Mediale Zielscheibe - Der Fall Brosius-Gersdorf
Markus Lanz, Richard David Precht
Im Mittelpunkt steht der Fall Frauke Brosius-Gersdorf, einer Verfassungsrechtlerin aus Potsdam, die als mögliche Bundesverfassungsrichterin zum Ziel einer beispiellosen medialen Kampagne wurde — inklusive Morddrohungen und dem Vorwurf, eine linksradikale Aktivistin zu sein. Lanz beschreibt, wie er im Interview eine sichtlich erschütterte Frau erlebte, die kein Medienprofi ist, sondern eine brillante Juristin, deren Positionen — etwa zur Abtreibung, Impfpflicht und zum Gendern — systematisch verzerrt und aus dem Kontext gerissen wurden. Besonders absurd: Sie war für den zweiten Senat vorgesehen, der mit Abtreibungsfragen gar nicht befasst ist, und Precht zerlegt die Etikettierung als "links" als historisch zufällige Zuordnung ohne inhaltliche Substanz.
„Das sind wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Ganz egal, ob man einzelne Positionen teilt oder nicht. Aber das ist eine Exzellenz auch in diesem Land, auf der man aufbauen kann, mit der man was machen kann.“
Erwähnte Medien (6)
Kein Schwein ruft mich an
Max Raabe
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:36 „Kein Schwein ruft mich an, da kommt das doch vor. Herrlich, Max Rabe, wunderbar.“
Markus Lanz zitiert beiläufig den bekannten Song von Max Raabe als humorvolle Einleitung des Gesprächs, als er Richard David Precht in Dänemark erreicht. Es ist eine lockere, scherzhafte Anspielung ohne tiefere inhaltliche Einordnung.
Ferien auf Saltkrokan
Astrid Lindgren
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:00:44 „Wir sind auf der Insel, wo wir als Kinder immer hingefahren sind, über viele, viele Jahre. Und ja, jetzt sind 15 Mitglieder meiner Familie hier. Und mittlerweile sind unsere eigenen Kinder schon zum Teil erwachsen. Und ja, das ist alles sehr dicht und sehr intensiv. Und wir machen hier lauter nutzlose und sinnlose Dinge und es geht uns gut. Ferien auf Salbkrokaten.“
Richard David Precht beschreibt seinen Familienurlaub auf einer dänischen Insel, auf der er schon als Kind war, und vergleicht die idyllische Situation scherzhaft mit der schwedischen Kinderserie bzw. dem Buch 'Ferien auf Saltkrokan' von Astrid Lindgren. Der leicht verballhornte Name ('Salbkrokaten') unterstreicht den humorvollen Ton.
Living Next Door to Alice (Who the Fuck Is Alice)
Smokie
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:36 „Und eine Sache noch ganz schnell. Die weltberühmte Frage, who the fuck is Alice, wurde ergänzt um die Frage, wer zum Geier ist Lutz?“
Markus Lanz greift den berühmten Partysong-Refrain 'Who the Fuck Is Alice' auf, um humorvoll auf Hörerfeedback zur letzten Episode überzuleiten. Hörer hatten gefragt, wer der in der Vorsendung erwähnte 'Lutz' sei – Prechts ältester Freund aus Studienzeiten.
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Heinrich Böll
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:12:48 „Du würdest sagen, ihr Motiv ist, ihre Ehre zu retten? Ja, exakt. Geht es ein bisschen um die verlorene Ehre der Frauke Brosius-Gerstorf?“
Richard David Precht spielt bewusst auf Heinrich Bölls Erzählung 'Die verlorene Ehre der Katharina Blum' an, indem er den Titel auf Frauke Brosius-Gersdorf überträgt. Die Parallele ist inhaltlich treffend: Wie bei Böll geht es um eine Frau, die durch mediale Hetzjagd und Vorverurteilung in eine existenzielle Krise getrieben wird. Lanz bestätigt die Analogie sofort.
Interview im Unimagazin der Universität Potsdam
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:34:26 „Tatsächlich hat sie in einem Interview mit dem Unimagazin der Uni Potsdam gesagt, der Staat ist immer dann, wenn er die Wahl zwischen verschiedenen Ausdrucksformen hat, verpflichtet, eine Ausdrucksweise zu wählen, die den Grundrechten der Frauen und diversgeschlechtlichen Personen und der Verfassung usw. im Übrigen gerecht wird.“
Lanz ordnet den Vorwurf ein, die Verfassungsrichterkandidatin wolle das Grundgesetz gendern lassen. Er zitiert die eigentliche Aussage aus einem Interview mit dem Unimagazin der Uni Potsdam, in dem sie lediglich sagte, der Staat solle Formulierungen wählen, die den Grundrechten aller gerecht werden – weit entfernt von der öffentlichen Zuspitzung.
Ruck-Rede (Berliner Rede 1997)
Roman Herzog
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:43:42 „Der damalige Vorsitzende war, wenn mich nicht alles täuscht, Roman Herzog, der spätere Bundespräsident. Der Ruck Herzog.“
Precht spricht über ein umstrittenes Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Sitzblockaden in den 1980er Jahren und identifiziert den damaligen Vorsitzenden Roman Herzog über seinen berühmten Beinamen 'Der Ruck Herzog', der auf seine bekannte Berliner Rede von 1997 zurückgeht, in der er forderte: 'Durch Deutschland muss ein Ruck gehen'.