Herfried Münkler, warum gibt es Krieg
Christoph Amend, Jochen Wegner & Herfried Münkler
Herfried Münkler, der wohl einflussreichste lebende deutsche Politologe und von der Zeit einst als „Ein-Mann-Thinktank
„Es ist eine spannende Wette mit der Geschichte, ob am Schluss autoritäre Systeme oder demokratische Systeme sich als effektiver erweisen.“
Erwähnte Medien (60)
Machiavelli. Elementare einer Theorie der Politik
Herfried Münkler
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:14:28 „Dann ist vielleicht das fundamentale Geschehen, Sie haben promoviert über Machiavelli, dazu können wir alleine Stunden sprechen, was wir gleich tun werden. Ich habe es mal mitgebracht, gibt es immer noch bei Fischer als Buch, gilt heute. Oder galt sozusagen relativ schnell als das Standardwerk zu Machiavelli in der jüngeren Zeit.“
Jochen Wegner stellt Münklers Dissertation über Machiavelli vor, die er physisch mitgebracht hat. Das Werk gilt als jüngeres Standardwerk zu Machiavelli und legte den Grundstein für Münklers Karriere als Politikwissenschaftler. Münkler beschreibt, wie er Machiavelli 'gegen den Strich bürstete' und ihn als überzeugten Republikaner neu interpretierte.
Im Namen des Staates. Die Begründung der Staatsräson in der Frühen Neuzeit
Herfried Münkler
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:14:56 „Die Habilitation habe ich auch dabei aus der Staatsbibliothek allerdings. Ich weiß nicht, ob die noch verkauft wird. Wo sie über Staatsräson sich Gedanken gemacht haben. Beide Werke, ich würde mal schätzen, 400, 500, 600 Seiten. Ohne Bilder.“
Wegner erwähnt Münklers Habilitationsschrift über Staatsräson als zweites Hauptwerk neben der Machiavelli-Dissertation. Er hat sie aus der Staatsbibliothek mitgebracht und ordnet sie in die Tradition von Münklers machiavellistischem Weltansatz ein — der kühle, distanzierte Blick darauf, wie ein Staat sich behaupten muss.
Machiavelli
Hans Freyer
🗣 Herfried Münkler erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:17:23 „Und da die letzten größeren Monografien zu Machiavelli, man kann sagen, in der Nazi-Zeit entstanden sind, nämlich Hans Freier, damals in der Auslandsuniversität in Budapest, wenn ich das richtig erinnere, und René König im Schweizer Exil.“
Münkler erklärt, warum Machiavelli als Dissertationsthema strategisch klug war: Die letzten großen Monografien stammten aus der Nazi-Zeit, von Hans Freyer und René König. Es war also an der Zeit für eine neue wissenschaftliche Auseinandersetzung.
Du contrat social (Der Gesellschaftsvertrag)
Jean-Jacques Rousseau
🗣 Herfried Münkler zitiert daraus bei ⏱ 00:21:22 „Jean-Jacques Rousseau wird einmal später schreiben, ja, wir verdanken ihm sehr viel, denn er hat uns erzählt, wie Politik wirklich ist.“
Münkler zitiert Rousseaus berühmte Verteidigung Machiavellis aus dem Gesellschaftsvertrag (Buch III, Kap. 6), wo Rousseau argumentiert, Machiavelli habe unter dem Vorwand der Fürstenberatung in Wahrheit das Volk aufgeklärt, wie Politik wirklich funktioniert.
Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio
Niccolò Machiavelli
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 00:22:24 „Das ist, glaube ich, ein Gedanke, der tendenziell in allen seinen Texten, sowohl im Principa als auch in den Discorsi zu finden ist.“
Neben dem Principe erwähnt Münkler die Discorsi als zweites Hauptwerk Machiavellis, in dem dessen realistische Sicht auf Politik zum Ausdruck kommt. Beide Werke bilden das Fundament von Münklers eigener Machiavelli-Interpretation.
Il Principe
Niccolò Machiavelli
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 00:22:33 „Das ist, glaube ich, ein Gedanke, der tendenziell in allen seinen Texten, sowohl im Principa als auch in den Discorsi zu finden ist.“
Münkler verweist auf Machiavellis Hauptwerke als Beleg für dessen politisches Denken über den Umgang mit Gegnern
Handbuch der Stadtguerilla
Carlos Marighella
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 00:26:21 „Aber Fachzeitschriften wie die Polizei und anderes haben sie alles bekommen und das hat sie natürlich sehr viel mehr beschäftigt bei der Frage, wie man gewissermaßen im Anschluss an lateinamerikanische Stadtguerilla-Strategien, Marighella und was damals so obvog war, auch in Deutschland einen bewaffneten Kampf führen könne.“
Im Rahmen seiner RAF-Analyse beschreibt Münkler, dass die RAF-Mitglieder weniger Marx und Marcuse lasen als vielmehr Strategieliteratur wie die Schriften von Carlos Marighella zur lateinamerikanischen Stadtguerilla, die als Vorlage für den bewaffneten Kampf in Deutschland dienten.
