Maxim Biller, warum suchen Sie Streit
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Maxim Biller gibt sich von der ersten Sekunde als das, was er ist: ein brillanter Provokateur, der Streit nicht sucht, sondern Argumente durch Polemik schärft. Er spricht über jüdisches Schreiben in Deutschland, seine literarischen Fehden und die Frage, woher sein notorischer Mut kommt — und dreht sie elegant um. Aufgenommen unter Pandemie-Bedingungen in einem fremden Studio, beginnt das Gespräch mit so vielen Disclaimern und Seitenhieben, dass man kaum zur Literatur kommt.
„Wo kommt die Feigheit her bei den anderen?“
Erwähnte Medien (101)
Die Sorge des Hausvaters
Franz Kafka
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:06:33 „Dieses Wort ist ein Name für ein merkwürdiges Wesen in einer sehr kurzen Erzählung von Franz Kafka, die die Sorge des Hausvaters heißt. Und es ist ein sehr mysteriöses Wesen. Man weiß nicht, es ist eine kleine Filzkugel, da sind so ein paar Holzleitenden.“
Maxim Biller erklärt sein Schlusswort 'Odradek' und beschreibt die Kafka-Erzählung, aus der diese Figur stammt. Das Wesen Odradek geistert durch ein Haus und der Erzähler fürchtet, dass es ihn überleben wird – eine Passage, die Biller offenbar besonders fasziniert.
Das Literarische Quartett
Marcel Reich-Ranicki
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:10:22 „Ist ja, dass Helmut Karasek zum Gründungsensemble des Literarischen Quartetts gehört hat, zu dem du ja dann auch gehört hast. Also viele Jahrzehnte später.“
Christoph Amend stellt eine Verbindung her zwischen Helmut Karasek und Maxim Biller über das 'Literarische Quartett' – die legendäre ZDF-Literatursendung, zu deren Gründungsensemble Karasek gehörte und in der Biller viele Jahre später ebenfalls mitwirkte.
100 Zeilen Hass
Maxim Biller
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:13:59 „Als Journalist, aber auch als Kolumnist, die 100 Zeilen Hass sind schon Primärliteratur, glaube ich, heute für jeden Journalisten. Es ist jetzt nicht klassischer Journalismus, sondern eher einfach eine Form, die du auch erfunden hast.“
Jochen Wegner würdigt Billers legendäre Kolumnenreihe '100 Zeilen Hass' aus dem Magazin Tempo als 'Primärliteratur für jeden Journalisten' – eine polemische Kurzform, die Biller quasi erfunden habe.
Bernstein-Tage
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:02 „hast du Bernstein-Tage gelesen“
Biller zählt seine Werke auf
Bruno Schulz Biografie
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:02 „hast du ein Buch von Bruno Schulz gelesen, Biografie gelesen“
Biller zählt seine Werke auf
Wenn ich einmal reich und tot bin
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:14:21 „Hast du, wenn ich einmal ein Tod bin, Lande, Fete und Verräter gelesen? ... Hast du, in meinem Gedächtnis, wenn ich einmal Reichen Tod bin gelesen, hast du Land der Väter und Verräter gelesen?“
Maxim Biller fragt Jochen Wegner, ob er seinen Erzählungsband 'Wenn ich einmal reich und tot bin' gelesen habe – eines seiner frühen Werke, das er offenbar für wichtig hält, um sein Schaffen zu verstehen.
Land der Väter und Verräter
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:14:21 „Hast du Land der Väter und Verräter gelesen, hast du Bernstein Tage gelesen, hast du die Tochter gelesen?“
Biller zählt seine wichtigen Bücher auf und fragt, ob Wegner sie gelesen habe. 'Land der Väter und Verräter' ist ein Erzählungsband, der offenbar zu Billers zentralem Werk gehört.
Bernsteintage
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:14:21 „Hast du Land der Väter und Verräter gelesen, hast du Bernstein Tage gelesen, hast du die Tochter gelesen?“
Biller zählt in schneller Folge seine Bücher auf, die Wegner gelesen haben sollte, darunter 'Bernsteintage'.
Die Tochter
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:14:21 „Hast du Land der Väter und Verräter gelesen, hast du Bernstein Tage gelesen, hast du die Tochter gelesen?“
Biller listet 'Die Tochter' als eines der Bücher auf, die man gelesen haben sollte, um sein Schaffen zu kennen.
Biografie
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:14:21 „Hast du ein Buch von Bruno Schulz gelesen, Biografie gelesen, hast du gelesen Sechs Koffer?“
Biller erwähnt 'Biografie' in seiner Aufzählung eigener Werke. Der Kontext legt nahe, dass es sich um ein Buch von Biller handelt, möglicherweise die Bruno-Schulz-Biografie oder ein eigenes Werk mit diesem Titel.
Esra
Maxim Biller
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:14:56 „Das beste Buch wahrscheinlich ist das verbotene Buch. Und ich habe es hier. Esra ist einer der wenigen Menschen, der von sich sagen kann, er ist nach deutschem Recht, hat er ein verbotenes Buch publiziert.“
Jochen Wegner stellt Billers Roman 'Esra' als dessen bestes Buch vor – ein in Deutschland gerichtlich verbotenes Werk, das nur als Erstauflage existiert und antiquarisch für 300-400 Euro gehandelt wird. Wegner beschreibt es als 'bezaubernde, zarte Liebesgeschichte'.
Raumschiff Enterprise (Star Trek)
Gene Roddenberry
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:24:57 „Und wenn ich Enterprise gucken wollte, musste ich dann zu einem Freund, weil das kam ja im zweiten.“
Biller erzählt aus seiner Kindheit in Hamburg: Die Familie hatte anfangs nur einen Fernseher, der nur das Erste Programm empfing. Um 'Raumschiff Enterprise' im Zweiten zu sehen, musste er zu einem Freund gehen – ein Bild seiner bescheidenen Verhältnisse als Emigrantenkind.
Das Bild der Juden im Frühwerk Thomas Manns
Maxim Biller
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:29:24 „Du hast in Hamburg und dann in München Neudeutsche Literaturgeschichte, Philosophie studiert und bei Frühwald 1983... Guck mal, das war gar nicht viel später. Ein Magister geschrieben über das Bild der Juden im Frühwerk Thomas Manns. Wir haben diese Arbeit nicht mehr finden können.“
Jochen Wegner spricht über Maxim Billers akademische Laufbahn und erwähnt seine Magisterarbeit über das Judenbild bei Thomas Mann. Die Arbeit ist online nicht verfügbar, könnte aber im Literaturarchiv Marbach oder in der Germanistenbibliothek München liegen.
Der gebrauchte Jude
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:32:24 „Ich überlege gerade, ob ich das wirklich so erzähle. Außerdem steht das im gebrauchten Judenstilz drin. Dann kann man es doch aber erzählen. Dann kann man es auch erzählen.“
Biller erwähnt sein autobiografisches Buch 'Der gebrauchte Jude', in dem die Anekdote mit dem Redakteur des Bayerischen Rundfunks an der Journalistenschule bereits beschrieben ist. Das Buch dient als Beleg dafür, dass die Geschichte bereits öffentlich erzählt wurde.
Spaziergang mit Axel Springer
Ben Witter
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:41:55 „Der berühmte Spaziergänger der Zeit, dessen berühmtestes Stück der Spaziergang mit Axel Springer war, der in diesem Spaziergang über die Bild-Zeitung geschimpft hat und gesagt hat, ich leide unter der Bild-Zeitung wie ein Hund.“
Christoph Amend erinnert an Ben Witters berühmtestes Stück für die Zeit – einen Spaziergang mit dem Verleger Axel Springer, in dem dieser seinen legendären Satz über die Bild-Zeitung sagte. Ben Witter hatte Biller bei Markus Peichl für Tempo empfohlen, ohne dass die beiden sich je begegnet waren.
