Ausgabe Achtundsiebzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Richard David Precht berichtet von der Konferenzwoche an der Leuphana-Universität Lüneburg, wo er unter anderem mit Hamburgs Kultur- und Mediensenator Carsten Brost über den Zustand der Demokratie diskutierte — Gesamtnote: zwei minus. Während Deutschlands Institutionen im internationalen Vergleich hervorragend funktionieren, sieht Precht beim Bildungssystem und der medialen Selbstkritik erheblichen Nachholbedarf, besonders bei der Aufarbeitung der Corona-Berichterstattung.
„Auch in der Krise ist immer mehr Nicht-Krise als Krise.“
Erwähnte Medien (9)
Interview mit Antonia Grunenberg
Antonia Grunenberg
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:14:58 „Mir fällt gerade ein Interview ein, das ich dieser Tage gelesen habe von Antonia Grunenberg. Kennst du die? Ich kannte sie auch nicht, ist eine Politikwissenschaftlerin, die über Demokratie und die Frage Krise des Liberalismus, in welcher Situation sind wir eigentlich, gesprochen hat.“
Lanz bringt ein Interview mit der Politikwissenschaftlerin Antonia Grunenberg ins Gespräch, das er kürzlich gelesen hat. Grunenberg zieht darin Parallelen zwischen dem Aktionismus der Letzten Generation und totalitären Versuchungen der Zwischenkriegszeit, insbesondere dem Muster, Kompromisse als schädlich abzulehnen.
Philosophiegeschichte
Richard David Precht
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:57 „Da sprichst du natürlich bei mir ein Lieblingsthema an, weil ich vollende gerade den vierten Band meiner Philosophiegeschichte. Und die Spiel zwischen 1900 und 1945 und die produktivste Zeit der Philosophie in Deutschland waren die 20er Jahre.“
Precht erwähnt, dass er gerade am vierten Band seiner Philosophiegeschichte arbeitet, der die Zeit von 1900 bis 1945 behandelt. Das Thema der totalitären Versuchungen und Erlösungsfantasien der 1920er Jahre ist direkt relevant für diesen Band.
Jenseits des Lustprinzips
Sigmund Freud
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:44 „Zwei große Triebe, die dich hin und her reißen, Eros und Thanatos, zwischen Geilheit und Todessehnsucht hin und her gerissen, bist du der Spielball deiner dunkler Mächte. Also das ist ja auch eine totale Erklärung des Menschen.“
Precht ordnet Freuds Psychoanalyse als einen der großen Totalentwürfe der 1920er Jahre ein, neben Bolschewismus und Anthroposophie. Er beschreibt Freuds Triebtheorie als radikales neues Menschenbild jener Epoche.
Der Untergang des Abendlandes
Oswald Spengler
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:18:09 „Ich könnte eine lange Liste machen von Totalerklärungen. Der Bestseller der damaligen Zeit ist Oswald Spenglers Der Untergang des Abendlandes. Alles geht ja von nun an den Bach runter. Auch etwas, was viel mit der heutigen Zeit zu tun hat.“
Precht spricht über die 1920er Jahre als Zeit der Totalentwürfe und Erlösungsfantasien. Er nennt Spenglers Werk als den Bestseller jener Epoche und zieht eine Parallele zur heutigen Zeit, in der ebenfalls das Gefühl vorherrscht, dass die Weltgeschichte schief läuft.
My Rifle, My Pony and Me
Dean Martin
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:22:01 „Im Spiegel, der hieß My Pony, My Rifle and Me. Das ist dieser Song von Dean Martin in Rio Bravo.“
Precht verweist auf den Song von Dean Martin aus dem Film Rio Bravo als Namensgeber für seinen Spiegel-Essay über Paläoliberalismus. Der Song dient als kulturelle Referenz für die US-amerikanische Freiheitsmentalität.
Rio Bravo
Howard Hawks
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:22:01 „Im Spiegel, der hieß My Pony, My Rifle and Me. Das ist dieser Song von Dean Martin in Rio Bravo.“
Der Western-Klassiker Rio Bravo wird beiläufig als Herkunft des Dean-Martin-Songs erwähnt, den Precht als Titel für seinen Essay über Paläoliberalismus verwendet hat.
De Iure Belli ac Pacis
Hugo Grotius
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:02 „Völkerrecht gab es zwar schon, Grotius, Völkerrecht ist älter als das, wurde aber damals nicht ernst genommen. Also muss man den Leuten, die ihren Grund und Boden nicht richtig wackeln, muss man den wegnehmen.“
Precht erläutert, wie John Locke die Enteignung der indigenen Bevölkerung in Nordamerika rechtfertigte. Er erwähnt beiläufig Grotius als Begründer des Völkerrechts, das zwar schon existierte, aber zu Lockes Zeiten ignoriert wurde, um koloniale Landnahme zu legitimieren.
On Liberty
John Stuart Mill
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:49:55 „Der Kernsatz des Liberalismus lautet, ursprünglich aufgestellt von Wilhelm von Umbold und von John Stuart Mill in seine bekannte Formulierung gebracht, dass die Grenzen der Freiheit dort aufhören, wo die Freiheit anderer beeinträchtigt wird.“
Precht formuliert seine zentrale These zur Nachhaltigkeit als liberale Aufgabe. Er beruft sich auf Mills berühmtes Freiheitsprinzip – Freiheit endet dort, wo die Freiheit anderer beginnt – und erweitert es auf künftige Generationen: Wenn wir heute Ressourcen verbrauchen und CO2 ausstoßen, beeinträchtigen wir die Freiheit unserer Kinder und Enkel.
Ideen zu einem Versuch die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen
Wilhelm von Humboldt
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:49:55 „Der Kernsatz des Liberalismus lautet, ursprünglich aufgestellt von Wilhelm von Umbold und von John Stuart Mill in seine bekannte Formulierung gebracht, dass die Grenzen der Freiheit dort aufhören, wo die Freiheit anderer beeinträchtigt wird.“
Precht ordnet den Ursprung des liberalen Freiheitsprinzips Wilhelm von Humboldt zu, der es vor Mill formuliert habe. Das Werk wird nicht namentlich genannt, aber das Schadeensprinzip geht auf Humboldts staatstheoretische Schrift zurück, in der er die Grenzen staatlicher Eingriffe in die individuelle Freiheit absteckt.