ZEIT Bühne – Ich kenne keine Kultur, die Männer ermutigt, ihre Gefühle zu zeigen
#030

Ich kenne keine Kultur, die Männer ermutigt, ihre Gefühle zu zeigen

ZEIT Bühne / 28. März 2022 / 16 Medien

Roman Pletter, Moderator: Judith Liere & Hanya Yanagihara

Die amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara stellt im Münchner Literaturhaus ihren neuen Roman »Zum Paradies« vor — ein Dreiteiler, der in demselben New Yorker Haus 1893, 1993 und 2093 spielt und durch Homosexualität, die Aids-Krise und eine pandemiebestimmte Zukunft führt. Im Gespräch mit Judith Liere erzählt Yanagihara von ihrer besonderen Verbindung zu Deutschland, wo schon ihr Vater 1964 studierte, und davon, wie ihr Vorgängerroman »Ein wenig Leben« Millionen Leser weltweit zum Weinen brachte.

„German readers are some of the best in the world. They are so engaged. They read more American literature than Americans.“
🗣 Hanya Yanagihara

Erwähnte Medien (16)

Zum Paradies
Buch

Zum Paradies

Hanya Yanagihara

🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:00:57 „Jetzt ist ihr neues Buch mit dem Titel »Zum Paradies« erschienen. Über beide Bücher hat meine Kollegin Judith Liere mit ihr im Literaturhaus gesprochen. Vor allem geht es natürlich um den neuen Roman, der aus drei Teilen besteht, zwischen denen jeweils 100 Jahre liegen.“

Das Hauptwerk der Episode. Roman Pletter stellt den neuen Roman von Hanya Yanagihara vor, der in drei Teilen (1893, 1993, 2093) drei Versionen des amerikanischen Experiments erzählt – alle spielen im selben Haus am Washington Square in Manhattan. Yanagihara begann das Buch zu schreiben, als Trump den Muslim-Ban erließ, und reflektiert darin die Mythologie Amerikas als Paradies.

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Wetten, dass..?
Serie

Wetten, dass..?

Frank Elstner

🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:03:02 „Ja, auch von mir einen schönen guten Abend an alle Gäste hier im Saal und an die Zuschauer vor den Internetgeräten zu Hause, um mal so ein Wetten, dass einstieggleich zu machen.“

Die Moderatorin Judith Liere vergleicht ihre Begrüßung des Saalpublikums und der Online-Zuschauer scherzhaft mit dem klassischen Einstieg der legendären ZDF-Samstagabendshow. Eine rein humoristische Anspielung ohne inhaltlichen Bezug zum Gespräch.

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Das Volk der Bäume
Buch

Das Volk der Bäume

Hanya Yanagihara

🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:03:41 „Ihr erster Roman ist 2013 erschienen, The People in the Trees. Der hieß Das Volk der Bäume auf Deutsch. Da ist er erst 2019 übersetzt worden.“

Yanagiaharas Debütroman wird im Kontext ihrer Schreibgeschwindigkeit besprochen. Sie arbeitete 16 Jahre daran, weil sie nicht wusste, was sie tat, im Geheimen schrieb und sich nicht berechtigt fühlte, ein Buch zu verfassen. Erst als sie einem Freund davon erzählte, kam der Prozess in Schwung.

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The People in the Trees (Das Volk der Bäume)
Buch

The People in the Trees (Das Volk der Bäume)

Hanya Yanagihara

🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:03:41 „Ihr erster Roman ist 2013 erschienen, The People in the Trees. Der hieß Das Volk der Bäume auf Deutsch. Da ist er erst 2019 übersetzt worden.“

Roman Pletter stellt Hanya Yanagihara dem Publikum vor und gibt einen Überblick über ihr bisheriges Werk. Er beginnt mit ihrem Debütroman, an dem sie 18 Jahre gearbeitet hat und der erst Jahre nach dem US-Erscheinen ins Deutsche übersetzt wurde.