Tempo
Markus Peichl
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:42:41 „Wir müssen einmal kurz für die Nachgeborenen erklären, was eigentlich Tempo überhaupt war.“
Das Magazin Tempo wird ausführlich als kulturelles Phänomen der 80er Jahre besprochen, das viele junge Leser und spätere Journalisten prägte
Ernst-Jünger-Porträt
Maxim Biller
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:43:22 „Ich wollte eine bestimmte Geschichte nochmal lesen, die es als Echo in deinen Büchern gibt. Welche? Das Ernst Jünger Porträt. Das ist doch in mehreren Büchern.“
Wegner wollte Billers berühmtes Ernst-Jünger-Porträt im Original aus dem Tempo-Magazin lesen, konnte es aber digital nicht finden. Der Text ist laut Biller wortgleich im Deutschbuch und in einem Reclam-Band erschienen, was Wegner bezweifelt.
Wenn ich es glaub, schreibe ich
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:42 „Wort für Wort ist es drin im Deutschbuch. Ich kann ja nur verlieren jetzt, ne? Und in den Tempojahren? Quatsch, im Deutschbuch und in dem Reklamband, wenn ich es glaubt, schreibe ich.“
Biller erwähnt einen Reclam-Band als weitere Publikation, in der sein Ernst-Jünger-Text enthalten ist. Der genaue Titel ist im Gespräch nicht ganz klar ausgesprochen, es handelt sich vermutlich um einen Reclam-Sammelband seiner Texte.
Deutschbuch
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:44:26 „Wort für Wort ist es drin im Deutschbuch.“
Biller korrigiert Wegner und sagt, dass sein Ernst-Jünger-Porträt im Deutschbuch enthalten ist
Tempo
Markus Peichl
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:45:04 „Ich will ganz kurz, es kommt ein wirklich sehr, sehr junger Mann, 25 glaube ich, nach Deutschland, der schon ein paar Jahre Journalist war, noch jünger, bei einer Zeitschrift, die Wiener hieß in Wien. Und sagt irgendwie zu dem einen oder anderen, am Ende ist es dann der Ganske, ich möchte diese Zeitschrift hier machen.“
Biller erzählt ausführlich die Entstehungsgeschichte des Magazins Tempo, das Markus Peichl mit 5 Millionen Mark vom Verleger Ganske gründete. Tempo war ein revolutionäres Jugendmagazin mit eigenständigen Autorenstimmen, tabubrechnenden politischen Geschichten und modernem Layout – vergleichbar mit 'The Face' oder 'Interview'.
The Face
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:47:21 „Dazu wahnsinnig modernes, tolles, fantastisches Layout. Tolle Fotos, sehr besondere, moderne Fotos, vergleichbar mit dem, was vielleicht damals in so einer sehr berühmten Zeitschrift war wie Face in England oder vielleicht davor in Interview in Amerika.“
Biller vergleicht das Layout und die Fotografie des Tempo-Magazins mit der britischen Zeitschrift 'The Face', um den visuellen Anspruch und die Modernität von Tempo zu verdeutlichen.
Interview
Andy Warhol
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:47:21 „Dazu wahnsinnig modernes, tolles, fantastisches Layout. Tolle Fotos, sehr besondere, moderne Fotos, vergleichbar mit dem, was vielleicht damals in so einer sehr berühmten Zeitschrift war wie Face in England oder vielleicht davor in Interview in Amerika.“
Neben 'The Face' nennt Biller auch das amerikanische Magazin 'Interview' (gegründet von Andy Warhol) als Referenzpunkt für die visuelle Qualität und den kulturellen Anspruch des Tempo-Magazins.
Die Tempojahre
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:50:19 „Das wollte ich korrigieren. Es gibt ein Buch, das ist die Tempojahre und das erschien 1991.“
Biller korrigiert Wegners Annahme, dass '100 Zeilen Hass' zweimal als Buch erschienen sei. 'Die Tempojahre' von 1991 ist eine Sammlung seiner journalistischen Texte aus der Tempo-Zeit, die heute nur noch antiquarisch erhältlich ist.
Deutschbuch
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:50:37 „Nee, der ist im Deutschbuch drin. Das war das zweite Buch mit journalistischen Texten.“
Biller erwähnt sein 'Deutschbuch' als zweite Sammlung journalistischer Texte, in der unter anderem sein Ernst-Jünger-Porträt enthalten ist. Es wird im Kontext der Diskussion darüber genannt, wo welcher Originaltext publiziert wurde.
Biografie
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:51:52 „Mein bester Freund, der eigentlich die eine Figur ist in dem Roman Biografie, von dem du nur 300 Seiten geschafft hast.“
Biller erwähnt seinen 900-seitigen Roman über seinen besten Freund
Heute über den Linden
Maxim Biller
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:55:50 „Heute über den Linden ist eine weitere Kolumne. Es gab auch davor mal eine Kolumne in der Zeit, die wurde dann nicht fortgeführt. Da gab es Ärger dann wegen eines Textes über Joschka Fischer.“
Wegner erwähnt Billers Kolumne 'Heute über den Linden' und eine frühere Zeit-Kolumne, die nach einem kontroversen Text über Joschka Fischer eingestellt wurde. Biller unterbricht an dieser Stelle, weil ihm zu viel über Journalismus und zu wenig über sein literarisches Werk gesprochen wird.
Kolumne über Joschka Fischer
Maxim Biller
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:56:35 „Du hast eine Kolumne für das Zeitmagazin geschrieben, vor vielen Jahren. Und dann hast du eine Kolumne geschrieben, eine Kolumne innerhalb dieser Reihe über Joschka Fischer. Und die ist nie, in der Zeit zumindest, nie erschienen, weil sie verhindert worden ist, richtig?“
Amend fragt Biller nach der berüchtigten Kolumne über Joschka Fischer, die vom Zeitmagazin nicht gedruckt wurde. Biller hatte Fischer als 'Lügner' bezeichnet, weil dieser seine Position zum Jugoslawienkrieg gewechselt hatte. Die Kolumne erschien später als Faksimile in der taz.
Junges Deutschland (Kolumnenreihe)
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 00:56:52 „Ich hatte im Zeitmagazin mit drei anderen Schriftstellern, Sibylle Berg, Katja Lange-Müller. Wer war die dritte? Fällt mir jetzt nicht ein. Eine Kolumne und dann wurde das damalige Zeitmagazin beendet.“
Biller beschreibt eine gemeinsame Kolumnenreihe im Zeitmagazin unter dem Titel 'Junges Deutschland', die er zusammen mit Sibylle Berg, Katja Lange-Müller und einer weiteren Autorin schrieb. Die Reihe war ein Vorläufer seiner späteren Kolumnenarbeit.
Junges Deutschland
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:57:06 „war für mich nur die Fortsetzung von diesen 100 Zeilen Hass eigentlich. Und dann schrieb ich halt eben die erste Kolumne über Joschke Fischer.“
Biller erwähnt die Kolumnenreihe 'Junges Deutschland', die er mit Sibylle Berg und anderen für das Zeitmagazin schrieb
Pilla (Kolumne)
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 01:00:28 „Dann habe ich Herrn Jörgs angerufen, habe gesagt, Herr Jörgs, was soll ich machen? Er sagte, Sie machen hier einfach weiter und ich bin froh, dass dieser scheiß Titel 100 Zeilen Hass endlich weg ist. Und dann schrieb ich weiter dieselbe Kolumne. Dann hieß sie nur noch Pilla, glaube ich.“
Nachdem Billers Wechsel zur Woche gescheitert war, kehrte er zu Tempo zurück. Chefredakteur Michael Jürgs nahm ihn sofort wieder auf, und die Kolumne lief unter dem neuen Titel 'Pilla' weiter – inhaltlich identisch mit '100 Zeilen Hass'.
