Lanz & Precht – Ausgabe Neunundsiebzig
#079

Ausgabe Neunundsiebzig

Lanz & Precht / 10. März 2023 / 16 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Markus Lanz konfrontiert Richard David Precht mit einem seiner eigenen Texte über die Parallelen zwischen Spätmittelalter und Gegenwart — zwischen Heilsversprechen und Untergangsängsten. Precht erzählt, wie er seit seiner Jugend gegen den Geschichtsfatalismus seines Vaters ankämpft, und beide ziehen den Bogen zu Barbara Tuchmans These, dass die Menschheit auf allen Gebieten Fortschritte gemacht hat — nur nicht in der Politik. Am Ende mündet das Gespräch in die Frage, ob die heutigen Messiasse nicht Larry Page, Elon Musk und Mark Zuckerberg heißen.

„Mein Leben ist ja sozusagen ein hoffentlich Jahrhundertkampf gegen den Pessimismus in mir und gegen den Fatalismus und gegen das Aufgeben. Also jeder Tag ist ein neuer Kampf gegen das Aufgeben.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (16)

The March of Folly: From Troy to Vietnam
Buch

The March of Folly: From Troy to Vietnam

Barbara Tuchman

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:02:45 „Du kennst ja dieses Lieblingszitat Barbara Tutschmann, diese US-amerikanische Historikerin, die mal gesagt hat, die Menschheit hat irrsinnige Fortschritte auf so vielen Gebieten gemacht. Das einzige Gebiet, auf dem sie nie Fortschritte gemacht hat, ist die Politik. Der Untertitel des Buches heißt über die Unfähigkeit der Herrschenden von, weiß ich nicht, Athen oder so bis Vietnam.“

Precht zitiert Barbara Tuchman im Kontext einer Diskussion über den fehlenden politischen Fortschritt der Menschheit. Er vergleicht die Situation des Vietnamkriegs, unter deren Vorzeichen Tuchman schrieb, mit der heutigen Lage und argumentiert, dass man den Text direkt wieder neu auflegen könnte.

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Generation Golf
Buch

Generation Golf

Florian Illies

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:09:08 „Das sind die Generation Golfjahre, ne? Ja. Ja, das ist aber wirklich ziemlich genauso. Du meinst Generation Golf, Golf, Auto, nicht Golf spielen. Ich meine das Auto, also dieser Bestseller von Florian Illis.“

Lanz erwähnt den Bestseller von Florian Illies als Chiffre für die goldenen Jahre der Bundesrepublik in den 80er und 90er Jahren. Precht greift das auf und kontrastiert Illies' Lebensgefühl der sorglosen Kohl-Jugendzeit mit seiner eigenen, deutlich politischeren Kindheit.

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Dallas
Serie

Dallas

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:32 „Das waren die goldenen Jahre der Bundesrepublik, diese 80er Jahre, so mit Frank Elstner als Vertrauenslehrer der Deutschen Spaßgesellschaft, mit Helden wie Boris Becker und Matthias Rust. Wo man Dallas geguckt hat und der Aufstieg von Dieter Bohlen begann.“

Precht listet Dallas als Symptom der sorglosen 80er-Jahre-Kultur in der Bundesrepublik auf. Die US-Serie steht für ihn exemplarisch für das konsumfreudige Lebensgefühl der Kohl-Ära.

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Wetten, dass..?
Serie

Wetten, dass..?

Frank Elstner

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:09:32 „Das waren die goldenen Jahre der Bundesrepublik, diese 80er Jahre, so mit Frank Elstner als Vertrauenslehrer der Deutschen Spaßgesellschaft, mit Helden wie Boris Becker und Matthias Rust.“

Precht beschreibt das Lebensgefühl der 80er Jahre in Deutschland und die Ikonen jener Zeit. Frank Elstner wird als 'Vertrauenslehrer der Deutschen Spaßgesellschaft' bezeichnet – eine klare Anspielung auf seine Rolle als Erfinder und erster Moderator von 'Wetten, dass..?', der prägendsten Unterhaltungsshow der Bundesrepublik.

