Julia Stoschek, warum ist Kunst eine Religion
Christoph Amend, Jochen Wegner & Gäste
Julia Stoschek erzählt, wie ein Besuch der Sammlung Harald Falkenberg in Hamburg-Harburg bei einer Familienversammlung ihr Erweckungserlebnis als Kunstsammlerin auslöste — und wie sie daraufhin eine Galerie eröffnete, in der sie ihre eigene beste Kundin war, weil sie rote Punkte auf alles klebte und nichts verkaufte. Von Douglas Gordons sterbenden Elefanten in der Gagosian-Galerie über die Absurditäten des Kunstmarkts bis zu ihrem Faible für Berliner Techno und das Berghain gewährt die Sammlerin und Brose-Erbin einen ungewohnt offenen Blick hinter die Kulissen der Kunstwelt.
„Im Grunde genommen ist Kunst ja auf ganz vielen Ebenen heutzutage das Leitmedium. Das ist eine neue Religion.“
Erwähnte Medien (46)
Der Ernährungskompass
Bas Kast
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 00:03:28 „Bas Kast ist ein Bestsellerautor, den viele kennen. Viele haben das Buch gelesen. Den Ernährungskompass. Der Spiegel schrieb, glaube ich, das wichtigste Buch des Jahres 2018.“
Jochen Wegner kündigt eine Live-Aufzeichnung des Podcasts auf der Republika an, bei der Bas Kast zu Gast sein wird. Er stellt Kast als Bestsellerautor vor und hebt hervor, dass der Spiegel den Ernährungskompass als wichtigstes Buch des Jahres 2018 bezeichnete. Wegner erwähnt auch, dass er selbst das Buch gelesen hat und seitdem mehr Vollkornbrot und Avocado isst.
Gemälde von Emil Nolde (Bundeskanzleramt)
Emil Nolde
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:16:10 „Angela Merkel ist ja gerade in der Kunstwelt auch im Gespräch, weil sie ja ein Gemälde von Emilino, weil sie jetzt ihr klar geworden ist offenbar, dass der bekennender Judenhasser NSDAP Mitglied war.“
Christoph Amend eröffnet das Gespräch mit der aktuellen Debatte um das Nolde-Gemälde im Kanzleramt. Merkel ließ es abhängen, nachdem bekannt wurde, dass Nolde NSDAP-Mitglied und Antisemit war. Dies führt zur Diskussion, ob man Kunst vom Künstler trennen kann.
Gemälde von Kurt Schmidt-Rottluff (Bundeskanzleramt)
Karl Schmidt-Rottluff
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 00:16:33 „Und dann wollte sie ein Gemälde oder Kunst von Kurt Schmidt-Rottluf aufhängen, hat das auch bekannt gegeben. Und dann tauchten antisemitische Schriften von auch diesem Künstler auf, weswegen dessen Werk jetzt auch nicht aufgehängt wird.“
Als Ersatz für das abgehängte Nolde-Gemälde wollte Merkel ein Werk von Schmidt-Rottluff aufhängen, doch auch bei diesem Künstler tauchten antisemitische Schriften auf. Die Wand im Kanzleramt blieb daraufhin weiß.
Erwin Wurm Ausstellung (Gurken)
Erwin Wurm
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 00:50:21 „Wobei Gurke haben wir gerade, sehen wir übrigens gerade bei Erwin Wurm eine fantastische Ausstellung bei Johann König. Bei wirklich meinem lieben Galeristenfreund. Hier in Berlin.“
Beim gemeinsamen Essen kommt das Gespräch über eine Gurke auf die aktuelle Erwin-Wurm-Ausstellung in der Galerie Johann König in der ehemaligen Kirche Sankt Agnes in Berlin. Stoschek nutzt die Gelegenheit, König als Galeristen mit fantastischem Programm zu loben. Christoph Amend ergänzt, dass es zur Ausstellung eine Gurkenseife als Merchandising-Produkt gibt.