Kolumne über rechte Umtriebe bei Focus
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 01:01:41 „Und dann hat die Taz eben diese Kolumne gedruckt, darüber, mit sehr, sehr vielen Zitaten darüber, wie in Fokus komischerweise sehr seltsame rechte Positionen immer wieder vertreten werden.“
Biller beschreibt eine Kolumne, die er bei Tempo über rechte Positionen beim Focus schrieb. Tempo bat ihn, sie zurückzuhalten wegen laufender Verhandlungen mit dem Burda-Verlag. Die Kolumne erschien stattdessen in der taz.
Rezension von Peter von Becker (Süddeutsche Zeitung)
Peter von Becker
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 01:04:38 „Dann ist da auf der ersten Seite der Literaturbeilage, ist mein Gesicht so groß wie in Realität und dazu eine Hymne von Peter von Becker, dem sehr, sehr bekannten Theaterkritiker, vor allem damals bei der Süddeutschen.“
Biller erinnert sich an die euphorische Rezension seines ersten Erzählbands durch den Theaterkritiker Peter von Becker in der Süddeutschen Zeitung. Darin wurde er mit Heinrich Böll, Hannah Arendt, Woody Allen und Josef Roth verglichen. Tempo druckte die Liste der Vergleiche im nächsten Heft nach.
Polemik-Verteidigung (ZEIT-Essay 2018)
Maxim Biller
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:15:54 „Es gab mal in der Zeit, 2018 hast du die Polemik sozusagen verteidigt, wenn man so will. Also einen Text über Polemiken geschrieben und wie wichtig die sind und sie abgegrenzt gegen den Quatsch der im Internet erscheinen und sozusagen eine Ehrenrettung dieser Form geschrieben.“
Wegner zitiert einen ZEIT-Text von 2018, in dem Biller die Polemik als literarische Form verteidigte. Wegner liest daraus eine Passage vor, in der Biller mehrere Politiker mit scharfen Attributen versieht, um zu zeigen, dass Billers Stil nicht immer auf langen argumentativen Anläufen beruht.
Kolumne über Bärbel Schäfer
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 01:20:53 „Da war eine Kolumne über Bärbel Schäfer. Und da habe ich gedacht, hat sie es wirklich in der Härte verdient? Und dann habe ich mir gesagt, und das ist, glaube ich, unser aller Problem, wir sind irgendwie durch unseren Beruf öffentliche Personen geworden.“
Beim Zusammenstellen des Sammelbands '100 Zeilen Hass' war die Kolumne über Bärbel Schäfer die einzige, bei der Biller zögerte. Er hatte sie als Prototyp der Nachmittags-Talkshow-Moderatorin kritisiert, die sich für das Format verkauft. Trotz des Zögerns nahm er sie in das Buch auf.
Kolumne über Katja Riemann
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 01:23:35 „Es gab eine andere Kolumne, über eine Schauspielerin, die damals viel in so Komödien gespielt hatte. Damals fingen gerade diese neun deutschen Komödien an und sie hat in einer sehr berühmten gespielt und ich fand das alles schauderhaft.“
Biller erzählt von einer Kolumne über Katja Riemann als Galionsfigur der neuen deutschen Komödien, die er scharf kritisierte. Bemerkenswert: Riemann schrieb daraufhin selbst einen Gegentext, der im nächsten Tempo erschien. Biller lobt diese Streitkultur im Vergleich zu heute, wo sofort Anwälte eingeschaltet würden.
Late Night
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:41:34 „Ich war einmal in München, hat mich ein Freund mitgenommen zu der Aufzeichnung einer, gab es eine Gottschalk Late Night Show?“
Biller erzählt beiläufig von einer zufälligen Begegnung mit Marcel Reich-Ranicki bei der Aufzeichnung einer Late-Night-Show von Thomas Gottschalk in München. Reich-Ranicki sei bei seinem Anblick regelrecht zusammengezuckt – als Illustration dafür, wie sehr Billers Existenz ihn irritierte.
Mein Leben
Marcel Reich-Ranicki
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:48:27 „Und man muss dazu sagen, ich google in meinem Gedächtnis, sein großer Buch, eigener Bucherfolg, also seine Autobiografie, war ja erst ein paar Jahre zuvor erschienen.“
Christoph Amend ordnet zeitlich ein, dass Reich-Ranickis große Autobiografie nur wenige Jahre vor Billers Besuch bei ihm erschienen war. Der Titel wird nicht explizit genannt, es handelt sich aber eindeutig um 'Mein Leben' (1999), Reich-Ranickis Bestseller-Autobiografie.
Waltz with Bashir
Ari Folman
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 01:55:40 „Es kam ungefähr zehn Jahre später, glaube ich, dieser Film Walls with Bashir. Der war ja damals, wurde sehr viel irgendwie rezipiert. Toller Film auch. Sehr ähnliche Geschichte.“
Biller vergleicht seinen Roman über einen israelischen Soldaten im Libanon-Krieg mit dem später erschienenen Animationsfilm 'Waltz with Bashir'. Er argumentiert, dass sein Roman thematisch seiner Zeit voraus war und der Film zehn Jahre später eine sehr ähnliche Geschichte erzählte, die dann breite Rezeption erfuhr.
In der Strafkolonie
Franz Kafka
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 01:58:57 „Ich bin wie der Typ aus der Strafkolonie, aber nicht der, der auf dem Brett liegt.“
Im selben Kafka-Spiel wählt Biller 'In der Strafkolonie' als seinen Text und identifiziert sich mit einer der Figuren – allerdings nicht mit dem Verurteilten auf der Maschine, sondern vermutlich mit dem Beobachter oder dem Offizier.
Das Schloss
Franz Kafka
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:59:05 „Ich überlege gerade, ich fand das Schloss... Echt? Richtig gut.“
Christoph Amend nennt im Kafka-Spiel 'Das Schloss' als seinen Favoriten. Biller fragt nach, ob Amend sich in die Figur des Vermessers hineinprojiziere, was Amend offenlässt.
Vor dem Gesetz
Franz Kafka
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:59:15 „Nein, vor dem Gesetz. So fühle ich mich auch. Ich finde halt diesen Schluss, wo es heißt, diese Tür war nur für dich gemacht. Genau, das ist mein Leben.“
In einem Spiel, bei dem jeder seinen persönlichen Kafka-Text nennen soll, wählt Wegner 'Vor dem Gesetz'. Er identifiziert sich stark mit der Parabel und ihrem Schluss – die Tür, die nur für den Wartenden bestimmt war, durch die er aber nie hindurfte. Wegner beschreibt das als ein Lebensgefühl, das Kafka perfekt eingefangen habe.
Die Verwandlung
Franz Kafka
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:00:53 „Der Käfer gibt mir gar nichts zum Beispiel. So fühle ich mich nie. Also ich kann das lesen und finde das auch gut, aber...“
Wegner grenzt sich von Kafkas 'Die Verwandlung' ab – im Gegensatz zu 'Vor dem Gesetz' kann er sich mit der Geschichte von Gregor Samsa nicht identifizieren. Er erkennt die literarische Qualität an, aber das Gefühl der Verwandlung in ein Ungeziefer spiegelt kein eigenes Lebensgefühl wider.
