Europa nach der Wahl - Klima als Verlierer
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode springt von der Vorfreude auf die Fußball-EM zur bitteren Brexit-Bilanz — keines der Versprechen wurde eingelöst, stattdessen Zölle, lange Passkontrollen und politische Bedeutungslosigkeit — und landet schließlich bei den Schockwellen der Europawahl, wo 28 Prozent der unter 30-Jährigen keine etablierte Partei mehr wählten.
„Das Einzige, was sie erreicht haben, ist, die Briten müssen sich jetzt wieder beim Spanienurlaub ewig lange in die Passkontrolle reinstellen, müssen Zölle auf EU-Produkte zahlen, müssen akzeptieren und hinnehmen, dass die große europäische Politik einen Bogen um sie macht.“
Erwähnte Medien (12)
A Treatise of Human Nature
David Hume
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:15:10 „Also es gibt einen Satz von David Hume, der heißt, es widerspricht nicht der Natur des Menschen, dass ich mir lieber den Untergang der ganzen Welt wünsche, als einen Ritz an meinem Finger.“
Precht nutzt Humes berühmtes Zitat aus dem 'Treatise of Human Nature', um zu erklären, warum Menschen kleine persönliche Unannehmlichkeiten höher bewerten als die drohende Klimakatastrophe. Er argumentiert, dass genau diese menschliche Eigenschaft – eigene Wehwehchen über globale Katastrophen zu stellen – den Kampf gegen den Klimawandel so schwierig macht.
Fragen eines lesenden Arbeiters
Bertolt Brecht
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:17 „Du kennst doch von Berthold Brecht das Gedicht »Fragen eines lesenden Arbeiters«. Das macht eigentlich jeder irgendwann mal im Deutschunterricht. Da fragt sich angeblich der lesende Arbeiter, ja, wer baute das siebentorige Theben? Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt oder Cäsar eroberte Gallien?“
Precht führt Brechts bekanntes Gedicht als Vorlage für sein eigenes Klimawandel-Gedicht ein. Brechts Grundidee – dass hinter den großen Leistungen der Geschichte die unsichtbare Arbeit der einfachen Menschen steckt – überträgt Precht auf die heutige Klimakrise, um zu zeigen, wer die wahren Kosten unseres Konsums trägt.
Fragen einer denkenden Schülerin
Richard David Precht
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:50 „Und dann habe ich mit meiner Schwester mal vor drei, vier Jahren das Gleiche übertragen auf unsere heutige Situation und auf den Klimawandel. Und das möchte ich dir jetzt mal in Gänze vortragen. Fragen einer denkenden Schülerin.“
Precht trägt ein eigenes Gedicht vor, das er zusammen mit seiner Schwester im Stil von Brechts 'Fragen eines lesenden Arbeiters' geschrieben hat. Das Gedicht überträgt Brechts Methode – unbequeme Fragen an die Mächtigen zu stellen – auf Klimawandel, Konsumverhalten und globale Ungerechtigkeit. Es thematisiert Smartphone-Produktion, SUVs, Fleischkonsum und die Folgen für den globalen Süden.
Earth in the Balance
Al Gore
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:26:58 „Also wenn man überlegt, seit der Zeit, Al Gore hat damals sein Buch über den Klimawandel veröffentlicht. War ein Riesenthema, Al Gore, ziemlich beliebte Type, der Dicke fürs Klima, wo man sagt, hier die USA, großer Umweltsünder und ausgerechnet amerikanischer Vizepräsident tritt auf und kämpft für das Klima und so weiter und entfacht auch Glut in den Herzen derjenigen, die irgendwie den Grünen fern waren.“
Precht spricht über die Geschichte des Klimabewusstseins seit den 1990er Jahren und darüber, dass trotz prominenter Mahner wie Al Gore die CO2-Emissionen seither nicht gesunken, sondern massiv gestiegen sind. Das Buch dient als Beleg dafür, dass das Wissen um den Klimawandel seit Jahrzehnten existiert, aber keine ausreichende Verhaltensänderung bewirkt hat.
Die unbewohnbare Erde
David Wallace-Wells
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:34 „Ich zitiere mal aus einem Buch, das heißt Die unbewohnbare Erde von David Wallace Wells, ein US-amerikanischer Journalist, der aus einem Essay ein Buch gemacht hat, ein Essay, der über 10 Millionen Mal gelesen wurde. Und da versucht er mal zu erklären, was bedeutet das eigentlich, 1 Grad, 2 Grad, 3 Grad, nur mal damit uns beiden klar ist, worüber hier geredet wird.“
Precht zitiert ausführlich aus Wallace-Wells' Buch, um die konkreten Folgen verschiedener Erwärmungsstufen greifbar zu machen: Wassermangel für 400 Millionen Menschen bei 2 Grad, Verdorrung Südeuropas bei 3 Grad, jährliche Nahrungsmittelkrisen bei 4 Grad. Das Buch dient als zentrale Quelle, um den Ernst der Klimakrise mit Zahlen zu untermauern.
