Lanz & Precht – Israel und das Voelkerrecht - mit Kai Ambos
#198

Israel und das Voelkerrecht - mit Kai Ambos

Lanz & Precht / 20. Juni 2025 / 4 Medien

Markus Lanz, Richard David Precht & Kai Ambos

Auslöser der Folge ist Israels Angriff auf den Iran und Friedrich Merz' umstrittener Satz, Israel erledige damit die 'Drecksarbeit' für den Westen. Völkerrechtler Kai Ambos wird zugeschaltet, um die zentrale Frage zu beleuchten: Ist Israels Militärschlag ohne unmittelbaren iranischen Angriff völkerrechtlich zu rechtfertigen — oder markiert die Reaktion des Bundeskanzlers einen gefährlichen Dammbruch, bei dem das Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts verdrängt?

„Hier wird ein Völkerrechtsbruch von einem deutschen Bundeskanzler mit Dankbarkeit und Respekt wahrgenommen. Das ist natürlich ein sehr starkes Stück, was sich da in dem Augenblick abspielt.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (4)

Über Israel reden
Buch

Über Israel reden

Meron Mendel

🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:46:06 „Wir haben ja das schöne Buch von Meryn Mendel zum Beispiel in dem Zusammenhang, dass plötzlich die israelische Armee, wie sie es noch früher gemacht hat, sehr interessant, 1967 hat sie die Siedler noch abgehalten, hat sie sie kontrolliert und heute steht sie dabei, wenn die Siedler die Palästinenser angreifen.“

Im Gespräch über die Siedlungspolitik im Westjordanland verweist der Völkerrechtler auf Meron Mendels Buch, um eine historische Umkehrung zu illustrieren: 1967 hat die israelische Armee die Siedler noch kontrolliert und zurückgehalten, heute steht sie daneben oder unterstützt sie sogar, wenn Siedler Palästinenser angreifen.

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Der Judenstaat
Buch

Der Judenstaat

Theodor Herzl

🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:51:04 „Wir haben eine historische Verantwortung gegenüber Israel. Ohne Deutschland wäre der Zionismus, der ja mit dem berühmten Buch von Herzl 1860, der Judenstaat begonnen hat, damals eine Minderheit war, hätten wir nicht, ohne den Holocaust, hätte es diesen Staat nicht gegeben.“

Der Völkerrechtler ordnet die deutsche Verantwortung gegenüber Israel historisch ein. Er verweist auf Herzls Gründungsschrift des politischen Zionismus, um zu zeigen, dass ohne den Holocaust der Staat Israel in dieser Form nicht entstanden wäre — und dass daraus zwar eine besondere Verantwortung folgt, diese aber nicht bedeuten kann, palästinensische Rechte zu ignorieren.

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Absolution
Buch

Absolution

Daniel Marwecki

🗣 Kai Ambos referenziert bei ⏱ 00:51:57 „Also es gibt ein schönes Buch von Daniel Mavecki, einem Historiker, das heißt Absolution. Für mich ist das alles eine Frage unserer Schuld.“

Auf Prechts Frage, ob die deutsche Israel-Politik eher von historischer Schuld oder von strategischem Schulterschluss mit den USA motiviert sei, empfiehlt Kai Ambos dieses Buch. Marwecki analysiert darin, dass die deutsch-israelische Beziehung von Anfang an von gegenseitigen Interessen geprägt war – von Adenauers Luxemburger Abkommen bis zu den U-Boot-Lieferungen – und nicht primär von moralischen Motiven.

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Israel hat das Recht, sich gegen eine existenzielle Bedrohung zu verteidigen
Artikel

Israel hat das Recht, sich gegen eine existenzielle Bedrohung zu verteidigen

Eva Illouz

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:54:16 „Ich habe einen Satz von Eva Illus in der Zeit gelesen, die sagt, Israel hat das Recht, sich gegen eine existenzielle Bedrohung zu verteidigen. Gar keine Frage, aber es tut das in einer Zeit, in der die demokratischen Grundlagen des Landes von innen heraus ausgehöhlt werden.“

Markus Lanz zitiert zum Abschluss des Gesprächs die Soziologin Eva Illouz aus einem Artikel in der ZEIT. Ihre These fasst das Dilemma zusammen: Israel verteidigt sich gegen äußere Bedrohungen, während die demokratischen Grundlagen von innen durch Siedler, Ultraorthodoxe und Fanatiker ausgehöhlt werden – ein strategisches Paradoxon und eine nationale Tragödie.

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