Daniel Kehlmann, was ist eine gute Geschichte
Christoph Amend, Jochen Wegner & Daniel Kehlmann
Daniel Kehlmann spricht über seinen Weg zum Schriftsteller, den frühen Erfolg und das trügerische Gefühl, ausgesorgt zu haben. Dabei streift das Gespräch Themen von Nordkorea über Trump bis zum deutschen Theater — und die Frage, warum eine Broadway-Aufführung für ihn der größte Ruhm wäre, nicht etwa eine Scorsese-Verfilmung.
„Ich möchte Schriftsteller werden, heißt ja, ich habe zwar noch nichts geschrieben, aber ich bin sicher, ich kann mal Sachen schreiben, die die Leute lesen wollen. Das ist ja eigentlich was Größenwahnsinniges.“
Erwähnte Medien (39)
Die Vermessung der Welt
Daniel Kehlmann · 2005
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:07:32 „Allein sein Roman »Die Vermessung der Welt« hat sich, und jetzt kommen wir auf Zahlen, wie viele Millionen mal verkauft? Ich habe eine Zahl gefunden, 2013 waren es sechs Millionen.“
Christoph Amend stellt Daniel Kehlmann als den international erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller vor und nennt die Verkaufszahlen seines bekanntesten Romans. Kehlmann korrigiert die Zahl auf etwas über drei Millionen auf Deutsch und erklärt, dass die falsche Zahl durch einen Zirkelverweis zwischen Wikipedia und der ZEIT entstanden ist.
Ein echter Wiener geht nicht unter
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 00:14:09 „Und es gab sehr viele Fernsehsendungen. Ein echter Wiener geht nicht unter mit Karl Merkatz, wo richtig tief, brutal regionaler Arbeiterdialekt gesprochen wurde, auch auf eine sehr lustige, kreative, poetische Art.“
Kehlmann erklärt, wie Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg kulturelle Eigenständigkeit gegenüber Deutschland aufbaute. Die Fernsehserie mit Karl Merkatz dient als Beispiel dafür, wie Dialekt bewusst als Teil der österreichischen Identitätsbildung eingesetzt wurde.
Die Wäscherin des Herrn Bonaparte (Madame Sans-Gêne)
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 00:19:45 „Also jedenfalls das Erste, was er dann gemacht hat, war Madame Saint-Jean, das war die Wäscherin des Herrn Bonaparte, ein inzwischen vergessenes, damals relativ viel gespieltes Theaterstück mit Inge Meisel.“
Kehlmann erzählt von der ersten Regiearbeit seines Vaters Michael Kehlmann, einer Fernsehinszenierung des Theaterstücks mit Inge Meisel. Die Produktion wurde live im Fernsehstudio gespielt, was damals üblich war und besonderes technisches Geschick erforderte.
Hotel Sacher – Portier
Fritz Eckhardt
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 00:20:46 „Aber der in Österreich wirklich bis vor kurzem noch absolut jedem, jeder einzelnen Person bekannte Schauspieler, Fritz Eckhardt, der auch so in den 80er Jahren, auch in Deutschland sehr, sehr viel gesehene Serien, Hotel Sacha Portier. Fantastisch.“
Kehlmann erzählt von Fritz Eckhardt, einem engen Freund seines Vaters, der nicht nur als Schauspieler in dieser Serie brillierte, sondern sie auch selbst geschrieben hat. Christoph Amend ergänzt, dass die Serie für ihn als Kind der Zugang zu Österreich war.
Wenn der Vater mit dem Sohne
Fritz Eckhardt
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 00:21:23 „Dazu hat er die auch sehr viel gesehene Serie, Wenn der Vater mit dem Sohne, mit Peter Weck. Die hat er gespielt. Er war natürlich der Vater. Peter Weck war der Sohn. Die hat er auch geschrieben.“
Im Zusammenhang mit Fritz Eckhardt als Multitalent erwähnt Kehlmann diese weitere Serie, die Eckhardt sowohl geschrieben als auch darin mitgespielt hat. Dies unterstreicht die Vielseitigkeit des Künstlers, der Kehlmann später zum Schriftstellerberuf ermutigte.
