Lanz & Precht – Ausgabe Achtundfuenfzig
#058

Ausgabe Achtundfuenfzig

Lanz & Precht / 07. Oktober 2022 / 17 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Precht arbeitet an seinem vierten Band Philosophiegeschichte und erzählt von Antonio Gramsci, dem italienischen Denker, der in Mussolinis Gefängnissen seine bahnbrechende Theorie der Hegemonie entwickelte — unbemerkt von den Wärtern, die seine Schriften für Unsinn hielten. Daraus entspinnt sich ein Gespräch über die Natur von Macht, das Lanz mit einer Anekdote von Dimitri Glukhovski vertieft: Der russische Bestseller-Autor beschreibt, wie Putins gesamte Herrschaft auf der Inszenierung durchs Fernsehen beruht — von exakt vorgeschriebenen Kamerapositionen bis zu bewaffneten Wachen in Moskauer Studios.

„Der einzige Grund, warum das irgendwann mal aus dem Gefängnis geschmuggelt werden konnte, war, dass es keiner ernst genommen hat, weil die Wärter das nicht verstanden haben. Und gedacht haben, der schreibt den ganzen Tag nur Quatsch.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (17)

Philosophiegeschichte
Buch

Philosophiegeschichte

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:00:30 „Ach, ich schreibe gerade an meiner Philosophiegeschichte weiter. Vierter Band, lang und umfangreich, mit immer schwierigeren Sachen.“

Precht berichtet zu Beginn des Gesprächs über seine aktuelle Arbeit am vierten Band seiner Philosophiegeschichte-Reihe. Das Werk wird als besonders umfangreich und inhaltlich anspruchsvoll beschrieben.

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Gefängnishefte (Quaderni del carcere)
Buch

Gefängnishefte (Quaderni del carcere)

Antonio Gramsci

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:00:48 „Antonio Gramsci war ein italienischer Politiker und Journalist, 20er Jahre, und er hat der dann für zehn Jahre ins Gefängnis geworfen wurde von Mussolini und dort tausende von Seiten vollgekritzelt hat und dessen wichtigste Theorie darin besteht, subtil über Macht nachzudenken. Von ihm stammt der Begriff Hegemonie.“

Precht erzählt, dass er gerade für den vierten Band seiner Philosophiegeschichte über Antonio Gramsci schreibt. Er beschreibt Gramscis Gefängnisschriften, die im Gefängnis unter Mussolini entstanden und nur überlebten, weil die Wärter sie für Unsinn hielten. Die Schriften behandeln Gramscis Hegemonietheorie – wie Macht tatsächlich funktioniert.

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Metro 2033
Buch

Metro 2033

Dmitri Glukhowski

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:02:26 „Dimitri Glukhovski. Kennst du vielleicht, Science-Fiction-Autor, hat drei Millionen Bücher verkauft, allein von Metro 2033, ist eine ganze Reihe und jetzt hat er ein neues Buch gemacht, das kommt demnächst Geschichten aus der Heimat veröffentlicht.“

Lanz stellt den russischen Schriftsteller Glukhowski vor, der bei ihm in der Sendung war. Metro 2033 wird als dessen Bestseller mit drei Millionen verkauften Exemplaren genannt, bevor Lanz auf Glukhovskis Beobachtungen über Putins Machtverständnis und die Rolle des Fernsehens überleitet.

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Geschichten aus der Heimat
Buch

Geschichten aus der Heimat

Dmitri Glukhowski

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:26 „Kennst du vielleicht, Science-Fiction-Autor, hat drei Millionen Bücher verkauft, allein von Metro 2033, ist eine ganze Reihe und jetzt hat er ein neues Buch gemacht, das kommt demnächst Geschichten aus der Heimat veröffentlicht.“

Lanz erwähnt Glukhovskis neues Buch als Anlass für dessen Besuch in seiner Sendung. Das Buch wird als bald erscheinend angekündigt, bevor das Gespräch sich auf Glukhovskis Einblicke in Putins Machtsystem konzentriert.

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Die vierte Gewalt
Buch

Die vierte Gewalt

Richard David Precht / Markus Lanz

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:08:46 „Ja, und es war ja im Grunde genommen so, dass sich das bestätigt hat, was wir im Buch geschrieben haben, dass unsere Leitmedien nicht so richtig trainiert darin sind, mit Kritik umzugehen. Und dass natürlich als erstes in so einer Zeit die Verletzten und die Wütenden sich zu Wort melden.“

Precht und Lanz diskutieren ausführlich die Reaktionen auf ihr gemeinsames Buch über Medien und Journalismus. Sie sprechen über einen Talkshow-Auftritt, bei dem es zum Schlagabtausch kam, und verteidigen ihr Anliegen: Das Buch sei kein Angriff auf Journalismus, sondern ein Plädoyer für konstruktive Medienkritik in Krisenzeiten.

