RAF
Markus Lanz & Richard David Precht
Ausgangspunkt ist die Festnahme der RAF-Terroristin Daniela Klette, die nach 30 Jahren Fahndung durch einen kanadischen IT-Spezialisten mit KI-Gesichtserkennung in 30 Minuten aufgespürt wurde — ein Treffen mit dem Investigativ-Podcaster Khesrau Behroz liefert den Anlass. Richard David Precht, 1977 gerade dreizehn geworden, erinnert sich an den Deutschen Herbst als Ende seiner Kindheit: Aufgewachsen im linken Elternhaus, wo links selbstverständlich gut war, zerbrach mit der RAF-Gewalt ein Weltbild.
„Für mich war das sowas wie in mehrfacher Hinsicht das Ende meiner Kindheit.“
Erwähnte Medien (12)
Monaco Franze – Der ewige Stenz
Helmut Dietl · 1983
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:41 „Und es ist immer wieder Monaco-Franze. Man merkt, wie viel Lebensklugheit da drin steckt. Da steckt eine unheimliche Kontinuität drin. Die schöne Szene in der Polizeikantine. Weil das Essen ist immer anders, aber die Sauce ist immer gleich.“
Markus Lanz zitiert eine Szene aus der Kultserie Monaco Franze als Metapher für Kontinuität und Lebensklugheit. Er nutzt das Bild der Polizeikantine – das Essen wechselt, die Sauce bleibt gleich – als augenzwinkernde Überleitung zu Richard David Prechts gleichbleibendem Stil.
Hunting Warhead
Khesraw Beros
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:01:01 „Ich habe Keschrau Beros kennengelernt. Das ist ein preisgekrönter Podcaster. Und hatte unheimliche Freude an diesem Gespräch mit ihm, weil er erzählt hat, wie die Arbeiten gehen. Junger Kollege, die arbeiten sehr investigativ mit Hilfe von KI und Gesichtserkennung.“
Markus Lanz erzählt von seiner Begegnung mit dem investigativen Podcaster Khesraw Beros, dessen Team mithilfe von KI und Gesichtserkennung die Spur zur RAF-Terroristin Daniela Klette aufdeckte. Der konkrete Podcast-Titel wird nicht explizit genannt, aber Beros wird als preisgekrönter Podcaster vorgestellt, der investigativ mit KI arbeitet.
1984
George Orwell · 1949
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:47 „Sebastian Fiedler auch da war, Kriminaler, der jetzt für die SPD im Bundestag sitzt und der sagte, es ist gut, dass die deutsche Polizei an dem Punkt weniger darf als ein kanadischer Journalist. Weil der Weg sozusagen rein in einen Staat, der dann alles weiß und im Grunde so die schlimmsten George Orwell Fantasien wahr werden lässt, der ist da nicht weit.“
Im Kontext der Diskussion über KI-gestützte Gesichtserkennung und den Fall Daniela Klette verweist Lanz auf George Orwells dystopische Visionen eines allwissenden Überwachungsstaates. Die Referenz dient als Warnung: Wenn die Polizei dieselben Werkzeuge nutzen dürfte wie private Ermittler, wäre der Weg zum Überwachungsstaat nicht weit.
Väter der Klamotte
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:47 „Väter der Klamotte durften wir gucken. Es war zwar auch amerikanisch, aber irgendwie subversiv.“
Richard David Precht erzählt von seiner strengen linken Erziehung, in der amerikanische Serien und Cola verboten waren. Die Slapstick-Sendung Väter der Klamotte war eine der wenigen Ausnahmen, weil sie als subversiv genug galt. Markus Lanz erkennt das als wiederkehrendes Trauma-Thema bei Precht.
Interview mit Robert Wolf
Robert Wolf
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:14:13 „Darauf hat der Historiker Robert Wolf in dieser Tage in einem sehr interessanten Interview hingewiesen, damals wurden natürlich genau das laut, was du sagst, dieser Verdacht, oh, jetzt werden sie wieder faschistisch, jetzt geht es wieder los.“
Markus Lanz verweist auf ein aktuelles Interview des Historikers Robert Wolf, das sich mit den Notstandsgesetzen von 1968 und der damaligen Angst vor einem Rückfall in faschistische Strukturen befasst. Das Interview wird als Beleg herangezogen, um die historische Stimmung der 68er-Zeit zu untermauern.