Die Reise der Verlorenen
Daniel Kehlmann
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:29:10 „Sie haben ja ein Jahr später, glaube ich, war das, ein Stück geschrieben, die Reise der Verlorenen. Ich habe es, muss ich gestehen, nicht gelesen, aber ich weiß, dass es das gibt. Dass die Irfa dieses Schiffs, eines Schiffs mit, ich glaube, fast tausend Menschen beschreibt, zur Zeit der Nazi-Herrschaft, also Juden, die keinen sicheren Hafen finden.“
Jochen Wegner spricht Daniel Kehlmann auf sein Theaterstück an, das die wahre Geschichte der St. Louis erzählt – eines Schiffes mit fast tausend jüdischen Flüchtlingen während der NS-Zeit. Kehlmann erklärt, dass es ein Auftragswerk des Theaters in der Josefstadt war, initiiert von dessen Direktor Herbert Föttinger, der damit auch eine Verbindung zur Familiengeschichte Kehlmanns herstellte.
Nebenan
Daniel Brühl, Daniel Kehlmann (Drehbuch)
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 00:44:44 „Und das eine ist der Film nebenan, den ich mit und für Daniel Brühl gemacht habe. Und es ist ja auch nicht so, dass mich das unfassbar viel Zeit gekostet hat, aber es ist... Es hat ein bisschen Zeit gekostet, aber ich würde sagen, in der Zeit lernen andere Leute Reiten oder machen irgendeinen Sport.“
Daniel Kehlmann verteidigt sich gegen den Vorwurf, er verzettele sich mit Filmprojekten. Er nennt den Film 'Nebenan' mit Daniel Brühl als eines von zwei filmischen Werken, die er als Hauptwerke betrachtet. Er vergleicht den Zeitaufwand für Film mit Hobbys anderer Menschen.
Kafka
Daniel Kehlmann
🗣 Daniel Kehlmann empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:45:07 „Also die Serie Kafka... Das sehe ich als ein Hauptwerk.“
Daniel Kehlmann nennt die Serie 'Kafka' als das zweite filmische Werk, das er als Hauptwerk betrachtet. Christoph Amend lobt die Serie als 'fantastisch' und hebt hervor, dass man das Gefühl habe, es spreche wirklich Kafka – was an den vielen Original-Zitaten liege, die Kehlmann verwendet hat.
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Thomas Mann
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 00:47:03 „Ich dachte, Thomas Mann. Dieses unfertige Buch... Das war ja unfertig bei Thomas Mann. Das würde mir Spaß machen, das zu adaptieren. Ich sehe das weder als ein Hauptwerk noch als was besonders Wichtiges, was ich getan habe. Aber es hat einfach Spaß gemacht.“
Kehlmann erzählt, wie er Thomas Manns unvollendeten Roman 'Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull' für eine Verfilmung adaptierte. Er beschreibt es als spielerisches Vergnügen – ähnlich wie andere Leute einen neuen Sport lernen. Er habe sich auch die Freiheit genommen, den gesamten Portugal-Teil herauszustreichen.
Cottan ermittelt
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 01:03:02 „Mich rief dann einen damals in Österreich recht bekannten Schauspieler an, Walter David, den die gelernten Österreicher aus der schönen Serie Cotton ermittelt kennen.“
Kehlmann erzählt, wie er nach dem Totalverriss seines Debütromans einen Anruf von dem Schauspieler und Regisseur Walter David erhielt, der ihm den Rat gab: 'Gewöhn dich dran.' David war dem österreichischen Publikum aus der TV-Serie 'Cottan ermittelt' bekannt. Die Serie wird im Gespräch enthusiastisch empfohlen.
