Ich kenne keine Kultur, die Männer ermutigt, ihre Gefühle zu zeigen
Roman Pletter, Judith Liere & Hanya Yanagihara
Die amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara stellt im Münchner Literaturhaus ihren neuen Roman »Zum Paradies« vor — ein Dreiteiler, der in demselben New Yorker Haus 1893, 1993 und 2093 spielt und durch Homosexualität, die Aids-Krise und eine pandemiebestimmte Zukunft führt. Im Gespräch mit Judith Liere erzählt Yanagihara von ihrer besonderen Verbindung zu Deutschland, wo schon ihr Vater 1964 studierte, und davon, wie ihr Vorgängerroman »Ein wenig Leben« Millionen Leser weltweit zum Weinen brachte.
„German readers are some of the best in the world. They are so engaged. They read more American literature than Americans.“
Erwähnte Medien (14)
Zum Paradies
Hanya Yanagihara · 2022
»Tiefgründig, sensibel, spannend.« Juli Zeh, Börsenblatt Drei Jahrhunderte, drei Versionen des amerikanischen Experiments: In ihrem kühnen neuen Roman – dem ersten seit Ein wenig Leben – erzählt Hanya Yanagihara von Liebenden, von Familie, vom Verlust und den trügerischen Versprechen gesellschaftlicher Utopien.
🗣 Roman Pletter zitiert daraus bei ⏱ 00:00:57 „Jetzt ist ihr neues Buch mit dem Titel »Zum Paradies« erschienen. Über beide Bücher hat meine Kollegin Judith Liere mit ihr im Literaturhaus gesprochen. Vor allem geht es natürlich um den neuen Roman, der aus drei Teilen besteht, zwischen denen jeweils 100 Jahre liegen.“
Das Hauptwerk der Episode. Roman Pletter stellt den neuen Roman von Hanya Yanagihara vor, der in drei Teilen (1893, 1993, 2093) drei Versionen des amerikanischen Experiments erzählt – alle spielen im selben Haus am Washington Square in Manhattan. Yanagihara begann das Buch zu schreiben, als Trump den Muslim-Ban erließ, und reflektiert darin die Mythologie Amerikas als Paradies.
Das Volk der Bäume
Hanya Yanagihara · 2019
Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu’ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll die Formel des ewigen Lebens bergen. So kometenhaft er damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel.
🗣 Hanya Yanagihara zitiert daraus bei ⏱ 00:03:41 „Ihr erster Roman ist 2013 erschienen, The People in the Trees. Der hieß Das Volk der Bäume auf Deutsch. Da ist er erst 2019 übersetzt worden.“
Yanagiaharas Debütroman wird im Kontext ihrer Schreibgeschwindigkeit besprochen. Sie arbeitete 16 Jahre daran, weil sie nicht wusste, was sie tat, im Geheimen schrieb und sich nicht berechtigt fühlte, ein Buch zu verfassen. Erst als sie einem Freund davon erzählte, kam der Prozess in Schwung.
The People in the Trees (Das Volk der Bäume)
Hanya Yanagihara · 2013
A thrilling anthropological adventure story with a profound and tragic vision of what happens when cultures collide—from the bestselling author of National Book Award–nominated modern classic, A Little Life “Provokes discussions about science, morality and our obsession with youth.” —Chicago Tribune It is 1950 when Norton Perina, a young doctor, embarks on an expedition to a remote Micronesian island in search of a rumored lost tribe.
🗣 Roman Pletter zitiert daraus bei ⏱ 00:03:41 „Ihr erster Roman ist 2013 erschienen, The People in the Trees. Der hieß Das Volk der Bäume auf Deutsch. Da ist er erst 2019 übersetzt worden.“
Roman Pletter stellt Hanya Yanagihara dem Publikum vor und gibt einen Überblick über ihr bisheriges Werk. Er beginnt mit ihrem Debütroman, an dem sie 18 Jahre gearbeitet hat und der erst Jahre nach dem US-Erscheinen ins Deutsche übersetzt wurde.
