Lanz & Precht – Gegner statt Feind - Warum wir mehr streiten sollten
#164

Gegner statt Feind - Warum wir mehr streiten sollten

Lanz & Precht / 25. Oktober 2024 / 6 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Ausgehend von der Frankfurter Buchmesse, die seit ihrer Hochzeit Ende der 90er Jahre spürbar an Substanz verloren hat — weniger Fachpublikum, kaum noch Partys, junge Autoren fast chancenlos — schwenkt das Gespräch auf die Streitkultur in Deutschland. Am Beispiel von Juli Zeh, die sich mit unbequemen Positionen zu Corona und Ukraine-Krieg Feinde gemacht hat, diskutieren sie, warum echte Debatte Gegner braucht, keine Feinde.

„Sie hat sich getraut, Positionen zu beziehen, die medial nicht mehrheitsfähig sind.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (6)

Streiten
Buch

Streiten

Svenja Flasspöhler

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:04:46 „Beide sagen, und Svenja Flassböhler tut das jetzt auch in einem sehr interessanten Buch, das sie gerade veröffentlicht hat, streiten. Es wird viel zu wenig gestritten. Beide sagen, wir müssen richtig streiten, wir müssen viel mehr streiten und wir müssen es aber auf eine Art und Weise tun, dass Streiten am Ende konstruktiv ist.“

Das Buch ist der zentrale Gesprächsanlass der Episode. Lanz und Precht diskutieren Flasspöhlers These, dass die Gesellschaft verlernt hat, produktiv zu streiten, und stattdessen zwischen kleinlichem Gezänk und verordnetem Burgfrieden pendelt. Precht hebt besonders die Pointe hervor, dass wir im öffentlichen Streit nicht mehr zwischen Person und Position unterscheiden können.

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Spiegel-Interview mit Svenja Flasspöhler
Artikel

Spiegel-Interview mit Svenja Flasspöhler

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:05:04 „Und Svenja Flassbühler sagt dieser Tage in einem Spiegelinterview, die offene Gesellschaft braucht den Streit. Und ein interessanter Gedanke, wer Feindschaft verhindern will, der muss Gegnerschaft zulassen.“

Lanz zitiert aus einem aktuellen Spiegel-Interview mit Flasspöhler, in dem sie ihre zentrale Buchthese auf den Punkt bringt: Gegnerschaft zuzulassen sei die Voraussetzung dafür, dass aus politischen Differenzen keine Feindschaft wird. Das Zitat dient als Einstieg in die Hauptdiskussion der Episode.

Zum Artikel bei Spiegel
Nibelungenlied
Buch

Nibelungenlied

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:11 „Ja, ja, das kennt jeder. Der Anfang des Nibelungenliedes. Und von Kürner Reckenstrite muggelt ihr wohl wunders viel Hörensagen. Also vom Streit her und damit ist ja gemeint, sich wechselseitig mit Waffengewalt zu vernichten.“

Precht greift Flasspöhlers etymologische Herleitung des Wortes 'Streit' aus dem Althochdeutschen auf und illustriert sie mit dem Anfang des Nibelungenliedes, in dem 'Streit' noch bewaffneten Kampf zwischen Recken meint – um den Kontrast zum heutigen, zivilisierten Streitbegriff deutlich zu machen.

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Defekte Debatten
Essay

Defekte Debatten

Julia Reuschenbach, Korbinian Frenzel

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:15:33 „Ich habe neulich einen Aufsatz gelesen von Julia Reuschenbach und Korbinian Frenzel unter der Überschrift defekte Debatten. Da haben die Vorschläge gemacht, zehn konkrete Vorschläge für einen neuen Umgang beispielsweise mit politischen Umfragen.“

Lanz zieht den Aufsatz als Beleg dafür heran, dass die Sonntagsfrage und ständige Wahlumfragen die politische Debatte verengen. Die Autoren schlagen vor, kurz vor Wahlen keine Umfragen mehr zu veröffentlichen, um taktisches Wählerverhalten und die Boulevardisierung der Politik einzudämmen. Precht stimmt begeistert zu.

Zum Artikel bei Suhrkamp.de
Triggerpunkte: Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft
Buch

Triggerpunkte: Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft

Steffen Mau

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:40:54 „Der sagt sinngemäß, wenn man genauer hinschaut, ist auch diese sehr oberflächliche Rede von der vermeintlich gespaltenen deutschen Gesellschaft nicht zutreffend. Die Leute, die Gesellschaft sind nicht so gespalten, wie wir sie häufig wahrnehmen. Was hart polarisiert ist, ist der öffentliche, der politische Debattenraum.“

Lanz referiert ausführlich die zentrale These von Steffen Mau, dass die deutsche Gesellschaft weniger gespalten sei als oft behauptet – die Polarisierung finde vor allem im vorpolitischen, medialen Raum statt, nicht in der breiten Bevölkerung. Obwohl der Buchtitel nicht explizit genannt wird, deckt sich die Argumentation exakt mit Maus Werk 'Triggerpunkte'. Lanz nutzt Maus Analyse als argumentatives Fundament für das Plädoyer einer besseren Streitkultur.

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Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren
Buch

Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren

Svenja Flaßpöhler

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:45:14 „Wir müssen diesen Streit austragen, wie Svenja Flassböhler gesagt, um nicht aus Gegnerschaft echte Feindschaft entstehen zu lassen. Genau da sind wir nämlich gerade dabei.“

Precht zitiert Svenja Flaßpöhlers zentrale These, dass unterdrückte Gegnerschaft in echte Feindschaft umschlage. Bereits zuvor im Gespräch wird Flaßpöhler als Vertreterin der Position erwähnt, dass echter Streit auch Aggression beinhalten dürfe. Obwohl der Buchtitel nicht explizit genannt wird, entspricht die referierte Argumentation exakt der These aus 'Sensibel', ihrem bekanntesten Werk zur modernen Empfindlichkeitskultur.

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