2666
Roberto Bolaño
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:07:23 „Julio Cortázar ist auch extrem experimentell oder Roberto Bolaño und vieles andere. Der Lieblingsautor von Patti Smith und vielen anderen. Ein ganz großer Schriftsteller, der zu früh verstorben ist. Also Bolaño. 2666 heißt der.“
In der Diskussion über experimentelle Literatur jenseits der Wiener Gruppe nennt Kehlmann Roberto Bolaño als Beispiel für einen erzählenden und zugleich experimentellen Autor. Amend ergänzt, Bolaño sei Patti Smiths Lieblingsautor, und nennt den Romantitel '2666'. Kehlmann würdigt ihn als 'ganz großen Schriftsteller, der zu früh verstorben ist'.
Leo Perutz (Essay/Buch)
Daniel Kehlmann
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 01:08:26 „Ja, aber ich habe zum Beispiel auch gerade ein kleines Buch geschrieben über Leo Perutz, das im Herbst herauskommt. Ein ganz, für mich ganz wichtiger Erzähler der Zwischenkriegszeit, ein jüdischer Autor aus Prag, so wie Kafka.“
Im Gespräch über magischen Realismus und Kehlmanns literarische Einflüsse erwähnt er ein noch unveröffentlichtes Buch über den Schriftsteller Leo Perutz, einen jüdischen Autor aus Prag der Zwischenkriegszeit. Perutz sei für ihn ein wichtiger Einfluss gewesen, da er 'Romane, die nicht ganz in der platten Realität verbleiben' geschrieben habe.
Der Schrei
Edvard Munch
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:12:14 „Und habe mehrere Versionen des Schreis gesehen. Und ich dachte, naja, da ist schon auch was. Also man wiederholt sich selbst.“
Wegner erzählt von einem Besuch in Oslo, wo er mehrere Versionen von Edvard Munchs 'Der Schrei' gesehen hat. Er nutzt das als Aufhänger für die Diskussion über künstlerische Selbstwiederholung und Selbstplagiate – ein Thema, das sich aus Kehlmanns Reflexion über Wolfgang Beltracchis Fälscher-These ergeben hat.
F
Daniel Kehlmann
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 01:18:45 „Ich habe das dann später wirklich, weil man manchmal versucht, das Gleiche nochmal besser zu machen in meinem Roman F, habe ich wirklich dann eine versucht, Kunstbetrieb als Milieu zu schildern aus einer Position der Kenntnis und auch der Zuneigung heraus.“
Kehlmann vergleicht seinen Roman 'F' mit 'Ich und Kaminski' und erklärt, dass er im späteren Werk den Kunstbetrieb fundierter und mit mehr Zuneigung dargestellt habe – als Weiterentwicklung des satirischen Ansatzes aus dem früheren Buch.
Ich und Kaminski
Daniel Kehlmann
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 01:19:01 „Ich und Kaminski ist ein Buch, zu dem ich absolut stehe und das mich auch immer noch, wenn ich darin blättere, mit guter Laune erfüllt, weil es so eine schöne jugendliche Aggressivität hat. Aber die Darstellung des Kunstbetriebs ist sehr, soll ich sagen, sehr auf Pointe und ein bisschen oberflächlich.“
Kehlmann reflektiert ausführlich über seinen Roman 'Ich und Kaminski', der sein erster größerer Erfolg war mit über 10.000 verkauften Exemplaren. Er beschreibt das Buch als satirische Auseinandersetzung mit dem Kulturbetrieb, bei der er seinen Zorn durch Identifikation mit der Erzählerfigur – einem neurotischen Kulturjournalisten – bewältigt hat.
