Das Ende des amerikanischen Zeitalters
Markus Lanz, Richard David Precht
Zum Einstieg sprechen die beiden über Markus Feldenkirchen und dessen legendäre Wahlkampf-Reportage über Martin Schulz — jenes Buch, das Schulz durch eine Currywurst-Szene unfreiwillig provinziell wirken ließ. Lanz kündigt außerdem eine Reportage-Reise nach Syrien an, wo er Migration und die Erwartungen der Menschen an Europa erkunden will.
„Du musst zeigen, dass du ein Mensch aus dem Volk bist, dass du bodenständig bist und auf dem Teppich geblieben bist. Und auf der anderen Seite verträgt sich das ab einem gewissen Grad dann nicht mehr mit der Vorstellung von Staatsmann.“
Erwähnte Medien (8)
CLP-Kolumne (Christian Lindner Partei)
Markus Feldenkirchen
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:00:40 „seine Kolumne schon Jahre her, in der er die FDP als CLP beschrieben hat, als Christian Lindner Partei“
Lanz erinnert sich an eine Kolumne von Feldenkirchen, in der dieser die FDP satirisch als Ein-Mann-Partei beschrieb
FDP als CLP (Christian Lindner Partei)
Markus Feldenkirchen
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:54 „Ein netter Typ, der mir unvergessen ist für seine Kolumne schon Jahre her, in der er die FDP als CLP beschrieben hat, als Christian Lindner Partei. Und der damals so sinngemäß einen schönen Satz formuliert und sagt, dass das Praktische, wenn man sozusagen eine Ein-Mann-Partei ist, man kann sich so selten widersprechen.“
Lanz erinnert sich an eine Kolumne von Markus Feldenkirchen, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist. Feldenkirchen hatte darin die FDP als 'Christian Lindner Partei' bezeichnet und pointiert beschrieben, wie praktisch es sei, sich als Ein-Mann-Partei nie selbst widersprechen zu können.
Die Schulz-Story
Markus Feldenkirchen
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:01:16 „Okay, meine Haupterinnerung ist die Martin-Schulz-Story, den er damals im Wahlkampf begleitet hatte. Dann auf der anderen Seite stand, auch mal den Journalismus so erlebt hat, nicht als das, was man selber ist und das, was Politikern auf die Nerven geht. Und das hatte er damals sehr, sehr eindringlich beschrieben. Also quasi der Aufstieg und Fall von Martin Schulz.“
Precht erzählt von Feldenkirchens Reportage-Buch über den Bundestagswahlkampf 2017, in dem er Martin Schulz als Kanzlerkandidaten begleitete. Lanz ergänzt, das Buch sei zwar großartig für die Leser gewesen, aber nicht für Martin Schulz – insbesondere eine Szene am Würstchenstand habe Schulz provinziell wirken lassen. Precht betont, das Buch sei keine böse Darstellung gewesen, sondern eine sehr minutiöse Beschreibung eines politischen Scheiterns.
Bücher von Peter Navarro (mit fiktivem Experten Ron Vara)
Peter Navarro
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:19:43 „Er hat viele Bücher geschrieben und so weiter. Und in einigen seiner Bücher zitiert er ausgiebig einen Wirtschaftsexperten namens Ron Vara, einen Harvard-Absolvent, wie er selber auch und so weiter. Und dieser Ron Vara gibt da viele wirtschaftspolitische Weisheiten zum Besten. Das einzige kleine Problem, es gibt diesen Ron Vara gar nicht.“
Lanz beschreibt die skurrile Geschichte hinter Peter Navarros Büchern: Navarro hat darin einen fiktiven Harvard-Wirtschaftsexperten namens Ron Vara erfunden, um sich selbst zitieren zu können. Von diesem fiktiven Alter Ego soll auch der Leitspruch 'Mit Zöllen zum Sieg' stammen, der die aktuelle US-Handelspolitik prägt. Lanz nutzt die Anekdote, um die fragwürdige intellektuelle Grundlage der Trump'schen Zollpolitik zu illustrieren.
Der vielleicht teuerste Kaffee aller Zeiten
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:34:55 „Im Spiegel haben Sie damals geschrieben, die Kollegen, der vielleicht teuerste Kaffee aller Zeiten. Das sehe ich ähnlich.“
Lanz verweist auf einen Spiegel-Artikel, der den EU-Gipfel im Dezember 2023 kommentierte, bei dem Orbán während einer Kaffeepause den Raum verließ und in seiner Abwesenheit die Abstimmung über EU-Beitrittsgespräche mit der Ukraine stattfand. Im Gegenzug erhielt Ungarn 10 Milliarden Euro eingefrorene Fördergelder – der Spiegel nannte es den teuersten Kaffee aller Zeiten.
An Essay on the History of Civil Society
Adam Ferguson
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:39:40 „Und dieser Tage, du kennst den wahrscheinlich, mir war nicht bekannt, schottischer Philosoph Adam Ferguson, der hat 1760 rum oder so. Einer der Vorväter des kapitalistischen Denkens. So, der irgendwann mal gesagt, dass jeder Staat, der mehr für seine Zinszahlungen als für seine Verteidigung ausgeben muss, der wird langfristig seine Souveränität verlieren und untergehen.“
Lanz zitiert den schottischen Aufklärungsphilosophen Adam Ferguson, um die Brisanz der amerikanischen Staatsverschuldung zu untermauern. Fergusons These, dass ein Staat untergeht, wenn seine Zinskosten die Verteidigungsausgaben übersteigen, wendet Lanz direkt auf die heutige Lage der USA an, wo Schuldendienst und Militärausgaben mittlerweile bei jeweils 1,1 Billionen Dollar liegen.
Artikel über das Risiko eines Trump-Crashs
Henrik Müller
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:41:53 „Ich meine, Henrik Müller von der Uni in Dortmund, der hat immer mal wieder über das Risiko eines Trump-Crashs geschrieben. Und weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass Amerika Auslandsverbindlichkeiten gegenüber dem Rest der Welt mittlerweile hat von mehr als 26 Billionen Dollar.“
Lanz verweist auf Publikationen des Dortmunder Wirtschaftsprofessors Henrik Müller, der wiederholt vor einem durch Trumps Politik ausgelösten Finanzcrash gewarnt hat. Die konkreten Zahlen – 26 Billionen Dollar Auslandsverbindlichkeiten – dienen Lanz als Beleg dafür, dass Amerika seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse lebt.
The Collapse of Complex Societies
Joseph Tainter
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:42:45 „Und ich habe ja immer schon darauf hingewiesen, um das in ein größeres Bild zu machen, das Tainter-Szenario. Habe ich auch das letzte Mal darüber erzählt, der US-amerikanische Anthropologe Joseph Tainter, von dem die These stammt, dass Imperien dann zusammenbrechen, wenn die Kosten für das Imperium größer werden als den Nutzen, den das Imperium aus einem Imperium zieht.“
Precht greift auf Joseph Tainters Theorie zum Kollaps komplexer Gesellschaften zurück, um Trumps Zollpolitik in einen größeren historischen Rahmen einzuordnen. Er argumentiert, dass die USA sich dem Tainter-Szenario nähern – die Kosten des Imperiums (Militär, Rohstoffbeschaffung) übersteigen zunehmend den Nutzen – und dass Trumps radikale Maßnahmen aus dieser strukturellen Not heraus geboren sind, nicht aus bloßer Irrationalität.