Theorie des Partisanen
Carl Schmitt
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 00:27:01 „Und dabei habe ich sozusagen in Auseinandersetzung mit Karl Schmitz Partisanbuch gesagt, entscheidend für sie ist nicht der interessierte Dritte, sondern der als interessiert unterstellte Dritte.“
Im Kontext seiner Analyse der RAF-Ideologie beschreibt Münkler, wie er Carl Schmitts Partisanenbuch als theoretischen Rahmen nutzte. Er entwickelte daraus die These, dass die RAF nicht auf einen realen 'interessierten Dritten' setzen konnte, sondern sich einen solchen nur unterstellte — was letztlich zu ihrer Selbstbezogenheit und ihrem Scheitern führte.
Ideologien und Strategien (Analysen zum Terrorismus)
Iring Fetscher / Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 00:29:23 „Es war allerdings nur ein Beitrag innerhalb einer größeren Untersuchung, die von der Bund-Länder-Kommission finanziert worden ist. Da sind vier Bände daraus entstanden und den über Ideologie und Strategie, da habe ich zusammen mit Fetscher wesentliche Teile geschrieben.“
Münkler beschreibt seine frühe Arbeit zur RAF-Ideologie, die als Gutachten im Auftrag der Bund-Länder-Kommission entstand. Zusammen mit seinem akademischen Lehrer Iring Fetscher verfasste er wesentliche Teile des Bandes über Ideologie und Strategie innerhalb einer vierbändigen Untersuchung zum Terrorismus.
Vom Kriege
Carl von Clausewitz
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:30:51 „Sie haben ja auch sich mit Menschen wie Clausewitz beschäftigt, die mich jetzt zum Beispiel sehr interessiert haben“
Wegner erwähnt Münklers Beschäftigung mit Clausewitz als Teil des thematischen Clusters um Kriegstheorie
Clausewitz, den Krieg denken
Raymond Aron
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 00:31:08 „Wenn Sie auf Clausewitz anspielen, das habe ich gemacht, weil damals ein Höhepunkt, also Anfang der 80er Jahre ist Raymond Arons Buch Clausewitz, den Krieg denken erschienen, das vermutlich das Beste ist, was es nach wie vor zu Clausewitz gibt.“
Münkler beschreibt, wie Raymond Arons Clausewitz-Buch ihn Anfang der 80er Jahre beeinflusst hat. Er hält es bis heute für das beste Werk über Clausewitz und nennt es als einen der intellektuellen Impulse, die seine Beschäftigung mit Kriegstheorie und strategischem Denken geprägt haben.
Vom Kriege
Carl von Clausewitz
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 00:31:08 „Wenn Sie auf Clausewitz anspielen, das habe ich gemacht, weil damals ein Höhepunkt, also Anfang der 80er Jahre ist Raymond Arons Buch Clausewitz, den Krieg denken erschienen, das vermutlich das Beste ist, was es nach wie vor zu Clausewitz gibt.“
Münkler beschreibt seine intensive Beschäftigung mit Clausewitz als Kriegstheoretiker neben Machiavelli und Thukydides. Clausewitz' Hauptwerk 'Vom Kriege' wird als Bezugspunkt der gesamten Diskussion über Kriegstheorie implizit durchgehend referenziert, Arons Buch darüber wird explizit als das Beste zu Clausewitz bezeichnet.
Der Peloponnesische Krieg
Thukydides
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 00:32:05 „Und um zu begreifen, was rundherum passiert, waren diese Autoren, würde jetzt als dritten noch den griechischen Historiker Thucydides dazunehmen, waren diese drei Autoren sehr viel attraktiver als Leute, die sich ausgemalt haben, wie schön das alles anders sein könnte.“
Münkler nennt Thukydides neben Machiavelli und Clausewitz als dritten zentralen Autor für sein politisches Denken. Diese drei Autoren der realistischen Tradition waren für ihn attraktiver als utopische Denker, weil sie halfen, die politische Realität — etwa den Vietnamkrieg — intellektuell zu durchdringen.
Interview mit Herfried Münkler zum russischen Angriff auf die Ukraine
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:56:49 „Als Russland in die Ukraine einmarschiert ist, den Krieg erklärt hat. Haben Sie ja auch relativ schnell ein Interview gegeben bei Zeit Online, erinnere ich mich.“
Christoph Amend erinnert an ein Interview, das Herfried Münkler am Tag des russischen Einmarschs in die Ukraine bei Zeit Online gegeben hat. Jochen Wegner ergänzt, dass sein Kollege Nils Marquardt das Gespräch geführt habe. Münkler räumt darin ein, auch er habe zunächst mit einem schnellen russischen Sieg gerechnet.
Gesandtschaftsberichte
Niccolò Machiavelli
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:06:17 „Wohingegen Machiavelli eigentlich auch in seinen Gesandtschaftsberichten bereits immer den weiteren Blick hat. Sozusagen die Folgen von Folgen zu bedenken und nicht nur zu glauben, dass was ich intendiere und was kurzfristig möglich zu sein scheint, das ist es, worauf es ankommt.“
Münkler unterscheidet zwischen einem 'Machiavellisten' wie Putin, der kurzfristige Gelegenheiten nutzt, und dem historischen Machiavelli selbst, der in seinen diplomatischen Berichten stets die langfristigen Folgen von Folgen mitdachte. Die Gesandtschaftsberichte dienen als Beleg, dass Machiavelli strategisch weitsichtiger war als seine heutigen Nachahmer.
