Lanz & Precht – Ausgabe Sechsundsechzig
#066

Ausgabe Sechsundsechzig

Lanz & Precht / 09. Dezember 2022 / 9 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Zur Halbzeit der WM in Katar ist Sportjournalist Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung zu Gast, der seit Jahren die Machenschaften der FIFA durchleuchtet. Bevor es um die großen Themen geht, erzählt Richard David Precht von seinem unfreiwilligen Besuch in der FIFA-Kantine in Zürich — inklusive echtem Weltpokal, absurden Trüffelmengen und einer Atmosphäre wie beim Tanz der Vampire. Thomas Kistner ordnet dann ein auffälliges Novum dieser WM ein: noch nie haben unsichtbare Videoschiedsrichter so viele Millimeter-Entscheidungen getroffen und für rekordverdächtige Nachspielzeiten gesorgt.

„Es waren mehr Trüffeln als Nudeln. Also ich habe noch nie, ich dachte, was ist das für ein Restaurant, wo so viele Trüffeln darüber gerieben werden.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (9)

FIFA-Dossier in der Süddeutschen Zeitung
Artikel

FIFA-Dossier in der Süddeutschen Zeitung

Thomas Kistner

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:19:45 „Thomas, lass uns doch mal bitte, ich habe euer Stück dazu, wirklich großartiges Stück, habe ich schon mehrfach empfohlen, tue ich auch jetzt gern nochmal, in der Süddeutschen zu lesen. Wie ein Krimi.“

Markus Lanz empfiehlt das investigative Dossier von Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung über die FIFA und die Vergabe der WM 2022 an Katar. Er beschreibt es als krimiartiges, rechercheintensives Stück, das mit einem ominösen Flug beginnt. Richard David Precht bestätigt die Qualität und nennt es ein 'richtiges Dossier'.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Spiegel-Artikel über Jack Warner
Artikel

Spiegel-Artikel über Jack Warner

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:33 „Von dem man sagte, dass der Spiegel, glaube ich, schrieb, dass er noch auf dem Sterbebett die Hand aufhält.“

Im Gespräch über die systematische Korruption in der FIFA erwähnt Richard David Precht einen Spiegel-Artikel über Jack Warner, den legendären FIFA-Funktionär aus Trinidad und Tobago. Das Zitat charakterisiert Warner als Inbegriff der Sportkorruption.

Zum Artikel bei Spiegel
Buch über FIFA-Korruption
Buch

Buch über FIFA-Korruption

Thomas Kistner

🗣 Thomas Kistner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:30:36 „Also der CONCACAF Generalsekretär hat im Trump Tower, Trump Tower, das kostet ein bisschen was, auch damals schon, unten irgendwo, was weiß ich, vielleicht 20. oder 30. Stock, die Büros seiner CONCACAF-Stelle gehabt und ein bisschen weiter oben hat er gewohnt. Und die Leute, ich habe damals auch für ein Buch mit jemandem gesprochen, der da gearbeitet hatte, die haben eigentlich großen Teils am Trump Tower gesessen und haben Bingo gespielt am Computer, hatten nichts zu tun.“

Kistner erwähnt im Zusammenhang mit Chuck Blazers absurdem Lebensstil im Trump Tower, dass er für eines seiner Bücher mit einem ehemaligen Mitarbeiter der CONCACAF gesprochen hat. Die Recherche lieferte ihm Einblicke in den dysfunktionalen Alltag des Verbands.

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Der Pate
Film

Der Pate

Francis Ford Coppola

🗣 Thomas Kistner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:29 „So, und die Amis haben mit ihm einen Deal gemacht, wie man das ja da gerne macht. Du kannst jetzt aussuchen. Wir haben ihm ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen konnte. Das berühmte Angebot, er hat es auch nicht abgelehnt.“

Kistner zitiert die ikonische Formulierung aus 'Der Pate', um den Deal zu beschreiben, den das FBI Chuck Blazer anbot: Entweder 35 Jahre Gefängnis oder Zusammenarbeit als Informant mit verwanztem Schlüsselbund. Die Filmreferenz unterstreicht die Parallelen zwischen organisierter Kriminalität und FIFA-Strukturen.