Tod eines Kritikers
Martin Walser
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:20:04 „Also Sie haben nicht Tod eines Kritikers geschrieben? Ich habe nicht Tod eines Kritikers geschrieben, genau. Martin Weiser damals über Reich Rennitz.“
Amend zieht einen Vergleich zwischen Kehlmanns satirischer Verarbeitung des Kulturbetriebs in 'Ich und Kaminski' und Martin Walsers skandalträchtigem Roman 'Tod eines Kritikers', der als Abrechnung mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gelesen wurde. Kehlmann grenzt sich davon ab: Er habe seinen Zorn durch Identifikation mit der Figur bewältigt, nicht durch einen Angriff.
Beerholms Vorstellung
Daniel Kehlmann
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 01:21:33 „Also um das ganz klar zu beantworten, Beerholm verkauft sich weiterhin gar nicht. Ich und Kaminski verkauft sich immer. Also das ist ein echter Longseller.“
Im Gespräch über Kehlmanns frühe Werke wird sein Debütroman 'Beerholms Vorstellung' erwähnt. Kehlmann stellt nüchtern fest, dass sich das Buch trotz seines späteren Ruhms durch 'Die Vermessung der Welt' weiterhin kaum verkauft – im Gegensatz zu 'Ich und Kaminski', das ein Longseller geworden ist.
Ragtime
E.L. Doctorow
🗣 Daniel Kehlmann empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:24:19 „Ein bisschen von I.L. Doctorow und seinem großartigen Buch Ragtime. Aber es ist schon so, Ah, schön.“
Kehlmann erklärt die stilistischen Einflüsse auf 'Die Vermessung der Welt'. Den knappen, pseudosachlichen, ironischen Ton führt er auf zwei Quellen zurück: Voltaire und das 18. Jahrhundert einerseits, sowie E.L. Doctorows 'Ragtime' andererseits, das er als 'großartig' bezeichnet.
Das Schloss
Franz Kafka
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 01:27:18 „Gaus als Landvermesser kommt in so einer Kafka-Umdrehung tatsächlich zu einem Schloss, wo man ihn abweisen will und er weiß, sich sofort durchzusetzen und wird vorgelassen. Also im Unterschied zum Kafkas Langvermesser.“
Kehlmann beschreibt eine Szene in der Vermessung der Welt als bewusste Umkehrung von Kafkas Schloss. Während Kafkas Landvermesser K. nie Zugang zum Schloss erhält, setzt sich Gauss sofort durch – eine spielerische Inversion, die Kehlmann 'Kafka-Umdrehung' nennt.
The Age of Revolution / The Age of Capital (Eric Hobsbawm)
Eric Hobsbawm
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 01:33:12 „Aber es wurde viel, also das wird tatsächlich mal bei Eric Hobsbawm erwähnt. Ich wollte gerade sagen, gibt es dafür Belege. Dafür gibt es einen Beleg, ja.“
Kehlmann erwähnt Eric Hobsbawm als Quelle für das historische Detail, dass die neue Lederfederung in Kutschen zwar schnelleres Vorankommen ermöglichte, aber den Passagieren übel wurde. Welches konkrete Hobsbawm-Werk gemeint ist, wird nicht benannt, es dürfte sich um eines seiner Geschichtsbände über das 19. Jahrhundert handeln.
Till
Daniel Kehlmann
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:33:39 „Das beste Buch, was der Mann je geschrieben hat, ist Till. Und genau auch aus demselben Grund, den wir gerade besprechen, weil es so eine Erzählhaltung hat, die in der Zeit ist. Es wird dort nichts verfremdet durch heutige Sicht.“
Wegner öffnet eine Klammer und erklärt enthusiastisch, dass Till für ihn Kehlmanns bestes Buch sei – gerade wegen der Erzählhaltung, die so selbstverständlich aus der historischen Zeit heraus erzählt, ohne sie durch moderne Perspektive zu verfremden. Kehlmann erläutert später, dass er bei Till mehr Wert auf historische Akkuratesse bei Alltagsdetails legte als bei der Vermessung.
Wo ist Carlos Montúfar?