Hieron
Xenophon
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:08:14 „Der Xenophon hat in dem Dialog hier, Ron, sich darüber Gedanken gemacht, warum ein Tyrann keine Freunde hat. Fand das immer ganz schön. Leo Strauss hat da auch kluge Bemerkungen dazu gemacht.“
Münkler spricht über die zunehmende Selbstisolation und Informationsblase von Autokraten wie Putin. Er greift auf Xenophons antiken Dialog 'Hieron' zurück, der die Einsamkeit des Tyrannen thematisiert, und überträgt die Frage darauf, warum Autokraten keine kompetenten Berater mehr haben – was er als 'prokredierende Selbstverdummung' bezeichnet.
On Tyranny
Leo Strauss
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:08:14 „Der Xenophon hat in dem Dialog hier, Ron, sich darüber Gedanken gemacht, warum ein Tyrann keine Freunde hat. Fand das immer ganz schön. Leo Strauss hat da auch kluge Bemerkungen dazu gemacht.“
Im Anschluss an Xenophons 'Hieron' erwähnt Münkler Leo Strauss' Kommentare zum selben Thema. Strauss' bekanntestes Werk zu Xenophons Hieron-Dialog ist 'On Tyranny', in dem er die antike Tyrannenlehre auf moderne Diktaturen überträgt – genau die Brücke, die Münkler hier zur Analyse von Putins Herrschaft schlägt.
Il Principe / Der Fürst
Niccolò Machiavelli
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:08:29 „Aber mich hat interessiert eher die Frage nicht, warum ein Tyrann keine Freunde hat. Das ist so ein Luxusproblem. Sondern warum ein Tyrann keinen kompetenten Berater hat. Und das ist sozusagen Machiavellis böser Blick auf die Verhältnisse.“
Münkler zieht Machiavelli als analytische Referenz heran, um die Beratungsresistenz von Autokraten zu erklären. Machiavelli wird hier nicht als Buchtitel explizit genannt, aber als Denkfigur eingesetzt — Münkler bezeichnet ihn später sogar als 'meinen alten Freund und Gesprächspartner, Messer Nicolò Machiavelli'. Die Referenz bezieht sich auf Machiavellis Analyse von Herrschaft und Beratung.
Über den Hieron des Xenophon
Leo Strauss
🗣 Herfried Münkler erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:08:35 „Leo Strauss hat da auch kluge Bemerkungen dazu gemacht.“
Münkler erwähnt Leo Strauss' Kommentar zu Xenophons Hieron im Kontext der Analyse von Tyrannenmacht
Imperien: Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:21:00 „Ja, ich habe über diese Frage lange nachgedacht, als ich das Buch über Imperien geschrieben habe. Also Imperien als Ordnungsfaktoren. Da sehen Sie sozusagen wieder die Art meines Denkens. Ich bin nicht vor dem Begriff des Imperiums zurückgeschreckt und habe drei Kreuze geschlagen.“
Münkler verweist auf sein eigenes Buch über Imperien, um seine These der 'postimperialen Phantomschmerzen' Putins zu erklären. Er beschreibt, wie er darin imperiale Politik anhand von Strukturmustern analysiert hat und dabei die 'imperiale Mission' als zentrales Element von Imperien identifizierte — eine Analyse, die er nun auf Russlands Revisionismus anwendet.
Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA)
Karl Marx / Friedrich Engels
🗣 Herfried Münkler erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:31:37 „Und dass ich in der Akademie noch mit Arbeitsgruppen beschäftigt war und natürlich auch für die Weiterführung der Marx-Engels-Gesamtausgabe die Verantwortung hatte.“
Münkler erwähnt beiläufig seine Verantwortung für die Weiterführung der Marx-Engels-Gesamtausgabe als Teil seiner akademischen Pflichten an der Humboldt-Universität. Das editorische Großprojekt wird als Beispiel für die vielen unsichtbaren Aufgaben genannt, die seinen Arbeitstag ausfüllten.
Geschichte des Zweiten Weltkrieges aus dem Indischen Ozean
Dan Diner
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:33:59 „Indem er in seinem letzten Buch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges aus dem Indischen Ozean heraus schreibt. Analysiert hat, Verbindungslinien, die die Voraussetzungen dafür waren, dass Landon Lees die Rote Armee in die Lage versetzten, im Prinzip diesen Widerstand zu leisten und auch die Gegenoffensive anzutreten.“
Als zweites Buch desselben Autors nennt Münkler ein Werk, das den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive des Indischen Ozeans analysiert – insbesondere die Versorgungslinien (Lend-Lease), die die Rote Armee zur Gegenoffensive befähigten. Münkler nutzt es als Beispiel für den notwendigen 'Blick von der anderen Seite'. Der genaue Titel wird nicht genannt.
