Lanz & Precht – Ueber Respekt und Null-Loyalitaet
#175

Ueber Respekt und Null-Loyalitaet

Lanz & Precht / 10. Januar 2025 / 11 Medien

Markus Lanz, Richard David Precht

Von Trumps Griff nach Grönland über Europas fehlende Verteidigungsfähigkeit bis zur Silvesternacht in Berlin: Die Episode kreist um den Soziologen Ivan Krastevs These der "Null-Loyalität" — einer Gesellschaft, in der Menschen mühelos Länder, Familien und Parteien wechseln und kaum noch bereit wären, für etwas einzustehen. Daraus entspinnt sich ein Streitgespräch über Respektverlust im Alltag, von Angriffen auf Polizei und Lehrkräfte bis zur Verrohung im Straßenverkehr, und die Frage, ob die gewachsene Sensibilität im Diskurs paradoxerweise den Rechtspopulisten in die Hände spielt.

„Wir sind eine seelisch entmilitarisierte Gesellschaft. Und die kann man nicht durch die Erhöhung von Verteidigungsausgaben wieder in so eine Situation bringen.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (11)

21 Lessons for the 21st Century / Homo Deus
Buch

21 Lessons for the 21st Century / Homo Deus

Yuval Noah Harari

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:11:49 „Und ich muss immer an Harari denken, der immer sagt, es macht überhaupt keinen Sinn mehr, Kriege um Land und Territorium zu führen. Sondern die Schätze der Zukunft sind andere Dinge. Das Silicon Valley zu überfallen, macht keinen Sinn.“

Lanz verweist auf Hararis bekannte These, dass klassische Eroberungskriege um Territorium im 21. Jahrhundert ökonomisch sinnlos geworden sind. Er nutzt das als Kontrastfolie zu Trumps Grönland-Ambitionen und Putins Ukraine-Invasion. Precht räumt ein, das bis zum russischen Überfall auch selbst geglaubt zu haben, sieht aber die nichtlineare Natur der Geschichte als Widerlegung. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt, die These stammt aus Hararis Gesamtwerk.

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Der Mann ohne Eigenschaften
Buch

Der Mann ohne Eigenschaften

Robert Musil · 1930

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:13:34 „Und eigentlich ist jede rasante Fortschrittsentwicklung parallel dazu mit Rückschrittsentwicklungen gekoppelt. Eine einzige Form von Irrungen und Wirrungen oder wie ich gerne von Robert Musil zitiere, wir irren vorwärts.“

Precht entwickelt seine These, dass Geschichte nicht linear verläuft, sondern dialektisch — jeder Fortschritt trägt einen Rückschritt in sich. Er illustriert das mit Musils berühmtem Diktum 'wir irren vorwärts' und bezieht es auf die Gleichzeitigkeit von moralischer Sensibilisierung und brutalen Trotzreaktionen wie bei Trump oder der AfD.

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Interview mit Ivan Krastev in der Süddeutschen Zeitung
Artikel

Interview mit Ivan Krastev in der Süddeutschen Zeitung

Ivan Krastev

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:17:58 „Ja, ich habe neulich mal wieder ein sehr interessantes Interview mit Ivan Krastev gelesen, den du ja genauso schätzt wie ich auch. Und ich freue mich auf den Tag, an dem ich den irgendwann mal kennenlerne, weil er einfach ein brillanter Denker ist.“

Lanz bezieht sich auf ein kürzlich gelesenes Interview mit dem bulgarischstämmigen, in Wien lehrenden Politologen Ivan Krastev. Daraus entnimmt er die historische Beobachtung, dass vor 100 Jahren in Wien Menschen an Hunger starben und fast alle Männer auf der Straße ehemalige Soldaten waren — im Kontrast zur heutigen entmilitarisierten Gesellschaft. Die genaue Publikation wird nicht genannt.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Kommentar zur Silvesternacht
Artikel

Kommentar zur Silvesternacht

Jasper von Altenbockum

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:23:16 „so ähnlich hat es Jasper von Altenbockum in der FAZ auch kommentiert. Er sagte, diese Silvesternacht wird immer wieder wie so ein Fieberthermometer zu einer über die Stränge schlagenden Gesellschaft“

Lanz zitiert den FAZ-Kommentar, um seine eigene Beobachtung zu untermauern, dass Silvester-Ausschreitungen ein Gradmesser für den Zustand der Gesellschaft sind

Zum Artikel bei FAZ
Exit, Voice, and Loyalty
Buch

Exit, Voice, and Loyalty

Albert O. Hirschman

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:23:36 „Und er zitiert einen berühmten Soziologen Hirschmann, du kennst ihn möglicherweise, 70er Jahre, hat ein berühmtes Buch geschrieben, in dem er nachgewiesen hat, wie schwer es Leuten fiel, damals ihre Familie zu verlassen, Parteien zu verlassen, Länder zu verlassen, sozusagen Loyalität aufzukündigen.“

Lanz referiert die Thesen von Ivan Krastev zur heutigen Null-Loyalität in westlichen Gesellschaften. Krastev stützt sich auf Hirschmans Klassiker, um den historischen Kontrast aufzuzeigen: Früher war es extrem schwer, Bindungen aufzukündigen — heute wechseln Menschen mühelos Land, Familie und Partei. Lanz nutzt das als Argument dafür, dass moderne Gesellschaften kaum noch bereit wären, für ihr Land zu kämpfen.