Interviews mit Gerhard Baum
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:20:03 „Ich habe dieser Tage mehrere Interviews mit Gerhard Baum gelesen. Schöne Grüße an der Stelle, der damals als Bundesinnenminister und auch als Staatssekretär.“
Markus Lanz erwähnt, dass er kürzlich mehrere Interviews mit dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhard Baum gelesen hat. Diese dienen ihm als Quelle für die Diskussion über die rechtsstaatlichen Grenzüberschreitungen während des Deutschen Herbstes, insbesondere die Abhöraffäre in Stammheim.
Der Baader Meinhof Komplex
Stefan Aust · 1985
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:31:46 „Stefan Aust, der den Bader-Meinhof-Komplex geschrieben hat, der sich wie wenige andere mit dem Thema auskennt“
Lanz führt Stefan Aust als Experten für die RAF-Geschichte ein und verweist auf sein Standardwerk zum Thema
konkret
Hermann L. Gremliza
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:32:06 „Der ja in den 60er Jahren mit Ulrike Meinhof, eine ganz zentrale Figur, der Gründungs-RAF, gemeinsam gearbeitet hat. Die war journalistisch tätig, die haben dafür konkret geschrieben. Ein linkes Magazin.“
Lanz erwähnt das linke Magazin 'konkret', für das Stefan Aust und Ulrike Meinhof in den 1960er Jahren gemeinsam gearbeitet haben. Die Erwähnung dient als biografischer Hintergrund, um die persönliche Verbindung zwischen Aust und Meinhof zu verdeutlichen, bevor Meinhof zur RAF-Mitgründerin wurde.
Das RAF-Phantom
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:34:56 „1992 erschien ein Buch, was damals für sehr großes Aufsehen erregt hat und was ein Lieblingsbuch vieler Linker wurde. Nämlich die Thesen, die da drin standen, haben den Linken sehr, sehr gut gefallen. 1992 erscheint das RAF-Phantom. Zwei Journalisten schreiben das und sagen, diese dritte Terroristengeneration existiert nicht.“
Precht erläutert die These des Buches, wonach die dritte RAF-Generation nicht existiert habe und die ihr zugeschriebenen Morde in Wahrheit von Verfassungsschutz und CIA verübt worden seien. Er erklärt, warum das Buch bei Linken so populär war: Es hätte sie von der Mitverantwortung für die Morde der dritten Generation entlastet. Precht stellt die These des Buches dann der realen Festnahme von Daniela Klette gegenüber.
Artikel über Alfred Herrhausen
Carolin Emcke
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:43:20 „Auch wenn man den Text von Caroline Emke liest, die Patentochter von Alfred Herrhausen, ist ein unglaublicher Text, den sie in der Zeit veröffentlicht hat. Vor einiger Zeit. Die Leute wollen wissen, was mit ihren Angehörigen, was mit ihrem Patenonkel, was mit ihren Eltern, mit ihrem Vater und so weiter.“
Lanz erwähnt einen ZEIT-Artikel von Carolin Emcke über ihren Patenonkel Alfred Herrhausen, der von der RAF ermordet wurde. Er beschreibt den Text als 'unglaublich' und nutzt ihn als Beleg für das Leid der Hinterbliebenen, die bis heute keine Aufklärung über die Morde erhalten haben.
Stumme Gewalt
Carolin Emcke
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:45:11 „Karolin Imke hat das auch so geschrieben, gibt ein tolles Buch von ihr auch zu dem Thema, Stumme Gewalt und sagt sie kaum jemand, der nicht Opfer dieser stummen Gewalt geworden ist und ich finde das trifft es so perfekt. Eine stumme Gewalt. Keiner redet, keiner sagt irgendwas.“
Lanz empfiehlt Emckes Buch als eindringliche Beschreibung des Leidens der RAF-Opfer-Angehörigen. Der Begriff 'stumme Gewalt' beschreibt das jahrzehntelange Schweigen der Täter, das die Hinterbliebenen quält. Lanz liest anschließend eine bewegende Passage daraus vor, in der Emcke als Patentochter von Alfred Herrhausen beschreibt, dass sie keine Reue, sondern die Geschichte der Täter braucht, um den Mord verarbeiten zu können.
Die bleierne Zeit
Margarethe von Trotta
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:49:45 „Es gibt ja den sehr schönen Begriff, die bleiernde Zeit, in ihrer ganzen Doppeldeutigkeit, vom Munitionsblei bis zu der bleiernden Stimmung.“
Precht verwendet den Begriff 'die bleierne Zeit' zur Beschreibung der Atmosphäre in Deutschland während der RAF-Jahre. Der Ausdruck ist untrennbar mit Margarethe von Trottas gleichnamigem Film von 1981 verbunden, auch wenn Precht ihn hier primär als geflügeltes Wort für die bedrückende Stimmung der Epoche nutzt.