Die Ohnmacht nach dem Anschlag von Solingen
Markus Lanz & Richard David Precht
Nach dem Messerangriff von Solingen kreist das Gespräch um das Gefühl der Ohnmacht, das die Gesellschaft erfasst hat — trotz des politischen Zorns. Lanz seziert den Fall des Täters, dem nach einem einzigen gescheiterten Abschiebeversuch weiter Aufenthaltstitel und Geld gewährt wurden, und zeigt auf, wie hohl die Forderung nach der 'ganzen Härte des Gesetzes' klingt. Besonders die Behauptung, man werde 'unsere Art zu leben verteidigen', wird kontrastiert mit der Realität abgesperrter Weihnachtsmärkte, Securities in Schwimmbädern und geplanter Messerverbote.
„Zu unserer Art zu leben gehörte es, Taylor Swift-Konzerte abzuhalten, Spaß zu haben, fröhlich zu sein. Es gab mal eine Zeit, da gehörte es zu unserer Art zu leben, dass wir nicht durch entsprechende Radarkontrollen bei Flughäfen mussten.“
Erwähnte Medien (9)
Interview mit Ivan Krastev in der Süddeutschen Zeitung
Ivan Krastev
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:10:06 „Ivan Krastev hat dieser Tage in einem Interview etwas sehr Interessantes gesagt. Er sagt, die Rechten, die Konservativen, schaffen es auch nicht, die irreguläre Migration aufzuhalten. Giorgia Meloni in Italien hat das nicht geschafft.“
Lanz zitiert den bulgarischen Politikwissenschaftler Ivan Krastev aus einem aktuellen Interview, in dem dieser analysiert, dass konservative Regierungen wie jene von Meloni Migration faktisch nicht stoppen, aber politisch trotzdem profitieren, weil sie den Eindruck erwecken, das Problem ernst zu nehmen. Krastevs These: Politiker werden zunehmend nach Absichten statt nach Ergebnissen beurteilt.
Unbenanntes Buch von Richard David Precht
Richard David Precht
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:39 „Du schreibst ja auch in deinem Buch darüber, wir haben uns auch in der Sendung kurz darüber unterhalten, dass wir häufig, China beispielsweise, wird dann so ganz schnell mal so als systemischer Rivale bezeichnet. Und ich fand deinen Gedanken interessant, der sagt, eine echte systemische Rivalität haben wir mit Islamismus.“
Markus Lanz verweist auf ein Buch von Richard David Precht, in dem dieser argumentiert, dass die eigentliche systemische Rivalität nicht mit China bestehe, sondern mit dem Islamismus und dessen Absolutheitsanspruch. Der genaue Titel wird nicht genannt, es dient als Überleitung zum Thema Islamismus nach dem Anschlag von Solingen.
Die Bibel (Altes Testament)
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:18:23 „Aber ehrlich gesagt, wenn du willst, wirst du in der Bibel auch alles finden. Du findest ja im Alten Testament einen Gott, der die Andersgläubigen mit Feuer und die Ägypter ertränkt und was weiß ich was. Also je nachdem, was du dir da jeweils raussuchst, kann man aus Religionen fürchterliche Dinge zusammenbasteln.“
Richard David Precht zieht einen Vergleich zwischen Islam und Christentum: Auch in der Bibel, speziell dem Alten Testament, finden sich gewalthaltige Passagen. Sein Argument ist, dass alle monotheistischen Religionen anfällig für extremistische Auslegungen sind, weil man aus ihren Schriften selektiv sowohl Friedfertigkeit als auch Gewaltlegitimation herauslesen kann.
Caren Miosga
Caren Miosga
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:18:52 „Ich habe am Sonntag Sinebel Masra bei Karim Joska gesehen. In Hannover geboren, Eltern kamen aus Marokko irgendwann in das Land. Autorin, Moderatorin, Journalistin, war, glaube ich, bis 2013 auch Teilnehmerin der Deutschen Islamkonferenz. Und die ist mir aufgefallen, weil sie in der Sendung einen sehr interessanten Satz sagte.“
Markus Lanz berichtet, dass er die Autorin und Journalistin Sineb El Masrar in der ARD-Talkshow Caren Miosga gesehen hat. Dort fiel ihm ein Satz auf, der ihn zum Nachdenken brachte: dass Islamismus sehr wohl etwas mit dem Islam zu tun habe. Dieser TV-Auftritt ist der Anlass, Sineb El Masrar als Gast in den Podcast einzuladen.