Alien
Ridley Scott
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 01:09:21 „Mein Vater geht sehr spät bis heute ins Bett und guckt auch nachts immer noch so ganz skurrile Filme. Es kommt ja so zwischen zwei und drei, wo ich jetzt auch wieder nachts wach bin, so Sachen so wie Alien.“
Julia Stoschek erzählt von den nächtlichen Fernseherlebnissen mit ihrem Vater in ihrer Kindheit. Er weckte sie nachts, um zusammen Science-Fiction- und Horrorfilme zu schauen – ein prägendes Erlebnis, das sie mit ihrer späteren Leidenschaft für verstörende Videokunst verbindet.
Space Night
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:09:46 „Gibt es eigentlich Space Night noch auf dem BR?“
Im Gespräch über nächtliches Fernsehen und skurrile Sendungen wirft Jochen Wegner die Frage ein, ob die legendäre BR-Sendung Space Night noch existiert – eine kurze, nostalgische Randbemerkung ohne tiefere Diskussion.
Unheil
🗣 Julia Stoschek empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:10:47 „Jetzt war letzte Woche Jürgen Bock gerade bei uns in Düsseldorf. Und wir haben uns den neuen Film Unheil angeguckt, den ich mitfinanziert habe. Das sind Szenen, die kann ich wirklich, also die gehen gerade noch so, aber wir haben über Lütte auf Rucola gesprochen, was ich überhaupt wirklich, also die Hälfte des Films einfach gar nicht angucken kann.“
Julia Stoschek berichtet von einem neuen Film namens Unheil, den sie mitfinanziert hat und in dem Lars Eidinger mitspielt. Sie beschreibt die drastischen Szenen – herausgerissene Zähne, ausgeschnittene Augen – die sie kaum ansehen kann, obwohl sie das Werk für ihre Sammlung erworben hat. Das paradoxe Verhältnis zwischen Faszination und Abscheu ist für sie typisch bei der Videokunst ihres geschätzten Künstlers.
Gestrandet in
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:43:07 „Es gibt so eine Rubrik bei uns, die heißt gestrandet in. Wo man dann also sozusagen Tipps kriegt, wenn man jetzt zum Beispiel in der Zeit, wenn man mal da ist.“
Jochen Wegner leitet eine Coburg-Empfehlungsrunde ein, indem er auf die ZEIT-Rubrik 'Gestrandet in' verweist – eine wiederkehrende Kolumne, in der Prominente Tipps für bestimmte Städte geben. Er nutzt das Format als Rahmen, um Julia Stoschek nach ihren fünf besten Coburg-Tipps zu fragen.
Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren (Kunstsammlung Veste Coburg)
Lucas Cranach der Ältere
🗣 Julia Stoschek empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:43:34 „Also man muss natürlich auf jeden Fall sich die feste Coburg anschauen, die wirklich fantastisch ist, mit der tollen Kunstsammlung, mit echten Kranachs. Ich hoffe, wir sprechen noch ein bisschen über die alten Meister. Der ältere? Der ältere.“
Im Rahmen einer 'Gestrandet in Coburg'-Runde empfiehlt Julia Stoschek die Veste Coburg als Ausflugsziel und hebt die Kunstsammlung mit originalen Cranach-Gemälden hervor. Sie betont, dass es sich um Werke von Cranach dem Älteren handelt, und äußert den Wunsch, im Gespräch noch über die alten Meister zu sprechen.
Berlin Bouncer
David Dietl
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:48:06 „Haben Sie Berlin Bouncer schon gesehen? ... Das ist übrigens ein guter Tipp. Dokumentarfilm von David Dietl, der die drei berühmten Berliner Türsteher porträtiert.“
Christoph Amend empfiehlt den Dokumentarfilm über Berliner Türsteher als Tipp
Berlin Bouncer
David Dietl
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 01:48:06 „Haben Sie Berlin Bouncer schon gesehen? Nee, aber das haben mir alle gesagt und ich muss mir das unbedingt angucken. Man muss Berlin Bouncer sehen.“
Im Gespräch über Berliner Clubkultur und das Berghain empfiehlt Jochen Wegner den Dokumentarfilm 'Berlin Bouncer' von David Dietl. Christoph Amend ergänzt, dass der Film die drei berühmten Berliner Türsteher porträtiert, darunter Marquardt aus dem Berghain und Smiley. Julia Stoschek kennt den Film noch nicht, nimmt ihn aber als Tipp für Ostern mit.