Die neuen Kriege
Herfried Münkler
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:41:48 „Ab wann würden Sie eigentlich sagen, haben Sie gemerkt, mit Ihren Büchern, also mit den, ich sage jetzt mal, Nicht-Fachbüchern, erreiche ich eine große Aufmerksamkeit, eine breitere Öffentlichkeit? Waren das die asymmetrischen Kriege? Also das war dann zum Auftakt. Also das Buch heißt ja Die Neuen Kriege.“
Amend fragt Münkler, wann er erstmals eine breitere Öffentlichkeit erreicht habe. Münkler bestätigt, dass 'Die neuen Kriege' sein erster großer Publikumserfolg war — das erste Buch, das an die Auflagenzahlen seiner Machiavelli-Dissertation herankam. Das Buch über asymmetrische Kriegführung machte ihn zum öffentlichen Intellektuellen.
Die neuen Kriege
Herfried Münkler
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:42:03 „Also das Buch heißt ja Die Neuen Kriege. Die Neuen Kriege, ja. Und das war das erste Mal, dass ich sozusagen wieder die Auflage meiner Dissertation erreicht habe.“
Münklers Buch über neue Formen der Kriegführung, das ihm erstmals eine breitere Öffentlichkeit verschaffte
Machiavelli (Dissertation)
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:42:10 „Und das war das erste Mal, dass ich sozusagen wieder die Auflage meiner Dissertation erreicht habe.“
Münkler erwähnt seine Dissertation über Machiavelli als Referenzpunkt für den Erfolg von 'Die neuen Kriege'. Die Machiavelli-Dissertation war offenbar sein erster Verkaufserfolg und wird im Gespräch als Maßstab herangezogen. Wegner kommentiert, dass 'Machiavelli bestimmt sehr früh' erfolgreich war.
Der Große Krieg. Die Welt 1914–1918
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:42:28 „Und dann diese beiden großen, dicken Kriegsbücher, das über den Ersten Weltkrieg und das über den Dreißigjährigen Krieg, die haben sich dann schon bemerkbar gemacht.“
Münklers umfangreiches Werk über den Ersten Weltkrieg, dem er bewusst den Titel 'Der Große Krieg' gab statt 'Erster Weltkrieg'
Imperien: Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:42:54 „Das begann tendenziell mit den neuen Kriegen und auch mit den Imperien und dann mit den Deutschen und ihren Mythen.“
Im Kontext der steigenden Auflagenzahlen nennt Münkler 'Imperien' als eines der Bücher, mit denen er ein breiteres Publikum erreicht hat.
Die Deutschen und ihre Mythen
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:42:54 „Das begann tendenziell mit den neuen Kriegen und auch mit den Imperien und dann mit den Deutschen und ihren Mythen.“
Münkler listet das Buch als Teil seiner auflagenstarken Werke auf, die ihm über die akademische Welt hinaus Bekanntheit brachten.
Der Dreißigjährige Krieg: Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618–1648
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:43:23 „Also sagen wir mal, dieses 800 oder 900 Seiten Buch über den Dreißigjährigen Krieg habe ich in München innerhalb eines Jahres geschrieben.“
Das Buch über den Dreißigjährigen Krieg steht im Zentrum eines langen Gesprächsabschnitts. Münkler beschreibt zunächst seinen disziplinierten Schreibprozess in München, dann seine analytische These: Der Krieg bestand aus vier verschiedenen Kriegen gleichzeitig. Merkel lud ihn deswegen ins Kanzleramt ein, weil die Parallelen zur Gegenwart – verschachtelte Kriegsgründe und die Schwierigkeit, solche Kriege zu beenden – politisch relevant waren.
Über den Dreißigjährigen Krieg
Friedrich Schiller
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:53:23 „den größten Einfluss darauf Schiller gehabt, der ja zeitweilig Historiker war, jedenfalls als er Professur in Jena hatte. Und bevor er den Wallenstein geschrieben hat, so eine kleine Schrift über den Dreißigjährigen Krieg geschrieben hat.“
Münkler nennt Schillers historische Schrift als prägend für die Begriffsbildung des 'Dreißigjährigen Krieges'
Geschichte des Dreißigjährigen Krieges
Friedrich Schiller
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:53:51 „Und an ihrer Spitze hat wahrscheinlich den größten Einfluss darauf Schiller gehabt, der ja zeitweilig Historiker war, jedenfalls Asse-Professor in Jena hatte. Und bevor er den Wallenstein geschrieben hat, so eine kleine Schrift über den Dreißigjährigen Krieg geschrieben hat.“
Münkler erklärt, dass der Begriff 'Dreißigjähriger Krieg' eine nachträgliche historische Konstruktion ist. Schiller habe mit seiner historischen Schrift maßgeblich dazu beigetragen, die einzelnen Konflikte als einen zusammenhängenden Krieg zu deuten – noch bevor er das Thema literarisch im Wallenstein verarbeitete.
Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 01:54:19 „So wie ja auch, was weiß ich, ich in meinem Buch über den Ersten Weltkrieg den Titel gegeben habe, der Große Krieg. Wie der Krieg ja auch nach wie vor bei den Franzosen und bei den Briten heißt.“
Münkler erklärt seine bewusste Titelwahl: Statt 'Erster Weltkrieg' griff er auf den französisch-englischen Begriff 'Der Große Krieg' zurück, um sich von der Masse der Bücher zum 100. Jahrestag abzuheben. Die Strategie ging auf – sein Buch hatte unter den damaligen Erscheinungen die größte Auflage.
Die Sendung mit der Maus
Armin Maiwald, Gerd Müntefering, Friedrich Streich
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:01:12 „Da Sie Kinder haben, bin ich ganz sicher, dass Sie in Ihrem Leben auch schon mal die Sendung mit der Maus geguckt haben.“
Wegner nutzt die Sendung mit der Maus als Aufhänger für die Frage, ob man Kindern erklären kann, warum es Kriege gibt
Die Sendung mit der Maus
Armin Maiwald, Gerd Müntefering, Friedrich Streich
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:01:13 „Wir hatten mal den Vater dieses Formats zu Gast, Armin Maywald, der sagte, ich bin an einer Sache gescheitert, nämlich zu erklären, warum es Kriege gibt. Also das Format ist bekannt, wenn man versucht, fünfjährigen Menschen näher zu bringen, wie ein Flugzeug zusammengebaut wird. Er sei daran gescheitert, die Sache mit den Kriegen sei wirklich kompliziert gewesen.“
Wegner nutzt eine Anekdote aus einem früheren Gespräch mit Armin Maiwald, dem Erfinder der Sendung mit der Maus, als Brücke: Selbst das Format, das Kindern alles erklären kann, sei am Thema Krieg gescheitert. Damit fordert er Münkler spielerisch heraus, es besser zu machen – was dieser bereitwillig und mit typisch analytischer Kühle versucht.
The Better Angels of Our Nature
Steven Pinker
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:02:01 „Steven Pinker sagt, die Erfindung der Monogamie ist das größte pazifizierende Ereignis in der Geschichte der Menschheit.“
Münkler zitiert Pinkers These über Monogamie und Pazifizierung im Kontext der Frage, warum Menschen Kriege führen
Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit
Steven Pinker
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:02:19 „Steven Pinker sagt, die Erfindung der Monogamie ist das größte pazifizierende Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Nämlich, wenn Männer nur eine Frau haben dürfen, dann pazifiziert das. Weil ja, schaut man in die Geschichte der Kriege hinein, relativ viele Kriege beginnen im Streit um die knappe Ressource weiblicher Attraktivität.“
Auf die Frage, warum Menschen Kriege führen, zitiert Münkler Pinkers These über die Monogamie als friedensstiftende Institution. Die Idee, dass viele frühe Konflikte um den Zugang zu Frauen geführt wurden – vom Trojanischen Krieg bis zu Jäger-und-Sammler-Gesellschaften – nutzt Münkler als Einstieg in seine vielschichtige Erklärung der Kriegsursachen.
Leviathan
Thomas Hobbes
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:07:02 „Aber der Krieg vorher, eines jeden gegen jeden, wie Thomas Hobbes das nennt, der verschwindet. Es gibt überhaupt erst die Unterscheidung zwischen Krieg und Frieden. Frieden ist ja nichts, was von selbst da ist.“
Münkler greift auf Hobbes' berühmte Formel vom 'Krieg aller gegen alle' zurück, um zu erklären, warum das staatliche Gewaltmonopol eine zivilisatorische Errungenschaft ist. Ohne Staat, Polizei und Gerichte würde selbst der Friedfertigste zur präventiven Gewalt greifen – genau das Argument, das Hobbes im Leviathan entwickelt.
Zwei Abhandlungen über die Regierung
John Locke
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:14:12 „Das ist ein Begriff, den John Locke in seiner Theorie einführt. Er heißt Prärogative, der gewissermaßen neben der üblichen Unterscheidung von Exekutive, Legislative und Judikative ist. Sozusagen die Exekutive hat hier Befugnisse, zu handeln, bevor sie sich mit dem Parlament ins Benehmen gesetzt hat.“
Im Kontext der Diskussion über Gerhard Schröders Führungsstil als Kanzler führt Münkler Lockes Begriff der 'Prärogative' ein – das Recht der Exekutive, in dringenden Fällen ohne parlamentarische Rückversicherung zu handeln. Er nutzt dies, um Schröders risikofreudigen Politikstil theoretisch einzuordnen.
How to Do Things with Words
John Langshaw Austin
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:24:21 „Da gilt halt das, was der Sprachphilosoph Austin gesagt hat, Words are Deeds. Worte sind Taten. Und indem er das gesagt hat, hat er das gesamte Konzept verändert.“
Im Kontext von Trumps Äußerungen zur NATO-Beistandspflicht zitiert Münkler Austins Sprechakttheorie, um zu argumentieren, dass Trumps Worte reale geopolitische Konsequenzen haben – allein die Aussage verändere das Abschreckungskalkül im Kreml.
Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch
Francis Fukuyama
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:36:54 „Was dahinter steht, ist natürlich die Frage, was ist eigentlich das gewinnende System? Man dachte ja, die Geschichte sei zu Ende. Das hätte die Politologie ein für alle Mal entschieden. Also Demokratie ist immer das fitteste System. Das Ende der Geschichte.“
Wegner spielt auf Fukuyamas berühmte These an, dass nach dem Kalten Krieg die liberale Demokratie als Endpunkt der politischen Evolution feststehe. Er nutzt die Referenz, um die Frage aufzuwerfen, ob diese Annahme angesichts des Aufstiegs autokratischer Systeme wie China und der Instabilität westlicher Demokratien noch haltbar ist.
Grundlagen der Geopolitik
Alexander Dugin
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:44:03 „Deswegen Leute wie Alexander Dugin in ihren geopolitischen Konzepten sagen, wir brechen die Macht des Westens auf, indem wir Verbindungen schaffen nach Tokio, nach Teheran und nach Berlin.“
Im Kontext der Diskussion über eine mögliche Neuausrichtung Deutschlands Richtung Moskau verweist Münkler auf Dugins geopolitische Konzepte. Dugins Strategie, die westliche Allianz durch gezielte Achsenbildung zu zerbrechen, sieht Münkler als reale Blaupause für russische hybride Kriegführung gegen Deutschland.
Der lange Weg nach Westen
Heinrich August Winkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:45:06 „Deswegen gibt es gute Gründe, warum Putin und Konsorten uns ausgesucht haben. Und es ist keineswegs feststehend, wie mein Historiker-Kollege Heinrich August Winkler gesagt hat, der lange Weg nach Westen, dass wir dort ein für alle Mal angekommen sind. Sondern es gibt sozusagen auch Umkehrungen.“
Münkler diskutiert die Gefahr, dass Deutschland durch rechtspopulistische Kräfte und russische hybride Kriegführung aus seiner westlichen Verankerung herausgelöst werden könnte. Er zitiert Winklers These vom 'langen Weg nach Westen' als keineswegs abgeschlossenen Prozess — eine Umkehr sei möglich, wenn etwa AfD und BSW eine moskaufreundliche Politik durchsetzen.
Welt im Aufruhr
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:46:53 „Und ich habe deswegen in diesem Buch über die Welt im Aufruhr ja auch ausführlich, das behandelt jetzt Ihre beiden Fragen, das Verhältnis zwischen Innenpolitik und Außenpolitik. Wo ist sozusagen die Grenze von Außenpolitik durch Innenpolitik?“
Münkler verweist auf sein eigenes Buch, um die Verflechtung von Innen- und Außenpolitik zu erläutern. Im Gespräch geht es darum, wie innenpolitische Veränderungen — etwa eine kriegsmüde Bevölkerung — dramatische außenpolitische Folgen haben können, ein Thema, das er in diesem Buch ausführlich behandelt hat.
Welt in Aufruhr. Die Ordnung der Mächte im 21. Jahrhundert
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:47:58 „Und ich habe deswegen in diesem Buch über die Welt im Aufruhr ja auch ausführlich, das behandelt jetzt Ihre beiden Fragen, das Verhältnis zwischen Innenpolitik und Außenpolitik.“
Münklers Buch über die aktuelle Weltordnung, in dem er das Fünfer-Modell der Großmächte und das Verhältnis von Innen- und Außenpolitik behandelt
De la servitude volontaire (Von der freiwilligen Knechtschaft)
Étienne de La Boétie
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 02:51:01 „Es ist schwieriger, aber der Freund Montaigne ist ein gewisser Etienne de la Boisie, dem Buch geschrieben, de la Servitude Volontaire, von der freiwilligen Knechtschaft, wo er beschreibt, wie die Leute um ihrer Sicherheit wählen, die Knechtschaft wählen, aber das gar nicht merken.“
Im Gespräch über das Spannungsfeld zwischen Demokratie und autoritärer Effizienz — angestoßen durch das Beispiel Singapur — greift Münkler auf La Boéties Klassiker aus dem 16. Jahrhundert zurück. Er nutzt die Schrift als Warnung: Menschen begeben sich freiwillig in Unfreiheit, ohne es zu bemerken, wenn Sicherheit und Wohlstand wichtiger werden als politische Teilhabe.
Aus dem Tagebuch einer Schnecke
Günter Grass
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 03:02:13 „Nachdem wir halt relativ lange darauf gesetzt haben, dass es einen Fortschritt gibt, selbst dann, wenn der Fortschritt, Günter Grass, eine Schnecke ist. Ja? Aber er ist dann doch verlässlich. Und auch die Schnecke kommt voran oder so irgendwie. Diese Gewissheit ist uns abhandengekommen.“
Münkler spricht über den Verlust der Fortschrittsgewissheit in westlichen Gesellschaften. Mit der Anspielung auf Günter Grass' Bild vom Fortschritt als Schnecke zeigt er, dass selbst die bescheidene Hoffnung auf langsamen, aber stetigen Fortschritt heute nicht mehr tragfähig ist – weder ökonomisch noch politisch.
