Ausgabe Zweiundsechzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Ausgehend von den Protesten im Iran diskutieren die beiden, wie digitale Technologien Diktaturen stärker gemacht haben als ihre Gegner. Ein Beispiel aus dem Buch von Adrian Geiges und Stephan Aust über Chinas Überwachungsstaat zeigt, wie Behörden einen Mann mit ausgeschaltetem Handy in der U-Bahn über den Nachbarn kontaktieren konnten — der feuchte Traum von Diktatoren, so Lanz. Richard David Precht erinnert daran, wie naiv der Westen das Internet als Freiheitstechnik gefeiert hat, während das Machtpotenzial auf der Gegenseite viel stärker wuchs.
„Wir haben das Internet als Freiheitstechnik gerühmt. Wir haben die digitalen Möglichkeiten als Freiheitstechnik gerühmt und haben nie gesehen, was auf der anderen Seite passiert.“
Erwähnte Medien (8)
Interview mit Ai Weiwei
Ai Weiwei
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:00:59 „Da habe ich ein Interview mit Ai Weiwei gelesen. Der hat einen interessanten Gedanken geäußert. Bei dem bin ich echt ins Krügeln gekommen. Er sagte, ihr habt nicht verstanden, dass diese Diktaturen, die nehmen sich eure Technik.“
Im Nachgang zur vorherigen Podcast-Folge über den Iran hat Markus Lanz ein Interview mit dem chinesischen Künstler und Dissidenten Ai Weiwei gelesen. Dessen These: Westliche digitale Technologie wird von Diktaturen als Überwachungsinstrument missbraucht – der feuchte Traum von Diktatoren werde Wirklichkeit.
Xi Jinping – der mächtigste Mann der Welt
Adrian Geiges und Stephan Aust
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:01:46 „Und es gibt dieses Buch von Adrian Geiges und Stephan Aust über China, in dem sie die Szene beschreiben, wie ein Mann während der Corona-Maßnahmen in Shanghai, glaube ich war es, in der U-Bahn sitzt und sein Handy aushat.“
Markus Lanz erzählt von einem Ai-Weiwei-Interview über digitale Überwachung in Diktaturen und greift dann zu diesem Buch, um die totale Überwachungsmacht des chinesischen Staates mit einer konkreten Szene zu illustrieren: Ein Mann in der U-Bahn wird über das Handy seines Nachbarn kontaktiert, weil der Staat ihn per Kamera identifiziert hat.
Buch von Johannes Hepp über Demütigungen
Johannes Hepp
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:06:55 „Ich habe neulich einen, ich glaube, Johannes Hepp heißt der Mann, ein Psychoanalytiker aus München. Der hat ein tolles Buch gemacht, muss ich mir nochmal in Ruhe ganz zu Gemüte führen. Der sagt, es gab so verschiedene Stufen von Demütigung.“
Im Gespräch über die Überforderung der Gesellschaft durch die Digitalisierung erwähnt Lanz ein Buch des Münchner Psychoanalytikers Johannes Hepp, der die klassischen Freudschen Kränkungen (Kopernikus, Darwin, Freud) um eine vierte ergänzt: Das iPhone weiß mehr als wir selbst. Lanz nimmt sich vor, das Buch noch ganz zu lesen.
Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse (Die drei Kränkungen der Menschheit)
Sigmund Freud
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:07:14 „Ja, das sind die klassischen Freudschen Kränkungen. Copernicus die erste, Darwin die zweite. Dass wir eigentlich nur ein weiterentwickelter Affe sind. Und Freud die dritte, dass unser Unterbewusstsein oder Unbewusstes uns regiert und nicht unser Verstand.“
Precht greift Lanz' Erwähnung des Buchs von Johannes Hepp auf und ordnet die dort beschriebenen Demütigungsstufen als die klassischen Freudschen Kränkungen ein – Kopernikus, Darwin, Freud. Diese stammen aus Freuds Essay von 1917. Hepp ergänze eine vierte: die digitale Kränkung durch das iPhone.
Süddeutsche-Zeitung-Bericht zum Berliner Unfall
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:12:14 „Ich habe das bei den Kollegen der Süddeutschen gelesen und auch anderswo.“
Lanz bezieht sich auf Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung zum Fall der verunglückten Radfahrerin in Berlin, die klärte, dass die Frau nicht wegen der Straßenblockade der Letzten Generation gestorben ist, sondern an den direkten Unfallfolgen.
Stern-Titelgeschichte über die Letzte Generation
Walter Willenweber
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:12:22 „Auch die Kollegen vom Stern, die gerade diese Woche die Titelgeschichte auch zu dem Thema machen übrigens, das ist interessant. Walter Bühnenweber, tolles Stück dazu geschrieben.“
Im Kontext der Diskussion über den Berliner Unfall und die Straßenblockaden der Letzten Generation verweist Lanz auf eine aktuelle Stern-Titelgeschichte von Walter Willenweber (von Lanz als 'Bühnenweber' ausgesprochen), die den Fall journalistisch aufarbeitet. Die Recherche zeigt, dass die Notärztin bereits vor dem Eintreffen des Spezialfahrzeugs auf weitere Maßnahmen verzichtet hatte.
Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat (Civil Disobedience)
Henry David Thoreau
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:18:28 „Aber das Interessante an zivilen Ungehorsam ist eben die berühmteste Schrift. Das ist die von Henry David Thoreau. Jetzt sind wir in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika. Auf jeden Fall war er ein leidenschaftlicher Verfechter des zivilen Ungehorsams. Dass er gesagt hat, es gibt eine Moral, die wichtiger und höher ist, als die Pflicht, die ich gegenüber dem Staat habe.“
Precht stellt Thoreaus Essay als die zentrale Rechtfertigungsschrift für zivilen Ungehorsam vor: Der Mensch ist zuerst seinem Gewissen und erst an zweiter Stelle dem Staat verantwortlich. Er ordnet den historischen Kontext ein – Thoreaus Kampf gegen Sklaverei und den Mexiko-Krieg – und merkt an, dass die genauen Umstände seiner Steuerverweigerung historisch umstritten sind.
Interview mit alter Frau aus Madagaskar
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:48:06 „Vielleicht hat die alte Frau auf Madagaskar recht, die ich neulich im Deutschlandfunk hörte. Die sagte auf die Frage, warum es denn so wenig regnet. Das hat damit zu tun, dass wir Menschen uns nicht mehr richtig lieb haben.“
Als Schlusswort der Episode zitiert Lanz eine Frau aus Madagaskar, die er in einem Deutschlandfunk-Beitrag gehört hat. Ihr einfacher Satz – der Regen bleibe aus, weil die Menschen sich nicht mehr lieb haben – dient als emotionaler Abschluss der Diskussion über Klimawandel und globale Verantwortung.