Trump kommt und Ampel geht
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode entsteht am Morgen nach der US-Wahl 2024: Trump gewinnt überraschend deutlich alle Swing States, während die Demoskopen erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen prognostiziert hatten. Besonders der unerwartet hohe Zuspruch von Hispanics und schwarzen Männern für Trump wird analysiert — getrieben von der simplen Frage, ob es den Menschen wirtschaftlich besser geht als vor vier Jahren.
„Seitdem wir Trump auf der Bühne haben, erleben wir das ständig, dass wir uns ganz fürchterlich irren und ganz fürchterlich daneben liegen.“
Erwähnte Medien (12)
Berichte aus Amerika
Jörg Wimalasena
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:09:59 „Ich habe mit Jörg Wimalasena, sehr, sehr geschätzter Kollege von der Welt, der seit 2018 aus Amerika regelmäßig berichtet, wir haben ihn ja hier auch schon mal zitiert. Der nimmt diese soziale Frage sehr regelmäßig in den Blick und das ist auch der Grund, warum ich seine Texte so gerne mit großer Aufmerksamkeit lese.“
Lanz empfiehlt die Amerika-Berichterstattung von Jörg Wimalasena (Die Welt), der seit 2018 regelmäßig die soziale Lage in den USA beleuchtet. Lanz stützt sich auf dessen Recherchen, um konkrete Beispiele amerikanischer Armut zu schildern – Menschen ohne Krankenversicherung, die sich selbst mit Salzsäure Karies behandeln, Lehrer, die in ihren Autos schlafen.
Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte
Karl Marx
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:29 „Er hat ja einen Text geschrieben, als Napoleon III. einen Staatsstreich machte und sich zum Alleinherrscher in Frankreich aufschwang. Wir reden über das Jahr 1852. Und der Text, den Marx darüber schrieb, war der 18. Brümer des Louis Bonaparte. Und da heißt der erste Satz, Hegel sagte einmal, dass alle großen Dinge, die in der Weltgeschichte sich sozusagen zweimal ereignen, einmal als Tragödie und einmal als lumpige Farce.“
Precht zieht eine historische Parallele zwischen dem Bruch der sozialliberalen Koalition 1982 und dem Ampel-Aus 2024. Er nutzt Marx' berühmten Eröffnungssatz – Geschichte wiederholt sich, einmal als Tragödie, einmal als Farce – um Christian Lindners Wirtschaftspapier als lumpige Neuauflage des Lambsdorff-Papiers zu charakterisieren.
Buch über das Rentensystem
Richard David Precht
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:53 „Ich habe mal ein dickes Buch darüber geschrieben.“
Precht verweist auf ein eigenes Buch zum Thema Rente und Sozialstaat, ohne den Titel zu nennen, um seine langjährige Beschäftigung mit dem Problem zu unterstreichen.
Interview mit Michael Sandel
Michael Sandel
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:42:16 „Ich habe dieser Tage ein interessantes Interview mit Michael Sandel gelesen, den kennst du mit Sicherheit.“
Markus Lanz bezieht sich auf ein kürzlich gelesenes Interview mit dem US-Philosophen Michael Sandel, in dem dieser den Hochmut der Eliten als Ursache für das Erstarken des Populismus analysiert. Die genaue Publikation wird nicht genannt, aber das Interview bildet den Ausgangspunkt für eine längere Diskussion über die Krise der liberalen Demokratie.
Democracy's Discontent: America in Search of a Public Philosophy
Michael Sandel
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:44:01 „Ich glaube, es gibt sogar ein Buch von ihm, das Unbehagen in der Demokratie, das er schon Mitte der 90er veröffentlicht hat. Und es ist sehr interessant, gerade aus heutiger Perspektive, da mal drauf zu schauen.“
Markus Lanz spricht über ein Interview mit dem US-Philosophen Michael Sandel und verweist auf dessen Buch aus den 1990er Jahren, das bereits damals vor dem Ende des Liberalismus warnte. Lanz zieht eine Linie von Sandels früher Warnung über den Hochmut der Eliten bis zum Aufstieg Trumps und dem populistischen Gegenschlag gegen das Establishment.
The End of History and the Last Man
Francis Fukuyama
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:44:06 „Francis Fukuyama, über den wir schon ein paar Mal gesprochen haben, der glaubte ja Anfang der 90er, das ist sozusagen der Sieg der Marktwirtschaft, des Kapitalismus, das Ende der Geschichte steht bevor. Jetzt haben wir den Kommunismus besiegt, den Sozialismus besiegt und jetzt gehen wir gemeinsam in eine glorreiche Zukunft.“
Markus Lanz stellt Fukuyamas optimistische These vom Ende der Geschichte als Kontrastfolie zu Michael Sandels pessimistischer Analyse auf. Während Fukuyama Anfang der 90er den endgültigen Sieg des Liberalismus verkündete, warnte Sandel im selben Zeitraum bereits vor dessen Ende – eine Gegenüberstellung, die Lanz nutzt, um die heutige Krise der liberalen Demokratie zu erklären.