Lindenstraße
Hans W. Geißendörfer
🗣 Julia Stoschek erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:56:38 „Es gibt übrigens hier eine sehr gut sortierte DVD-Sammlung, wollte ich nur sagen. Was haben Sie da gesehen? Lindenstraße, viele Serien, sehr cool. Und zwar original verpackt, bis auf die erste.“
Julia Stoschek entdeckt während einer kurzen Pause eine DVD-Sammlung im Aufnahmeraum. Sie bemerkt amüsiert, dass die Lindenstraße-DVDs dort stehen – original verpackt bis auf die erste Staffel. Die Erwähnung ist beiläufig-humorvoll.
Das Model
Kraftwerk
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 01:57:14 „Sie ist ein Model, oder? Ja. Aber ich kann den Text nicht so ganz. Also Autobahn kann man nicht so gut singen und das Modell hat ein bisschen Melodie, ne?“
Die drei Gesprächsteilnehmer wählen gemeinsam einen Kraftwerk-Song zum Mitsingen im Podcast aus. Sie entscheiden sich für 'Das Model', weil es im Gegensatz zu 'Autobahn' eine singbare Melodie hat. Anschließend singen alle drei den Song mit Text vom Handy ab, inklusive Strophen wie 'Sie ist ein Model und sie sieht gut aus'.
Autobahn
Kraftwerk
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 01:57:14 „Also Autobahn kann man nicht so gut singen und das Modell hat ein bisschen Melodie, ne?“
Bei der Auswahl eines Kraftwerk-Songs zum Singen im Podcast wird 'Autobahn' als Alternative erwähnt, aber verworfen, weil es sich nicht gut singen lässt. Die Wahl fällt stattdessen auf 'Das Model'.
Autobahn
Kraftwerk
🗣 Christoph Amend erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:57:17 „Also die großen Hits in der Autobahn, oder?“
Wird als einer der großen Hits von Kraftwerk erwähnt, aber als schwer singbar eingestuft
Die Roboter
Kraftwerk
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 01:57:20 „Also die großen Hits in der Autobahn, oder? Dann Roboter, aber auch nicht ganz leicht zu singen.“
Christoph Amend zählt weitere Kraftwerk-Hits auf, als die Runde überlegt, welchen Song sie gemeinsam singen könnten. 'Die Roboter' wird wie 'Autobahn' als schwer singbar eingestuft und verworfen.
Taschenrechner / Pocket Calculator
Kraftwerk
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:01:36 „Kennt jemand Pocket Calculator von Kraftwerk? Taschenrechner, Taschenrechner. Ich bin der Musikant mit Taschenrechner in der Hand. Es gibt nämlich eine Version vom Balanescu Quartett mit Streichern.“
Nach dem gemeinsamen Singen von 'Das Model' bringt Jochen Wegner den Kraftwerk-Song 'Taschenrechner' ins Spiel. Christoph Amend erwähnt eine besondere Streicher-Version des Balanescu Quartetts. Beide zeigen sich begeistert von dem Stück.
Taschenrechner (Balanescu Quartet Version)
Balanescu Quartet
🗣 Julia Stoschek empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:01:40 „Es gibt nämlich eine Version vom Balanescu Quartett mit Streichern.“
Julia Stoschek empfiehlt die Streicher-Version des Kraftwerk-Stücks
Der Flug des Navigators
Randal Kleiser
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:02:37 „Ich sage mal zum Beispiel, ich sage Star Wars oder Flug des Navigators, weil das hier gerade an der Wand hängt. Dann sagen Sie zum Beispiel Star Wars.“
Jochen Wegner erklärt die Regeln des Spiels 'A oder B oder Weiter' und benutzt als Beispiel 'Star Wars oder Flug des Navigators'. Er wählt letzteres offenbar, weil ein Poster an der Wand hängt. Es handelt sich nur um ein Spielbeispiel, nicht um eine inhaltliche Empfehlung.
