Ausgabe Fuenfundachtzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode dreht sich um Deutschlands verschlafenen Glasfaserausbau: Bereits 1981 hatte die Regierung Schmidt beschlossen, Westdeutschland bis 2015 mit Glasfaser auszustatten — doch Helmut Kohl setzte stattdessen auf Kupferkabel, um das Privatfernsehen und damit seinen Duzfreund Leo Kirch zu fördern. Anhand eines Terra-X-History-Posts wird aufgedröselt, wie politische Gefälligkeiten und der Groll auf investigative Formate Deutschland digital ins Hintertreffen brachten.
„Die Regierung Schmidt hat 1981 beschlossen, dass Deutschland bis 2015 mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet sein soll. Und heute sind wir ganz, ganz, ganz, ganz weit hinten, weil Kohl lieber das Privatfernsehen gefördert hat.“
Erwähnte Medien (6)
Väter der Klamotte
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:44 „Bestimmt auch deine Lieblingsserie, Väter der Klamotte.“
Im Gespräch über Leo Kirchs Medienimperium und dessen Rolle als Filmhändler neckt Markus Lanz Richard David Precht mit der Slapstick-Clip-Serie 'Väter der Klamotte', die zum Kirch-Programm gehörte. Die Erwähnung ist scherzhaft gemeint.
Indiens tote Töchter
Markus Lanz
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:14:17 „Mit Müttern dort gesprochen, das zerreißt dir wirklich das Herz. Das ist ein großes Tabu, ist auch schwierig mit jemandem sich darüber zu unterhalten. Indiens tote Töchter, ich glaube gibt es noch in der Mediathek, war damals ein sehr berührender Film.“
Markus Lanz erzählt von einer eigenen Reportage, die er in Chennai über die Tötung neugeborener Mädchen in Indien gedreht hat. Er beschreibt den Zusammenhang zwischen Mitgift-Tradition, Goldpreis-Spekulation und der Gefährdung von Mädchen – ein Erlebnis, das ihn nachhaltig geprägt hat.
Das Zeitalter des Zorns
Pankaj Mishra
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:34 „Kulturhistoriker, Schriftsteller, der mal ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben hat, das Zeitalter des Zorns, in dem er versucht hat, die Wurzeln des Terrorismus zu erklären, vor einigen Jahren. Sehr gutes Buch dazu.“
Richard David Precht stellt den indischen Autor Pankaj Mishra vor, mit dem er kürzlich ein Gespräch geführt hat. Er beschreibt dessen bekanntestes Buch als gelungenen Versuch, die Wurzeln des Terrorismus aus der Kolonialgeschichte heraus zu erklären – Terroristen empfänden ihren Kampf noch immer als Freiheitskampf gegen westliche Hegemonie.
Bland Fanatics
Pankaj Mishra
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:21 „Und er hat im letztem Buch geschrieben, in erster Linie eigentlich über die Engländer und die englische Kolonialgeschichte. Und er wirft den Engländern vor, dass sie ihre Verbrechensgeschichte nicht adäquat aufgearbeitet haben im Vergleich zu den Deutschen.“
Precht unterscheidet explizit zwischen Mishras 'sehr erfolgreichem Buch' (Das Zeitalter des Zorns) und seinem 'letzten Buch', das sich mit der englischen Kolonialgeschichte und mangelnder Aufarbeitung beschäftigt. Die inhaltliche Beschreibung – Kritik an Englands fehlendem Umgang mit kolonialer Schuld – passt zu Mishras Essayband 'Bland Fanatics' (2020).
Das Kommunistische Manifest
Karl Marx
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:27:59 „Immer wurde zitiert, so in meiner Kindheit und Jugend, dieser Satz aus dem Kommunistischen Manifest, das Endziel des Kommunismus ist die Weltherrschaft.“
Precht erinnert an die antikommunistische Rhetorik seiner Jugend, in der konservative Kreise das Kommunistische Manifest zitierten, um linke Positionen zu diskreditieren. Er nutzt das als Kontrast zu China heute, das zwar autokratisch, aber nicht ideologisch missionarisch auftrete – anders als der historische Kommunismus.
Die Neuerfindung der Diktatur
Kai Strittmatter
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:38 „Ich habe mit Kai Strittmatter ein sehr gutes Buch, ich weiß nicht, ob du das kennst, die Neuerfindung der Diktatur. Ein Kollege von der Süddeutschen, der lange China-Korrespondent war, der feiert Annalena Baerbock. Und sagt, höchste Zeit, dass einer mal klar redet, weil das tun die Chinesen ihrerseits auch.“
Im Kontext der Debatte über Baerbocks konfrontativen Auftritt gegenüber China bringt Lanz das Buch als Gegenposition zu Prechts Kritik ein. Strittmatter, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, verteidigt darin und öffentlich Baerbocks klare Sprache gegenüber Peking — die Chinesen könnten das ab und wüssten dann, woran sie seien. Lanz nutzt das Buch, um zu zeigen, dass es unter China-Kennern durchaus eine andere Einschätzung gibt als Prechts Plädoyer für diplomatische Zurückhaltung.