Daniel Kehlmann
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:36:29 „Sie haben mal ein Essay geschrieben, der ist in einem Essay, wann ist das auch, zu erwerben noch. Wo ist Carlos Montufar? Und das habe ich mir deswegen gemerkt, weil sie darin sehr ausführlich im Einstieg beschreiben, wie sie mal Gauss' Arbeitsstätte besuchen, den Telegrafen sich anschauen.“
Wegner erwähnt einen Essay von Kehlmann, in dem dieser beschreibt, wie er bei einem Besuch an Gauss' Arbeitsstätte feststellte, dass die Telegrafenkommunikation zwischen Gauss und seinem Assistenten, wie er sie im Roman schildert, in der Realität so nie hätte funktionieren können. Der Essay dient als Beleg dafür, wie frei Kehlmann mit historischen Fakten umgeht.
Podcast über das Drehbuchschreiben (mit Konstantin Lieb)
Konstantin Lieb
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:46:09 „Und ich habe einen sehr interessanten Podcast über das Drehbuchschreiben mit Ihnen gehört in der Vorbereitung. Ja, mit Konstantin Lieb. Und das fand ich insofern faszinierend, weil da reden Sie dann auch über das Drehbuchschreiben zu Ihrem eigenen Roman.“
Amend erwähnt einen Podcast mit Konstantin Lieb, in dem Kehlmann über das Drehbuchschreiben zur Vermessung der Welt spricht. Daraus zitiert Amend die Erkenntnis, dass beim Verfilmen überraschenderweise nicht der Abenteurer Humboldt, sondern der vermeintlich langweilige Gauss die bessere Filmfigur abgab.
Tartaros
Daniel Kehlmann / Detlef Buck / Agi Daivahu
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 01:48:31 „Das ist auch ein historisches Drehbuch, also ein historischer Stoff, der heißt Tartaros. Und handelt, hätte gehandelt, oder handelt, wir haben es ja fertig gemacht, von dem ersten Botschafter, den der Vatikan im Mittelalter in die Mongolei geschickt hat.“
Kehlmann erzählt von einem nie verfilmten Drehbuch namens Tartaros, das er zusammen mit Detlef Buck und dem mongolischen Szenenbildner Agi Daivahu geschrieben hat. Es handelt vom ersten vatikanischen Botschafter in der Mongolei – ein Beispiel eines missglückten Kulturaustausches und die einzige Quelle über die Stadt Karakorum.
Das bin doch ich
Thomas Glavinic
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:00:53 „Es gibt ein schönes Buch von Thomas Glavinitsch, das bin doch ich, wo er immer wieder schildert unsere Gespräche und meine SMS während dieses Jahres. Das ist auch sehr lustig. Ist ein Roman.“
Kehlmann erwähnt Thomas Glavinics Roman im Zusammenhang mit der surrealen Phase des Vermessung-Erfolgs. Glavinic hat in seinem Roman die gemeinsamen Gespräche und SMS während des Erfolgsjahres verarbeitet – mit fiktionaler Freiheit, aber vieles davon stimme auch, so Kehlmann.
Porträt über Daniel Kehlmann
Adam Soboczynski
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:04:48 „Und er schildert in seinem dann viel später erschienenen Porträt auch die ersten Kontaktaufnahmeversuche. Wie haben Sie diese Kontaktaufnahme damals erlebt?“
Christoph Amend erzählt, wie der Zeitmagazin-Journalist Adam Soboczynski Kehlmann während des Vermessung-Erfolgs mehrfach traf und porträtierte. Das Porträt wurde als literarisch anspruchsvolles Stück beschrieben, das Motive aus Kehlmanns Werk aufgreift. Es erschien im Zeitmagazin zusammen mit einer Kurzgeschichte Kehlmanns über einen Reporter.
