Jens Spahn, was werden wir uns alles verzeihen müssen
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Jens Spahn, jüngster direkt gewählter Bundestagsabgeordneter 2002 und ehemaliger Gesundheitsminister, stellt sich dem Marathon-Interview — und kommt lässig zu Fuß statt mit Limousine. Nach den aufreibenden Pandemie-Jahren, in denen gefühlt 20 Investigativ-Teams gleichzeitig an ihm recherchierten, gibt er sich betont gelassen: ihn könne nichts mehr schocken. Zwischen Teaser-Soundbites zu Kernenergie, Wirtschaftswachstum und Deutschlandflaggen deutet sich ein Gespräch an, das von der großen Politik bis zur münsterländischen Selbstironie reicht.
„Ich bin ausrecherchiert.“
Erwähnte Medien (21)
Tagesschau
🗣 Jens Spahn erwähnt beiläufig „Wer guckt noch Tagesschau? Ich habe ja jetzt gelernt, ihr Podcast wird gehört ausschließlich von 20- bis 25-Jährigen. Die meisten von denen gucken jedenfalls selten Tagesschau und Anne Will guckt fast keiner von denen nach allen Statistiken, die wir haben.“
Spahn argumentiert, dass politische Kommunikation auch digitale Kanäle und Targeted Ads nutzen müsse, weil klassische Medienformate wie die Tagesschau jüngere Zielgruppen kaum noch erreichen. Die Erwähnung dient als Beispiel für den Wandel der Mediennutzung.
Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch
Michael Ende
🗣 Jens Spahn referenziert bei ⏱ 00:05:57 „Das ist ein Buch von Michael Ende, das ich als Kind sehr gern gelesen habe. Und ich war einer der ganz wenigen, der den Titel unfallfrei aussprechen konnte.“
Jens Spahn wählt als Schlusswort für den Podcast den Titel von Michael Endes Kinderbuch. Er verbindet damit eine persönliche Kindheitserinnerung und ist stolz darauf, den komplizierten Titel fehlerfrei aussprechen zu können, obwohl er ihn zehn Jahre lang nicht mehr gesagt hat.
ZDF-Hitparade
Dieter Thomas Heck
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:08:41 „Zum Beispiel Dieter Thomas Heck, weil wir gerade von Trivial-Unterhaltung geredet haben. Dieter Thomas Heck, der Moderator der ZDF-Hitparade, hieß eigentlich Dieter Heckscher.“
Im Gespräch über Namenserweiterungen und Künstlernamen erwähnt Christoph Amend die ZDF-Hitparade als Beispiel für Dieter Thomas Hecks Bekanntheit. Der eigentliche Gesprächsanlass war Jens Spahns Überlegung, seinen zweiten Vornamen Georg zu aktivieren.
Artikel über Jens Spahn als eigentlichen Gewinner der CDU-Vorsitzendenwahl 2018
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:39:53 „Es gab drei, eine Kandidatin und zwei Kandidaten, Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Sie. Und obwohl Sie an dritter Stelle bei der Abstimmung weit abgeschlagen gelandet sind, hat unter anderem die Süddeutsche Zeitung, ich habe das jetzt auch nochmal nachgelesen, Sie zum eigentlichen Gewinner dieser Wahl auserkoren.“
Christoph Amend fasst Spahns Karriereverlauf zusammen und kommt auf die CDU-Vorsitzendenwahl 2018 zu sprechen. Er erwähnt einen Artikel der Süddeutschen Zeitung, der Spahn trotz seines dritten Platzes hinter Kramp-Karrenbauer und Merz zum 'eigentlichen Gewinner' der Wahl erklärte. Amend hat den Artikel für die Vorbereitung des Gesprächs nochmals nachgelesen.
Porträt über Jens Spahn in der Süddeutschen Zeitung
Guido Bohnsen
🗣 Jens Spahn referenziert bei ⏱ 01:29:53 „Bin wach geworden im Hotel, ist ja alles eine Stunde früher da. Hab dann, gab es offensichtlich schon iPads. Auf dem iPad, glaube ich, war es meine, ich wusste, es erscheint heute ein Porträt in der Süddeutschen über mich.“
Jens Spahn erzählt, wie ein Porträt in der Süddeutschen Zeitung von Guido Bohnsen sein Schwulsein beiläufig erwähnte – was für ihn ein einschneidendes Erlebnis war.
Outing-Interview mit Jens Spahn im Spiegel
🗣 Jens Spahn referenziert bei ⏱ 01:34:57 „Und dann habe ich mich entschieden, weil es auch in der Partei dann zunehmend Diskussionen gab und ich merkte, dass auch viele, die schwul sind, die lesbisch sind, in der Partei irgendwie hadern, 2012 ein Interview mit dem Spiegel zu machen. Das haben wir daheim in Aus geführt. Das war ein Riesenschritt. Das war eigentlich das Outing-Interview.“
Jens Spahn erzählt chronologisch, wie er nach dem beiläufigen Outing in der Süddeutschen 2012 ein bewusstes Interview mit dem Spiegel führte – sein eigentliches Coming-out-Interview. Er beschreibt, wie aufwühlend das war und wie überraschend positiv selbst konservative Fraktionskollegen wie Norbert Geis und Erika Steinbach reagierten.