Der Koran
🗣 Sineb El Masrar referenziert bei ⏱ 00:21:38 „Also sie argumentieren ja all ihre Handlungen, ob das jetzt der Terroranschlag an sich ist, also wie man Menschen umbringt, die Tatsache, dass bestimmte Lebensformen gewählt werden, werden ja mit religiösen Koranversen, aber vor allem mit der Prophetentradition, mit den sogenannten Hadithen.“
Sineb El Masrar erklärt, dass sich Islamisten direkt auf den Koran und die Hadithe (Prophetentradition) berufen, um ihre Gewalt und Lebensweise religiös zu legitimieren. Der Koran wird hier als zentrales Referenzwerk analysiert, aus dem sowohl friedliche als auch gewaltlegitimierende Lesarten abgeleitet werden.
Emanzipation im Islam
Sineb El Masrar
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:27:57 „Ich habe vor einigen Jahren, als ich mein Buch Emanzipation im Islam veröffentlicht habe, wo es wirklich ganz explizit um die Geschichte des Islamismus geht, um die Akteure, also ich habe ja wirklich Ross und Reiter genannt in diesem Buch, war ich auf Lesereise und dann hatte mir tatsächlich eine Dame erzählt und das hat mich wirklich selbst erstaunt, dass selbst in türkeistämmigen Communities, wo Frauen dann explizit zum Salafismus konvertieren.“
Die Sprecherin erwähnt ihr eigenes Buch im Zusammenhang mit Erfahrungen auf ihrer Lesereise. Das Buch behandelt die Geschichte des Islamismus und benennt konkrete Akteure. Auf einer Lesung erfuhr sie, dass Genitalverstümmelung auch in türkeistämmigen Communities vorkommt, wenn Frauen zum Salafismus konvertieren – ein Befund, der sie selbst überraschte.
Unbenanntes Buch über Islamismus in Frankreich
Gilles Kepel
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:31:53 „Und ich habe mich dieser Tage mit Gilles Capelle beschäftigt, ein französischer Intellektueller, der ein Buch gemacht hat. Und die These ist, es ist mittlerweile leichter, in Frankreich ein Islamist zu sein als in Saudi-Arabien. Das ist so die Kernthese, um die sich dieses Buch dreht.“
Markus Lanz spricht über die Problematik, dass radikale Islamisten aus autoritären Staaten wie Saudi-Arabien vertrieben werden und die liberalen westlichen Gesellschaften als weiche Flanke nutzen. Er verweist auf den französischen Intellektuellen Gilles Kepel (im Transkript als 'Capelle' verschrieben) und dessen Buch-These.
Buch über Islamismus in Frankreich
Gilles Kepel
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:32:40 „ich habe mich dieser Tage mit Gilles Capelle beschäftigt, ein französischer Intellektueller, der ein Buch gemacht hat. Und die These ist, es ist mittlerweile leichter, in Frankreich ein Islamist zu sein als in Saudi-Arabien.“
Markus Lanz zitiert die Kernthese eines Buchs des französischen Islamismus-Experten Gilles Kepel (im Transkript als 'Capelle' verschrieben), um die Problematik des Islamismus in westlichen Gesellschaften zu illustrieren
Schriften von Zainab al-Ghazali
Zainab al-Ghazali
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:40:38 „Und es gab eine Dame, die hieß Zainab al-Rasali und die war quasi die Führerin der Muslim-Schwestern, also quasi die weibliche des Pendants dazu. Und auch wenn sie sich offiziell dazu nie erklärt hat, aber sie war eben da sehr aktiv und auch ihre Schriften sind bis heute erhältlich.“
Im Kontext der Geschichte des Islamismus und der Muslimbruderschaft in Ägypten erwähnt die Sprecherin Zainab al-Ghazali (im Transkript als 'al-Rasali') als Anführerin der Muslim-Schwestern. Ihre Schriften werden als bis heute verfügbar beschrieben und als Teil der ideologischen Grundlage des Islamismus eingeordnet, der Jugend und Gesellschaft auf einen islamistischen Machtanspruch vorbereiten sollte.