A Little Life (Ein wenig Leben)
Hanya Yanagihara · 2015
Shortlisted for the Man Booker Prize 2015A Little Life by Hanya Yanagihara is an immensely powerful and heartbreaking novel of brotherly love and the limits of human endurance.When four graduates from a small Massachusetts college move to New York to make their way, they're broke, adrift, and buoyed only by their friendship and ambition.
🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:03:54 „Und ihren großen Durchbruch hatte sie 2016 mit A Little Life, Ein wenig Leben. Der Roman, der auf ungefähr 1000 Buchseiten die Geschichte erzählt von vier Freunden in New York, von Missbrauch, von Liebe, von ganz tiefem Unglück und von dem ganz großen Wert der Freundschaft.“
Pletter beschreibt den Durchbruchsroman als eines der emotional einschneidendsten Bücher der letzten Jahre, das sich weltweit rund zweieinhalb Millionen Mal verkauft hat. Er selbst habe beim Lesen geweint – und zwar gerne.
To Paradise (Zum Paradies)
Hanya Yanagihara · 2022
»Tiefgründig, sensibel, spannend.« Juli Zeh, Börsenblatt Drei Jahrhunderte, drei Versionen des amerikanischen Experiments: In ihrem kühnen neuen Roman – dem ersten seit Ein wenig Leben – erzählt Hanya Yanagihara von Liebenden, von Familie, vom Verlust und den trügerischen Versprechen gesellschaftlicher Utopien.
🗣 Roman Pletter empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:04:24 „Und jetzt ist gleichzeitig in den USA und auch in Deutschland der neue Roman »To Paradise« zum Paradies erschienen. Nagihara erzählt darin in drei Teilen, angelegt in drei unterschiedlichen Jahrhunderten, drei Versionen des amerikanischen Experiments. Es geht um die Suche nach Freiheit, nach Wohlstand und nach Glück.“
Der neue Roman ist der eigentliche Anlass der Veranstaltung. Pletter fasst die Struktur zusammen: drei Teile in drei Jahrhunderten (1893, 1993, 2093), verbunden durch ein Haus am Washington Square. Das Buch kreist um die amerikanische Paradies-Mythologie, Kolonialismus und die Frage, wer vom amerikanischen Traum profitiert.
The Hours
Michael Cunningham · 2002
The Pulitzer Prize-winning novel becomes a motion picture starring Meryl Streep, Julianne Moore, and Nicole Kidman, directed by Stephen Daldry from a screenplay by David Hare The Hours tells the story of three women: Virginia Woolf, beginning to write Mrs. Dalloway as she recuperates in a London suburb with her husband in 1923; Clarissa Vaughan, beloved friend of an acclaimed poet dying from AIDS, who in modern-day New York is planning a party in his honor; and Laura Brown, in a 1949 Los Angeles...
🗣 Hanya Yanagihara zitiert daraus bei ⏱ 00:09:06 „Ein paar Jahre bevor ich angefangen habe, habe ich mit dem amerikanischen Schriftsteller Michael Cunningham gesprochen, der The Hours geschrieben hat. Und sein Buch nach The Hours heißt Specimen Days, mit dem dieser Buch sehr viel in Konversation ist.“
Yanagihara erzählt, wie sie Cunningham um Rat fragte, bevor sie ihren neuen Roman begann. The Hours wird als sein bekanntestes Werk genannt, um den Kontext herzustellen – Cunningham kennt das Problem, nach einem großen Erfolg ein ganz anderes Buch zu schreiben.
Specimen Days
Michael Cunningham · 2007
In each section of Michael Cunningham's bold new novel, his first since The Hours, we encounter the same group of characters: a young boy, an older man, and a young woman. "In the Machine" is a ghost story that takes place at the height of the industrial revolution, as human beings confront the alienating realities of the new machine age.