Spiegel-Interview (Outing-Interview)
🗣 Jens Spahn referenziert bei ⏱ 01:36:48 „2012 ein Interview mit dem Spiegel zu machen. Das haben wir dann heim in Aus geführt. Das war ein Riesenschritt. Das war eigentlich das Outing-Interview.“
Jens Spahn beschreibt sein öffentliches Outing-Interview im Spiegel 2012 als bedeutenden persönlichen Schritt.
Podcast der Bunten über Jens Spahn
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:37:51 „Ich habe heute Morgen einen Podcast der Bunten gehört, wo zwei Reporterinnen oder zwei Kolleginnen über sie sprechen und die eine sagt irgendwann, das ist... Ja, hast du auch gehört, weil wir hören ja auch alles, deswegen hören wir auch alle Podcasts, die übersehen. Und die eine sagt, ein bezauberndes Gefühl, die eine sagt, ja und der Spanier hat sich ja dann irgendwann entschlossen, schwul zu sein oder so, sinngemäß.“
Jochen Wegner erwähnt einen etwas älteren Podcast des Magazins Bunte, in dem zwei Reporterinnen über Jens Spahn sprechen. Er nutzt eine dort gefallene problematische Formulierung – jemand habe sich 'entschlossen, schwul zu sein' – als Beispiel dafür, wie sich das gesellschaftliche Bewusstsein für solche Formulierungen verändert hat.
Porträt über Jens Spahn in der Süddeutschen Zeitung
Guido Bohnsen
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:39:57 „Ich habe es jetzt endlich gefunden, ich habe die ganze Zeit nach dem Artikel gesucht, Guido Bohnsen. Der Satz heißt, ist wirklich süß, Jens Spahn, also mitten im Text, Jens Spahn, Abgeordnete des Wahlkreises 124, Steinfurt 1, Borken 1 und schwul. Das war sozusagen das, worauf alle, man hätte auch sagen können, es hätte auch gar nichts passieren können.“
Jochen Wegner identifiziert den konkreten Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem Jens Spahns Homosexualität erstmals beiläufig in einem Porträt erwähnt wurde – ohne Absprache mit Spahn. Spahn selbst schildert, wie er in London im Hotel aufwachte und beim Lesen des Porträts plötzlich auf das Wort 'schwul' stieß, das er noch nie schwarz auf weiß in Bezug auf sich gelesen hatte.
Heute-Journal
🗣 Jens Spahn erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:00:41 „Bin aus Rom zurückgeflogen, landete hier in Berlin, habe glaube ich sogar noch ein Heute-Journal-Interview oder so gemacht. Und dann auf dem Weg nach Hause oder als ich zu Hause reinkam, rief Karl-Josef Laumann an.“
Jens Spahn erzählt vom Karnevalsdienstag, an dem er morgens die gemeinsame Kandidatur mit Armin Laschet verkündete, dann nach Rom zum Gesundheitsministertreffen flog und abends zurück in Berlin ein TV-Interview beim Heute-Journal gab – am selben Tag, als der erste große Corona-Ausbruch in Heinsberg bekannt wurde.
Wir werden uns viel zu verzeihen haben
Jens Spahn
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:27:37 „Dieser Podcast steigert Buchverkäufe. Ja, das stimmt. Wenn das Buch noch gar nicht da ist. Der Podcast, das ist ja das Interessante bei Podcasts, die werden ja im Nachhinein weitergehört. Man kann schon vorbestellen übrigens.“
Im Gespräch über die Pandemie und das Jahr 2021 als 'Jahr der Schuldzuweisung' wird deutlich, dass Jens Spahn gerade ein Buch über seine Zeit als Gesundheitsminister schreibt. Er verrät inhaltlich kaum etwas, sagt aber, dass Parallelen zur aktuellen Krise darin vorkommen. Wegner weist scherzhaft darauf hin, dass der Podcast die Buchverkäufe steigern werde, und Spahn bestätigt, dass man bereits vorbestellen könne.
Atemlos durch die Nacht
Helene Fischer
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:02:54 „Atemlos oder Achterbahn? Achterbahn. Atemlos.“
Im traditionellen A-oder-B-Spiel des Podcasts muss Jens Spahn sich zwischen den beiden Helene-Fischer-Hits entscheiden. Nach kurzem Zögern wählt er zunächst 'Achterbahn', korrigiert sich dann aber auf 'Atemlos'.
Achterbahn
Helene Fischer
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:02:54 „Atemlos oder Achterbahn? Achterbahn. Atemlos.“
Im A-oder-B-Spiel wird 'Achterbahn' als Alternative zu 'Atemlos' genannt – beides bekannte Songs von Helene Fischer. Spahn nennt zunächst 'Achterbahn', entscheidet sich dann aber um.