Star Wars
George Lucas
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:02:37 „Ich sage mal zum Beispiel, ich sage Star Wars oder Flug des Navigators, weil das hier gerade an der Wand hängt. Dann sagen Sie zum Beispiel Star Wars.“
Jochen Wegner nutzt 'Star Wars' als Beispielbegriff, um Julia Stoschek die Regeln des Schnellfragespiels zu erklären. Es ist keine inhaltliche Empfehlung, sondern nur ein illustratives Beispiel.
Fotografie (Moby nach dem Rave)
Wolfgang Tillmanns
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:06:07 „Es gibt das berühmte Bild von Moby, dem berühmten Musiker und DJ, der nur in Jeans bekleidet, auf einer riesigen, glaube ich, Matratze oder so liegt, nach einem Rave. Wenn für mich die Stimmung eines Raves oder eines Wochenendes eingefangen wurde, dann in diesem Bild.“
Im Gespräch über Wolfgang Tillmanns und seinen Einfluss auf die Clubkultur-Fotografie beschreibt Christoph Amend eines der bekanntesten Tillmanns-Bilder. Julia Stoschek erklärt, dass Tillmanns die ungerahmte, größenvariable Hängung als Installationsform erfunden hat.
Fotografie (Berghain, Frau mit geöffneten Beinen)
Wolfgang Tillmanns
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 02:06:28 „Es gibt auch noch ein sehr anderes berühmtes Bild, was im Berghain hing. Wo die Frau mit den geöffneten Beinen da sitzt, ohne Hose. Was glücklicherweise Teil der Collection ist.“
Julia Stoschek erwähnt ein weiteres berühmtes Tillmanns-Foto, das im Berghain hing und nun Teil ihrer Sammlung ist. Sie kann sich nicht mehr an Kaufdatum und Preis erinnern, schätzt aber die großen Tillmanns-Arbeiten auf circa 100.000 Euro.
101 Dalmatians / 101 Dalmatiner
🗣 Jochen Wegner erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:10:02 „erinnert ein bisschen an die Frau aus Tausend und einen Dalmatiner. Als Meryl Streep spielt die doch, oder? ... Cruella de Vil.“
Der Film wird als Vergleich herangezogen, um das Aussehen von Daphne Guinness zu beschreiben
101 Dalmatians
🗣 Julia Stoschek erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:11:48 „Doch, die hat immer schwarz-weiße Haare und erinnert ein bisschen an die Frau aus Tausend und einen Dalmatiner. Cruella de Vil. Genau. Die ist ein bisschen böse, weil die die kleinen Dalmatiner immer so quält.“
Julia Stoschek beschreibt das Aussehen von Daphne Guinness und vergleicht ihre markante schwarz-weiße Frisur mit der Figur Cruella de Vil aus dem Disney-Film. Der Verweis dient als humorvolle visuelle Assoziation im Gespräch über Guinness' extravaganten Stil.
Hieronymus Bosch Ausstellung (Herzogenbusch)
Hieronymus Bosch
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 02:31:17 „Hieronymus Bosch, wenn ich mir das angucke, dann ist das... Das ist sehr schwierig, aber gab es natürlich jetzt eine tolle Ausstellung, auch in Herzogenbosch.“
Julia Stoschek schwärmt von Hieronymus Bosch als Beispiel für alte Meister, die sie faszinieren – Kopfkino wie Virtual Reality auf Leinwand
Der Garten der Lüste
Hieronymus Bosch
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 02:32:13 „Aber es ist natürlich Himmel und Hölle und Fegefeuer und Garten der Lüste und es ist natürlich wow, aber es ist doch, wie gesagt, es ist alles drin und das ist für mich, das sind die Zeitgenossen.“
Julia Stoschek schwärmt von den Werken Hieronymus Boschs und nennt den 'Garten der Lüste' als Beispiel für Kopfkino auf der Leinwand. Sie vergleicht Boschs Bildwelten mit zeitgenössischer VR-Kunst und betont, dass diese Jahrhunderte alten Werke genauso aktuell und fesselnd seien wie moderne Medienkunst.