🗣 Hanya Yanagihara zitiert daraus bei ⏱ 00:09:13 „Und sein Buch nach The Hours heißt Specimen Days, mit dem dieser Buch sehr viel in Konversation ist. Und es ist mein Lieblingsbuch.“
Yanagihara bezeichnet Specimen Days als ihr Lieblingsbuch und sagt, dass ihr eigener Roman 'Zum Paradies' stark im Dialog mit diesem Werk steht. Cunningham gab ihr den Rat, beim nächsten Buch einfach genau das zu tun, was man selbst will, und nicht an den Erfolg des Vorgängers zu denken.
To Paradise
Hanya Yanagihara · 2022
NATIONAL BESTSELLER NEW YORK TIMES BESTSELLER From the author of the classic A LITTLE LIFE—a bold, brilliant novel spanning three centuries and three different versions of the American experiment, about lovers, family, loss and the elusive promise of utopia. In an alternate version of 1893 America, New York is part of the Free States, where people may live and love whomever they please (or so it seems).
🗣 Hanya Yanagihara empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:25:27 „Ich wollte ein Buch über das Ende der Jahrhunderte schreiben, ein Fantasiak-Novel, weil es das ist, wenn Menschen anfangen zu denken über ihren letzten Vergangenheit und was sie in der Zukunft werden können. Aber es war auch ein Jahr, in dem Amerika tief in ihren imperialistischen Abenteuern war.“
Hanya Yanagihara spricht ausführlich über ihren Roman 'To Paradise', der in drei Teilen jeweils am Ende eines Jahrhunderts spielt (1893, 1993, 2093). Sie erklärt ihre Motivation, das Jahr 1893 als Ausgangspunkt zu wählen, und die zahlreichen historischen Anspielungen auf den amerikanischen Kolonialismus, die sie in den Roman eingewoben hat.
Washington Square
Henry James · 2018
Catherine Sloper, jeune héritière plutôt niaise et laide mais possédant un grand coeur, vit dans une immense demeure bourgeoise à New-York. La jeune fille ne connaît rien de l'amour jusqu'au jour où elle rencontre le séduisant Morris Townsed, qui tombe amoureux d'elle au premier regard. Mais l'amour de ce jeune homme est-il dénué de tout intérêt ? Rien n'est moins sûr...
🗣 Roman Pletter zitiert daraus bei ⏱ 00:28:06 „Der erste Teil des Buchs nimmt auch Bezug auf Henry Janes Roman Washington Square aus dem Jahr 1880. Und da geht es ebenfalls wie in To Paradise um eine arrangierte Ehe.“
Pletter weist darauf hin, dass der erste Teil von To Paradise strukturell und thematisch auf Henry James' Roman Washington Square (1880) Bezug nimmt – beide handeln von einer arrangierten Ehe in New York. Yanagihara variiert den Stoff jedoch, indem sie in ihrer Version von 1893 gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt.
A Little Life
Hanya Yanagihara · 2025
A Little Life is a 2015 novel by American novelist Hanya Yanagihara. The novel was written over the course of eighteen months. Despite the length and difficult subject matter, it became a bestseller.
🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:33:38 „Sie wurde einmal gefragt, was wäre, wenn sie ein wenig Leben mit vier Frauen als Protagonistin geschrieben hätte. Dann hat sie gesagt, das Buch wäre wahrscheinlich nach 50 Seiten zu Ende gewesen, weil Jude dann einfach in Therapie gegangen wäre und über seine Gefühle gesprochen hätte und damit wäre das Problem gelöst geworden.“
Yanagihara spricht über ihren Bestseller 'A Little Life' im Kontext der Frage, warum sie aus männlicher Perspektive schreibt. Sie argumentiert humorvoll, dass das Buch mit weiblichen Protagonistinnen nur 50 Seiten lang wäre, weil Frauen eher dazu ermutigt werden, über ihre Gefühle zu sprechen und Therapie zu suchen.
In Marokko
Edith Wharton · 2016
American novelist and designer Edith Wharton traveled to Morocco after the end of World War I. Morocco is her account of her time there as the guest of General Hubert Lyautey. Her account praises Lyautey and his wife and also the French administration of the country.