Kurzgeschichte über den Reporter (Leo Richter)
Daniel Kehlmann
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:07:15 „Und dann haben Sie angefangen, das Zeitmagazin ist eben damals erschienen mit dem Porträt über Sie und mit Ihrer Kurzgeschichte über den Reporter, der ein Porträt über Sie schreibt.“
Kehlmann schrieb eine Kurzgeschichte mit seiner Figur Leo Richter aus 'Ruhm', in der ein Journalist einen Schriftsteller porträtiert – als Gegenstück zu Soboczyskis realem Porträt über ihn. Beide Texte erschienen gemeinsam im Zeitmagazin und später als kleines Buch bei Rowohlt.
Das Literarische Quartett
Marcel Reich-Ranicki
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:14:40 „Die ganze deutsche Literatenwelt in einem ständigen panischen Stockholm-Syndrom lebte gegenüber Marcel Reich-Ranitzky und dem literarischen Quartett. Die ständige Angst vor Reich-Ranitzky.“
Kehlmann beschreibt die enorme Machtfülle, die Marcel Reich-Ranicki und seine TV-Sendung 'Das literarische Quartett' über den deutschen Literaturbetrieb hatten. Autoren wie Martin Walser und die gesamte Literatenwelt hätten in einem 'panischen Stockholm-Syndrom' gelebt. Kehlmann begrüßt, dass diese Art zentralisierter Kritikermacht heute demokratisiert ist.
Durcheinandertal
Friedrich Dürrenmatt
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:23:17 „Die Diskussion über Dürrenmatt-Durcheinander-Tal. Das war ein Roman, den Dürrenmatt geschrieben hat. Der war wahrscheinlich nicht sehr gut. Die ganze Idee, dass das so niveauvolle Diskussionen waren, wird da aus dem Fenster geblasen. Es schreit da reichlich.“
Kehlmann erzählt von einer Folge des Literarischen Quartetts, in der Dürrenmatts Roman besprochen wurde. Er nutzt das Beispiel, um zu zeigen, dass die Kritiker dort nicht niveauvoller diskutierten als heutige BookTok-Influencer – es wurde geschrien und gelästert.
Jurassic Park
Steven Spielberg
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:34:59 „Jurassic Park.“
Im Gespräch über die Verfilmung von Kehlmanns Horrorbuch durch David Koepp und Kevin Bacon wird Koepp als Drehbuchautor von Jurassic Park vorgestellt, um seine Stellung als konventioneller Hollywood-Handwerker zu illustrieren.
Panic Room
David Koepp
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:35:00 „Der Jurassic Park, Panic Room, Mission Impossible, also den ersten.“
Kehlmann zählt die bekanntesten Drehbücher von David Koepp auf, um dessen Arbeitsweise zu charakterisieren: Koepp funktioniert perfekt innerhalb der Hollywood-Konventionen und ist damit auch zufrieden – im Gegensatz zu Kehlmann selbst, der immer experimentieren muss.
Mission: Impossible
David Koepp (Drehbuch)
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:35:00 „Der Jurassic Park, Panic Room, Mission Impossible, also den ersten.“
Kehlmann nennt den ersten Mission-Impossible-Film als Teil von David Koepps Filmografie, um dessen Rolle als erfolgreicher, aber konventioneller Hollywood-Drehbuchautor zu verdeutlichen.
Memoiren
Hans Sahl
🗣 Daniel Kehlmann zitiert daraus bei ⏱ 02:37:35 „Hans Saal sagt in seinen Memoiren über Billy Wilder, dass der schon totaler Amerikaner war, bevor er überhaupt Amerika betreten hat.“
Kehlmann zitiert Hans Sahls Memoiren, um seine These zu untermauern, dass nur jene Emigranten in Hollywood Erfolg hatten, die sich völlig auf das amerikanische System einlassen konnten. Billy Wilder war laut Sahl innerlich schon Amerikaner, bevor er je dort ankam.