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Ein wenig Leben
Buch

Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara

🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:03:54 „Und ihren großen Durchbruch hatte sie 2016 mit A Little Life, Ein wenig Leben. Der Roman, der auf ungefähr 1000 Buchseiten die Geschichte erzählt von vier Freunden in New York, von Missbrauch, von Liebe, von ganz tiefem Unglück und von dem ganz großen Wert der Freundschaft. Und ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich glaube, es ist wahrscheinlich eines der meist vollgeheulten Bücher der letzten Jahre.“

Yanagiaharas internationaler Durchbruch wird als Referenzwerk vorgestellt, das sich weltweit rund zweieinhalb Millionen Mal verkauft hat. Das Buch hat eine leidenschaftliche Fangemeinde, deren Mitglieder sich sogar Tattoos stechen lassen, die vom Roman inspiriert sind. Yanagihara sagt, das Buch gehöre mittlerweile den Lesern und nicht mehr ihr.

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A Little Life (Ein wenig Leben)
Buch

A Little Life (Ein wenig Leben)

Hanya Yanagihara

🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:03:54 „Und ihren großen Durchbruch hatte sie 2016 mit A Little Life, Ein wenig Leben. Der Roman, der auf ungefähr 1000 Buchseiten die Geschichte erzählt von vier Freunden in New York, von Missbrauch, von Liebe, von ganz tiefem Unglück und von dem ganz großen Wert der Freundschaft.“

Pletter beschreibt den Durchbruchsroman als eines der emotional einschneidendsten Bücher der letzten Jahre, das sich weltweit rund zweieinhalb Millionen Mal verkauft hat. Er selbst habe beim Lesen geweint – und zwar gerne.

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To Paradise (Zum Paradies)
Buch

To Paradise (Zum Paradies)

Hanya Yanagihara

🗣 Roman Pletter empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:04:24 „Und jetzt ist gleichzeitig in den USA und auch in Deutschland der neue Roman »To Paradise« zum Paradies erschienen. Nagihara erzählt darin in drei Teilen, angelegt in drei unterschiedlichen Jahrhunderten, drei Versionen des amerikanischen Experiments. Es geht um die Suche nach Freiheit, nach Wohlstand und nach Glück.“

Der neue Roman ist der eigentliche Anlass der Veranstaltung. Pletter fasst die Struktur zusammen: drei Teile in drei Jahrhunderten (1893, 1993, 2093), verbunden durch ein Haus am Washington Square. Das Buch kreist um die amerikanische Paradies-Mythologie, Kolonialismus und die Frage, wer vom amerikanischen Traum profitiert.

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The Hours
Buch

The Hours

Michael Cunningham

🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:09:06 „Ein paar Jahre bevor ich angefangen habe, habe ich mit dem amerikanischen Schriftsteller Michael Cunningham gesprochen, der The Hours geschrieben hat. Und sein Buch nach The Hours heißt Specimen Days, mit dem dieser Buch sehr viel in Konversation ist.“

Yanagihara erzählt, wie sie Cunningham um Rat fragte, bevor sie ihren neuen Roman begann. The Hours wird als sein bekanntestes Werk genannt, um den Kontext herzustellen – Cunningham kennt das Problem, nach einem großen Erfolg ein ganz anderes Buch zu schreiben.

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Specimen Days
Buch

Specimen Days

Michael Cunningham

🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:09:13 „Und sein Buch nach The Hours heißt Specimen Days, mit dem dieser Buch sehr viel in Konversation ist. Und es ist mein Lieblingsbuch.“

Yanagihara bezeichnet Specimen Days als ihr Lieblingsbuch und sagt, dass ihr eigener Roman 'Zum Paradies' stark im Dialog mit diesem Werk steht. Cunningham gab ihr den Rat, beim nächsten Buch einfach genau das zu tun, was man selbst will, und nicht an den Erfolg des Vorgängers zu denken.

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To Paradise
Buch

To Paradise

Hanya Yanagihara

🗣 Hanya Yanagihara empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:25:27 „Ich wollte ein Buch über das Ende der Jahrhunderte schreiben, ein Fantasiak-Novel, weil es das ist, wenn Menschen anfangen zu denken über ihren letzten Vergangenheit und was sie in der Zukunft werden können. Aber es war auch ein Jahr, in dem Amerika tief in ihren imperialistischen Abenteuern war.“

Hanya Yanagihara spricht ausführlich über ihren Roman 'To Paradise', der in drei Teilen jeweils am Ende eines Jahrhunderts spielt (1893, 1993, 2093). Sie erklärt ihre Motivation, das Jahr 1893 als Ausgangspunkt zu wählen, und die zahlreichen historischen Anspielungen auf den amerikanischen Kolonialismus, die sie in den Roman eingewoben hat.

