Lanz & Precht – Warum sich die Welt gerade so instabil anfuehlt
#114

Warum sich die Welt gerade so instabil anfuehlt

Lanz & Precht / 10. November 2023 / 12 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Ausgehend von einer Rede Barack Obamas und einem Gespräch mit dem 91-jährigen Gerhard Baum kreist die Episode um ein Gefühl, das derzeit alle zu teilen scheinen: Die Welt fühlt sich so instabil an wie lange nicht mehr. Was Yuval Noah Harari als Ende der friedlichsten Ära der Menschheitsgeschichte beschreibt und Steven Pinkers Fortschrittsoptimismus endgültig ablöst, verdichtet sich hier zur Frage, wie innerhalb von nur fünf Jahren kollektive Zuversicht in kollektive Verunsicherung umschlagen konnte.

„Ich bin Kriegskind, ich habe den Krieg noch in den Knochen. Aber das, was wir gerade erleben, das habe auch ich so noch nicht erlebt.“
🗣 Gerhard Baum

Erwähnte Medien (12)

Rede vor der Obama Foundation
Rede

Rede vor der Obama Foundation

Barack Obama

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:15 „Ich habe eine Rede von ihm gesehen vor seiner Stiftung und musste sehr an ein Gespräch denken, das ich dieser Tage mit dem 91 Jahre alten Gerhard Baum geführt habe. Barack Obama, den ich vor ein paar Jahren mal getroffen habe und der mich damals so beeindruckt hat, weil er für mich tatsächlich so ein bisschen, ja, wie soll man sagen, das ist ein Mensch, der kommt rein und den hättest du gern als Vater.“

Markus Lanz eröffnet das Gespräch mit dem Verweis auf eine Rede Obamas vor seiner Stiftung, in der dieser die aktuelle Weltlage als instabil und gefährlich beschreibt. Lanz kontrastiert Obamas beruhigende Ausstrahlung mit der Verunsicherung der Gegenwart und nutzt die Rede als Ausgangspunkt für das Gesprächsthema: den Verlust von Zuversicht und Sicherheitsgefühl in der Welt.

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Homo Deus
Buch

Homo Deus

Yuval Noah Harari

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:02:21 „Der Dritte im Bunde, Harari, den wir beide schätzen, sagt, vor zehn Jahren gab es so wenige Kriege auf der Welt wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Aber jetzt hört das auf. Die friedlichste Ära in der Geschichte der Menschheit geht zu Ende.“

Markus Lanz zitiert Yuval Noah Harari neben Barack Obama und Gerhard Baum als Stimme, die das Ende der friedlichsten Ära der Menschheitsgeschichte konstatiert. Die These von der historisch beispiellosen Abnahme von Kriegen und Gewalt stammt aus Hararis Werken, insbesondere Homo Deus, und wird hier als Kontrastfolie zur aktuellen Krisenlage herangezogen.

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Enlightenment Now
Buch

Enlightenment Now

Steven Pinker

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:03:39 „Steven Pinker, über den wir mal gesprochen haben, dieser evolutionäre Psychologe, der gesagt hat, es gibt allen Grund zu Optimismus, weil es gibt heute viel weniger Kriege in der Welt, viel weniger Menschen sterben relativ zur Weltbevölkerung an Hunger, verglichen mit früheren Zeiten und so weiter. Er sagt, eigentlich wird alles besser.“

Richard David Precht verweist auf Steven Pinkers optimistische Weltsicht als Kontrast zur aktuellen Stimmungslage. Pinkers These, dass die Welt objektiv immer besser werde, dient als Beispiel für einen Optimismus, der innerhalb weniger Jahre vollständig verschwunden sei – durch Pandemie, Ukraine-Krieg und Nahostkonflikt.

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Zukunft – Eine Bedienungsanleitung
Buch

Zukunft – Eine Bedienungsanleitung

Florence Gaub

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:04:57 „Ich habe dieser Tage Florence Gaub gesprochen, die ein tolles Buch übrigens, empfehle ich sehr, über die Zukunft geschrieben hat und die gar nicht so pessimistisch in die Welt schaut. Vielleicht reden wir auch gleich noch ein bisschen darüber und zwar gegen Ende hin.“

Markus Lanz empfiehlt ausdrücklich Florence Gaubs Buch über die Zukunft und kündigt an, später darauf zurückzukommen. Gaubs Analyse, dass aktuelle Kriege Kinder nie richtig gelöster Konflikte seien und das Ergebnis von '30 Jahren schlampiger Konfliktlösung', wird als differenzierter Gegenpart zum allgemeinen Pessimismus eingeführt.

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Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog
Buch

Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog

Christopher Clark

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:08:42 „Wir haben ja auch davon gesprochen über Clark und die Schlafwandler, was dann schlussendlich zu einem Krieg geführt hat, den in dieser Form niemand gewollt hat. Niemand wollte einen Weltkrieg und schon gar nicht einen, der vier Jahre dauert.“

Precht verweist auf Christopher Clarks Standardwerk über den Ersten Weltkrieg, um eine historische Parallele zur heutigen Lage zu ziehen. Die zentrale These – dass die europäischen Mächte 1914 wie Schlafwandler in einen Krieg stolperten, den niemand wollte – dient als Warnung vor ähnlichen Kettenreaktionen in der Gegenwart.