Against Interpretation
Susan Sontag
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:36:10 „Ich habe gestern zur Vorbereitung nochmal Susan Sonntag gelesen. Es gibt ein Essay über Interpretation. Da bin ich irgendwie in meinem Kunstverständnis hängen geblieben, wo sie sagt, das Problem mit Kunst ist, dass wir sie die ganze Zeit interpretieren.“
Jochen Wegner hat zur Vorbereitung auf das Gespräch mit Julia Stoschek Susan Sontags berühmtes Essay über Interpretation wiedergelesen. Er fasst ihre These zusammen, dass das Problem der Kunst in der ständigen Interpretation liege und ein Kunstwerk eigentlich für sich selbst stehen müsse. Er nutzt das Essay als Ausgangspunkt für eine Diskussion über Kunstverständnis und fragt Stoschek, ob sie diesen Ansatz teilt.
Fotografie aus Friedrichshain 1990
Ben de Biel
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:40:54 „Zum Beispiel hatten wir neulich im Podcast ein Bild von Ben DeBiel, den keine alte Sau kennt, ich verehre den. Ein Fotograf, der in der Zeit des Mauerfalls tolle Arbeiten gemacht hat. Es gibt dieses eine Bild, was wir mit Jana Hänsel in diesem Podcast mal besprochen haben, das in Friedrichshain, ich weiß nicht, 1990 aufgenommen ist oder 91 oder so.“
Wegner erzählt von einem Foto des Berliner Fotografen Ben de Biel aus der Mauerfall-Zeit, das ihn bis heute emotional berührt. Er kann nicht genau erklären warum – und genau das ist sein Punkt: Große Kunst braucht keine Interpretation, sie wirkt unmittelbar. Das Bild wurde bereits in einer früheren Episode mit Jana Hensel besprochen.
Fotografie aus Brüssel (zwei Männer am Bauzaun)
Henri Cartier-Bresson
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 02:41:07 „Es gibt ein weiteres Bild von Cartier-Bresson aus den 30er Jahren aus Brüssel, wo zwei Männer durch ein Loch gucken in einem Bauzaun. Die haben so Hüte auf und so. Ich habe dieses Bild nie wieder vergessen. Als ich das gesehen habe, wollte ich Fotograf werden.“
Wegner nennt ein Foto von Henri Cartier-Bresson als persönliches Schlüsselerlebnis – es war das Bild, das ihn dazu brachte, Fotograf werden zu wollen. Er nutzt es als zweites Beispiel für Kunst, die ohne jede Interpretation eine unmittelbare, unvergessliche Wirkung entfaltet.
Ben de Biel Fotografie (Friedrichshain 1990)
Ben de Biel
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:41:43 „ein Bild von Ben DeBiel, den keine alte Sau kennt, ich verehre den. Ein Fotograf, der in der Zeit des Mauerfalls tolle Arbeiten gemacht hat.“
Jochen Wegner nennt ein Foto aus Friedrichshain als persönliches Schlüsselbild
Cartier-Bresson Foto (Brüssel, 1930er)
Henri Cartier-Bresson
🗣 Jochen Wegner empfiehlt aktiv bei ⏱ 02:41:43 „Es gibt ein weiteres Bild von Cartier-Bresson aus den 30er Jahren aus Brüssel, wo zwei Männer durch ein Loch gucken in einem Bauzaun.“
Jochen Wegner beschreibt das Foto als prägend – nach dem Sehen wollte er Fotograf werden
Ausstellung in der Fondazione Prada
Ryan Trecartin
🗣 Christoph Amend referenziert bei ⏱ 02:42:30 „Ich war vor kurzem als Herausgeber der Weltkunst in Mailand und in der Fondation Prada und traf zufälligerweise den von Ihnen ja auch so geschätzten Niklas Mark und wir bekamen eine Führung. Von der Kuratorin der neuen Ausstellung von einem der Künstler, den sie glaube ich auch sammeln, Ray Tricarte.“
Christoph Amend berichtet von einem Besuch in der Fondazione Prada in Mailand, wo er eine Ausstellung von Ryan Trecartin und Lizzie Fitch sah. Er beschreibt eine riesige Installation mit einem nachgebauten Haus, in dem man durch verschiedene Räume geht und Videoarbeiten sieht. Er nutzt das Beispiel, um zu argumentieren, dass manchmal der Kontext – etwa das Wissen, dass die Künstler bewusst aufs Land gezogen sind – dem Kunstverständnis helfen kann.