Why Liberalism Failed
Patrick Deneen
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:48:39 „Und als ich das Gespräch hatte mit einem der Mentoren der Republikaner, mit Patrick Deneen, der wichtigsten Mentor möglicherweise von J.D. Vance und so weiter. Da lese ich das Buch eines Rechten, das voll ist mit linker Kritik.“
Richard David Precht beschreibt seine Lektüre von Patrick Deneens Buch und seine Überraschung, dass ein konservativer Denker – und Mentor von J.D. Vance – klassisch linke Kritik an Globalisierung und Neoliberalismus formuliert. Dies illustriert seine These, dass die Rechten die verlassenen Themen der Linken übernommen haben.
Bericht über Großspender im US-Wahlkampf 2024
Americans for Tax Fairness
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:51:46 „Es gibt einen Bericht der Americans for Tax Fairness, das ist so eine Vereinigung. Die haben festgestellt, dass allein 50 Familien haben bis, ich glaube Stand Juni, mehr als 600 Millionen Dollar in den Wahlkampf 2024 investiert.“
Markus Lanz zitiert eine Analyse der Organisation Americans for Tax Fairness, die dokumentiert, dass 50 Familien über 600 Millionen Dollar in den US-Wahlkampf 2024 investiert haben – überwiegend auf republikanischer Seite. Er nutzt die Zahlen, um die massive Ungleichheit im politischen Einfluss und die Aushöhlung demokratischer Gleichheitsprinzipien zu belegen.
Golden Rule: The Investment Theory of Party Competition and the Logic of Money-Driven Political Systems
Thomas Ferguson
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:54:01 „Es gibt einen Professor in Massachusetts, in Boston, Thomas Ferguson, der hat vorher sehr präzise vorhergesagt, wer die Demokraten sein würden, die auch bereit sein würden, diesem Gesetz zuzustimmen. Und er sagte, man muss nur gucken, wer die Geldgeber dieser Demokraten sind.“
Lanz beschreibt, wie nach der Finanzkrise ein Gesetz zur Bankenregulierung aufgeweicht werden sollte und Trump dafür demokratische Stimmen brauchte. Er verweist auf Thomas Fergusons Forschung zur Investitionstheorie der Parteienkonkurrenz, die vorhersagen konnte, welche Demokraten zustimmen würden, indem man ihre Großspender analysierte.
Artikel zum Ende des Westens
Stefan Kornelius
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:55:21 „dass Stephan Cornelius, der ja nun selber ein überzeugter Transatlantiker ist, in der Süddeutschen Zeitung geschrieben hat, das ist eigentlich das Ende des Westens.“
Precht zitiert einen Artikel des SZ-Außenpolitik-Chefs Stefan Kornelius, um seine These zu untermauern, dass sich Europa nach Trumps Wahl grundlegend neu erfinden muss.
Das Ende des Westens
Stefan Kornelius
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:56:06 „Als Ausgangspunkt dient mir, dass Stephan Cornelius, der ja nun selber ein überzeugter Transatlantiker ist, in der Süddeutschen Zeitung geschrieben hat, das ist eigentlich das Ende des Westens. Oder man müsste vorsichtiger sagen, das Ende des Westens, wie wir ihn kennen.“
Precht argumentiert, dass die Trump-Wahl das Ende der transatlantischen Partnerschaft in ihrer bisherigen Form markiert. Als Beleg zitiert er einen Artikel von Stefan Kornelius in der Süddeutschen Zeitung, der als überzeugter Transatlantiker gerade deshalb Gewicht habe. Precht nutzt den Artikel als Ausgangspunkt für seine These, dass Europa und Deutschland sich grundlegend neu erfinden müssen.
Ich habe fertig (Pressekonferenz)
Giovanni Trapattoni
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:59:22 „Man muss doch verstehen, wann man fertig hat, um einen berühmten Fußballtrainer mal zu zitieren.“
Lanz kritisiert die Selbstverständlichkeit, mit der Saskia Esken Olaf Scholz als Spitzenkandidaten für die Neuwahlen bestätigt, und zitiert implizit Giovanni Trapattonis legendäre Pressekonferenz von 1998, um zu verdeutlichen, dass man erkennen müsse, wann es vorbei ist.