Ausgabe Vierundsiebzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Zum Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine ziehen Lanz und Precht eine ernüchternde Bilanz: Trotz hunderttausender Toter und Verletzter seien die tatsächlichen Opferzahlen auf beiden Seiten kaum verlässlich — Militärhistoriker Sönke Neitzel zufolge sei selbst die NATO über den Zustand der ukrainischen Armee schlecht informiert. Neben dem 24. Februar rückt ein zweites Schlüsseldatum in den Fokus: der 4. Februar 2022, als Putin und Xi Jinping bei den Olympischen Spielen in Peking ihre grenzenlose Freundschaft besiegelten — ein Moment, dessen Tragweite für den Kriegsverlauf noch immer unterschätzt werde.
„Wenn ich eins gelernt habe in diesem einen Jahr, ich glaube überhaupt keinen Zahlen. Ich glaube gar keinen Zahlen.“
Erwähnte Medien (6)
China-Buch von Frank Sieren
Frank Sieren
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:25 „Ich habe ja in dem Buch von Frank Sieren über China gelernt, dass die Chinesen ganz großen Stil in der Ukraine investieren, investiert haben, muss man jetzt vielleicht sagen. Das gilt für die Häfen und das gilt sehr im großen Stil für die Infrastruktur.“
Precht zitiert Frank Sierens China-Buch, um zu erklären, warum China kein Interesse am Ukraine-Krieg hat: Die Chinesen hatten massiv in ukrainische Häfen und Infrastruktur investiert. Laut Sieren wollen die Chinesen weder einen westlichen noch einen russischen Sieg, weil beides ihre Investitionen gefährden würde.
Das Licht, das erlosch
Ivan Krastev
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:28:38 „Es gibt auch so ein wunderbares Buch von dem, Das Licht, das Erlosch. Das ist ein knaller Buch, ein bulgarischer. Das bulgarische lehrt, glaube ich, mittlerweile in Wien.“
Markus Lanz empfiehlt das Buch des bulgarischen Intellektuellen Ivan Krastev im Kontext der Diskussion über den Ukraine-Krieg. Krastev vertritt darin die These, dass Kriege an der Wahlurne enden, und Lanz nutzt das Buch als Ausgangspunkt für die Frage, ob die Wahlen 2024 in Russland und den USA den Krieg beeinflussen könnten.
Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007
Wladimir Putin
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:38:00 „Das hat er ganz deutlich auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 auch gesagt. So nach dem Motto, wir hatten ja eigentlich eine Abmachung, ihr habt euch nicht dran gehalten, wir werden hier immer weiter eingezingelt.“
Precht verweist auf Putins berühmte Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2007, in der Putin die NATO-Osterweiterung als Vertrauensbruch anprangerte. Precht nutzt die Rede als Beleg für seine These, dass sich Putins Verhärtung parallel zur NATO-Erweiterung entwickelte.
Der Westen und wir
Dmitri Glukhovsky
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:47:00 „Und ich musste so denken, als ich das hörte an Dimitri Glukowski, den wir beide sehr mögen, der jetzt wieder bei uns in der Sendung war und der mal diesen tollen Text geschrieben hatte, der Westen und wir. Wo er sagt, wir wussten, dass ihr besser lebt. Wir haben euch nachgeeifert. Wir haben die Namen eurer Marken auswendig gelernt. Aber für euch Westler, und das war das Gefühl, bis heute sind wir Menschen zweiter Klasse.“
Lanz zitiert ausführlich aus Glukhovskys Text, der das russische Gefühl der Demütigung gegenüber dem Westen beschreibt. Der Text schildert, wie die anfängliche Begeisterung der Russen nach dem Mauerfall in Verachtung und Hass umschlug, weil westliche Konsumgüter immer mit einer ideologischen 'Bedienungsanleitung' geliefert wurden.
Was ist mit unseren sicherheitspolitischen Interessen?
Michail Gorbatschow
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:49:14 „Ich habe das letzte Buch von Gorbatschow, das ja vor drei, vier Jahren erschienen ist, gelesen. Weil ich war absolut neugierig, wie er Putin bewerten würde.“
Precht erwähnt, Gorbatschows letztes Buch gelesen zu haben, um dessen Haltung zu Putin zu verstehen. Überraschenderweise decke sich Gorbatschows Kritik am Westen in Bezug auf russische Sicherheitsinteressen teilweise mit Putins Position, obwohl sich beide menschlich nicht mochten. Der genaue Titel wird nicht genannt.
Die Macht der Geographie
Tim Marshall
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:50:43 „Du kennst doch dieses Buch von Tim Marshall über die Macht der Geografie. Das beginnt genau mit diesem, deswegen muss ich gerade daran denken, mit dem, was du gerade sagst, Richard. Es beginnt im Kapitel Russland. Putin ist ein gläubiger Mensch nach allem, was man hört. Und ich glaube, er betet manchmal heimlich darum, dass in der Ukraine endlich Berge wachsen.“
Lanz zitiert Tim Marshalls Buch, um Prechts Argument über russische Sicherheitsinteressen zu untermauern. Das Buch beschreibt, wie die nordeuropäische Tiefebene Russland historisch verwundbar für Invasionen machte – von Napoleon bis zum Zweiten Weltkrieg –, was die russische Bedrohungswahrnehmung gegenüber der NATO-Osterweiterung erklärt.