Babylon (Irak-Kriegs-Videoarbeit)
Cyprien Gaillard
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 02:45:55 „Also ich habe zum Beispiel diese Arbeit von Zubrino Gaya, wo er diese Aufnahmen im Irak-Krieg gemacht hat und wo man immer wieder Aufnahmen von Bagdad sieht und dann hört man immer wieder diese Musik Babylon“
Julia Stoschek beschreibt das Werk als Beispiel für politische Kunst in ihrer Sammlung, das an Abu-Ghraib-Foltermethoden erinnert
Babylon
Cyprien Gaillard
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 02:45:58 „Also ich habe zum Beispiel diese Arbeit von Zubrino Gaya, wo er diese Aufnahmen im Irak-Krieg gemacht hat und wo man immer wieder Aufnahmen von Bagdad sieht und dann hört man immer wieder diese Musik Babylon, diesen Refrain, der sich immer und immer wiederholt.“
Julia Stoschek nennt diese Videoarbeit als Beispiel für politische Kunst in ihrer Sammlung. Das Werk zeigt Aufnahmen aus Bagdad, unterlegt mit dem sich endlos wiederholenden Refrain von 'Babylon', und erinnert an die Foltermethoden von Abu Ghraib. Die Unerträglichkeit der Wiederholung nach wenigen Minuten macht die Wirkung von Folter körperlich spürbar – ganz ohne Interpretation.
Hannah Wilke Striptease vor dem Duchamp-Glas
Hannah Wilke
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 02:54:09 „wie von Hannah Wilkie, die in Philadelphia im Art Museum vor dem großen Duchamp-Glas einen Striptease vollzieht“
Als Beispiel für frühe feministische Videokunst der 60er/70er Jahre erwähnt
Das Große Glas
Marcel Duchamp
🗣 Julia Stoschek erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:55:55 „Diese Performances, die so wunderschön sind wie von Hannah Wilkie, die in Philadelphia im Art Museum vor dem großen Duchamp-Glas einen Striptease vollzieht.“
Duchamps berühmtes Werk 'Das Große Glas' (The Bride Stripped Bare by Her Bachelors, Even) wird als Kulisse für Hannah Wilkes Performance erwähnt. Stoschek bezieht sich darauf im Kontext der feministischen Videokunst der 60er und 70er Jahre.
Björk Musikvideo
Björk
🗣 Julia Stoschek erwähnt beiläufig bei ⏱ 03:03:06 „Ich habe von Björk ein Musikvideo in der Sammlung“
Julia Stoschek erwähnt, dass sie ein Björk-Musikvideo als Kunstwerk in ihrer Sammlung hat
Solaris
Andrei Tarkowski
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 03:04:04 „Aber ich mag schon gerne Solaris. Den ersten.“
Auf die Frage, welcher Kinofilm ein tolles Kunstwerk sei, nennt Julia Stoschek Tarkowskis Original-Verfilmung von Solaris (1972) als persönlichen Favoriten. Jochen Wegner zeigt sich begeistert von der Wahl.
No Country for Old Men
Coen Brothers
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:04:11 „Was ist mit No Country for Old Men von den Cones? ... Und zur Zeit, schon seit sehr langer Zeit, ist No Country auf Platz 1. Ehrlich? Ja. Das ist der beste Film, den ich kenne.“
Jochen Wegner nennt den Film als seinen persönlichen Platz 1 aller Zeiten
No Country for Old Men
Coen Brothers
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:04:33 „Das Top-Listen-Spiel, sag mal, die zehn besten Kinofilme. Und dann bin ich immer gezwungen zu ranken. Und zur Zeit, schon seit sehr langer Zeit, ist No Country auf Platz 1. Das ist der beste Film, den ich kenne.“
Jochen Wegner nennt No Country for Old Men als seinen persönlichen Platz-1-Film aller Zeiten. Er vergleicht das Filmerlebnis damit, ein bestimmtes Bild zum ersten Mal zu sehen, und sagt, er könne nicht erklären, warum der Film so großartig sei – er glaube, es sei Kunst.