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Pflicht (Von der Pflicht)
Buch

Pflicht (Von der Pflicht)

Richard David Precht

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:33 „Also das erste Thema, ich hatte das auch in meinem Buch über die Pflicht geschrieben, dass ich mal beim Beispiel von Corona erklärt habe, dass es tatsächlich wesentlich gefährlicher ist, Corona, als vieles, wofür die Leute sich mehr fürchten normalerweise.“

Im Kontext einer Diskussion über irrationale Risikowahrnehmung verweist Precht auf sein früheres Buch über Pflicht, in dem er anhand von Corona die Diskrepanz zwischen tatsächlichen Gefahren und subjektiver Angst analysiert hatte – etwa die irrationale Angst vor Insektenstichen oder Haiangriffen im Vergleich zu realen Risiken.

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Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne
Buch

Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne

Ulrich Beck

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:26:40 „So ein bisschen wie hier der berühmte Soziologe Ulrich Beck in Risikogesellschaft, das er nicht so beschrieben hat. Dass du eigentlich das Gefühl hast, du sitzt da so wie so ein Kaninchen in der Schlange und irgendwann macht es Kawoom und dann liegt alles in Schutt und Asche und du kannst nichts dagegen tun.“

Lanz bezieht sich auf Ulrich Becks Konzept der Risikogesellschaft, um die aktuelle Angst vor einem Atomkrieg einzuordnen. Er nutzt das Buch als Kontrastfolie: Beck beschrieb das Gefühl der Hilflosigkeit, aber Lanz argumentiert, dass die Menschheit nach Hiroshima eigentlich bewiesen hat, dass sie mit Atomwaffen umgehen kann – bis jetzt.

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Der schwarze Schwan
Buch

Der schwarze Schwan

Nassim Nicholas Taleb

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:32:01 „Und da muss ich an dieses kluge Buch von Nassim Taleb denken, Der schwarze Schwan. Der Einsatz von Atomwaffen wäre nach Taleb übrigens kein schwarzer Schwan.“

Precht bringt Talebs Konzept des schwarzen Schwans in die Diskussion über nukleare Risiken im Ukraine-Krieg ein. Er erklärt, dass ein Nukleareinsatz kein völlig undenkbares Ereignis (schwarzer Schwan) sei, sondern ein 'grauer Schwan' — unwahrscheinlich, aber durchaus möglich. Lanz ergänzt begeistert ein Zitat aus dem Buch und nennt es 'ein wirklich großartiges Buch'.

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A General History of Birds
Buch

A General History of Birds

John Latham

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:34:03 „Bis 1780, das dann offiziell in einem ornithologischen Lehrbuch von Herrn Lethem, ich habe das Buch zu Hause, anerkannt wurde, dass es tatsächlich schwarze Schwäne gibt.“

Precht erwähnt im Rahmen seiner Erzählung über die Geschichte des schwarzen Schwans ein ornithologisches Lehrbuch von John Latham, das 1780 erstmals die Existenz schwarzer Schwäne offiziell anerkannte. Er betont, dass er das Buch selbst besitzt.

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Artikel von Bernd Ulrich
Artikel

Artikel von Bernd Ulrich

Bernd Ulrich

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:36:54 „Pass auf, Bernd Ulrich, sehr kluger Autor der Zeit, auch interessanter Satz, der sagt, weil es nie wieder so sein wird, wie es war, wird die Politik damit aufhören müssen, das Gewohnte als ein Anrecht zu behandeln, und zwar einfach nur deswegen, weil sie dieses Recht nicht mehr gewährleisten kann.“

Lanz zitiert den ZEIT-Autor Bernd Ulrich mit einer pointierten These: Die Politik könne das Gewohnte nicht mehr als Anrecht behandeln, weil sie es nicht mehr gewährleisten könne. Precht ordnet das Zitat ein und verbindet es direkt mit Ulrich Becks Risikogesellschaft.

Zum Artikel bei ZEIT Online
Psycho
Film

Psycho

Alfred Hitchcock

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:40:25 „Der sagt, das ist ein bisschen wie in so einem Hitchcock-Film. Solange sich nur so der Duschvorhang bewegt und du den Mörder, der da rumschleicht, nicht siehst, hast du wahnsinnige Angst. Aber in dem Moment, wo der Vampir sozusagen den Raum betritt und du siehst, wie dieser Vampir aussieht, verliert er dann auch seinen Schrecken.“

Markus Lanz gibt die Analogie von Stefan Grünewald (Rheingold-Institut) wieder, der das Umgehen mit der atomaren Bedrohung mit einer Hitchcock-Szene vergleicht. Die Duschvorhang-Szene ist eine eindeutige Referenz auf Hitchcocks Film Psycho (1960).