The Uninhabitable Earth
David Wallace-Wells
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:34 „Ich zitiere mal aus einem Buch, das heißt Die unbewohnbare Erde von David Wallace Wells, ein US-amerikanischer Journalist, der aus einem Essay ein Buch gemacht hat, ein Essay, der über 10 Millionen Mal gelesen wurde.“
Precht erwähnt, dass dem Buch ein Essay vorausging, der über 10 Millionen Mal gelesen wurde. Der 2017 im New York Magazine erschienene Essay war einer der meistgelesenen Artikel in der Geschichte des Magazins und löste eine breite Debatte über Klimakommunikation aus.
Spiegel-Titelgeschichte zur Wasserknappheit (2003)
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:32:40 „Ich meine, wenn du dich erinnerst, 2003 bereits hat der Spiegel, glaube ich, in einer Ausgabe berichtet über diese Wasserknappheit und sagte, der Welt geht das Wasser raus. Das war 2003 und titelte dann, vor wenigen Wochen in Zukunft könnte es Kriege um Wasser geben.“
Lanz führt eine Spiegel-Titelgeschichte von 2003 als Beispiel dafür an, dass alarmistische Prognosen nicht immer eintreten. Er argumentiert, dass die Menschheit anpassungsfähiger ist als oft dargestellt und kontrastiert die damalige Warnung vor Wasserknappheit mit positiven Entwicklungen beim globalen Trinkwasserzugang.
Spiegel-Titelgeschichte zur Wasserknappheit
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:37:08 „2003 bereits hat der Spiegel, glaube ich, in einer Ausgabe berichtet über diese Wasserknappheit und sagte, der Welt geht das Wasser raus. Das war 2003 und titelte dann, vor wenigen Wochen in Zukunft könnte es Kriege um Wasser geben.“
Lanz verweist auf eine Spiegel-Ausgabe von 2003, um zu zeigen, dass apokalyptische Vorhersagen zur Wasserknappheit sich nicht in diesem Ausmaß bewahrheitet haben
Attributionsstudie zur britischen Hitzewelle 2022
Friederike Otto
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:51:07 „Und sie hat das dann mal genauer untersucht, diese britische Hitze, und hat herausgefunden, eindeutiges Ergebnis ohne den Klimawandel, ohne diese Veränderung, hätte es diese 40 Grad in Großbritannien schlicht nicht gegeben.“
Markus Lanz stellt die Physikerin und Philosophin Friederike Otto vor, die in ihrer Wahlheimat Großbritannien den Klimawandel untersucht. Er zitiert ihre Forschungsergebnisse zur Hitzewelle, bei der erstmals über 40 Grad gemessen wurden, als Beleg für konkrete Auswirkungen des Klimawandels.
T-Online-Artikel über sinkende Ernteerträge
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:53:52 „Anfang Juli, T-Online zuletzt, ist eine wirklich häufige Behauptung.“
Lanz verweist auf einen T-Online-Bericht als Beispiel für die verbreitete Behauptung, dass Ernteerträge durch den Klimawandel sinken, der er mit Gegendaten widerspricht
Artikel über Klimawandel-Fakten in Deutschland
Axel Bojanowski
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:53:52 „Also wenn man sich mal nüchtern anschaut, auch da wieder der Blick zu Axel Bojanowski, den ich gerade vorhin zitiert habe, der wie gesagt kein Klimaleugner ist, sondern einer, der sagt, klar gibt es das und die Fakten sind sehr, sehr klar. Der hat das vor einiger Zeit mal zusammengetragen und ich fand das so interessant, dass ich dir gerne so ein paar Dinge davon auch wiedergeben würde.“
Markus Lanz zitiert ausführlich aus einer Zusammenstellung des Wissenschaftsjournalisten Axel Bojanowski, die Klimawandel-Fakten für Deutschland nüchtern aufbereitet. Er nutzt die Daten – etwa die Verdopplung der Sommertage über 25 Grad oder die fünfmal häufigeren Hitzetage – um für eine differenzierte, nicht-alarmistische Darstellung des Klimawandels zu plädieren. Gleichzeitig betont er, dass Bojanowski kein Klimaleugner sei, sondern die Faktenlage klar anerkenne.
Artikel über sinkende Ernteerträge durch Klimawandel
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:55:34 „Seit Jahren sinken die Erträge der Landwirte aufgrund des Klimawandels. Kannst du immer wieder in den Medien lesen. Anfang Juli, T-Online zuletzt. Das ist eine wirklich häufige Behauptung.“
Lanz verweist auf einen T-Online-Artikel, der die verbreitete These wiedergibt, die Ernteerträge der Landwirte sänken aufgrund des Klimawandels. Er nutzt diesen Artikel als Beispiel für eine Behauptung, die bei genauerer Betrachtung differenzierter ausfalle – die Getreideerträge in Deutschland hätten sich nach jahrzehntelangem Anstieg als stabil erwiesen. Der Verweis dient seiner Argumentation für eine präzisere, weniger alarmistische Berichterstattung.