kreuzfeuer steht da jemand.“

Die CNN-Debattensendung Crossfire wird ausführlich besprochen als Schlüsselmoment der US-Mediengeschichte. Jon Stewarts legendärer Gastauftritt 2004, bei dem er der Sendung Theaterhaftigkeit vorwarf, führte letztlich zur Einstellung des Formats. Die Sprecher analysieren, wie sich aus diesem Format zwei polarisierte Medienformen entwickelten.

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The Colbert Report
Serie

The Colbert Report

Stephen Colbert

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:42:56 „Er hat einen super konservativen Nachrichtenkommentator gespielt, mit all dem, was eben man aus linksliberaler Perspektive da reinlegt. Er hatte auch eine eigene Show, Colbert Report, die lief nach der Daily Show, die hat nur das gemacht, also sozusagen imitiertes, persifliertes Fox News.“

Stephen Colberts Show wird als Weiterentwicklung der Daily Show beschrieben, in der Colbert durchgehend in Character als konservativer Kommentator agierte – eine Art Persiflage auf Fox-News-Moderatoren wie Tucker Carlson. Das Format wird als wichtiges Beispiel für die Theatralisierung politischer Satire eingeordnet.

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🎤
Rede

White House Correspondents' Dinner 2006 – Stephen Colbert Rede

Stephen Colbert

🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:43:08 „Dann durfte Stephen Colbert als seine Kunstfigur Stephen Colbert beim sogenannten White House Correspondence Dinner 2006, wo immer ein Komiker einen Vortrag hält, sprechen, in Anwesenheit des Präsidenten ist.“

Stephen Colberts Auftritt beim White House Correspondents' Dinner 2006 wird als denkwürdiger Fernsehmoment besprochen, bei dem Colbert in seiner Rolle als konservativer Kommentator George W. Bush und dessen Anhänger vor dem Präsidenten selbst karikierte. Die Sprecher analysieren Bushs sichtbares Unbehagen und die Unmöglichkeit, über sich selbst zu lachen, wenn man als Vollidiot dargestellt wird.

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Comedians in Cars Getting Coffee
Serie

Comedians in Cars Getting Coffee

Jerry Seinfeld

🗣 Nina Pauer referenziert bei ⏱ 00:47:42 „Von Jerry Seinfeld, den wir beide sehr, sehr verehren, der hat eine Sendung, die hat den schönen Titel Comedians in Cars Getting Coffee, wo er immer mit einem extravaganten, glamourösen Auto irgendwo vorfährt und dann einen Promi einlädt und die holen sich einen Kaffee.“

Die Sendung wird als Beispiel dafür herangezogen, wie sich die politische Satire unter Obama veränderte. In einer Folge fährt Seinfeld im Weißen Haus vor und holt Obama zum Kaffee – Ijoma Mangold beschreibt die Szene als Beleg dafür, dass zwischen Comedians und dem Obama-Lager keine Distanz mehr bestand, was Satire schwierig machte.

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🎤
Rede

White House Correspondents' Dinner 2011 – Barack Obama Rede

Barack Obama

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:49:33 „Jetzt könnte man sagen, ihnen fällt natürlich das beste Material, das sie je hatten, George W. Bush, weg. Stattdessen kommt Obama. [...] sagt Obama sehr, sehr komisch und lässig, er habe noch nie gezeigtes Filmmaterial beschafft über seine Geburt.“

Die Sprecher diskutieren Obamas legendären Auftritt beim White House Correspondents' Dinner 2011, bei dem er Donald Trump mit einem Clip aus König der Löwen als angebliches Geburtsvideo verspottete. Der Ausschnitt wird im Podcast eingespielt und als mögliche Urszene für Trumps Präsidentschaftsambitionen gedeutet.

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König der Löwen
Film

König der Löwen

🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:49:52 „Und jetzt zeigt er eben einen Ausschnitt aus dem Zeichentrickfilm König der Löwen, wo die ganze Tierwelt sich verbeugt bei der Geburt dieses jungen Löwen, ich glaube, er heißt Simba. Und da hören wir jetzt gleich die Filmmusik.“

Im Kontext von Obamas berühmtem Auftritt beim White House Correspondents' Dinner zeigt der Präsident als ironische Antwort auf die Birther-Verschwörungstheorie die Eröffnungsszene von König der Löwen als angebliches Filmmaterial seiner Geburt. Der Gag dient als Beispiel für Obamas komödiantisches Talent und seine Fähigkeit, politische Angriffe mit Humor zu kontern.

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