Menschen am Sonntag
Robert Siodmak, Billy Wilder
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:37:45 „Aber war dann in Berlin, hat hier Menschen am Sonntag gemacht, auch ein toller Film. Und hat eigentlich innerlich immer nur auf Amerika gewartet.“
Im Vergleich zu Pabst nennt Kehlmann Billy Wilder als Gegenbeispiel eines Emigranten, der Hollywood-Erfolg hatte. Wilder wird als jemand beschrieben, der schon vor seiner Ankunft in den USA innerlich Amerikaner war – und dessen Berliner Film Menschen am Sonntag nur eine Zwischenstation war.
A Modern Hero
Georg Wilhelm Pabst
🗣 Daniel Kehlmann empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:38:08 „Ich meine, ich habe seinen Film natürlich auch gesehen, Modern Hero, den Film, wo man eben die Schauspieler aufoktroyiert hat innerhalb des Studiosystems. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schlecht diese Leute sind. Also der gibt es auch auf YouTube. Ich kann jedem empfehlen, den mal anzuschauen.“
Kehlmann empfiehlt den Hollywood-Film von Pabst als faszinierendes Dokument des Scheiterns. Der Film zeigt, wie das Studiosystem Pabst Schauspieler aufzwang und ihm jede künstlerische Freiheit nahm – ein Schlüsselerlebnis, das Pabsts fatale Rückkehr nach Europa miterklärt.
Die freudlose Gasse
Georg Wilhelm Pabst
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:38:46 „Hat einige wirklich ganz große deutsche Filme gedreht. Die Freudlose Gasse, die Büchse der Pandora, auch den ganz tollen Drei-Groschen-Operfilm nach Brecht.“
Kehlmann skizziert die Karriere von G.W. Pabst als einem der drei großen deutschen Regisseure der Zwischenkriegszeit. Die freudlose Gasse wird als eines seiner bedeutenden Werke genannt.
Die Büchse der Pandora
Georg Wilhelm Pabst
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:38:46 „Hat einige wirklich ganz große deutsche Filme gedreht. Die Freudlose Gasse, die Büchse der Pandora, auch den ganz tollen Drei-Groschen-Operfilm nach Brecht.“
Als Teil der Aufzählung von Pabsts Meisterwerken genannt, um dessen Statur als Regisseur vor seiner Hollywood-Zeit und der späteren Verstrickung ins Dritte Reich zu verdeutlichen.
Die 3-Groschen-Oper
Georg Wilhelm Pabst
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:38:46 „Hat einige wirklich ganz große deutsche Filme gedreht. Die Freudlose Gasse, die Büchse der Pandora, auch den ganz tollen Drei-Groschen-Operfilm nach Brecht.“
Kehlmann hebt Pabsts Verfilmung der Dreigroschenoper nach Brecht als besonders gelungenes Werk hervor. Es dient als Beleg für Pabsts künstlerische Größe vor seinem Scheitern in Hollywood.
Geheimreport
Carl Zuckmayer
🗣 Daniel Kehlmann referenziert bei ⏱ 02:41:25 „Was mich eigentlich auch auf die Geschichte gebracht hat, war Karl Zuckmeier, der in seinem Geheimreport, also seinem Bericht an die amerikanische Besatzungsmacht über deutsche Kulturträger im Dritten Reich, der vor ein paar Jahren erschienen ist, und bei Papst kapituliert. Bei Papst sagt Zuckmeier, ich habe zu diesem Fall keinen Schlüssel. Und das hat mich so sehr fasziniert.“
Kehlmann nennt Zuckmayers Geheimreport als den eigentlichen Auslöser für seinen Roman über Pabst. In diesem Bericht an die amerikanische Besatzungsmacht bewertete Zuckmayer deutsche Kulturschaffende im Dritten Reich – doch bei Pabst kapitulierte er. Diese Ratlosigkeit eines klugen Beobachters faszinierte Kehlmann so sehr, dass er daraus einen Roman machte.