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Silvester-Kommentar in der FAZ
Artikel

Silvester-Kommentar in der FAZ

Jasper von Altenbockum

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:25:24 „Und so ähnlich hat es Jasper von Altenbockum in der FAZ auch kommentiert. Er sagte, diese Silvesternacht wird immer wieder wie so ein Fieberthermometer zu einer über die Stränge schlagenden Gesellschaft.“

Lanz stützt seine These, dass die Silvesternacht ein gesellschaftliches Fieberthermometer sei, mit einem FAZ-Kommentar von Jasper von Altenbockum. Der Kommentar beschreibt, wie die jährliche Bilanz an Böllertoten, verletzten Polizisten und Sachschäden normalisiert wird. Der genaue Titel des Kommentars wird nicht genannt.

Zum Artikel bei FAZ
Max und Moritz
Buch

Max und Moritz

Wilhelm Busch

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:32:22 „Weil da so dargestellt, Fritze Merz klingt so, als wäre er so von Willem Busch, so wie der Schneider Böck oder so, so ein bisschen albern und hemdsärmlich.“

Im Kontext der Diskussion über Respekt in der politischen Auseinandersetzung vergleicht Precht Olaf Scholz' Verniedlichung von Friedrich Merz zu 'Fritze Merz' mit einer Wilhelm-Busch-Figur. Der Schneider Böck aus 'Max und Moritz' dient als Beispiel für etwas Albernes und Hemdsärmeliges.

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Die Gesellschaft der Singularitäten
Buch

Die Gesellschaft der Singularitäten

Andreas Reckwitz

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:40:38 „Wir leben heute, Andreas Reckwitz, der Soziologe, hat ja ein sehr kluges Buch geschrieben, die Gesellschaft der Singularitäten. Und darin erklärt er, dass wir heute eigentlich, jeder danach strebt, anders zu sein als die anderen, etwas Besonderes zu sein.“

Precht führt Reckwitz' Buch an, um zu erklären, warum der gesellschaftliche Respekt schwindet. Seine These: Die moderne Gesellschaft fordert permanente Selbstoptimierung und Individualismus, wodurch das Gefühl für das Allgemeine und das Gemeinwohl verloren geht. Das Buch dient ihm als soziologische Untermauerung seiner Analyse der Entsolidarisierung.

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Interview oder Artikel zur anständigen Elitenbeschimpfung
Artikel

Interview oder Artikel zur anständigen Elitenbeschimpfung

Jagoda Marinić

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:48:07 „wir dürfen die Drecksgeschäfte nicht den Rändern überlassen. Und je deutlicher die da oben konstruktiv kritisiert werden, desto weniger Ultrapopulisten braucht das Land, das hat sie im Stern irgendwo mal gesagt“

Lanz zitiert Marinićs Plädoyer für konstruktive Elitenkritik als Gegenmittel zum Rechtspopulismus und als Beitrag zur Debatte über Streitkultur

Zum Artikel bei Stern
Artikel über Elitenbeschimpfung
Artikel

Artikel über Elitenbeschimpfung

Jagoda Marinić

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:48:33 „Sie sagt, wir dürfen die Drecksgeschäfte nicht den Rändern überlassen. Und je deutlicher die da oben konstruktiv kritisiert werden, desto weniger Ultrapopulisten braucht das Land, das hat sie im Stern irgendwo mal gesagt.“

Lanz bringt Jagoda Marinić als Denkerin ins Gespräch, die für eine 'anständige Elitenbeschimpfung' plädiert. Ihr im Stern veröffentlichter Gedanke – konstruktive Kritik an der Elite entzieht den Rändern die Grundlage – wird von Precht als 'wahnsinnig interessant' aufgegriffen und führt zu einer Diskussion über Streitkultur und Meinungsfreiheit.

Zum Artikel bei Stern
Wer weiß denn sowas?
Serie

Wer weiß denn sowas?

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:51:51 „Wenn wir beim nächsten Mal bei, wer weiß denn sowas, mit philatelistischen Fragen über grönländische Briefmarken konfrontiert sind, dann wäre es schön, wenn wir in einer Mannschaft spielen würden.“

Am Ende der Folge scherzen Lanz und Precht über Grönland-Wissen. Precht erwähnt die ARD-Quizshow 'Wer weiß denn sowas?', bei der er offenbar kürzlich aufgetreten ist und gut abgeschnitten hat – Lanz gratuliert ihm im Anschluss zum Erfolg.

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