Blade Runner
Ridley Scott
🗣 Jochen Wegner referenziert bei ⏱ 03:04:43 „Also ich finde zum Beispiel, es tut mir leid, ich bin sehr populär orientiert, den ersten Blade Runner halte ich für einen der absolut weltbewegendsten Filme aller Zeiten. Auch aus der Historie, in welcher Zeit der eigentlich gemacht worden ist und so.“
Im Gespräch über Kinofilme als Kunst nennt Jochen Wegner den ersten Blade Runner als einen der bedeutendsten Filme aller Zeiten, wobei er besonders die historische Einordnung betont – in welcher Ära der Film entstanden ist.
Deutscher Pavillon, Biennale di Venezia 2011 (Goldener Löwe)
Christoph Schlingensief
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 03:06:46 „Er ist der einzige deutsche Künstler, der den Goldenen Löwen in Venedig gewonnen hat, dessen Hauptwerk in Duisburg in einem Container vor sich hin rottet.“
Julia Stoschek beschreibt ausführlich das Schicksal von Schlingensiefs Hauptwerk, das den Goldenen Löwen in Venedig gewann – die einzige deutsche Arbeit mit dieser Auszeichnung. Nach der Rückkehr aus Venedig lagert das Werk in einem Container in Duisburg und ist für niemanden zugänglich, was Stoschek als skandalös empfindet.
Animatograf
Christoph Schlingensief
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 03:08:15 „Das ist schon ein interessantes Mikrosmuseum, hat ein paar Arbeiten, aber Harald Falkenberg hat den Animatrografen, hat eine große Arbeit, ich habe zwei kleine.“
Im Kontext der Diskussion über Schlingensiefs Nachlass und die fehlende institutionelle Sichtbarkeit seiner Werke erwähnt Julia Stoschek den Animatografen als eine große Arbeit in der Sammlung von Harald Falkenberg. Sie beklagt, dass Schlingensiefs Werke in keiner öffentlichen deutschen Sammlung vertreten sind.
Female Figure
Jordan Wolfson
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 03:24:51 „Der sitzt da so vor so drei riesigen Bildschirmen und hat ja diese Female-Figure gemacht und arbeitet jetzt auch Richtung Intelligence und VR, AI.“
Julia Stoschek beschreibt den Künstler Jordan Wolfson, den sie zunächst versehentlich als John Rathman bezeichnet, als ein Genie und typischen Computer-Nerd. Sie erwähnt sein bekanntes Werk Female Figure und seine aktuelle Arbeit mit VR und KI.
Splatterfilm (20 Stunden)
Paul McCarthy
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 03:30:25 „Jetzt hat er an einem 20-Stunden-Film mitgearbeitet, wo er wieder selber mitspielt. Und es ist noch so viel krasser. Man kann sich das fast überhaupt nicht angucken. Es gibt kein amerikanisches Museum, was die Arbeiten überhaupt noch zeigen kann.“
Julia Stoschek beschreibt ausführlich ihren Besuch bei Paul McCarthy in dessen LA-Studio. Der über 80-jährige Künstler hat einen extremen 20-Stunden-Film produziert, in dem er selbst mitspielt. Kein Museum weltweit traut sich, das Werk zu zeigen.
Faust (Deutscher Pavillon, Biennale di Venezia 2017)
Anne Imhof
🗣 Julia Stoschek referenziert bei ⏱ 03:33:55 „Und dann Anne Immerhoff vor zwei Jahren einfach, also spektakulär. Absolute Ausnahmekünstlerin.“
Julia Stoschek erzählt stolz, dass drei aufeinanderfolgende Biennale-Künstlerinnen des deutschen Pavillons Teil ihrer Sammlung sind. Anne Imhofs Performance 'Faust' gewann 2017 den Goldenen Löwen in Venedig.