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Artikel über atomare Bedrohung
Artikel

Artikel über atomare Bedrohung

Georg Mascolo

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:45:26 „Auch Georg Maskolo hat dieser Tage in der SZ darüber geschrieben. Fand ich interessant. Sagt, da gibt es plötzlich wieder diese atomare Bedrohung. Die kommt jetzt mit Macht zurück. Aber es lohnt sich daran zu erinnern, dass bei aller Zuspitzung die große Auslöschung stets verhindert worden ist.“

Lanz verweist auf einen aktuellen Artikel von Georg Mascolo in der Süddeutschen Zeitung, der die Rückkehr der atomaren Bedrohung thematisiert, aber gleichzeitig daran erinnert, dass trotz aller Zuspitzungen ein Atomkrieg bisher immer verhindert wurde. Lanz nutzt den Artikel als Argument für die Wirksamkeit bestehender Regelwerke.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung
Terminator
Film

Terminator

James Cameron

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:56:19 „Also von Menschen, die Angst hatten, dass Roboter sich irgendwann gegen die Menschheit richten. So als zu sagen, der größte Apokalypse, das wäre eher der Schwarze Schwan. Das ist eher Schwarzenegger, heißt das ja.“

Im Gespräch über die Risiken künstlicher Intelligenz und Szenarien, in denen Roboter sich gegen die Menschheit wenden, macht Lanz einen Witz mit Bezug auf Schwarzenegger – eine klare implizite Referenz auf die Terminator-Filmreihe.

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Strawberry Fields Forever
Musik

Strawberry Fields Forever

The Beatles

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:57:21 „Dann würden diese Roboter nicht rasten noch ruhen, bis die ganze Welt in ein einziges Erdbeerfeld verwandelt ist. Strawberry Fields forever.“

Precht zitiert den Beatles-Titel als humorvolle Pointe nach dem Elon-Musk-Gedankenexperiment über eine KI, die darauf programmiert ist, Erdbeerfelder anzulegen und nicht aufhört, bis die ganze Welt ein Erdbeerfeld ist. Der Songtitel wird als ironischer Kommentar eingesetzt.

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Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies
Buch

Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies

Nick Bostrom

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:57:40 „Es gibt ein anderes Beispiel, was Nick Bostrom bringt. Da geht es eben um Büroklammern. Bis alles auf der Welt zu Büroklammern verarbeitet ist. Also diese Szenarien.“

Precht referenziert Bostroms berühmtes Büroklammer-Gedankenexperiment aus 'Superintelligenz', um die Gefahr außer Kontrolle geratener KI-Systeme zu illustrieren. Er stellt es neben Elon Musks Erdbeerfeld-Beispiel als Szenario einer KI, die ein harmloses Ziel verfolgt, aber mangels Begrenzung katastrophale Folgen hat. Precht ordnet solche Szenarien als 'dunkelgraue Schwäne' ein – nicht naheliegend, aber nicht ausgeschlossen.

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Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne
Buch

Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne

Ulrich Beck

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:58:30 „Und es ist klar, je weiter die technische Entwicklung geht, umso extremer wird die Risikogesellschaft.“

Precht verwendet durchgängig Ulrich Becks Schlüsselbegriff der 'Risikogesellschaft', um seine Argumentation über technologische Risiken zu rahmen. Das Konzept durchzieht die gesamte Diskussion über KI-Gefahren, Atomenergie und die Unterscheidung zwischen selbstgeschaffenen Risiken und natürlichen Gefahren.

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Interview mit Ulrich Beck
Artikel

Interview mit Ulrich Beck

Ulrich Beck

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:58:46 „Das ist interessant. Weißt du, zum Schluss ein tröstlicher Gedanke, das sagt Beck irgendwo in einem Interview, vielleicht total interessant. Die Frage, welches Risiko du bereit bist zu gehen und auch was du als riskant empfindest oder auch als Gefahr empfindest, ist natürlich auch eine kulturelle Sache.“

Lanz referenziert ein nicht näher benanntes Interview mit Ulrich Beck, in dem dieser die kulturelle Bedingtheit von Risikowahrnehmung betont. Beck bringe das Beispiel eines armen Afrikaners, der über westliche Ängste lache, weil er täglich um das Überleben seiner Familie kämpfe. Lanz nutzt dies als tröstlichen Schlussgedanken der Folge.

Zum Artikel bei Deutschlandfunk