Sieben Todsuenden
Markus Lanz & Richard David Precht
Ausgehend von der Frage, was heute noch als Sünde gilt, nehmen sich Lanz und Precht die sieben Todsünden vor — Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit. Dabei arbeiten sie den entscheidenden Unterschied zu den Zehn Geboten heraus: Während die Gebote das Zusammenleben in der Gemeinschaft regeln und von außen durchgesetzt werden, betreffen die Todsünden den inneren Gerichtshof des Einzelnen. Lanz wirft die Frage auf, warum ausgerechnet der Verrat in der Liste fehlt — und Precht verweist auf den überraschenden Ursprung der Todsünden, die gar nicht aus der Bibel stammen.
„Wenn es heißt, du sollst nicht neidisch sein und du bist neidisch, dann ist das ein Problem, das musst du mit dir selber aushandeln.“
Erwähnte Medien (5)
Politeia (Der Staat)
Platon
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:21 „Und alles, was Platon sich überlegt hat an Staat, da ging es immer um die Macht der privaten Haushalte, die zu brechen. Also die unter staatliche Kontrolle zu stellen, damit man sich da nicht auslebt.“
Precht erläutert Platons Staatsphilosophie im Kontext der Todsünde Wollust. Er beschreibt den Konflikt zwischen Polis und Oikos und wie Platon die Kontrolle über private Haushalte als zentral für das Funktionieren des Staates ansah. Die Frauenfeindlichkeit der christlichen Kirche stehe in dieser platonischen Tradition.
Wall Street
Oliver Stone
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:46:47 „Gier ist gut, Gier ist richtig, Gier ist gesund. Du hast Wall Street gesehen, haben wir alle damals geguckt. Das sagt Michael Douglas als Gordon Gekko. Und das ist so der, wie soll man sagen, alles auf den Punkt gebracht.“
Lanz zitiert das berühmte Gordon-Gekko-Motto aus dem Film Wall Street als Inbegriff der Gier-Philosophie. Precht ergänzt, er habe den Film damals als Inbegriff dessen gesehen, was in der Welt schiefläuft, und konnte Michael Douglas danach über zehn Jahre hinweg in keiner Rolle mehr sehen, ohne ihn für das Arschloch aus dem Film zu halten.
The Wolf of Wall Street
Martin Scorsese
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:16 „Bei Leonardo DiCaprio. Wolf of Wall Street? Ja, total. Genial. Besser geht's nicht.“
Lanz und Precht vergleichen die Wirkung von Wall Street mit The Wolf of Wall Street. Beide sind beeindruckt von Leonardo DiCaprios Darstellung – Precht lobt die gigantische schauspielerische Leistung, die den Zuschauer gleichzeitig in den Bann zieht und nervt. Lanz hebt besonders die unterschätzte Nebenrolle von Matthew McConaughey hervor.
Phil Donahue Show – Interview mit Milton Friedman
Phil Donahue / Milton Friedman
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:51:26 „Sagen Sie mir mal, gibt es überhaupt eine Gesellschaft, die nicht auf Gier basiert? Glauben Sie, dass Russland nicht von Gier angetrieben wird? Glauben Sie, dass China nicht von Gier angetrieben wird?“
Lanz zitiert Milton Friedmans berühmte Verteidigung des Eigeninteresses aus dem Interview mit Phil Donahue (1979). Das Zitat wird im Kontext der Diskussion über Gier als systemimmanenten Mechanismus des Kapitalismus angeführt. Precht ergänzt, dass es um 'wohlverstandene eigene Interessen' gehen müsse.
Artikel über Gier
Richard David Precht
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:52:58 „Ich habe mal was über Gier geschrieben fürs Zeitmagazin. Kann sein, dass das dafür ist. Oder für so einen Kalender, den die Zeitmagazin gemacht hat.“
Markus Lanz liest ein Zitat über die systemische Funktion von Gier vor und fragt, wer es geschrieben hat. Precht erkennt es als seinen eigenen Text, kann sich aber nicht mehr erinnern, ob es aus einem Buch, einem Zeitmagazin-Artikel oder einem Kalender-Projekt stammt. Der Text entstand während der Finanzmarktkrise und verteidigte die Gier als Systemmerkmal gegen die individualpsychologische Schuldzuweisung an einzelne Banker.