Star Wars
George Lucas
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:06:08 „Luke oder Han? Luke oder Han? Wie kann ich noch deutlicher Luke oder Han aussprechen? Luke oder Han. Luke.“
Im Rahmen eines Schnellfragespiels stellt Jochen Wegner die Frage 'Luke oder Han?' – eine Referenz auf die Star-Wars-Figuren Luke Skywalker und Han Solo. Spahn entscheidet sich spontan für Luke. Es handelt sich um eine rein spielerische Erwähnung ohne inhaltliche Diskussion des Films.
Doppelinterview Schäuble/Spahn im Spiegel
🗣 Jens Spahn referenziert bei ⏱ 04:04:07 „Wir haben ja zusammen ein Interview im Spiegel, wir hatten ein Doppelinterview. Das war sozusagen, das war die indirekte Unterstützung. Und ich weiß noch, wie ich ihn gefragt habe, ob er mit mir das Doppelinterview macht, dann guckt er mich an und der hat sofort verstanden, worum es geht natürlich.“
Spahn erzählt, wie Wolfgang Schäuble ihn 2014 bei seiner Kandidatur fürs CDU-Präsidium unterstützt hat. Die indirekte Unterstützung erfolgte über ein gemeinsames Doppelinterview im Spiegel, bei dem Schäuble sofort verstand, welches politische Signal damit gesetzt werden sollte.
Anne Will
Anne Will
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:18:20 „Wir haben Sie alle im Fernsehen gesehen am Sonntag. Bei Anne Will, meinst du? Ja, alle waren so. Also die Fachleute, die das beobachtet haben, die ich kenne, ach ja, toll, interessant, der Spahn.“
Wegner spricht Spahn auf einen Auftritt bei Anne Will am vorherigen Sonntag an, der offenbar Eindruck hinterlassen hat. Fachleute hätten positiv reagiert, was Wegner als Zeichen deutet, dass Spahn politisch wieder Geschwindigkeit aufnimmt.
Loriot (Sketche)
Loriot (Vicco von Bülow)
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:52:07 „Und freuen sich die Leute, dass ihr wieder öfter da seid? Oder ist es dann so ein bisschen wie Loriot?“
Christoph Amend fragt Spahn, wie es ist, nach der Ministerzeit wieder häufiger im Wahlkreis und zu Hause zu sein. Er zieht einen Vergleich zu Loriot – gemeint ist die berühmte Sketch-Figur des pensionierten Ehemanns, der plötzlich ständig zu Hause ist und für Irritation sorgt. Spahn greift das Bild auf und bestätigt, dass die Umstellung anfangs für alle gewöhnungsbedürftig war.
Buch von Jens Spahn (Arbeitstitel zum Thema Verzeihen/Zusammenhalt)
Jens Spahn
🗣 Jens Spahn referenziert bei ⏱ 04:55:37 „Jetzt arbeiten Sie ja gerade an einem Buch. [...] Ende September.“
Jens Spahn spricht über sein in Arbeit befindliches Buch, das im September erscheinen soll und sich mit Lehren aus der Pandemie und gesellschaftlichem Zusammenhalt beschäftigt.
Podcast der Bunten
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:57:24 „Ich habe in der Bunten mal gelesen, ehrlich gesagt, habe ich es im Podcast der Bunten gehört, dass sie dort... Ich wusste gar nicht, dass die Bunten einen Podcast haben. Die Bunten hatten einen Podcast, da unterhalten sich eine Kollegin und ich glaube die stellvertretende Chefredakteurin.“
Wegner erwähnt beiläufig den Podcast der Zeitschrift Bunte, in dem er gehört hat, dass Spahn und sein Mann sich Kinder wünschen. Er beschreibt das Format als Gespräch zwischen einer Redakteurin und der stellvertretenden Chefredakteurin über die Inhalte der Bunte.
Die richtigen Fragen
🗣 Jens Spahn erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:06:01 „Ich war bei, wie heißt das, die richtigen Fragen, glaube ich, bei Bild. Habe ungefähr eine halbe Stunde lang gegenüber dem Fragesteller, der immer die gleiche Frage in unterschiedlichen Varianten gestellt hat, warum eigentlich Armin Laschet weiterhin der Kanzlerkandidat ist und nicht Markus Söder.“
Spahn erzählt die Anekdote, wie er bei dem Bild-TV-Format 'Die richtigen Fragen' auftrat und dort Armin Laschets Kanzlerkandidatur verteidigte. Anschließend blieb er spontan zum Kanzlerduell-Schauen, was dann im Spiegel als vermeintliche Nähe zum Bild-Chefredakteur dargestellt wurde.
Wohlstand für Alle
Ludwig Erhard
🗣 Jens Spahn referenziert bei ⏱ 06:11:11 „Wohlstand für alle ist das eine bei Ludwig Erhard, aber Eigentum für alle ist eigentlich aus meiner Sicht so das zweite große Thema, das dazugehört.“
Im Kontext einer Diskussion über steigende Immobilienpreise, sinkende Eigentumsquoten und die Wohnungsnot in Deutschland greift Spahn auf Ludwig Erhards berühmtes Konzept zurück und erweitert es: Neben Wohlstand für alle müsse auch Eigentum für alle das Ziel sein. Er sieht darin die beste Altersvorsorge und ein Fundament bürgerlicher Gesellschaft.