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Meuterei auf der Bounty
Film

Meuterei auf der Bounty

🗣 Thomas Kistner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:41:06 „Und nochmal eine Woche später sind alle bis auf die genannten drei, Juventus, Real und Atletico, gekommen und haben enorme Geldbußen akzeptiert und haben unterschrieben bei der UEFA, beim Europaverband, dass sie sich nie wieder an sowas beteiligen werden. An der Meuterei auf der Bounty sozusagen.“

Kistner nutzt die Referenz zur 'Meuterei auf der Bounty', um den gescheiterten Versuch der europäischen Spitzenklubs zu beschreiben, mit der Super League gegen die UEFA zu rebellieren. Wie bei der historischen Meuterei wurden die meisten Aufständischen schnell wieder eingefangen und mussten sich unterwerfen.

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SZ-Artikel über Infantinos USA-Reise
Artikel

SZ-Artikel über Infantinos USA-Reise

Thomas Kistner / Süddeutsche Zeitung

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:51:55 „Und wenn ich den Artikel, den ihr gemacht habt, richtig verstehe, fängt das alles 2016 an, als Gianni Infantino 2015 eine Reise in die USA macht, einen Flug nach New York, der unter falscher Etikette deklariert, irgendwo bei der UEFA, da war ja noch UEFA-Vizepräsidentin, Generalsekretär, falsch deklariert wird.“

Precht bezieht sich auf denselben SZ-Artikel bzw. dasselbe Dossier, das Kistners Recherche über Infantinos verdächtige USA-Reise 2015 dokumentiert. Der unter falschem Vorwand deklarierte Flug nährt den Verdacht, dass Infantino sich mit Vertretern der US-Justiz traf, um einen Deal auszuhandeln.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Panama Papers
Artikel

Panama Papers

Süddeutsche Zeitung / ICIJ

🗣 Thomas Kistner referenziert bei ⏱ 00:53:32 „Und erst als wir damals die Panama Papers im Zuge der Panama Papers auf diese Zahlung gestoßen sind, weil sie dummerweise über Panama gelaufen ist. Das war von einer völlig anderen Seite. Leben im Klischee.“

Kistner berichtet, dass im Rahmen der weltweiten Panama-Papers-Enthüllungen auch verdächtige Zahlungen im FIFA-Umfeld entdeckt wurden — konkret ein Vertrag der UEFA mit argentinischen Marketingfirmen, der über Panama abgewickelt wurde. Die Entdeckung kam also zufällig von einer völlig anderen Recherche-Seite.

Zum Artikel bei Icij.org
SZ-Dossier über die FIFA und die Rolle der USA
Artikel

SZ-Dossier über die FIFA und die Rolle der USA

Thomas Kistner / Süddeutsche Zeitung

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:58:22 „Empfehle nochmal wirklich mit Nachdruck das Dossier, dieses exzellente Dossier über die FIFA und dieses Missing Link sozusagen, die Rolle der USA. Das war bis dahin nicht so wirklich bekannt. Es ist atemberaubend, was ihr da herausgefunden habt.“

Lanz empfiehlt zum Abschluss eindringlich ein investigatives Dossier der Süddeutschen Zeitung, das Thomas Kistner mitverfasst hat. Es beleuchtet die bisher unbekannte Verbindung zwischen Infantinos USA-Reise und dem auffälligen Nachlassen der amerikanischen Ermittlungen gegen die FIFA — im Gegenzug für die WM-Vergabe 2026.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
SZ-Recherche über Schiedsrichter-Manipulation
Artikel

SZ-Recherche über Schiedsrichter-Manipulation

Thomas Kistner / Süddeutsche Zeitung

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:58:36 „Und das andere, die Rolle dieser Schiedsrichter im dunklen Keller, auch darüber habt ihr und werdet ihr weiter berichten. Das soll sehr bald erscheinen, auf jeden Fall während der WM.“

Lanz kündigt am Ende des Gesprächs eine weitere investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung an, die sich mit der Manipulation von Schiedsrichtern befasst. Kistner bestätigt, dass die Veröffentlichung während der laufenden WM geplant ist.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung