Kurioses und Uebersehenes - Randnotizen des Jahres 2024
Markus Lanz, Richard David Precht
In ihrer traditionellen Jahresend-Folge widmen sich die beiden den kuriosen Randnotizen des Jahres 2024 — Geschichten abseits der großen Schlagzeilen. Den Auftakt macht das berühmte Chicagoer Rattenloch, ein Schlagloch in Rattenform, das zur Pilgerstätte wurde und sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel bekam. Precht erinnert sich an seine Zeit bei der Chicago Tribune 1997, als die Straßen genauso marode, aber noch kein Internet da war, um einen solchen Kult auszulösen.
„Langeweile ist die Wurzel allen Übels. Er zeigt aber auch, wozu Langeweile dienen kann und wie gut Langeweile mitunter ist.“
Erwähnte Medien (10)
Last Christmas
Wham! / George Michael
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:18 „Kennst du die Geschichte von dieser Gruppe von Leuten, die mal versucht hat Geld zu sammeln? Um die Rechte von Last Christmas zu kaufen und zwar mit der Absicht, es dann für immer zu verbieten.“
Im Kontext einer Geschichte über eine stille Stunde in einem Greifswalder Supermarkt sprechen Lanz und Precht über die Dauerbeschallung mit Weihnachtsmusik. Lanz erwähnt die humorvolle Aktion, Last Christmas aufzukaufen, um es zu verbieten, gesteht aber gleichzeitig ein, dass es ein genialer Song ist, den man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.
Grândola, Vila Morena
José Afonso
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:14:45 „Was auch eine berühmte Geschichte war, das auch zur Ikonografie der Nelkenrevolution gehörte, war, dass das Signal zum Losschlagen für das Militär kam durch das Abspielen eines Liedes. Und zwar des Liedes eines verbotenen Liedermachers, José Alfonso. Granola Villa Morena. Und dieses Lied wurde bei uns zu Hause dann auch wochenlang gespielt.“
Precht erzählt von der portugiesischen Nelkenrevolution 1974 und dem Lied, das als geheimes Signal für den Militärputsch gegen die Diktatur diente. Er verbindet es mit persönlichen Kindheitserinnerungen – seine linken Eltern spielten das Lied wochenlang zu Hause, weil die Revolution für westdeutsche Linke ein Hoffnungsmoment war.
The New York Trilogy
Paul Auster
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:28:22 „Weltberühmter Schriftsteller, der ganz berühmt, die New York Trilogie, mit 77 Jahren gestorben, dessen erstes Buch, der erste Teil der New York Trilogie wurde, glaube ich, von 17 Verlagen abgelehnt. Und er hat einfach weitergeschrieben.“
Lanz würdigt den verstorbenen Paul Auster und hebt die New-York-Trilogie als sein bekanntestes Werk hervor. Er erzählt die inspirierende Hintergrundgeschichte, dass der erste Teil von 17 Verlagen abgelehnt wurde und Auster erst mit 40 den großen Durchbruch erlebte – eine Geschichte, die Auster selbst bei einer Lesung in Hamburg erzählte, die Lanz miterlebte.
Mond über Manhattan
Paul Auster
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:29:33 „Also ich habe tatsächlich nur ein einziges Buch von ihm gelesen, Mond über Manhattan, das ein ziemlich großer Bestseller war in den 90ern. Und ich fand das ganz gut, aber ich hatte andere Helden in der amerikanischen Gegenwartsliteratur.“
Im Gespräch über Paul Austers Bedeutung für die amerikanische Literatur erzählt Precht, dass er nur dieses eine Buch von Auster gelesen hat. Er fand es zwar gut, war aber von anderen Autoren wie Don DeLillo und T.C. Boyle stärker beeindruckt.
Underworld
Don DeLillo
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:30:06 „Aber ich fand sie literarisch eben nicht so toll wie Underworld von DeLillo. Das ist eines meiner ultimativen Lieblingsbücher. Das ist natürlich auch ein großes, dickes, episches Buch.“
Precht vergleicht Paul Austers Werk mit der amerikanischen Gegenwartsliteratur, die ihn stärker geprägt hat. Underworld von DeLillo bezeichnet er als eines seiner ultimativen Lieblingsbücher und stellt es als literarisch überlegen gegenüber Austers kulinarischeren Romanen dar.
Baumgartner
Paul Auster
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:30:43 „Baumgarten war, glaube ich, der letzte Roman, den ich aber nicht gelesen habe.“
Wird als Paul Austers letzter Roman erwähnt, den Lanz selbst nicht gelesen hat
Baumgarten
Paul Auster
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:35 „Er selber hatte dann Krebs und hat bis zum Schluss geschrieben. Baumgarten war, glaube ich, der letzte Roman, den ich aber nicht gelesen habe.“
Lanz erwähnt Austers letzten Roman im Kontext von dessen letzten Lebensjahren, geprägt von familiären Verlusten durch die Opioid-Krise und seiner eigenen Krebserkrankung. Er hat das Buch selbst nicht gelesen, erwähnt es aber als Austers letztes Werk.
Patriot
Alexei Nawalny
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:45:25 „Und interessant ist, wie Nawalny in diesem Buch auch über die Resilienz von Diktaturen nachdenkt und sagt, ihr glaubt immer, das hat sich nach ein paar Jahren erledigt, aber Diktaturen und Autokratien sind erstaunlich widerstandsfähig.“
Lanz zitiert ausführlich aus Nawalnys Buch, in dem dieser seine Hafterfahrungen und seine psychische Widerstandskraft beschreibt. Besonders beeindruckt ihn Nawalnys Methode, sich mental auf das Schlimmste vorzubereiten und es zu akzeptieren, sowie die Resilienz der russischen Oppositionellen insgesamt.
Warum Nationen scheitern
Daron Acemoglu, James A. Robinson
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:45:58 „Aber vielleicht schreibt Asimoglu ja irgendwann einen zweiten Band, in dem er noch auf diese Einwände eingeht oder das noch mit berücksichtigt.“
Precht bezieht sich auf Acemoglus Theorie über inklusive Institutionen und bodenschatzreiche Länder und hofft auf einen Folgeband
Why Nations Fail
Daron Acemoglu, James Robinson
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:46:31 „Und in dem Zusammenhang haben wir ja über Darren Asimoglu gesprochen und auch über James Robinson, die dieses Buch geschrieben haben, Why Nations Fail. Und die These dahinter ist, dass Gesellschaften umso stabiler sind, umso mehr Partizipationsmöglichkeiten ihre Bürger haben.“
Im Kontext des Wirtschaftsnobelpreises 2024 diskutiert Precht die Kernthese des Buches: Gesellschaften brauchen inklusive Institutionen für Stabilität. Er lobt die Grundthese als nobelpreiswürdig, kritisiert aber, dass das Buch die Rolle externer Einmischung in die Entwicklung von Staaten ausblendet.