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Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch
Buch

Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch

Francis Fukuyama

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:10:29 „Und dann hätte man gedacht, das geht jetzt ewig so weiter. Richtig, richtig. Dann hat ja Francis Fukuyama diesen Bestseller geschrieben. Das Ende der Geschichte. Der steht jetzt hier gerade 50 Zentimeter von mir entfernt im Regal.“

Precht erwähnt Fukuyamas berühmtes Buch im Kontext der 90er-Jahre-Euphorie nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges. Er beschreibt Fukuyamas These, dass der liberale Kapitalismus sich als bestes System durchgesetzt habe, und merkt an, dass der Titel ursprünglich als Frage gemeint war.

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Wohlstand für Alle
Buch

Wohlstand für Alle

Ludwig Erhard

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:11:34 „Also Ludwig Erhards Anspruch, Wohlstand für alle, hat er 1957 geschrieben. Und eingelöst wurde das so in den 80er, 90er Jahren.“

Precht erwähnt Erhards programmatisches Buch, um zu zeigen, dass dessen Versprechen erst Jahrzehnte später in den goldenen 80er und 90er Jahren eingelöst wurde – als sich auch ein Vorarbeiter bei Ford mehrfach Urlaub und große Autos leisten konnte.

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Wer wir waren
Rede

Wer wir waren

Roger Willemsen

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:11:51 „Roger Willemsen, den ich wahnsinnig mochte, den du wahrscheinlich auch öfter mal getroffen hast. Der hat ein letztes Buch geschrieben, beziehungsweise an einem letzten Buch gearbeitet. Hast du das mal gelesen, wer wir waren?“

Lanz liest begeistert aus Roger Willemsens letztem Werk und zitiert daraus ausführlich. Precht korrigiert, dass es sich um einen Vortrag an der Humboldt-Uni handelt, nicht um ein Buch. Beide diskutieren Willemsens These, dass ihre Generation es verbockt habe – von Klimakrise bis Digitalisierung. Lanz hebt besonders Willemsens brillante Formulierungen hervor.

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Moderne Zeiten
Film

Moderne Zeiten

Charlie Chaplin

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:34 „Er sagt, da kam das Wort modern auf. Der Begriff modern hatte noch eine Bedeutung, als Charlie Chaplin seinen Film Moderne Zeiten taufte.“

Lanz zitiert aus Roger Willemsens Rede, in der Chaplin als Beispiel für eine Zeit angeführt wird, in der das Wort 'modern' noch echte Bedeutung hatte. Willemsen stellt Chaplins Film kontrastierend neben spätere, entleerte Verwendungen des Begriffs.

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Geronimo's Cadillac
Musik

Geronimo's Cadillac

Modern Talking

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:20 „Über Brother Louie können wir streiten. Jeronimus Cadillac. Ja, okay, gut. Jetzt greifst du ganz ins unterste Regal.“

Lanz nennt den Song beiläufig als weiteres Beispiel aus dem Modern-Talking-Katalog. Precht kommentiert trocken, dass Lanz damit ganz ins unterste Regal greife.

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Brother Louie
Musik

Brother Louie

Modern Talking

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:14:22 „Über Brother Louie können wir streiten. Jeronimus Cadillac. Ja, okay, gut. Jetzt greifst du ganz ins unterste Regal. Aber You're My Heart, You're My Soul, das war genial.“

Im Rahmen der Modern-Talking-Diskussion erwähnt Lanz weitere Songs der Band. Während er 'You're My Heart, You're My Soul' als genial verteidigt, räumt er bei 'Brother Louie' ein, dass man darüber streiten könne.

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You're My Heart, You're My Soul
Musik

You're My Heart, You're My Soul

Modern Talking · 1984

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:14:25 „Aber You're My Heart, You're My Soul, das war genial. Ich weiß, als ich das das erste Mal gehört habe, habe ich gedacht, schade, dass mir das nicht angefallen ist.“

Lanz schwärmt von Modern Talkings Debüthit und erzählt, wie der typische Sound durch einen Zufall bei der Produktion mit Luis Rodriguez entstanden sei. Er verteidigt den Song gegen Prechts Kulturskepsis und bezeichnet ihn als Geniestreich.

