AfD gesichert rechtsextremistisch
Markus Lanz, Richard David Precht
Die Episode dreht sich um die misslungene erste Kanzlerwahl von Friedrich Merz und die mediale Aufregung danach. Während in den Redaktionen Apokalypse-Stimmung herrschte, war für die meisten Menschen schlicht Dienstag — ein Befund, den beide mit spürbarem Amüsement sezieren. Sie diskutieren, wie der schwindende Kadavergehorsam in einer individualisierten Gesellschaft solche Denkzettel-Aktionen erst möglich macht und warum sich das Gewissen mancher Abgeordneter innerhalb weniger Stunden erstaunlich wandelte.
„Wenn das schon Abgrund ist, dann wollen wir den echten Abgrund gar nicht sehen.“
Erwähnte Medien (13)
Kolumne zur gescheiterten Kanzlerwahl von Friedrich Merz
Kurt Kister
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:03:24 „Kurt Kister hat das in der Süddeutschen so schön beschrieben. Der sagt, es ist ein bisschen so, wie wenn man Vormittag sagt, ich kaufe mir ein Fahrrad und sich dann am Nachmittag doch für einen Mercedes Diesel entscheidet.“
Markus Lanz zitiert mehrfach ausführlich aus Kurt Kisters Kolumne in der Süddeutschen Zeitung über die gescheiterte erste Kanzlerwahl von Friedrich Merz, darunter den Fahrrad-Mercedes-Vergleich, die Frage nach dem Gewissen als persönlicher Befindlichkeit sowie die Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik.
Kolumne zum ersten Wahlgang von Friedrich Merz
Kurt Kister
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:03:35 „Kurt Kister hat das in der Süddeutschen so schön beschrieben. Der sagt, das ist ein bisschen so, wie wenn man Vormittag sagt, ich kaufe mir ein Fahrrad und sich dann am Nachmittag doch für einen Mercedes Diesel entscheidet.“
Lanz zitiert aus Kurt Kisters Kommentar in der Süddeutschen Zeitung zur misslungenen ersten Kanzlerwahl von Friedrich Merz
Von der Pflicht. Eine Betrachtung
Richard David Precht
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:07:22 „Und das ist ja eng verlinkt, auch ein Thema eines deiner Bücher mit so einem altmodischen Begriff wie Pflicht. Das ist ja damit verbunden in gewisser Weise.“
Im Gespräch über Gesinnungsethik versus Verantwortungsethik verweist Lanz auf Prechts Buch über den Pflichtbegriff. Precht greift das auf und erläutert seine These, dass eine Gesellschaft ohne Pflichtgefühl sich langfristig auflöst und keine Gemeinwohlorientierung mehr haben kann.
Von der Pflicht. Eine Betrachtung
Richard David Precht
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:08:31 „Aber ich habe ja dann in meinem Buch über die Pflicht überlegt, was wird aus einer Gesellschaft, die gar kein Pflichtgefühl mehr kennt“
Precht verweist auf sein eigenes Buch über Pflicht im Kontext der Diskussion über schwindendes Pflichtgefühl in der Gesellschaft
Das Tagebuch der Anne Frank
Anne Frank
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:20:45 „Ich stand damals daneben in Auschwitz, als sie das erste Mal schriftlich, da war sie schon eine hochbetagte Frau, 85, schrieb. Als sie das erste Mal gesehen hat, schwarz auf weiß, auf einer Liste in Auschwitz-Birkenau, da stand der Name Heinz, das war ihr geliebter Bruder und der Name auch ihres Vaters.“
Lanz erwähnt Eva Schloss, eine Freundin von Anne Frank, im Zusammenhang mit Holocaust-Überlebenden und dem Moment des endgültigen Akzeptierens des Verlusts. Anne Frank wird hier als Person und implizit über ihr berühmtes Tagebuch referenziert, um die Verbindung zu Eva Schloss herzustellen.
Horizon: An American Saga
Kevin Costner
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:10 „Wenn du auch so die letzten großen epischen Werke von Kevin Costner dir so anguckst, der hat immer so wilder Westen, so wie es wirklich gewesen sein könnte, das ist ja immer so ein großes Thema bei dem.“
Lanz zieht einen Vergleich zwischen der Nachkriegszeit in Deutschland und dem Wilden Westen: Jeder war sich selbst der Nächste, aus Untertanen wurden Menschen, die sich selbst organisieren mussten. Er verweist dabei auf Kevin Costners epische Western-Filme als Bild dafür, wie diese Anarchie und Selbstbehauptung ausgesehen haben könnte.
Wolfszeit: Deutschland und die Deutschen 1945–1955
Harald Jähner
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:28:25 „Das ist das, was Harald Jähner eben immer so gut beschreibt. Er sagt zum Beispiel nach dem Krieg wurden aus diesen Untertanen plötzlich Menschen, die sich wie im wilden Westen – jeder ist sich selbst der Nächste. Und er sagt, aber aus Untertanen wurden da plötzlich Menschen, die sich um sich selber kümmern mussten.“
Lanz paraphrasiert Harald Jähners Beschreibung der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der die Deutschen vom Untertanen-Dasein in eine Art Wildwest-Mentalität geworfen wurden. Der Name wird im Transkript als 'Harald Jena' verschriftet, gemeint ist aber mit hoher Wahrscheinlichkeit der Journalist und Autor Harald Jähner, dessen preisgekröntes Buch 'Wolfszeit' genau diese Transformation der Nachkriegsgesellschaft beschreibt. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt, aber die nacherzählten Thesen passen exakt zu diesem Werk.
Schtonk!
Helmut Dietl
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:59 „Also ich als jemand, der Stonk rauf und runter gesehen hat, würde ich sagen, definitiv war das so. Und weil wir gerade über Kapitalismus oder über Marktwirtschaft sprechen, sagt auch der Ausgleich zwischen den Deutschen, die alles verloren hatten, und denen, die noch was hatten, das war ein sehr langwieriger, schwieriger Prozess.“
Lanz erwähnt beiläufig, er habe 'Stonk' (vermutlich Transkriptionsfehler für 'Schtonk!', Helmut Dietls Satire über die gefälschten Hitler-Tagebücher von 1992) wiederholt gesehen. Er nutzt die Referenz im Kontext einer Diskussion über Schwarzmarkt und Nachkriegskapitalismus, um seine Vertrautheit mit der deutschen Nachkriegsgeschichte zu unterstreichen. Die genaue Zuordnung ist unsicher, da der Titel im Transkript als 'Stonk' verschriftet ist.
Stonk
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:31 „Also ich als jemand, der Stonk rauf und runter gesehen hat, würde ich sagen, definitiv war das so.“
Lanz erwähnt die Serie beiläufig als Referenz für unternehmerischen Geist im Zusammenhang mit Schwarzmärkten der Nachkriegszeit
Rede zum 8. Mai 1985 (Tag der Befreiung)
Richard von Weizsäcker
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:36:01 „nachdem Richard von Weizsäcker 1985 zum 8. Mai seine berühmte Rede gehalten hat, der damalige Bundespräsident, und gesagt, dieser Tag war ein Tag der Befreiung und nicht der Niederlage“
Precht verweist auf Weizsäckers historische Rede als Vergleichspunkt zur aktuellen Debatte um den 8. Mai und Alice Weidels Äußerungen
Artikel zur AfD und Meinungsfreiheit
Andreas Rosenfelder
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:41:34 „Womit sich auch Leute wie zum Beispiel Andreas Rosenfelder dieser Tage beschäftigt haben, das finde ich ist ein guter Punkt, die Frage der Meinungsfreiheit. Das betrifft ja dann irgendwann auch die Meinungsfreiheit. Also wie weit tangiert das sozusagen, was du sagst, irgendwann mal Meinungsfreiheit?“
Lanz verweist auf eine aktuelle Veröffentlichung von Andreas Rosenfelder (Journalist bei der WELT), der sich mit der Frage beschäftigt, ob die Einstufung der AfD als rechtsextrem die Meinungsfreiheit berührt. Lanz zitiert Rosenfelders Methode ausführlich: Dieser nimmt eine AfD-Aussage und übersetzt sie in 'gediegenen Leitartikel-Sound', um zu zeigen, dass die inhaltliche Substanz auch in seriöser Sprache formulierbar wäre. Kein konkreter Artikeltitel wird genannt.
Die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei als staats- und republikfeindliche hochverräterische Verbindung
Robert Kempner
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:51:07 „Und im Jahr 1930 wird Kempner von einem Staatssekretär gebeten, drei anderen Beamten beim Verfassen eines Gutachtens über die NSDAP zu helfen. Dann schreiben sie gemeinsam etwas, das man heute als Materialsammlung sozusagen des Verfassungsschutzes wahrscheinlich bezeichnen würde. Sie nennen es damals eine Denkschrift mit dem Titel 'Die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei als staats- und republikfeindliche hochverräterische Verbindung'.“
Lanz zieht eine historische Parallele zur heutigen AfD-Debatte: 1930 verfasste der Jurist Robert Kempner mit drei Kollegen eine Denkschrift, die nachwies, dass die NSDAP die Kriterien für ein Verbot erfüllte – doch die Regierung lehnte ein Verbot ab, weil sie die Nazis lieber 'politisch stellen' wollte. Lanz nutzt dieses historische Beispiel, um seine eigene Zerrissenheit in der Frage eines möglichen AfD-Verbots zu illustrieren: Die Geschichte zeigt, dass ein unterlassenes Verbot fatale Folgen haben kann.
Denkschrift: Die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei als staats- und republikfeindliche hochverräterische Verbindung
Robert Kempner
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:52:04 „Dann schreiben sie gemeinsam etwas, das man heute als Materialsammlung sozusagen des Verfassungsschutzes wahrscheinlich bezeichnen würde. Sie nennen es damals eine Denkschrift mit dem Titel Die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei als staats- und republikfeindliche hochverräterische Verbindung.“
Lanz zieht eine historische Parallele zwischen dem Versuch preußischer Beamter 1930, die NSDAP zu verbieten, und der heutigen AfD-Debatte