Froim Grach
Isaac Babel
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:04:11 „Es gibt eine Geschichte, den Plot kann ich nacherzählen. Soll ich? Bitte. Die heißt Freumgratsch. Die ist in der Ausgabe jetzt mein Taubenschlag in der letzten bei Hansa.“
Biller erzählt die komplette Handlung dieser Babel-Erzählung nach: Froim Grach, der 'Zar von Odessa', geht zur bolschewistischen Kommandatur, um sich zu beschweren – und wird währenddessen im Hof erschossen. Biller nutzt diese Geschichte als Beispiel für Babels einzigartige Fähigkeit, auf wenigen Seiten dichten, raffinierten Plot mit großartiger Sprache zu verbinden.
Geschichten aus Odessa
Isaac Babel
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:04:39 „Aber ich mag eigentlich die Geschichten aus Odessa lieber. Da geht es meistens um die Gangster aus dem Viertel Moldawanka. In meiner Ansicht hat er eigentlich die ganzen Gangsterfilme begründet.“
Biller schwärmt von den Odessa-Geschichten als seine liebsten Babel-Texte. Er erzählt detailliert die Geschichte 'Froim Grach' nach und argumentiert, Babel habe mit diesen wenigen Erzählungen über jüdische Gangster im Grunde das gesamte Gangster-Genre in der Kultur begründet.
Häutungen
Verena Stefan
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:07:51 „Wenn in den 70er Jahren Leute dieses unlesbare Buch von Verena Stephan Häutungen gelesen haben, das war so ein feministischer Roman, kleiner Verlag, großer Bestseller, dann ging es ihnen nur um die Bestätigung ihres Lebensbildes.“
Biller nutzt Verena Stefans feministischen Bestseller 'Häutungen' als Negativbeispiel für Literatur, die nur als Bestätigung des eigenen Weltbildes gelesen wird. Er kritisiert, dass solchen politisch oder sozial motivierten Büchern das Universelle und Poetische fehle – im Gegensatz zu einem Autor wie Kafka, der existenzielle Gefühle trifft.
Freiheit für die deutsche Literatur
Maxim Biller
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:32:05 „du hast glaube ich im selben Jahr, wenn meine Notizen nicht falsch sind, eine Tagung organisiert, Freiheit für die deutsche Literatur“
Wegner erwähnt Billers legendäre Tagung in Tutzing, bei der der Begriff 'Schlappschwanzliteratur' fiel
Roman von Feridun Zaimoglu (nicht namentlich genannt)
Feridun Zaimoglu
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:36:45 „Dann habe ich jemanden sehr gelobt. Also aus meiner Sicht, hier hat das jemand toll gemacht. Das war zum Beispiel Feridun Saimoglu mit seinem damaligen Buch.“
Als Gegenbeispiel zu Reinhard Goetz lobt Biller in seinem Tutzinger Vortrag Feridun Zaimoglus damaliges Buch als gelungenes Beispiel für Literatur, die moralisches Bewusstsein zeigt. Der genaue Titel wird nicht genannt.
Abschaffe (Roman, nicht namentlich genannt)
Reinhard Goetz
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:36:49 „Und dann habe ich als Beispiel für das völlige Misslingen auf Grundlage dieses komplett amoralischen Denkenseins das neue Buch von Reinhard Götz genommen.“
Im Kontext seines Tutzinger Vortrags nennt Biller das damals neue Buch von Reinhard Goetz als Negativbeispiel für eine Literatur, die durch fehlende moralische Orientierung misslingt. Goetz, der in der ersten Reihe saß, reagierte später öffentlich mit Kritik an Billers Vortrag.
Gewalttext im Merkur
Reinhard Goetz
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:37:26 „Er hat ja auch einen Gewalttext in Merkur mal geschrieben, in dem er dem amerikanischen Präsidenten Reagan, also das Ich dieses Textes, ins Gesicht schießen will. Also das ist zum Beispiel eine Art von Nicht-Argumentieren.“
Biller erwähnt einen berüchtigten Text von Reinhard Goetz in der Zeitschrift Merkur, um zu illustrieren, dass Goetz selbst zu einer aggressiven, nicht-argumentativen Rhetorik neigt – im Kontrast zu Billers eigenem Anspruch, bei der Tutzinger Tagung sachlich kritisiert zu haben.
ZEIT Verbrechen
Sabine Rückert
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:40:43 „Sehr zu empfehlen zum Beispiel, sehr lehrreich, die drei Folgen über den Kachelmann-Prozess in ihrem Podcast, die wahnsinnig gut sind. Wirklich tolle drei Audio-Folgen.“
Wegner empfiehlt den Podcast von Sabine Rückert über den Kachelmann-Prozess als besonders mutig und lehrreich
Erzählung über Isaac Babels Verhör
Ralf Rothmann
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:48:22 „Es gibt einen deutschen Schriftsteller, Ralf Rothmann, der hat ein Buch geschrieben mit Erzählungen und ich schlage das auf. Und See hat eine Erzählung geschrieben darüber, wie Isaac Babel von seinem Verhöroffizier verhört wird, bevor er exekutiert wird. Ich finde die Erzählung nicht besonders gut, weil die Sprache falsch ist.“
Biller vergleicht seine eigene literarische Auseinandersetzung mit Isaac Babel mit einer Erzählung von Ralf Rothmann. Er kritisiert Rothmanns Erzählung, weil die Sprache nicht authentisch russisch klinge, und stellt dem seine eigene, noch unveröffentlichte Erzählung gegenüber, in der Babel von Stalin besucht wird.
Erzählung über Babels Besuch von Stalin (unveröffentlicht)
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:48:50 „Ich habe ein Jahr vorher eine Erzählung geschrieben, wie Isaac Babel in seiner Gefängniszelle von Stalin besucht wird. Die ist noch nicht erschienen. Und Stalin will von ihm eins, schreib mal eine Biografie, also in meiner Erzählung, und dann kannst du wieder weiterleben. Und Isaac Babel verzichtet.“
Biller erwähnt seine eigene, zum Zeitpunkt des Gesprächs noch unveröffentlichte Erzählung über Isaac Babel. In ihr besucht Stalin Babel im Gefängnis und bietet ihm Freiheit im Tausch gegen eine Biografie an – Babel lehnt ab. Die Geschichte zeigt Billers tiefe persönliche Verbindung zum Thema Stalinismus und künstlerische Integrität.
Erzählung der Mutter über die Silvesterparty
Rada Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:51:01 „Meine Mutter hat auch eine Erzählung darüber geschrieben, die ist in ihrem letzten Buch. So schreibt es meine Mutter in ihrer Erzählung: Ab da hat sich der Junge, in der Zählung, verändert er sich etwas.“
Biller erzählt von einer desaströsen Silvesterparty in seiner Jugend und verweist auf eine Erzählung seiner Mutter Rada Biller, die dieselbe Episode in ihrem letzten Buch literarisch verarbeitet hat. Die Mutter beschreibt darin, wie sich der junge Maxim nach dieser Erfahrung grundlegend veränderte.
Essay über Realismus in der deutschen Literatur (Weltwoche)
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:55:42 „Einer meiner wichtigsten Texte am Anfang erschien in der Weltwoche... Und dann habe ich halt eben gedacht, okay, ich beschreibe, ich habe damals wieder Reportagen gemacht, ich habe gesagt, was für eine Gemeinsamkeit es eben gibt zwischen Reportage und Literatur und Realismus.“
Biller beschreibt einen seiner frühesten und wichtigsten Essays, den er für die Schweizer Weltwoche schrieb, über den Mangel an Realismus in der deutschen Literatur. Er erhielt 1500 Franken dafür. Der Text löste laut Biller rund 200 Reaktionsartikel aus.
Der falsche Gruß
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 02:57:41 „Und natürlich, jetzt ist erschienen dieser Roman Der falsche Gruß vor ein paar Monaten. Der falsche Gruß handelt von einem jungen Mann. Autor? Eric Dessauer. Genau. Und der will was werden.“
Biller stellt seinen neuen Roman vor, in dem ein junger ostdeutscher Mann einem jüdischen Schriftsteller gegenüber einen Hitlergruß macht und danach in paranoide Angst vor den Konsequenzen verfällt. Biller erklärt, dass es keine politische Stellungnahme sei, sondern die Geschichte eines Menschen – eines imaginären Antisemiten, der seine Gegnerschaft nur im Kopf hat.
Tod eines Kritikers
Martin Walser
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 03:09:36 „stellt sich Frau Reich-Ranitzky als Walzer seinen antisemitischen Roman Schreibtod eines Kritikers“
Biller erzählt, wie Schirrmacher den Vorabdruck von Walsers Roman in der FAZ ablehnte und einen Text über dessen antisemitischen Charakter schrieb
Tod eines Kritikers
Martin Walser
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 03:12:46 „Und es war besprochen mit Surkamp, dass die Walsers Tod eines Kritikers abdrucken. Und dann kommt, ich hoffe, wenn ich einen Fehler mache, entschuldige mich. Und dann irgendwie liest Schirrmacher das Manuskript und statt den Roman vorab zu drucken, schreibt er einen großen Text darüber, warum der Roman antisemitisch ist und warum er ihn nicht abdruckt.“
Biller erzählt die Geschichte um Frank Schirrmachers Entscheidung, Walsers Roman nicht wie geplant in der FAZ vorabzudrucken, sondern stattdessen einen Text über dessen Antisemitismus zu veröffentlichen. Er nutzt das Beispiel, um Schirrmachers widersprüchliche Haltung als 'Linksrechtsdeutscher' zu illustrieren.
Casablanca
Michael Curtiz
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:13:42 „Und rasierte jeden in der Redaktion, der nicht seiner Meinung war, dass es das größte Kunstwerk ist, ich weiß jetzt nicht, seit Casablanca.“
Biller erwähnt Casablanca nur beiläufig als ironischen Maßstab, um Schirrmachers übertriebene Begeisterung für die Serie 'Unsere Mütter, unsere Väter' zu karikieren.
Unsere Mütter, unsere Väter
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 03:13:49 „Oder setzt eine Propagandamaschine in Bewegung, als diese Serie Unsere Mütter, Unsere Väter lief. Und rasierte jeden in der Redaktion, der nicht seiner Meinung war, dass es das größte Kunstwerk ist, ich weiß jetzt nicht, seit Casablanca. Das war aber wirklich eine sehr, sehr, eine sehr widerliche reaktionäre Serie, in der das Leid von Juden und Deutschen einfach gleichgesetzt wurde.“
Biller kritisiert die ZDF-Serie scharf als 'widerlich reaktionär', weil sie das Leid von Juden und Deutschen gleichsetze. Er nutzt Schirrmachers begeisterte Unterstützung der Serie als weiteres Beispiel für dessen widersprüchliche Haltung – einerseits Walsers Antisemitismus anprangernd, andererseits diese Serie feiernd.
Nachruf auf Hardy Krüger
Claudius
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:30:15 „Wirklich super aktuelles Beispiel, der Claudius hat auch einen tollen Nachruf geschrieben auf Hardy Krüger. Und Hardy Krüger kommt aus einer krassen Nazifamilie, wird auf eine krasse Nazischule geschickt als Kind, als Zwölfjähriger, Dreizehnjähriger.“
Biller erwähnt einen Nachruf auf den Schauspieler Hardy Krüger, geschrieben von jemandem namens Claudius. Er hebt hervor, dass dieser Nachruf Details enthielt, die anderswo nicht standen – insbesondere die Geschichte, wie Hardy Krüger als Jugendlicher durch Hans Söhnker vom Nationalsozialismus abgebracht wurde und später einen deutschen Offizier erschoss, der ihn zum Kampf zwingen wollte.
Warum sagen Sie das? Warum denken Sie das?
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:35:14 „Die völlig, völlig, also dämonisch faszinierende Luise, heißt die Luise Pusch? Die Erfinderin des Genders? Habe ich in so einem genialen Zeit-Podcast gehört. Ich finde das so genial, diesen Podcast, weil da zwei Leute gegeneinander gestellt werden, die zu einem bestimmten brisanten Thema unterschiedlicher Meinung sind und dann wird jeder erstmal einzeln vorgestellt und dann reden sie miteinander.“
Maxim Biller spricht über Luise Pusch und das Gendern der Sprache. Er erinnert sich an einen ZEIT-Podcast, in dem zwei Personen mit gegensätzlichen Meinungen zu einem brisanten Thema aufeinandertreffen. Er ist sich beim Namen nicht ganz sicher, beschreibt aber das Format begeistert als genial, weil es kontroverse Positionen direkt gegenüberstellt.
Geschichten über Babel
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:50:28 „Salinger, ich habe jetzt so ein paar Geschichten über Schriftsteller geschrieben, auch diese Babeln.“
Biller erwähnt beiläufig, dass er neben der Salinger-Erzählung auch Geschichten über den russisch-jüdischen Schriftsteller Isaak Babel geschrieben hat. Dies fällt im Kontext seiner Erzählungen über Schriftsteller, die er unter anderem dem New Yorker angeboten hatte.
Erzählung über J.D. Salinger
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 03:50:34 „Salinger kam ja aus einer komplizierten Familie, kam aus einer jüdischen Familie und fand aber dann heraus, dass seine Mutter konvertiert war. Salinger ist er in einer jüdischen Familie aufgewachsen, kam als amerikanischer Soldat nach Deutschland und hatte dann eine große Liebesgeschichte mit einer deutschen Frau, irgendwo im Fränkischen. Und ich habe darüber eine Erzählung geschrieben.“
Biller erzählt von einer Erzählung, die er über J.D. Salingers Liebesgeschichte mit einer deutschen Frau nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben hat. Er hatte die Geschichte dem New Yorker angeboten, doch die Redaktion lehnte sie ab – was für Biller der letzte Tropfen war. Er beendete daraufhin endgültig seine Zusammenarbeit mit dem Magazin.
Artikel über Max Czollek in der Zeit
Maxim Biller
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:53:11 „Da ging es darum, dass er aus dieser Sicht schreibt und du aber einen Beitrag in der Zeit, Full Disclosure, unter anderem darauf hingewiesen hast, naja, also, und das sind jetzt meine Worte, technisch ist dieser Autor kein Jude, weil seine Mutter keine Jüdin war und weil auch sein Vater keiner war.“
Jochen Wegner spricht einen öffentlichen Streit zwischen Maxim Biller und Max Czollek an. Biller hatte in einem Artikel in der ZEIT darauf hingewiesen, dass Czollek nach der Halacha kein Jude sei, obwohl dieser aus jüdischer Perspektive schreibe. Der Text löste eine riesige Debatte aus – der Zentralrat äußerte sich, und das Thema dominierte Abendessen-Gespräche während der Pandemie.
