Ausgabe Sechzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Wenige Wochen vor der Fußball-WM in Katar stellt sich die Frage, ob man angesichts von Krieg in der Ukraine, Energiekrise und einem autokratischen Gastgeberland überhaupt mitfiebern kann. Richard David Precht zieht eine Parallele zu 1991, als Köln aus Betroffenheit über den Zweiten Golfkrieg den Karneval ausfallen ließ — obwohl die heutige Weltlage ungleich dramatischer sei.
„Eine Fußball-Weltmeisterschaft in der Wüste, in einem Land, in dem Falkenjagd höher im Kurs steht als Fußball, in einer Autokratie, die Terrorismus und Kriege finanziert.“
Erwähnte Medien (9)
The Life of Reason
George Santayana
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:07:21 „Das ist ein alter philosophischer Gedanke von einem Philosophen namens George Santayana, den ich sehr schätze, den heute keiner mehr kennt. Und der hat das vor 100 Jahren schon festgestellt. Und der hat damals schon vermutet, dass der Sport, insbesondere der Fußball, zumindest in Mittel- und Westeuropa an die Stelle von Kriegen irgendwann treten könnte.“
Precht erläutert seine These, dass Fußball als zivilisatorischer Ersatz für Krieg fungiert, und schreibt diesen Gedanken dem Philosophen George Santayana zu, der dies vor rund 100 Jahren in seinen Schriften formuliert habe. Die Zuordnung zum Hauptwerk 'The Life of Reason' ist eine begründete Vermutung, da Santayana dort Kultur und Zivilisation als Sublimierung von Instinkten behandelt.
Western von gestern
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:08:47 „Wenn heute einer gefault wird, dann schlägt er die Hände vor das Gesicht und rollt sechsmal über den Boden, wie diejenigen, die früher in diesen Serien Western von gestern erschossen wurden. Wenn da einer erschossen wurde, dann fiel der theatralisch um und wälzte sich noch fünfmal vor sich hin.“
Precht vergleicht das theatralische Fallen heutiger Fußballspieler nach Fouls mit den übertriebenen Sterbeszenen in der alten TV-Westernserie. Die Serie dient als humorvolle Analogie, um zu zeigen, wie sich die Fußballkultur verändert hat — vom harten Spiel hin zur Schauspielerei auf dem Platz.
Baywatch
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:44 „Das wiederum erinnert mich an Baywatch. Ich hatte mal ein sehr lustiges Gespräch mit David Hasselhoff. Er sagte mir, was die Wahrheit ist, wir hatten immer zu wenig Handlung. Und wir mussten die Zeit dann strecken.“
Lanz erzählt eine Anekdote aus einem persönlichen Gespräch mit David Hasselhoff, der ihm den wahren Grund für die berühmten Zeitlupenszenen in Baywatch verriet: nicht Ästhetik, sondern zu wenig Handlung. Die Zeitlupe wurde als Gegenstück zu den überschnellen Western von gestern beschrieben — Zeitraffer versus Zeitlupe.
Buch über Campingurlaub
Bettina Tietjen
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:57 „Christian Lindner trifft auf Luisa Neubauer, David Hasselhoff und Bettina Tietjen. Tolle Kombi. Bettina Tietjen, die ein Buch mitgebracht hatte über Campingurlaub. Ein sehr lustiges Buch über Campingurlaub.“
Lanz erzählt eine Anekdote aus einer seiner TV-Sendungen, in der eine denkwürdige Gästekonstellation aufeinandertraf. Bettina Tietjens Buch über Campingurlaub wird nur beiläufig als Teil dieser Szenerie erwähnt, der eigentliche Fokus liegt auf der Hasselhoff-Lindner-Konfrontation.
Knight Rider
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:10:46 „Und irgendwann konnte der Night Rider nicht mehr anders und hat ihn einfach komplett überfahren. Es war unvorstellbar. Plötzlich brach es aus ihm heraus und der ging ihn so frontal an.“
Markus Lanz erzählt eine Anekdote über David Hasselhoff in seiner Talkshow. Er nennt Hasselhoff scherzhaft 'den Night Rider' – eine Anspielung auf dessen berühmte Serienrolle –, als dieser sich entgegen dem Rat seiner Freundin doch in eine politische Diskussion mit Christian Lindner einmischte.
Katar – Geld, Macht und Fußball
Sebastian Sons
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:12:24 „Und mich hat, ich habe es ja eben schon gesagt, die Lektüre des Buches von Sebastian Sohnster sehr interessiert, ins Grübeln gebracht und hat mir halt eben wieder gezeigt, wie scheinheilig wir an vielen Stellen sind.“
Markus Lanz bezieht sich auf das Buch des Nahostexperten Sebastian Sons über Katar, das er offenbar im Vorfeld der Sendung gelesen hat. Das Buch bildet die inhaltliche Grundlage für weite Teile des Gesprächs – vom Kafala-System über die Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter bis hin zur Ambivalenz westlicher Doppelmoral gegenüber Katar. Lanz betont, dass ihn die Lektüre ins Grübeln gebracht und ihm die Scheinheiligkeit der westlichen Kritik vor Augen geführt habe.
Buch über Fußball-WM in Katar
Sebastian Sohns
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:18:43 „Toller Typ, ein toller Erzähler, sehr druckvoll, der ein wirklich gutes Buch geschrieben hat über dieses Thema. Hat sich lange in der Golfregion, speziell auch in Katar und so weiter aufgehalten und kennt diese ganzen Geschichten. Und was ich interessant fand war, und es war so ein kleiner Moment auch der Erlösung, die Lektüre dieses Buches, Sebastian Sohns schafft es eben auf diese Grautöne auch wirklich einzugehen.“
Lanz empfiehlt das Buch des Islamwissenschaftlers und Fußballfans Sebastian Sohns, der die Grautöne der WM-Debatte beleuchtet. Sohns räumt laut Lanz mit pauschalen Zahlen über Tote auf Baustellen auf, die auf einen Guardian-Bericht zurückgehen, und zeigt die Scheinheiligkeit der Debatte — etwa dass sich niemand für Arbeitsbedingungen in der Golfregion interessiert hätte ohne die WM.
Bericht über Tote auf WM-Baustellen in Katar
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:19:11 „Also offenkundig scheint es so zu sein, dass auf diesen Baustellen, die speziell Stadien und so weiter sind, sehr, sehr viele Fortschritte gemacht worden sind. Hat damit ein paar Dinge mal aufgeräumt und zum Beispiel mit diesen Zahlen, die da immer kursieren über die unglaublich vielen Toten, die offensichtlich zurückgehen auf einen Bericht im Guardian vor Jahren schon und die aber alle so nicht wirklich zu verifizieren sind.“
Lanz verweist auf einen Guardian-Bericht, der die vielzitierten Todeszahlen auf katarischen WM-Baustellen ins Rollen brachte. Sebastian Sohns habe in seinem Buch gezeigt, dass diese Zahlen nicht wirklich verifizierbar seien und die tatsächliche Lage auf den WM-Baustellen differenzierter betrachtet werden müsse.
Doppelpass
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:58 „Uli Hoeneß hatte ja eine, wie soll man sagen, gerade mit Andreas Rettig, eine fernmündliche Kollision. Er hat sich ja beim Doppelpass zugeschaltet, sich selber zugeschaltet und hat losgepoltert.“
Lanz berichtet über einen Vorfall in der Sport1-Talkshow 'Doppelpass', bei dem sich Uli Hoeneß per Telefon einschaltete und Andreas Rettig als 'König der Scheinheiligen' bezeichnete, weil dieser die Arbeitsbedingungen in Katar kritisiert hatte.