🗣 Hanya Yanagihara zitiert daraus bei ⏱ 00:43:56 „Sie war auch Reise-Wissenschaftlerin. Sie hat ein wunderschönes Buch in Marokko geschrieben. Sie war sehr rassistisch, aber auch sehr wunderschön.“
Yanagihara spricht über Edith Wharton als großes literarisches Vorbild und erwähnt deren Reisebuch über Marokko als Beispiel für Whartons Fähigkeit, durch Details ganze Welten zu erschließen – eine Technik, die Yanagihara selbst in ihren Romanen anwendet.
In Morocco
Edith Wharton · 1920
"Having begun my book with the statement that Morocco still lacks a guide-book, I should have wished to take a first step toward remedying that deficiency. But the conditions in which I travelled, though full of unexpected and picturesque opportunities, were not suited to leisurely study of the places visited. The time was limited by the approach of the rainy season, which puts an end to motoring over the treacherous trails of the Spanish zone.
🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:44:03 „Sie war auch Reise-Wissenschaftlerin. Sie hat ein wunderschönes Buch in Marokko geschrieben. Sie war sehr rassistisch, aber auch sehr wunderschön. Sie hatte ein tolles Auge für Farben, ein tolles Auge für Hintergründe.“
Im Gespräch über die Rolle von Objektbeschreibungen in Romanen nennt Yanagihara Edith Wharton als wichtigen Einfluss. Sie hebt besonders deren Reisebuch über Marokko hervor, in dem Wharton durch präzise Details ganze Welten erschließt – eine Technik, die Yanagihara selbst in ihren Romanen einsetzt.
The Age of Innocence (Zeit der Unschuld)
Edith Wharton · 2015
Newland Archer, pengacara muda berbakat, mengidamkan kemapanan di kalangan kelas atas New York demi status sebagai pria terhormat. Karena itu dia membulatkan tekad dengan menikahi May Welland dari keluarga Welland yang berpengaruh. Tetapi semua cita-cita Archer tentang status dan kehormatan buyar ketika dia bertemu Countess Ellen Olenska, sepupu May Welland yang ingin bercerai dari suaminya. Sebuah situasi yang dianggap sebagai skandal memalukan di mata masyarakat kala itu.
🗣 Hanya Yanagihara referenziert bei ⏱ 00:45:43 „Sie sagt, dass eine der Autorinnen, die sie beeinflusst hat oder gerne liest, ist Edith Wharton. Ich glaube, sie hat Zeit der Unschuld geschrieben. Das wurde, glaube ich, mal von Scorsese verfilmt, wenn ich das noch richtig erinnere.“
Yanagihara nennt Edith Wharton als eine ihrer literarischen Einflüsse. Der Moderator ordnet Wharton als Autorin von 'Zeit der Unschuld' (The Age of Innocence) ein, das von Scorsese verfilmt wurde. Yanagihara bewundert Whartons Fähigkeit, durch detaillierte Beschreibungen von Objekten und Räumen ganze Welten zu erschaffen.
Das Zeitalter der Unschuld (The Age of Innocence)
Martin Scorsese · 1993
Newland Archer gehört zur Upper Class des New York von 1870. Seine Verlobung mit der bezaubernden May Welland steht bevor, da tritt Mays Cousine Ellen Olenska in sein Leben. Sie wird von der Gesellschaft wegen ihres fortschrittlichen Denkens und ihrer Vergangenheit abgelehnt. Obwohl Newland seine Hochzeit vorantreibt, verfällt er der schönen Ellen. Doch als sie sich ihre Liebe eingestehen, ist es schon zu spät. Newland gelingt es nicht, aus dem engen Korsett der Konventionen auszubrechen.
🗣 Roman Pletter erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:45:51 „Ich glaube, sie hat Zeit der Unschuld geschrieben. Das wurde, glaube ich, mal von Scorsese verfilmt, wenn ich das noch richtig erinnere.“
Pletter fasst Yanagiharas Aussagen über Edith Wharton zusammen und erinnert sich dabei an die Scorsese-Verfilmung von Whartons bekanntestem Roman. Er ist sich selbst nicht ganz sicher, ob er das richtig erinnert, was die Erwähnung beiläufig und etwas unsicher macht.