Perspektivwechsel
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode kreist um den Blick auf die sich verändernde Weltordnung: Precht berichtet begeistert von seinem Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Ivan Krastev, der das Weltgeschehen — den Abstieg der USA, den Aufstieg Chinas und Indiens, die Verschiebung zur multipolaren Ordnung — mit analytischer Klarheit statt ideologischer Brille beschreibt. Zuvor geht es um ein Gespräch mit Olena Selenska beim Jahresrückblick, die einen seltenen Einblick in das Leben der Familie des ukrainischen Präsidenten gab.
„Das Spannende an Gesprächen mit ihm besteht immer darin, dass er so unbestechlich auf die Welt guckt. Also dass jemand mal hingeht und einfach mal beschreibt, was er sieht. Nicht gleich wertet.“
Erwähnte Medien (2)
Das Licht, das erlosch
Ivan Krastev
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:40 „Darüber bin ich ja selber über diesen Mann irgendwann gestolpert, in diesem großartigen Buch »Das Licht, das erloscht«, damit ist er ja so international berühmt geworden. Und da findet sich diese ganz nüchterne Betrachtung, als die Mauer fiel, gab es weltweit 16 Grenzzäune, heute sind es, das Buch ist aus 2017 glaube ich, 65, die entweder schon im Betrieb oder im Bau sind.“
Markus Lanz erzählt, wie er auf den bulgarischen Politologen Ivan Krastev aufmerksam wurde – nämlich durch dessen Buch, das die Krise der liberalen Demokratien nach 1989 analysiert. Er zitiert daraus die eindrucksvolle Statistik über die Zunahme von Grenzzäunen weltweit als Beleg dafür, dass sich die Welt trotz Mauerfall nicht geöffnet, sondern wieder abgeschottet hat.
Artikel über den globalen Süden
Alan Posener
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:37:02 „So ähnlich hat es Alain Posener neulich mal in einem sehr guten Stück beschrieben, wo er sagte, die Idee dieses globalen Südens, gibt es die eigentlich wirklich? Und er liefert auch das zentrale Argument, haben wir auch schon ein paar Mal darüber geredet hier, die große Mehrheit der Weltbevölkerung wird ja schließlich von Ländern aus dem globalen Süden repräsentiert und so weiter.“
Lanz greift einen Artikel von Alan Posener auf, der die gängige Erzählung vom 'globalen Süden' als gedankliche Konstruktion hinterfragt. Posener argumentiert, dass die Länder des Südens – von Australien über Indien bis zu den Tigerstaaten – so unterschiedlich sind, dass der Sammelbegriff irreführend sei. Lanz nutzt den Artikel als Gegenposition zu Prechts These vom relativen Bedeutungsverlust des Westens.