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Washington Square
Buch

Washington Square

Henry James

🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:28:06 „Der erste Teil des Buchs nimmt auch Bezug auf Henry Janes Roman Washington Square aus dem Jahr 1880. Und da geht es ebenfalls wie in To Paradise um eine arrangierte Ehe.“

Pletter weist darauf hin, dass der erste Teil von To Paradise strukturell und thematisch auf Henry James' Roman Washington Square (1880) Bezug nimmt – beide handeln von einer arrangierten Ehe in New York. Yanagihara variiert den Stoff jedoch, indem sie in ihrer Version von 1893 gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt.

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A Little Life
Buch

A Little Life

Hanya Yanagihara

🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:33:38 „Sie wurde einmal gefragt, was wäre, wenn sie ein wenig Leben mit vier Frauen als Protagonistin geschrieben hätte. Dann hat sie gesagt, das Buch wäre wahrscheinlich nach 50 Seiten zu Ende gewesen, weil Jude dann einfach in Therapie gegangen wäre und über seine Gefühle gesprochen hätte und damit wäre das Problem gelöst geworden.“

Yanagihara spricht über ihren Bestseller 'A Little Life' im Kontext der Frage, warum sie aus männlicher Perspektive schreibt. Sie argumentiert humorvoll, dass das Buch mit weiblichen Protagonistinnen nur 50 Seiten lang wäre, weil Frauen eher dazu ermutigt werden, über ihre Gefühle zu sprechen und Therapie zu suchen.

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In Marokko
Buch

In Marokko

Edith Wharton

🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:43:56 „Sie war auch Reise-Wissenschaftlerin. Sie hat ein wunderschönes Buch in Marokko geschrieben. Sie war sehr rassistisch, aber auch sehr wunderschön.“

Yanagihara spricht über Edith Wharton als großes literarisches Vorbild und erwähnt deren Reisebuch über Marokko als Beispiel für Whartons Fähigkeit, durch Details ganze Welten zu erschließen – eine Technik, die Yanagihara selbst in ihren Romanen anwendet.

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In Morocco
Buch

In Morocco

Edith Wharton

🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:44:03 „Sie war auch Reise-Wissenschaftlerin. Sie hat ein wunderschönes Buch in Marokko geschrieben. Sie war sehr rassistisch, aber auch sehr wunderschön. Sie hatte ein tolles Auge für Farben, ein tolles Auge für Hintergründe.“

Im Gespräch über die Rolle von Objektbeschreibungen in Romanen nennt Yanagihara Edith Wharton als wichtigen Einfluss. Sie hebt besonders deren Reisebuch über Marokko hervor, in dem Wharton durch präzise Details ganze Welten erschließt – eine Technik, die Yanagihara selbst in ihren Romanen einsetzt.

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The Age of Innocence (Zeit der Unschuld)
Buch

The Age of Innocence (Zeit der Unschuld)

Edith Wharton

🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:45:43 „Sie sagt, dass eine der Autorinnen, die sie beeinflusst hat oder gerne liest, ist Edith Wharton. Ich glaube, sie hat Zeit der Unschuld geschrieben. Das wurde, glaube ich, mal von Scorsese verfilmt, wenn ich das noch richtig erinnere.“

Yanagihara nennt Edith Wharton als eine ihrer literarischen Einflüsse. Der Moderator ordnet Wharton als Autorin von 'Zeit der Unschuld' (The Age of Innocence) ein, das von Scorsese verfilmt wurde. Yanagihara bewundert Whartons Fähigkeit, durch detaillierte Beschreibungen von Objekten und Räumen ganze Welten zu erschaffen.

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Das Zeitalter der Unschuld (The Age of Innocence)
Film

Das Zeitalter der Unschuld (The Age of Innocence)

Martin Scorsese

🗣 Roman Pletter erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:51 „Ich glaube, sie hat Zeit der Unschuld geschrieben. Das wurde, glaube ich, mal von Scorsese verfilmt, wenn ich das noch richtig erinnere.“

Pletter fasst Yanagiharas Aussagen über Edith Wharton zusammen und erinnert sich dabei an die Scorsese-Verfilmung von Whartons bekanntestem Roman. Er ist sich selbst nicht ganz sicher, ob er das richtig erinnert, was die Erwähnung beiläufig und etwas unsicher macht.

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