Rueckschritt
Markus Lanz & Richard David Precht
Ausgangspunkt ist der neue Asterix-Band *Die weiße Iris*, in dem ein Achtsamkeitscoach das gallische Dorf spaltet — die einen lassen sich von positivem Denken bezirzen, die anderen wehren sich dagegen. Daran entzündet sich eine Diskussion über den gesellschaftlichen Rückschritt als Reaktion auf zu schnellen Fortschritt: Je rasanter sich Ernährungstrends, Achtsamkeitsideale und neue Lebensstile ausbreiten, desto stärker wächst bei vielen die Sehnsucht nach dem Vertrauten.
„Wenn der Fortschritt zu schnell geht, dann kommt der Rückschritt in Wahrheit, weil die Leute dieses Tempo nicht nur nicht mitgehen können, sondern sie wollen es auch tatsächlich nicht.“
Erwähnte Medien (7)
Die weiße Iris
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:32 „Ich habe gerade den neuen Asterix gelesen. Die weiße Iris. Also Asterix hat ja bei mir lange Tradition. Die ersten Asterix-Hefte kamen bei uns Ende der 60er Jahre auf.“
Richard David Precht erzählt, dass er den neuesten Asterix-Band gelesen hat, der eine persönliche Familientradition seit den 60er Jahren fortsetzt. Der Comic dient als Aufhänger für das Hauptthema der Episode: Ein Achtsamkeits-Coach spaltet das gallische Dorf, was Precht und Lanz als Allegorie auf gesellschaftliche Veränderungsmüdigkeit und die Spaltungsdebatte in Deutschland lesen.
Erbschaft dieser Zeit
Ernst Bloch
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:08:05 „Und eine der besten Erklärungen für das, was sich da abspielt, hat Ernst Bloch. Also der große Philosoph Ernst Bloch, Essayist Ernst Bloch, der hat ein Buch geschrieben in den 30er Jahren, das heißt Erbschaft dieser Zeit. Und in dem hat er genau das beschrieben, worüber wir gerade reden. Also diese unterschiedlichen Tempi.“
Precht führt Ernst Blochs Werk als philosophischen Schlüsseltext ein, um das Phänomen der 'Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen' zu erklären: Während die einen den gesellschaftlichen Fortschritt vorantreiben, stürmen andere mit gleichem Tempo in die Gegenrichtung. Precht sieht darin eine treffende Beschreibung der heutigen gesellschaftlichen Lage.
Nicht alle sind im selben Jetzt da
Ernst Bloch
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:08:55 „Der Satz dazu ist total interessant aus Erbschaft dieser Zeit. Nicht alle sind im selben Jetzt da. Sie sind es nur äußerlich, dadurch, dass sie heute hier zu sehen sind. Aber damit leben sie noch nicht mit den anderen zugleich. Was für ein kluger Gedanke.“
Markus Lanz zitiert einen konkreten Satz aus Blochs 'Erbschaft dieser Zeit' und illustriert die These anschließend mit historischen Beispielen der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen – vom Pyramidenbau neben der Mammutjagd bis zum Space Shuttle neben der Abschaffung der Sklaverei in Mauretanien.
Triggerpunkte
Steffen Mau
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:23:01 „Und das ist diese Veränderungserschöpfung, von der Steffen Mauch spricht. Zumindest ein super Buch, Triggerpunkte. Die haben zwei Jahre lang quasi diese Gesellschaft vermessen.“
Markus Lanz empfiehlt das Buch des Soziologen Steffen Mau, in dem anhand einer zweijährigen Befragung (ca. 2500 Personen) untersucht wird, ob die deutsche Gesellschaft wirklich gespalten ist. Die beruhigende Erkenntnis: Es gibt eine starke, ideologiefreie Mitte – die Gesellschaft gleiche eher einem Dromedar (ein Höcker) als einem Kamel (zwei Höcker wie in den USA). Lanz und Precht diskutieren ausführlich die Thesen des Buches zu Triggerpunkten wie Heizungsgesetz und Gendern.
Radikaler Universalismus: Jenseits von Identität
Omri Böhm
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:42:31 „Ich habe mich ja unlängst mit dem deutsch-israelischen Philosophen Omri Böhm unterhalten in meiner Sendung. Und der spricht von rechter, was allgemein bekannt ist, aber auch von linker Identitätspolitik.“
Precht referiert ausführlich Omri Böhms Thesen über rechte und linke Identitätspolitik – dass sich Menschen in Krisenzeiten auf Gruppenzugehörigkeit statt auf universelle Menschenrechte besinnen. Die beschriebenen Thesen stammen aus Böhms Buch über radikalen Universalismus als Gegenentwurf zur Identitätspolitik.
Identität
Francis Fukuyama
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:42:38 „Dieser Begriff Identitätspolitik ist gerade so im angelsächsischen Raum sehr umwog. Also der berühmte Francis Fukuyama hat ein Buch über Identität geschrieben.“
Precht erwähnt Fukuyamas Buch über Identität im Zusammenhang mit seiner Analyse der Identitätspolitik. Er erklärt, dass sich Menschen in Krisenzeiten auf ihre Gruppenidentität besinnen statt auf universelle Menschenrechte – ein Phänomen, das Fukuyama in seinem Buch beschreibt und das sowohl links als auch rechts auftritt.
Der Mann ohne Eigenschaften
Robert Musil · 1930
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:48:47 „Aber der große Robert Musil hat gesagt, in der Geschichte der Menschheit gibt es kein freiwilliges Zurück. Also werden wir uns auf dem mühseligen Weg machen müssen, ein gutes Vorwärts zu finden.“
Als Schlusswort der Episode zitiert Precht Robert Musil mit dem Satz, dass es in der Geschichte kein freiwilliges Zurück gibt. Das Zitat dient als Appell, trotz der Sehnsucht vieler Menschen nach einer politischen Auszeit den Weg nach vorne zu suchen. Der Satz stammt vermutlich aus Musils Werk, wird aber ohne konkreten Werktitel genannt.