Ausgabe Siebenundsechzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Mitten im WM-Fieber 2022 liefert Richard David Precht seine eigenwillige Analyse zum Aus der Spanier gegen Marokko: Die technisch brillanten, aber zu braven Spanier seien schlicht Jungs gegen Männer gewesen. Neben dem Fußball pflegt er sein Hobby der Doppelgänger-Erkennung — von Reinhard Mey und Rainer Langhans bis hin zu seiner steilen These, Luka Modrić sei bei der Geburt von Beatrix von Storch getrennt worden.
„Wenn man ganz, ganz lieb ist, wird man nicht Fußballweltmeister.“
Erwähnte Medien (4)
Bei der Geburt getrennt
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:08 „Es gab ja früher im Stern mal diese Rubrik bei der Geburt getrennt. Also zwei Leute, die miteinander nichts zu tun haben, sich aber verblüffend ähnlich sehen. Das ist so ein Hobby von mir.“
Precht erzählt, wie er beim Fußballschauen immer Ähnlichkeiten zwischen Spielern und anderen Personen entdeckt. Er verweist auf die frühere Stern-Rubrik, in der Doppelgänger gezeigt wurden, und nutzt das als Aufhänger für seinen Vergleich von Luka Modrić mit Beatrix von Storch.
Kommentar zur deutschen Moralpolitik im Kriegsjahr
Stefan Cornelius
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:31:30 „Ich habe dieser Tage einen sehr interessanten Kommentar von Stephan Cornelius in der Süddeutschen zu dem Thema gelesen, der genau beschreibt, wie genau dieses Kriegsjahr im Grunde das ein ums andere Mal diese Konflikte, diese Kollisionen an den Tag gefördert hat.“
Lanz zitiert ausführlich einen Kommentar von Stefan Cornelius in der Süddeutschen Zeitung, der die Widersprüche deutscher Moralpolitik im Ukraine-Kriegsjahr beschreibt. Der Artikel argumentiert, dass die Abkoppelung von russischen Rohstoffen die gravierendste politische Entscheidung der letzten Jahrzehnte sei, die aber moralisch statt strategisch diskutiert werde. Lanz greift den Text mehrfach im Gespräch auf und nutzt ihn als zentrale Argumentationsgrundlage für die Forderung nach 'moralischer Abrüstung'.
Il Principe / Der Fürst
Niccolò Machiavelli
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:38:52 „Wobei da mit Herrn Machiavelli auch noch ein bisschen Unrecht getan hat, weil der hatte auch Werte und Überzeugungen. Der war nur der Überzeugung, dass man für seine Werte und seine Überzeugungen, um die durchzusetzen, flexible Grundsätze haben muss. Er hat sich ja nicht nur einen Fürsten gewünscht, sondern eigentlich wollte er die Römische Republik wieder haben.“
Precht nimmt Machiavelli gegen den Vorwurf des bedingungslosen Zynismus in Schutz und verweist implizit auf dessen Hauptwerk 'Der Fürst'. Er argumentiert, Machiavelli habe durchaus Werte gehabt – eigentlich die Römische Republik gewollt –, aber in den Mitteln zur Durchsetzung flexible Möglichkeiten und diplomatische Finessen gefordert. Precht nutzt dies als Plädoyer für realistische Außenpolitik.
Grenzerfahrungen
Wolfgang Schäuble
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:41:02 „Ich habe dieser Tage mit Wolfgang Schäuble gesprochen. Das war sehr interessant. Er hat in seinem letzten Buch, glaube ich, Grenzerfahrungen heißt es, sehr lesenswert, weil vieles, was er da beschreibt, das ist ein Jahr vor dem Krieg entstanden, er liest sich wirklich wie eine düstere Prophezeiung.“
Lanz empfiehlt Schäubles Buch 'Grenzerfahrungen' als besonders lesenswert, weil es ein Jahr vor dem Ukraine-Krieg erschien und sich im Rückblick wie eine düstere Prophezeiung lese. Er zitiert daraus die zentrale Frage: 'Wie viel von unserer Moral sind wir bereit zu opfern für unsere Sicherheit?' – und nutzt sie als Argument gegen eine rein moralisch geführte Außenpolitik.