Artikel in den New York Times über jüdische Identität
Max Czollek
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 03:55:21 „Alles, was ich gemacht habe, weil es mich seit einer Weile bewegt hat, dass er unentwegt, einschließlich zum Beispiel einem großen Artikel in den New York Times, könnt ihr nachlesen, sagt, ich Jude, da sagt er in den New York Times, hat er irgendwie sinngemäß, bin einer der wenigen Juden in Deutschland, die noch Verbindung zu der Zeit vorm Dritten Reich haben.“
Biller verweist auf einen Artikel von Max Czollek in der New York Times, in dem dieser sich als einer der wenigen Juden in Deutschland positioniert habe, die noch eine Verbindung zur Zeit vor dem Dritten Reich hätten. Biller hält diese Selbstdarstellung für 'Theater' und 'Gedächtnistheater'.
Text von Josef Schuster in der Jüdischen Allgemeinen
Josef Schuster
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 03:57:45 „Und dann passiert etwas, dass tatsächlich Josef Schuster, der Chef des Zentralrats der Juden in Deutschland, was immer das ist, in der jüdischen Allgemeinen kurzen Text schreibt, indem er schreibt, dass ich in einem Recht habe, dass das einfach nicht geht.“
Biller erzählt die Chronologie der Czolek-Debatte: Nach seinem Zusammentreffen und Czolleks Tweet habe Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, in der Jüdischen Allgemeinen einen Text veröffentlicht, der Billers Position stützte. Laut Biller waren 'normale Juden' in Deutschland schon lange genervt von Czolleks Selbstdarstellung.
Artikel von Jacques Schuster in der Welt
Jacques Schuster
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 03:59:03 „Es gab einen sehr guten Artikel von Jacques Schuster in der Welt, fand ich, der auch ein bisschen erzählt hat, wie schon nach dem Krieg irgendwie zu dem Rabbiner von Berlin, der Rabbiner, ganz viele Deutsche kamen. Also wirklich hunderte, glaube ich, die konvertieren wollten.“
Im Rahmen der Czolek-Debatte erwähnt Biller lobend einen Artikel von Jacques Schuster in der Welt, der den historischen Kontext von Konversionen zum Judentum nach dem Krieg beleuchtet habe. Biller fand diesen Beitrag 'sehr gut' und inhaltlich relevanter als die eigentliche Czolek-Kontroverse.
Desintegriert euch!
Max Czollek
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 04:02:04 „Ihr habt ja auch ein Buch geschrieben zum Beispiel, desintegriert euch heißt das, über das wir auch mal sprachen, weil Deborah Feldman in diesem Podcast war. Und da kamen wir irgendwie drauf.“
Wegner erwähnt Czolleks Buch 'Desintegriert euch!' im Kontext der Debatte über jüdische Identität in Deutschland. Das Buch wurde offenbar schon in einer früheren Episode besprochen, als Deborah Feldman zu Gast war. Es dient hier als Beleg für Czolleks öffentliche Position als jüdischer Intellektueller.
Bruchstücke
Binjamin Wilkomirski
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:09:51 „Der Schritt dahin ist nicht mehr weit. Nur noch eine Sache, damit du mich jetzt nicht für einen jüdischen Faschisten hältst... es waren nicht viele, aber einige, der berühmteste war dieser Wilkomowski, die einfach behauptet haben, sie sind Juden.“
Biller spricht über die Problematik falscher jüdischer Identitäten in Deutschland im Kontext der Czollek-Debatte. Er verweist implizit auf den berüchtigten Fall von Binjamin Wilkomirski, der eine gefälschte Holocaust-Autobiografie veröffentlichte.
Interview mit Max Czollek im Spiegel
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:14:29 „Und interessanterweise gab es dann dieses endlose Interview im Spiegel dazu, zum Schluss. Und jetzt kann ich euch eins sagen. Mich hat wirklich kein Mensch gefragt, außer einem Kollegen, Strichkollegin.“
Biller erwähnt ein langes Spiegel-Interview mit Max Czollek am Ende der Debatte. Er betont ironisch, dass er selbst von niemandem für ein Interview oder eine Stellungnahme gefragt worden sei, obwohl stets von einem 'Streit zwischen X und Y' gesprochen wurde.
Die Hugenotten
Giacomo Meyerbeer
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:16:28 „Es gibt eine Oper, es gibt eine, die Meyerbeer, der Komponist, der wurde gefragt, welche seiner Opern, die er geschrieben hat, oder berätten ihm die liebste seine, sagte, die Hugenotten. Wieso die Hugenotten? Naja, weil die einen Gäumen bringen die anderen Gäumen um, und der Judah hat dazu die Musik geschrieben.“
Biller erzählt eine Anekdote über Meyerbeer, um eine Parallele zur Czolek-Debatte zu ziehen: So wie Meyerbeer als Jude die Musik zu einem Stück über sich gegenseitig tötende Christen schrieb, sei es bei der Czolek-Sache umgekehrt – die Deutschen schauen fasziniert zu, wie Juden sich streiten.
Text von Peter von Becker über Maxim Biller
Peter von Becker
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:20:18 „Weil dieser Text von Peter von Becker, der wirklich auch so ein einschneidendes Erlebnis war, der war super in Ordnung. Der war nicht so, obwohl er natürlich erzählt hat, worum es da auch geht.“
Biller erwähnt einen Text von Peter von Becker über ihn, den er als 'einschneidendes Erlebnis' und zugleich als fair ('super in Ordnung') beschreibt. Er grenzt diesen positiv von antisemitischen Texten ab, die er in seiner Karriere erlebt hat.
Auschwitz-Reportage in Tempo
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:20:50 „Das bezog sich erst mal auf eine Auschwitz-Reportage von mir, die ich in Tempo erschienen war. Und dann später etwas abgeschwächt auf mein erstes Buch.“
Biller erwähnt seine frühe Auschwitz-Reportage im Magazin Tempo, die Gegenstand eines seiner Meinung nach antisemitischen Textes in der Zeit war. Es ist Teil seiner Erzählung über antisemitische Erfahrungen, die seine Haltung zur Identität als jüdischer bzw. deutscher Schriftsteller geprägt haben.
Eurotrash
Christian Kracht
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:22:09 „Denn zum Beispiel dieses neue Buch von Christian Kracht. Eurotrash meinst du? Eurotrash, Roman, handelt irgendwie davon, wie der Held, der sehr inspiriert ist von dem wahren Christian Kracht mit seiner Romanmutter, die vielleicht, weiß ich nicht, wer mit der irgendwie durch die Schweiz reiste.“
Biller nutzt Krachts 'Eurotrash' als Vergleichspunkt für die Rezeption deutscher vs. jüdischer Literatur. Er beschreibt, wie das Buch die Nazi-Vergangenheit der Familie thematisiert und wie sich deutsche Leser darin wiederfinden können – etwas, das bei seinen eigenen Büchern schwieriger sei. Er kritisiert nebenbei, die Mutter im Roman spreche wie das 'Feuilleton der FAZ'.
Infinite Jest
David Foster Wallace
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:23:50 „Ich habe von Infinite Jest auch nur 300 Seiten gelesen. Wirklich? Ja. Ein wirklich großes Werk der Weltliteratur. Das finde ich auch. Ich konnte es auch nicht zu Ende legen. Aber ich finde es großartig.“
Biller und Wegner sind sich einig, dass 'Infinite Jest' ein großes Werk der Weltliteratur ist, auch wenn beide es nicht komplett gelesen haben. Biller nutzt es als Beispiel für Bücher, die so dicht sind wie Musik – man muss sie nicht vollständig lesen, um ihre Qualität zu erfassen. Wegner bezeichnet es als 'wirklich tolles Buch'.
