Lanz & Precht – Ausgabe Vierundneunzig
#094

Ausgabe Vierundneunzig

Lanz & Precht / 23. Juni 2023 / 4 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode kreist um die kollektive Gereiztheit der deutschen Gesellschaft: Corona-Nachwirkungen, Inflation, marode Bahn, Wärmewende-Debatten — alles gleichzeitig überfordert die Menschen. Am Beispiel der Klimakleber zeigt sich, wie aufgestaute Frustration ein Ventil sucht und die Aktivisten zum neuen Feindbild stilisiert werden, obwohl die eigentliche Ursache tiefer liegt.

„Wenn man Ursachenforschung macht, sich fragt, warum ist unsere Gesellschaft so irrsinnig gereizt, dann fällt einem so vieles auf einmal ein und es fällt einem auch überhaupt nicht ein, warum diese Gereiztheit jemals wieder weggehen sollte.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (4)

Spiegel-Artikel über Til Schweiger und Christian Jürgens
Artikel

Spiegel-Artikel über Til Schweiger und Christian Jürgens

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:06:16 „Der Spiegel hatte vor einigen Wochen ein Heft, da hat er vier Seiten über Til Schweiger gehabt, den er also als kompletten Unmenschen dargestellt hat und über den Koch Christian Jürgens, bei dem genau das Gleiche war. Also acht Seiten in einer Zeitung wie der Spiegel, Zeitschrift wie der Spiegel, die für sich Qualität in Anspruch nimmt oder Seriosität. In beiden Fällen lagen zu dem Zeitpunkt keinerlei Strafanzeigen vor.“

Precht kritisiert die mediale Vorverurteilung prominenter Personen und nennt als konkretes Beispiel eine Spiegel-Ausgabe, die acht Seiten lang Til Schweiger und den Koch Christian Jürgens an den Pranger stellte – obwohl zu dem Zeitpunkt keinerlei Strafanzeigen vorlagen. Er sieht darin einen Beleg für den Verfall journalistischer Hemmschwellen in der Qualitätspresse.

Zum Artikel bei Spiegel
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Studie

Beschränkung der Redefreiheit an Hochschulen

Matthias Revers, Richard Traunmüller

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:19:56 „Ich habe mal eine Studie in die Hände gekriegt von zwei Sozialwissenschaftlern, Matthias Revers und Richard Traunmüller, die eine Studie gemacht haben über die Beschränkung der Redefreiheit. Die ist im September 2020 erschienen in einer Kölner Zeitschrift für Sozialpsychologie und haben sich Hochschulen angeguckt, genau zu dem Thema.“

Im Gespräch über die zunehmende Verengung des Meinungskorridors und die Schwierigkeit, kontroverse Themen offen anzusprechen, zitiert Lanz eine Studie von Revers und Traunmüller. Der Befund zeigt, dass knapp 1000 befragte Studierende abweichende Meinungen zu Islam, Geschlecht und Zuwanderung an Hochschulen nicht dulden wollen – ein Drittel möchte sogar entsprechende Bücher aus Bibliotheken entfernen. Lanz nutzt die Studie als Beleg für eine besorgniserregende Intoleranz im akademischen Milieu.

🎓 Google Scholar 📄 Original
Weinstein-Enthüllung (The New Yorker)
Artikel

Weinstein-Enthüllung (The New Yorker)

Ronan Farrow

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:29:36 „Mein Harvey Weinstein, du erinnerst dich, war Ronan Farrow, der Sohn von Woody Allen, der das ins Rollen gebracht hat und der einfach mal die Geschichte erzählt hat, die offenkundig ganz viele schon ganz, ganz lange wussten. Und hat einfach dieses Schweigekartell zerstört und zerschreddert und zertrümmert.“

Im Gespräch über mediale Vorverurteilung und den schmalen Grat zwischen berechtigter Enthüllung und Rufmord wird Ronan Farrows investigative Berichterstattung über Harvey Weinstein als Beispiel für einen Fall genannt, in dem journalistische Aufdeckung tatsächlich gerechtfertigt und verdienstvoll war.

Zum Artikel bei The New Yorker
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Rede

Ich liebe euch doch alle (Volkskammer-Rede)

Erich Mielke

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:34:54 „Da war er nicht mehr ganz Herr seiner Sinne. Aber ich liebe doch die Menschen. Er hat gar nicht verstanden, was ihm da widerfährt.“

Lanz und Precht sprechen über Politiker, die keine Gefühle zeigten. In diesem Zusammenhang fällt der Name Mielke, dessen berühmter Gefühlsausbruch in der Volkskammer am 13. November 1989 – 'Ich liebe euch doch alle' – als ironisches Gegenbeispiel dient: der einzige öffentliche Gefühlsmoment eines Mannes, der sonst nicht für Emotionen bekannt war.

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