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Die Grenzen des Wachstums
Studie

Die Grenzen des Wachstums

Club of Rome / Dennis Meadows

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:17:46 „Wie oft haben wir uns eigentlich schon, was düstere Prognosen angeht, katastrophal geirrt? Allein, wenn du dir den Bericht des Club of Rome anguckst, Das Öl wäre längst zu Ende, die Gasvorräte, Kupfer, alles, alles, wir wären im Grunde, wären wir vollkommen erledigt.“

Lanz führt den Club-of-Rome-Bericht als prominentestes Beispiel für gescheiterte Untergangsprognosen an. Er argumentiert, dass gerade ab dem Zeitpunkt, an dem alles angeblich zu Ende sein sollte, die Produktion erst richtig losging – ein Argument gegen den herrschenden Kulturpessimismus.

🎓 Google Scholar 📄 Original
Homo Deus
Buch

Homo Deus

Yuval Noah Harari

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:25:28 „Jemand wie Harari zum Beispiel beschäftigt sich ja viel damit, der sagt, es gibt ja gar keinen freien Willen. Und insofern ist alles, das ist dann so deterministisch, es ist alles vorherbestimmt.“

Lanz bringt Harari ins Gespräch, um die Frage nach Determinismus und Fatalismus zu diskutieren. Precht greift das auf und kritisiert Hararis Argumentation zur Willensfreiheit scharf – er sei ein glänzender Militärhistoriker, habe aber bei der Willensfreiheit etwas aufgeschnappt, was er nicht richtig verstanden habe.

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Spiegel-Interview über Willensfreiheit mit Gerhard Roth
Artikel

Spiegel-Interview über Willensfreiheit mit Gerhard Roth

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:30 „Ich habe mit Gerhard Roth zweimal lange darüber diskutiert. Einmal für den Spiegel vor 15 Jahren und einmal an der Uni in Lüneburg.“

Precht erwähnt beiläufig, dass er vor rund 15 Jahren für den Spiegel ein langes Gespräch mit dem Neurobiologen Gerhard Roth über Willensfreiheit geführt hat. Es dient als persönlicher Beleg dafür, dass er sich mit Roths Position intensiv auseinandergesetzt hat. Ein konkreter Titel oder eine Ausgabe wird nicht genannt.

Zum Artikel bei Spiegel
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Artikel

Das Manifest - Elf führende Neurowissenschaftler über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung

Gerhard Roth, Wolf Singer et al.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:31:44 „Rot geht es um Folgendes... seinen Kollegen Wolf Singer, mit dem er dann gemeinsam damals einen Vorstoß gemacht hat und gesagt hat, es gibt keine Willensfreiheit, wir sollten neu über das Strafrecht nachdenken.“

Precht diskutiert die neurobiologische Argumentation gegen den freien Willen und erwähnt den gemeinsamen Vorstoß von Gerhard Roth und Wolf Singer, die mit ihrem berühmten Manifest von 2004 in Gehirn & Geist forderten, das Strafrecht angesichts fehlender Willensfreiheit neu zu denken.

Zum Artikel bei Spektrum.de
Das Buch der Hoffnung
Buch

Das Buch der Hoffnung

Jane Goodall

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:47:14 „Und sie hat mir eine spannende Antwort gegeben. Sie hat gesagt, sie wäre nicht optimistisch. Sie hätte Hoffnung. Das wäre ein großer Unterschied. Also Optimismus war für sie eher so, ich habe das alles rational durchdacht und bin zum guten Ergebnis gekommen. Und so ist das nicht.“

Precht berichtet von einem Gespräch mit Jane Goodall über deren Unterscheidung zwischen Optimismus und Hoffnung. Diese Kernthese – rationale Analyse führt zu schrecklichen Ergebnissen, aber die Hoffnung bleibt – ist das zentrale Argument ihres Buches 'The Book of Hope' (2021, dt. 'Das Buch der Hoffnung'), auch wenn Precht den Buchtitel nicht explizit nennt.

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