Aus der Fortschrittsfalle. Über den Fortschritt
Günter Grass
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 03:04:17 „selbst dann, wenn der Fortschritt, Günter Grass, eine Schnecke ist“
Münkler spielt auf Grass' Metapher vom Fortschritt als Schnecke an im Kontext des verlorenen Fortschrittsglaubens
Münkler-Watch (Blog)
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:05:48 „Also es gab eine berühmte, Sie haben es selber mal gesagt, ich wurde dadurch Nolens Wohlens zur berühmtesten, also meine Vorlesung zur berühmtesten Vorlesung zeitweise. Weil es einen Watchblog gab, in dem sie schwer kritisiert wurden als eben auch der Extremist der Mitte und so weiter.“
Wegner bringt den anonymen Watchblog 'Münkler-Watch' zur Sprache, der 2015 Münklers Vorlesungen an der HU Berlin öffentlich protokollierte und kritisierte. Der Blog wird als einer der ersten Fälle von Cancel Culture in der deutschen Hochschullandschaft diskutiert – Münkler schildert ausführlich, wie er die asymmetrische Auseinandersetzung strategisch beendete.
Aufsatz über Frantz Fanon
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:14:19 „Hätte ich mir nur diesen Aufsatz, der damals in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie erschienen ist, vornehmen müssen, der irgendwie Typoskript, 50 oder 60 Seiten hatte.“
Münkler erwähnt einen eigenen umfangreichen Aufsatz über Frantz Fanon, der in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie erschienen ist. Er nutzt die Erwähnung als Beleg dafür, dass er sich intensiv mit Autoren der Entkolonisierung auseinandergesetzt hat – entgegen den Vorwürfen der Münkler-Watch-Kritiker.
Les Damnés de la Terre (Die Verdammten dieser Erde)
Frantz Fanon
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 03:14:52 „Dann hätte ich über Selbstthematisierungen von Kolonisierten eingeschlossen die Rechtfertigung der Gewalt. Dann hätte ich auch sozusagen nochmal ein bisschen Sartre, der die Vorworte zu Fanon geschrieben hat, mit reinbringen können.“
Im Kontext der Münkler-Watch-Debatte über den Kanon seiner Einführungsvorlesung erklärt Münkler, dass er Frantz Fanons Werk durchaus behandeln wollte. Die Erwähnung von Sartres Vorwort identifiziert eindeutig 'Die Verdammten dieser Erde', Fanons Hauptwerk über Entkolonisierung und revolutionäre Gewalt.
Hitler's Children
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 03:56:41 „Ich weiß gar nicht mehr, wie die Amerikanerin hieß, die im Buch über die erste Generation, also Enslin Meinhof, geschrieben hat, Hitler's Children. Und versucht hat sozusagen, in denen auch nochmal das Nachwirken des NS oder das Geprägtsein durch die Erinnerung des NS und das sozusagen psychotische identifizieren von allem, was sie sehen im Hinblick auf den NS, zentral gemacht hat.“
Im Gespräch über die RAF und die generationelle Prägung durch den Nationalsozialismus erinnert sich Münkler an ein Buch einer amerikanischen Autorin über die erste RAF-Generation. Das Buch analysiert, wie Baader, Ensslin und Meinhof durch die NS-Erinnerung geprägt waren und alles als faschistisch identifizierten. Münkler kann sich an den Namen der Autorin nicht mehr erinnern, vermutet aber, der Titel sei vom Verlag gewählt worden.
Abschied vom Abstieg
Herfried Münkler
🗣 Herfried Münkler empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:01:16 „Das ist das Buch Abschied vom Abstieg, das ich zusammen mit meiner Frau geschrieben habe. Und die Teile über Bildung, die stammen wesentlich von ihr. Wir haben natürlich alles zusammen gekaut und so weiter, aber die hat sie geschrieben.“
Jochen Wegner spricht Münklers These an, dass die Mittelschicht schwerer erreichbar geworden sei und Bildung als Aufstiegsweg nicht mehr funktioniere. Münkler identifiziert das als sein gemeinsam mit seiner Frau Marina Münkler geschriebenes Buch und erläutert, dass darin Vorschläge gemacht werden, den Aufstieg durch Bildung wieder ins Zentrum zu rücken – gegen eine hedonistische Tendenz zum Verharren im Augenblick.
Faust
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 04:09:31 „Also meine Frau hat mir neulich erzählt, sie hat jetzt wieder ein Seminar über Faust gemacht, die ist ja Literaturwissenschaftlerin, und zwar jetzt nicht unbedingt Goethe, sondern vor Goethe. Und das hat sie vor zehn Jahren an der TUD schon mal gemacht und hat sich nochmal die Protokolle angeguckt, die sie damals hat fertigen lassen und worum es ging, kam zum Ergebnis, das können die heute nicht mehr.“
Münkler schildert den Leistungsverfall an Universitäten am Beispiel seiner Frau, einer Literaturwissenschaftlerin. Ein Faust-Seminar, das sie vor zehn Jahren noch problemlos durchführen konnte, überfordere heutige Studierende – sie könnten keine langen zusammenhängenden Texte mehr analytisch lesen. Münkler führt das auf die veränderte mediale Rezeption ('Lesen von Fetzen') zurück.
