Ausgabe Siebenundneunzig
Markus Lanz & Richard David Precht
In dieser Sommerfolge brechen Lanz und Precht ein deutsches Tabu: Sie reden offen über Geld. Beide erinnern sich an Zeiten, in denen die EC-Karte vom Automaten geschluckt wurde und die Scham danach größer war als das leere Konto selbst. Von dort aus wird es grundsätzlich — über die Demütigung, kein Geld zu haben, und die besondere Härte, die Armut für Kinder bedeutet.
„Ich habe das immer als wahnsinnig demütigend empfunden, kein Geld zu haben. Das stigmatisiert einen, kein Geld zu haben. Das macht auch definitiv unglücklich.“
Erwähnte Medien (8)
Wer wird Millionär?
Günther Jauch / RTL
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:05:02 „Geld ist auch ein schönes Thema. Stimmt es, dass du mal bei Wer wird Millionär warst? Ja, das stimmt. Es geistert auch ein Foto von mir von damals, wo ich aussehen auf der Durchreise.“
Markus Lanz fragt Richard David Precht nach dessen Teilnahme bei 'Wer wird Millionär'. Precht erzählt ausführlich, wie er aus Geldnot zur Sendung ging, bei der Eingangsfrage an einem schnelleren Kandidaten scheiterte und dabei das berüchtigte Foto mit dem 'irren Blick' entstand.
Shining
Stanley Kubrick
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:10 „Weißt du, wie du aussiehst? Du siehst aus wie Jack Nicholson in Schein.“
Markus Lanz vergleicht Richard David Prechts Gesichtsausdruck auf einem alten Foto von 'Wer wird Millionär' mit Jack Nicholson in Kubricks 'Shining' – wegen des irren Blicks. Es ist eine beiläufige popkulturelle Referenz im Rahmen einer humorvollen Anekdote.
Artikel über Geld und Glück (DIW-Studie)
Marcel Fratscher
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:11:20 „Jetzt stellt sich raus, DWI-Studie, total interessant, sehr viel Geld macht natürlich doch glücklich. Marcel Fratscher hat darüber geschrieben in der Zeit.“
Markus Lanz spricht über die weit verbreitete These, dass Geld ab ca. 60.000-70.000 Euro nicht mehr glücklicher mache, und verweist auf einen Artikel von Marcel Fratscher in der ZEIT, der eine neuere Studie vorstellt, die das widerlegt.
Agora 42
Frank Augustin
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:21:05 „Du kennst Frank Augustin, Chefredakteur von Agora 42, philosophisches Wirtschaftsmagazin. Tolles Magazin übrigens, finde ich. Ja, ich finde das großartig.“
Markus Lanz empfiehlt das philosophische Wirtschaftsmagazin Agora 42 und zitiert dessen Chefredakteur Frank Augustin mit dem Satz, eine Gesellschaft, die sich zu sehr um Geld drehe, drehe irgendwann durch. Richard David Precht bestätigt die Qualität und erzählt, dass er selbst im Beirat des Magazins sitzt.
Philosophie des Geldes
Georg Simmel
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:21:53 „Und das ist ein bisschen doch auch die Georg-Simmel-Theorie, der berühmte Soziologe, der ja dieses Standardwerk zum Thema Geld geschrieben hat. Die Philosophie des Geldes. Genau, ganz berühmtes Buch. Ganz dickes Buch.“
Markus Lanz führt Georg Simmels 'Philosophie des Geldes' als theoretischen Rahmen für die Diskussion ein. Richard David Precht erläutert anschließend ausführlich Simmels zentrale Thesen – dass Geld Moral 'nichtet' und gleichzeitig die Gesellschaft demokratisiert, indem es Standesschranken aufhebt und die bürgerliche Gesellschaft ermöglicht.
Die Orange Pille – Warum Bitcoin mehr ist als nur neues Geld
Ijoma Mangold
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:25:56 „Joma Mangold, schöne Grüße, der Foyertonist der Zeit, ist ein wahnsinnig interessanter Denker, finde ich, ein toller Schreiber. Der hat gerade ein Buch gemacht, die Orange Pille, glaube ich, heißt das, unter Zeile, warum Bitcoin mehr ist als nur neues Geld.“
Markus Lanz erwähnt Ijoma Mangolds neues Buch im Zusammenhang mit Georg Simmels These, dass die Geldwirtschaft die feudale Gesellschaft abgelöst hat. Er zieht die Parallele zu Bitcoin als neuem Geldsystem und zitiert Mangolds Erkenntnis, dass es kein Zufall sei, dass die Geldwirtschaft aufkam, als die alte feudale Gesellschaft unterging.
Das Kapital
Karl Marx
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:32:27 „Marx hat mal einen schönen Satz dazu gesagt, vom Kapitalisten, der einem Weltenentdecker gleicht, der mit jedem vorgefundenen Kontinent nur eine neue Grenze entdeckt.“
Precht zitiert Marx' Bild des Kapitalisten als rastlosen Entdecker, um die Pathologie des endlosen Geldvermehrens zu illustrieren. Die nie endende Spirale des Mehr-Wollens sei einerseits Motor der Wirtschaft, andererseits eine Krankheit, die verhindere, sich am Erreichten zu freuen.
Glücksratgeber
Eckart von Hirschhausen
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:34:38 „Und wenn du in Büchereien reingehst, dann findest du ja meterweise Regale mit Glücksratgebern. 80 Prozent davon von Eckart von Hirschhausen und der Rest dann noch von ein paar anderen, die dir erklären sozusagen, wie du zu einem glücklichen Menschen wirst.“
Lanz erwähnt Hirschhausens Glücksratgeber als humorvolles Beispiel für die Ratgeberliteratur-Industrie, ohne einen konkreten Titel zu nennen. Er nutzt die Referenz, um seine These einzuleiten, dass Glück ein flüchtiger Zustand sei und es im Leben eigentlich um Selbstbestimmtheit gehe.