Ein Held unserer Zeit
Michail Lermontow
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:25:10 „Aber die machen auch Goncharovs irgendwie den Helden unserer Zeit kaputt. Also irgendwas ist im Moment los, wurscht, ein anderes Thema.“
Biller erwähnt 'Ein Held unserer Zeit' beiläufig als weiteres Beispiel für ein Buch, dessen Neuübersetzung die Qualität des Originals zerstöre. Er ordnet es fälschlicherweise Goncharov zu (es ist von Lermontow), nutzt es aber als Beleg für seine generelle Kritik an modernen Neuübersetzungen, die zum 'Elegischen' neigten.
Anna Akhmatova
Anna Akhmatova
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:25:40 „Also ich liebe die Dichterin Anna Akhmatova.“
Biller nennt die russische Dichterin als eine seiner Lieblingsautorinnen
Gedichte von Anna Achmatowa
Anna Achmatowa
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:26:30 „Also ich liebe die Dichterin Anna Akhmatova. Aus irgendeinem Grunde, ich komme mir gerade vor wie bei Wer wird Millionär, ich habe mich auf diese Frage vorbereitet. Und jetzt habe ich ein Blackout.“
Auf die Frage nach seiner Lieblingsschriftstellerin nennt Biller Anna Achmatowa als erste. Er sagt, er 'liebe' die Dichterin, hat aber gleichzeitig ein Blackout bei der Frage und kann nicht weiter ausführen, warum.
Werke von Sylvia Plath
Sylvia Plath
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:26:47 „Also ich hatte eine, also ich finde die Sylvia Blas genial.“
Biller nennt Sylvia Plath (im Transkript als 'Sylvia Blas' verschrieben) als weitere Lieblingsautorin und bezeichnet sie als 'genial'. Wegner ergänzt, dass sie Lyrikerin sei. Es ist seine zweite Antwort auf die Frage nach seiner Lieblingsschriftstellerin.
Die Glasglocke
Sylvia Plath
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:26:47 „Also ich finde die Sylvia Blas genial. Naja, aber die Glasglocke. Ja.“
Maxim Biller erwähnt Sylvia Plath (im Transkript als 'Sylvia Blas' verschrieben) und ihren Roman 'Die Glasglocke' als Beispiel für ein geniales Werk. Jochen Wegner ergänzt, dass sie Lyrikerin ist, aber Biller hebt speziell den Roman hervor.
Erstes Buch von Anna Pritzkau
Anna Pritzkau
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:27:00 „Also ich finde die Sylvia Plath genial. Naja, aber die Glasglocke. Ja. Ich finde das erste Buch meiner Freundin, Anna Pritzkau, genial.“
Auf die Frage nach seiner Lieblingsschriftstellerin nennt Biller neben Sylvia Plath und Anna Achmatowa auch das Debüt seiner Freundin Anna Pritzkau als eines der besten Bücher, die er kennt.
The Fortune Cookie
Billy Wilder
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:35:52 „Wie in meinem Lieblingsfilm von Billy Wilder, der, wie heißt der, der Glückskeks. Kennt ihr den? Fortune Cookie.“
Biller nennt den Film seinen Lieblingsfilm von Billy Wilder und erzählt die Handlung
Der Glückskeks
Billy Wilder
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 04:36:56 „Wie in meinem Lieblingsfilm von Billy Wilder, der, wie heißt der, der Glückskeks. Kennt ihr den? Fortune Cookie. Wo der Baseballspieler oder Footballspieler von einem Kameramann, der von Jack Lemmon gespielt wird... Der rennt irgendwie, der fällt schlecht hin und nein, andersrum, der Footballspieler rennt den Kameramann um und Jack Lemmon ist nichts passiert, aber sein windiger Schwager, der von Walter Matthau gespielt wird, sagt ihm... Da holen wir eine Million raus.“
Biller erzählt von seinem versehentlichen Rausch durch alkoholfreien Sekt und fantasiert scherzhaft über eine Schadenersatzklage nach amerikanischem Vorbild. Das erinnert ihn an seinen Lieblingsfilm von Billy Wilder, in dem Jack Lemmon eine Verletzung vortäuscht, um mit Hilfe seines windigen Schwagers (Walter Matthau) eine Million herauszuholen.
Frankie
Carson McCullers
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:41:27 „Nein, ich wusste einfach immer, das gibt es. Aber wie gesagt, also von ihr fast alle Bücher, Frankie, also wirklich, das ist für mich ganz, ganz, ganz wichtig.“
Im Anschluss an seine Schwärmerei über 'Das Herz ist ein einsamer Jäger' erwähnt Biller auch 'Frankie' (gemeint ist 'Frankie und die Hochzeit' bzw. 'The Member of the Wedding') als weiteres zentrales Werk von Carson McCullers, das ihm sehr wichtig ist.
Das Tagebuch der Anne Frank
Anne Frank
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:42:15 „Mehr, wir haben ja unentwegt, gerade wie gesagt, diese Anne-Frank-Geschichten, wo plötzlich irgendwie ein Teil der deutschen Presse jubelnd titelt, Juden verraten Anne Frank.“
Biller spricht über die Berichterstattung rund um die Anne-Frank-Enthüllungen als Beispiel für problematische Schlagzeilen in der deutschen Presse. Er nutzt das als Beleg dafür, dass Antisemitismus in Deutschland immer wieder aufflackert und Juden sich nie ganz sicher fühlen können.
Maus
Art Spiegelman
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:42:28 „Also sie rutschen immer wieder auf dem Maus aus, wenn ihr die Anspielung versteht.“
Biller macht ein Wortspiel mit Art Spiegelmans Graphic Novel 'Maus' über den Holocaust – 'auf der Maus ausrutschen' als Metapher dafür, dass Teile der deutschen Öffentlichkeit immer wieder in antisemitische Muster verfallen. Die Anspielung setzt Kenntnis des berühmten Comics voraus.
Glosse über die Documenta-Einladungen
Thomas E. Schmidt
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 04:42:34 „Und diese Art von Skandalen oder die Dokumentargeschichte, zwei Wochen vorher, schreibt der tolle Thomas E. Schmidt, eine Glosse in der Zeit. Man sollte darüber nachdenken, ob es richtig ist, bestimmte Leute einzuladen, die eigentlich nicht gerade irgendwie Zionisten sind.“
Biller erwähnt eine Glosse von Thomas E. Schmidt in der ZEIT, die sich mit der Frage beschäftigt, ob es richtig sei, BDS-nahe Künstler zur Documenta einzuladen. Er ordnet den Artikel in den größeren Kontext des Documenta-Antisemitismus-Skandals und der Rolle von Kulturstaatsministerin Claudia Roth ein.
Der große Diktator
Charlie Chaplin · 1940
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:45:45 „Der große Diktator kann jederzeit wieder da sein. Das sieht man ja auch an anderen politischen Vorgängen, wo es überhaupt nicht um Juden geht.“
Biller verwendet den Begriff 'der große Diktator' im Kontext seiner Erklärung, warum Israel als Rückzugsort für Juden so wichtig ist. Es ist unklar, ob er direkt auf Chaplins Film referiert oder den Begriff metaphorisch nutzt – die Formulierung klingt jedoch wie eine bewusste Anspielung auf den berühmten Film.