Politik
Aristoteles
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 04:10:32 „Das konnte Hegels Rechtsphilosophie sein, das konnte Machiavellis' Diskursi sein, das konnte Aristoteles' Politik sein und so weiter und so weiter.“
Aristoteles' Politik wird als drittes Beispiel für Werke genannt, die Münkler in seinen Seminaren vollständig durcharbeitete. Der Kontext ist seine Klage über den Verlust der Fähigkeit, langen Gedankengängen zu folgen – eine Kompetenz, die er als zentral für politische Urteilsfähigkeit betrachtet.
Tristan
Gottfried von Straßburg
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 04:20:21 „Meine Frau hat es ausprobiert, da wo die noch nicht hinreichend gefüttert sind mit mittelalterlichen Texten. Und hat den dann irgendwas gefragt zu irgendwelchen langen Gedichten. Und da hat er irgendwas gesagt, was er sich zusammenfantasiert hat. Dann hat sie gesagt, kann ja gar nicht sein. Tristan ist doch ganz anders.“
Münkler erzählt, wie seine Frau – die Mediävistin – eine KI mit Fragen zu mittelalterlichen Texten getestet hat. Als sie nach dem Tristan fragte, habe die KI eine frei erfundene Antwort geliefert und sich bei Korrektur zwar höflich entschuldigt, aber erneut Falsches behauptet. Münkler nutzt das Beispiel, um zu zeigen, dass KI ohne eigenes Fachwissen des Nutzers in die Irre führt.
The Future Is Asian
Parag Khanna
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 04:31:49 „Sie hatten vorhin Parakana erwähnt, der ein Buch geschrieben hat, das glaube ich heißt, die asiatische Zukunft oder the future is Asian oder so ähnlich. Was ich deswegen ganz interessant finde, weil es die Weltpolitik nochmal aus durch eine andere Brille beschreibt.“
Wegner greift Parag Khannas Buch auf, um die Frage zu stellen, was von der europäischen Perspektive auf globaler Ebene übrig bleibt, wenn man die Welt aus asiatischer Sicht betrachtet. Er nutzt das Buch als Aufhänger für die Frage an Münkler, was Europas 'Exportartikel' in der Weltpolitik eigentlich sei.
Die Treppe von Odessa / Eckpunkte Europas
Karl Schlögel
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 04:31:59 „im deutschsprachigen Raum und der Literatur hat dann Diener das mit mindestens zwei Büchern gemacht, indem er einmal die europäische Geschichte von der Treppe von Odessa aus beschrieben hat“
Münkler erwähnt ein Buch, das die europäische Geschichte aus östlicher Perspektive beschreibt – der Name im Transkript ist verzerrt, gemeint ist vermutlich Karl Schlögel
Die europäische Geschichte von der Treppe von Odessa
Dan Diner
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 04:32:41 „Naja, ich würde mal sagen, im deutschsprachigen Raum und der Literatur hat Dandina das mit mindestens zwei Büchern gemacht, indem er einmal die europäische Geschichte von der Treppe von Odessa aus beschrieben hat, also nicht sozusagen von Westen nach Osten, sondern von Osten nach Westen geguckt.“
Auf Wegners Frage nach alternativen Perspektiven auf die Weltpolitik verweist Münkler auf Dan Diner, der im deutschsprachigen Raum europäische Geschichte bewusst aus östlicher Perspektive – von der Treppe von Odessa – erzählt habe, statt dem üblichen West-nach-Ost-Blick. Der genaue Buchtitel ist im Transkript nicht genannt; Münkler beschreibt nur den Ansatz.
Die Perser
Aischylos
🗣 Herfried Münkler referenziert bei ⏱ 04:34:18 „Und der Aeschylus hat ja versucht, die Schlacht von Salamis aus der Sicht der Perser darzustellen. Man hat das in Athen auf die Bühne gebracht. Ja, und das war sozusagen doch schon ein ungeheurer Beitrag zur politischen Urteilsfähigkeit der athenischen Bürger.“
Münkler hebt Aischylos' Tragödie 'Die Perser' als frühes Beispiel für Perspektivwechsel hervor: Die Athener brachten die Niederlage der Perser bei Salamis aus persischer Sicht auf die Bühne. Das habe die politische Urteilsfähigkeit der Bürger geschärft, die über Krieg und Frieden abstimmten – eine Fähigkeit, die Münkler im heutigen Europa vermisst.
Faust (Osterspaziergang)
Johann Wolfgang von Goethe
🗣 Herfried Münkler zitiert daraus bei ⏱ 04:37:29 „wie die zwei Frankfurter in Goethes Faust am Osterspaziergang, wenn fern hinter der Türkei die Waffen aufeinander schlagen und so, dann gibt es ein wunderbares Gespräch für Sonntag“
Münkler zitiert die Osterspaziergang-Szene aus Goethes Faust als Metapher für deutsches politisches Biedermeier