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Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch
Buch

Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch

Francis Fukuyama

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:15:30 „Und auch da sind wir rausgekommen für eine lange Zeit und dachten ja eine Zeit lang sogar, da kommt jetzt unser Francis Fukuyama ins Spiel, das Ende der Geschichte, als dieses riesige Sowjetimperium mit allem, was da drum und dran hängt, kollabierte. Sprach er ja von dieser berühmte Satz vom Ende der Geschichte.“

Fukuyamas berühmte These vom 'Ende der Geschichte' wird als zentrales Referenzwerk des Gesprächs eingeführt. Lanz und Precht diskutieren ausführlich, warum Fukuyamas optimistische Prognose – dass sich liberale Demokratien weltweit durchsetzen würden – sich als Irrtum erwiesen hat. Precht betont dabei, dass Fukuyama eigentlich ein Europa-Fan war und das europäische Modell der sozialen Marktwirtschaft als Vorbild sah.

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The Day After – Der Tag danach
Film

The Day After – Der Tag danach

Nicholas Meyer

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:16:34 „Und es gab ja Filme, die diese Auswirkungen auszeigten. Von The Day After, der eigentlich im Grunde genommen sogar verharmlosend war. Ja, bis Wargames und so weiter, wo sich ein Hacker irgendwie in die Systeme einhackt und dadurch den Dritten Weltkrieg auslöst oder fast auslöst.“

Precht erinnert an Filme der 1980er Jahre, die die Angst vor einem Atomkrieg verarbeiteten. 'The Day After' wird als Beispiel für die damalige kollektive Angst vor einem nuklearen Konflikt genannt – eine Angst, die er als Kind selbst erlebt hat und die er mit der heutigen Unsicherheit vergleicht.

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WarGames – Kriegsspiele
Film

WarGames – Kriegsspiele

John Badham

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:16:34 „Von The Day After, der eigentlich im Grunde genommen sogar verharmlosend war. Ja, bis Wargames und so weiter, wo sich ein Hacker irgendwie in die Systeme einhackt und dadurch den Dritten Weltkrieg auslöst oder fast auslöst. Also diese Ängste, die waren wirklich massiv in der damaligen Zeit.“

Im selben Atemzug wie 'The Day After' nennt Precht den Film 'WarGames' als weiteres Beispiel für Filme, die die atomare Bedrohung der 1980er Jahre thematisierten. Das Szenario eines Hackers, der versehentlich fast den Dritten Weltkrieg auslöst, illustriert die Angst vor systemischen Unfällen.

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Grundlinien der Philosophie des Rechts
Buch

Grundlinien der Philosophie des Rechts

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:29 „Und dann kommt Francis Fukuyama, junger Politologe damals aus einer japanischen Einwandererfamilie und erinnert sich an den Satz von Hegel vom Ende der Geschichte. Das ist eine berühmte Formel von Hegel, der meinte, dass so um das Jahr 1830 rum im Grunde genommen in dem preußischen Obrigkeitsstaat alles so optimal geregelt sei, dass man es sich besser eigentlich nicht vorstellen konnte.“

Precht erklärt den philosophiegeschichtlichen Hintergrund von Fukuyamas These: Hegel hatte in seinen geschichtsphilosophischen Schriften bereits vom 'Ende der Geschichte' gesprochen und gemeint, der preußische Staat seiner Zeit sei die optimale Ordnung. Precht schildert humorvoll, wie Hegel dann gegen die englische Wahlrechtsreform und die französische Revolution von 1830 war, weil sie seine These zerstörten.

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Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet
Buch

Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet

Francis Fukuyama

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:33:06 „Er hat ja ein Buch geschrieben über Identitätspolitik, in dem er gesagt hat, wenn die sozialen Versprechen nicht aufgehen, dann ziehen die Leute sich nicht auf das zurück, was alle verbindet, sondern sie suchen ihre Identität in dem, was sie von den anderen unterscheidet.“

Precht erläutert Fukuyamas Analyse, warum liberale Demokratien instabil werden können. Fukuyama argumentiere in diesem Buch, dass bei Versagen sozialer Versprechen Identitätspolitik an die Stelle gemeinsamer Werte trete — was die Gesellschaft destabilisiere und Populisten wie Trump Auftrieb gebe.

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Welt in Aufruhr. Die Ordnung der Mächte im 21. Jahrhundert
Buch

Welt in Aufruhr. Die Ordnung der Mächte im 21. Jahrhundert

Herfried Münkler

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:35:22 „Ich habe dieser Tage Herfried Münkler gelesen, der sagt, wir erleben tatsächlich eine Wiederkehr quasi der Geschichte. Der sagt, wir Deutschen müssen da aufpassen, während andere Interessen formulieren, kommen wir immer mit Moral und versuchen, die anderen zu erziehen.“

Markus Lanz berichtet, er habe kürzlich Herfried Münkler gelesen, und gibt dessen These wieder, dass Deutschland zu stark moralisiere statt Interessen zu formulieren. Dies wird im Kontext der Debatte über wertegeleitete versus interessengeleitete Außenpolitik diskutiert. Der konkrete Titel wird nicht genannt, die Thesen passen zu Münklers Buch 'Welt in Aufruhr' (2023).

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Das Ende der Geschichte
Buch

Das Ende der Geschichte

Florence Gaub

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:40 „Was interessant ist, ist, man könnte mal einen anderen Begriff in die Debatte werfen oder sozusagen an eine andere Art zu denken. Das verstehst du, wenn du in dem Buch von Florence Gaub sprichst, aus dem ich vorhin zitiert habe, ja? Denkt mal über Zukunft nach.“

Lanz bezieht sich erneut auf Florence Gaubs Buch, das offenbar im ersten Teil der Episode bereits ausführlicher besprochen wurde. Er nutzt es hier, um die These einzuführen, dass westliche Demokratien zu wenig über die Zukunft nachdenken und sich stattdessen in der Gegenwart eingerichtet haben — während andere Kulturen in längeren Zeithorizonten planen.

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