Schmidteinander
Harald Schmidt, Herbert Feuerstein
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 04:54:00 „Das sieht total cool aus und zwar wie bei Schmidt einander früh, habe ich gerade gedacht. Stimmt. Herbert Feuerstein saß wirklich an einem extra kleinen Schreibtisch.“
Jochen Wegner vergleicht den kleinen Pulttisch, an dem Produzentin Paula im Studio sitzt, mit dem ikonischen Setup der TV-Show 'Schmidteinander', in der Herbert Feuerstein neben Harald Schmidt an einem extra kleinen Schreibtisch saß.
Eine Ehe in Wien
David Vogel
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 05:19:58 „Ich hatte mehr nicht davor, außer dass ich ein Buch gelesen hatte von David Vogel, eine Ehe in Wien, in dessen Stimmung ich mich befand. Das handelt von einem, spielt in den 20er Jahren in Wien und handelt von einem jüdischen Einwanderer aus Weißrussland, der sich verliebt in eine sadistische Wiener Adlige.“
Biller beschreibt die Inspirationsquelle für seinen Roman 'Die Tochter'. David Vogels Roman über einen jüdischen Einwanderer in Wien der 1920er Jahre hatte ihn in eine Stimmung versetzt, aus der heraus er seinen eigenen Roman zu schreiben begann.
Erzählungen von Bruno Schulz
Bruno Schulz
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 05:21:01 „Da war das Vorbild kein echter Mensch, aber ein Mensch, den ich als Schriftsteller aus der Literatur kannte. Ich habe damals ein paar von seinen Erzählungen gelesen, die mich faszinierten, habe ich über ihn gelesen.“
Biller beschreibt, wie Bruno Schulz' Erzählungen ihn zu einer eigenen Novelle inspirierten, die im Kopf von Schulz spielt. Die Faszination für den polnisch-jüdischen Schriftsteller wurde zur Grundlage für eine Novelle über Schulz' innere Dämonen und eine apokalyptische Vorahnung des Krieges.
Autobiografie von Hans Saal
Hans Saal
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 05:21:38 „Und irgendwann, ich las dann in seiner Autobiografie, glaube ich, 37, 38, hörte er das in Polen herumgeht in den Emigrantenkreisen in Deutschland ein Typ, der Hans Saal heißt und alle Leute aushorcht.“
Biller erzählt, wie er in der Autobiografie des jüdischen Emigranten und Schriftstellers Hans Saal das Motiv eines Doppelgängers fand. Dieses Motiv — ein Typ, der alle Leute aushorcht — inspirierte ihn, in seiner Bruno-Schulz-Novelle einen Doppelgänger von Thomas Mann einzubauen.
Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk
Jaroslav Hašek
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 05:25:16 „Ich wollte zweitens einen satirischen Roman schreiben, so wie den Schweig zum Beispiel. Oder wie Good as Gold.“
Biller nennt Hašeks 'Schwejk' als literarisches Vorbild für seinen Plan, einen satirisch-pikaresken Roman zu schreiben. Es ist eines von zwei Referenzwerken, die ihn bei der Arbeit an seinem biografisch inspirierten Roman über seinen Freund beeinflussten.
Good as Gold
Joseph Heller
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 05:25:16 „Ich wollte zweitens einen satirischen Roman schreiben, so wie den Schweig zum Beispiel. Oder wie Good as Gold von Gott... das Gold von, fällt mir später ein, jüdisch-amerikanische Schriftsteller.“
Neben Hašeks Schwejk nennt Biller Joseph Hellers 'Good as Gold' als Vorbild für seinen satirischen Roman. Biller kann sich im Moment nicht an den Autorennamen erinnern, beschreibt ihn aber als jüdisch-amerikanischen Schriftsteller.
Biografie (Hörbuch)
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller empfiehlt aktiv bei ⏱ 05:29:20 „Man kann es übrigens zur Zeit hören, als gelesenes Hörbuch beim SWR 2, gelesen von Samuel Finzi. Das ist da noch ein Dreivierteljahr auf deren Seite.“
Biller weist auf die Hörbuchfassung seines Romans 'Biografie' hin, die beim SWR 2 verfügbar ist und von dem Schauspieler Samuel Finzi gelesen wird. Er empfiehlt diesen Zugang zum Buch explizit und nennt auch die verbleibende Verfügbarkeit.
Stimmen und Straßen
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:31:38 „Ich mache die insgesamt schon seit, also ich habe die schon angefangen vorher, da hieß die Stimmen und Straßen, war bei Cicero.“
Biller erzählt die Geschichte seiner regelmäßigen Kolumne, die über verschiedene Stationen wanderte. 'Stimmen und Straßen' war der erste Name, damals noch beim Magazin Cicero, bevor die Kolumne zur ZEIT wechselte.
Was mache ich hier?
Maxim Biller
🗣 Maxim Biller erwähnt beiläufig bei ⏱ 05:31:44 „Dann kam sie rüber zur Zeit und zuerst habe ich mich mit einem anderen abgewechselt, das hieß Was mache ich hier?“
Biller beschreibt die zweite Station seiner Kolumne: Bei der ZEIT hieß sie zunächst 'Was mache ich hier?' und Biller wechselte sich mit einem anderen Autor ab, bevor er die Kolumne alleine weiterführte.
Porträt über Maxim Biller im Zeitmagazin
Stefan Williger
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 05:39:32 „Wir haben im Zeitmagazin ja auch mal eine große Geschichte gemacht, Stefan Williger hat dich begleitet, da stand das ja auch nochmal drin, dass die Redaktion ja offenbar immer versucht hat, dich so ein bisschen weicher zu stimmen.“
Christoph Amend erwähnt einen großen Artikel im Zeitmagazin, für den der Journalist Stefan Williger Maxim Biller begleitet hat. Darin wurde unter anderem thematisiert, wie die Redaktion des Literarischen Quartetts versuchte, Biller zu zügeln.
J'accuse
Émile Zola
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 05:40:28 „Ich meine, an was denkt ihr bei Solaya? An Jacques Cus oder an seine Romane?“
Biller zieht eine Parallele zwischen sich und Émile Zola, um zu illustrieren, wie Schriftsteller mit publizistischer Seite oft nur für ihre öffentlichen Interventionen erinnert werden. Zola werde primär mit seinem berühmten offenen Brief 'J'accuse' in der Dreyfus-Affäre assoziiert, nicht mit seinen Romanen – ein Schicksal, das Biller für sich selbst fürchtet.
Friedenspreis-Rede (Paulskirche, 1998)
Martin Walser
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 05:40:44 „Woran denkst du bei Martin Walser? An seine Paulskirchenrede oder an Verteidigung der Kindheit? Ich wünschte eh, dass sich das trennt.“
Biller verweist auf Martin Walsers kontroverse Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1998 in der Paulskirche, die eine große Debatte über die Erinnerungskultur auslöste. Er nutzt sie als Beispiel dafür, wie eine einzige öffentliche Äußerung das gesamte literarische Werk eines Autors in den Schatten stellen kann.
Das Judenthum in der Musik
Richard Wagner
🗣 Maxim Biller referenziert bei ⏱ 05:41:05 „Ich als Jude, der einem gewissen Vorurteil entspricht, es gibt Millionen Juden, die nicht so sind wie ich, lande am Ende immer in irgendeinem Scheißaufsatz von Richard Wagner, in dem drinsteht, dass Juden nur irgendwie Kritikaster sind.“
Biller verweist auf Richard Wagners antisemitischen Aufsatz, um zu beschreiben, wie er als kritischer jüdischer Intellektueller immer wieder in ein Klischee gepresst wird: der Jude als bloßer Kritikaster. Er sieht sich dadurch auf seine publizistische Seite reduziert, während sein literarisches Schaffen in den Hintergrund tritt.